Leserstimmen zu
Der Scharfrichter - Ein Henkersleben im Nürnberg des 16. Jahrhunderts

Joel F. Harrington

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Mit makabrer Neugierde fängt man an, dieses Buch zu lesen. Schnell allerdings findet man sich im realen sechzehnten Jahrhundert wieder und merkt, wie überzeichnet und erfunden die meisten Romane es darstellen. Joel Harrington beschreibt das Leben von Meister Frantz, Scharfrichter in Nürnberg von 1573 bis 1617, aber er beschreibt gleichzeitig die Gesellschaft, die solche Scharfrichter brauchte. Die nüchternen, meist lakonisch kurzen Tagebucheinträge von Frantz Schmidt ergänzt Harrington durch Daten aus Gerichtsprotokollen und dem Stadtarchiv. So erfahren wir, was dem Scharfrichter wichtig war, und was er aus seinen Einträgen wegließ, was er wahrscheinlich dachte und fühlte. Joel Harrington schreibt verständlich und übersetzt die Tagebucheinträge des Scharfrichters, Arztes und Autodidakten Franz Schmidt nicht nur in heutiges Deutsch, sondern auch in unsere Gedankenwelt. Gleichzeitig erzählt er die spannende Lebensgeschichte eines Mannes, der seine verlorene Familienehre wiederherstellen will, damit seine Söhne einen anderen Beruf ergreifen können, als ihr Vater auszuüben gezwungen war. Am Ende schließt Harrington über Meister Frantz und sein Tagebuch: Sein Leben birgt in Wirklichkeit keine eindeutige Moral für unsere Zeit. Vielmehr müssen wir uns darauf beschränken, die Freuden und Enttäuschungen eines Mannes innerhalb des Kontexts seiner eigenen Welt zu teilen. Dies ist Joel Harrington gelungen.

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Schon Titel, Klappentext und Buchcover haben mich sehr neugierig auf dieses Buch gemacht. Da ich historisch sehr interessiert bin, war ich schon sehr gespannt, wie der Historiker Joel F. Harrington über den unehrbaren, geächteten Beruf des Henkers schreiben würde, noch dazu interessierte ich mich sehr für die historischen Quellen um Meister Frantz. Das Buchcover passt meiner Meinung nach bestens zum Inhalt des Buches. Es ist doch eher schlicht gehalten, enthält aber nichts Reißerisches wie etwa Blut. Auf einem Holzboden liegt vor schwarzem Hintergrund ein Schwert, von dem man aber nur einen Teil, hauptsächlich den Griff, sieht. Das finde ich auch gut so, denn es geht hier ja auch um wahre Tatsachen, um einen sachlichen Bericht über eine historische Person und einen Berufsstand. Das Buch beginnt mit einem Vorwort, das einem auf den ersten Blick sehr lang erscheint, doch es ist auf jeden Fall ratsam und auch sehr interessant, dieses Vorwort zu lesen. Man erfährt darin über die Quellen und die Arbeitsweise des Historikers. Mich hat bereits das Vorwort regelrecht gefesselt und ich konnte das Buch kaum mehr aus den Händen legen. Die Informationen im Buch basieren auf echten Tagebuchaufzeichnungen des Henkers Meister Frantz. Aussagekräftige Bilder, etwa Ausschnitte aus Gemälden, unterbrechen den Lesefluss. So kann man dann gut innehalten und über das Gelesene und auch das Bild nachdenken. Das musste ich während des Lesens auch oft tun, denn das Buch macht schon oft sprachlos. Frantz Schmidt, der schon als Kind von seinem Vater langsam an den Henkersberuf herangeführt wurde, tötete in seiner Laufbahn fast 400 Menschen, viele andere wurden von ihm gefoltert. Mehr möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht über das Buch verraten. Ich persönlich fand es etwas seltsam, dass ich die Schauplätze oft wiedererkannte, da ich Nürnberg, die Arbeitsstätte von Meister Frantz, gut kenne. Zu wissen, wo genau all diese schrecklichen Dinge im 16. Jahrhundert geschehen sind, lässt mich heute nach der Lektüre mit anderen Augen durch Nürnberg laufen. Ein sehr gut recherchiertes, informatives Buch, das mich beim Lesen sofort gefesselt hat. Sehr gut kommt auch zum Ausdruck, dass Scharfrichter zwar töteten und folterten, aber eben auch Menschen mit Gefühlen waren. Oft erbte man den Beruf des Henkers von seinem Vater und wurde mehr oder weniger in dieses Amt von Kindesbeinen an mit eingeführt. Ich gebe diesem Buch volle Punktzahl: fünf Sternchen.

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