Leserstimmen zu
Der Schatten des Galiläers

Tony Schreiber

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Neuer Zugang zu einem Klassiker

Von: Jan Quenstedt aus Leipzig

04.07.2013

Gerd Theißens Werk "Der Schatten des Galiläers" ist zweifelsohne ein Klassiker. Nun liegt es als graphic novel mit phantastischen Zeichnungen von Tony Schreiber vor. Das Konzept überzeugt: Die Illustrationen sind ausdrucksstark und ziehen den Leser von der ersten Seite an in ihren Bann. Gleichzeitig eröffnen sie noch einmal einen anderen Zugang zu Theißens Geschichte. Ein Aspekt aber muss kritisch angemerkt werden: Theißen verbindet in der Originalausgabe seines Bestsellers eine fiktive Rahmenhandlung mit der Geschichte und der Zeit Jesu Christi, die er anhand der biblischen Überlieferungen entfaltet. Dabei reflektiert Theißen auch Methoden und Erkenntnisse der neueren exegetischen Forschung. Zu diesem Zweck fügt er zwischen den einzelnen Kapiteln einen fiktiven Briefwechsel mit einem ebenfalls fiktiven Fachkollegen ein. Diese Briefe fehlen leider in der graphic novel - was m.E. ein Manko darstellt. Ohne Frage ist die Geschichte damit immer noch spannend und packend - aber es geht ihr leider ein Aspekt verloren: Die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnis in erzählender Form. Kritisch gibt der Verfasser sich und seinen Lesern in den Briefen Rechenschaft über sein Vorgehen und die Schlüsse, die er daraus zieht. Diese Reflexionen ermöglichen dem Leser einen noch tieferen Zugang zur Thematik der theologischen Forschung. Somit stellt die graphic novel eine gelungene Anregung dar, sich intensiver mit der Geschichte und dem Werk Jesus von Nazareth zu beschäftigen. Sie ist jedem empfohlen, der sich einen ersten narrativen Zugang zur Zeit und Umwelt Jesu verschaffen will. Wer Gefallen am Stil der Erzählung gefunden hat, dem sei die Originalausgabe zur weiteren Lektüre empfohlen. Sie eröffnet dem Leser weitere Aspekte der ewig aktuellen Botschaft des Galiläers.

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Eine ansehnliche Erzählung!

Von: Friederike Erichsen-Wendt aus Nidderau

22.06.2013

Neben der Printausgabe und einer Produktion als Hörspiel liegt Gerd Theißens Klassiker „Der Schatten des Galiläers“ nun, 27 Jahre nach der Erstausgabe, als Graphic Novel vor. Der Illustrator und Graphiker Tony Schreiber hat sich der Herausforderung gestellt, die Erzählung von Andreas, der in die politische Gemengelage Galiläas im ersten Jahrhundert n.Chr. gerät und darin auf die Jesusbewegung stößt, für Erwachsene ins Comicformat zu übersetzen. Sowohl der ursprüngliche Autor, emeritierter Professor für Neues Testament an der Universität Heidelberg, als auch Tony Schreiber, stehen damit in gut protestantischer Tradition, biblische Texte in die je aktuellen Rezeptionsformate ihrer AdressatInnen zu transformieren. Der Aufbau folgt weitgehend, aber nicht durchgängig, der ursprünglichen Kapiteleinteilung. Auf je maximal zehn Seiten mit überwiegend halb- oder drittelseitigen Illustrationen wird die Erzählung ins Bild gesetzt. Jedes Kapitel hat einen Einleitungstext, der hauptsächlich die Funktion hat, die Handlung voranzutreiben. Eine wesentliche Stärke des Buches liegt darin, das, was an Text reduziert ist, durch die Graphiken zum Ausdruck zu bringen. Dies überzeugt vor allem in Szenen, die von hoher Dynamik geprägt sind oder starke emotionale Gehalte zum Ausdruck bringen. Es lohnt also, bei den Bildern zu verweilen – nicht nur, weil der Schriftsatz rasches Lesen verbietet, sondern vor allem, da weite Teile der umgesetzten Erzählung sich in ausdrucksstarken Gesichtszügen verbergen. Einige der in der ursprünglichen Erzählung, die ja vorrangig das Leben Jesus und seiner AnhängerInnen im Kontext der sozialen und religiösen Wirklichkeiten des antiken Palästina veranschaulichen will, verarbeiteten Informationen finden sich im Glossar, das für LeserInnen, die mit der neutestamentlichen Zeitgeschichte nicht so vertraut sind, möglicherweise besser am Anfang stünde. Dass die wissenschaftstheoretische Rahmenhandlung („Briefe an Herrn Kratzinger“) fehlt, empfindet die Rezensentin als ausgesprochen misslich. Auch wenn der zeitliche Abstand zur Erstveröffentlichung einige Voraussetzungen des Autors verdeutlicht und manche Frontstellungen zwischenzeitlich obsolet geworden sind, gehört diese Offenlegung aus eigener Feder doch wohl zum ursprünglichen Erzählkonzept. Auch, ob die graphic novel nicht für die interessierte Leserin um Angaben zu den Quellen der Geschichte Jesu ergänzt werden sollte sowie um einige aktuelle Literaturhinweise „zum Weiterlesen“, sollte bei einer zweiten Auflage bedacht werden. Freilich ist die Geschichte von und um Andreas auch aus sich heraus verständlich, wenngleich der Einstieg so vergleichsweise unvermittelt ist. Aber die Aufmerksamkeit des Betrachters wird belohnt – wer Freude am Genre hat, wird nicht enttäuscht sein.

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