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Leserstimmen (9)

Sascha Arango: Die Wahrheit und andere Lügen

Die Wahrheit und andere Lügen Blick ins Buch

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€ 9,99 [D] inkl. MwSt.
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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-09031-9

Erschienen: 24.02.2014
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Inhaltlich und sprachlich ein Hochgenuss!

Von: Annette Traks Datum : 09.04.2015

www.annette-traks.com

Henry Hayden hat es als Schriftsteller zu beachtlichem Ruhm gebracht und kann ein überaus angenehmes Leben in Wohlstand führen. Sein neuester Roman ist auch schon so gut wie fertig, es fehlt nur noch der Schluss.
Einzige Schönheitsfehler: Er hat nicht eine Zeile der Werke, die unter seinem Namen veröffentlicht worden sind, selbst verfasst. Autorin ist in beiderseitigem Einvernehmen stets seine Ehefrau Martha gewesen – genau wie beim aktuellen Manuskript. Außerdem ist Betty, Henry's Lektorin und Geliebte, schwanger – und will das Kind unbedingt bekommen.

Henry zieht in Erwägung, seiner Frau Affäre und Schwangerschaft zu beichten, bevor sie selbst dahinterkommt. Doch andererseits ist sie die Garantin seines Erfolgs, daher beschließt er angesichts der möglichen Konsequenzen, Betty lieber aus dem Weg zu räumen.

Eine Gelegenheit ergibt sich schneller als gedacht, doch Henry unterläuft
ein fataler Fehler, der eine Reihe folgenschwerer Verstrickungen nach sich zieht. So manches Mal gerät er in Bedrängnis und erkennt sehr schnell, „dass man ihm glauben würde, solange er log. Nur mit der Wahrheit musste er sparsam und weise umgehen.“ (E-Reader, Pos. 1317). Denn „Herrgott im Himmel, dachte Henry, wenn ich die Wahrheit sage, glaubt mir keiner.“ (Pos. 1673)

Sein Schicksal bleibt bis zum Schluss spannend, fordert ein paar zum Teil drastische „Korrekturen“ und letztlich einen Neubeginn.

Resümee:
Nicht nur inhaltlich ist dies ein außergewöhnlicher Roman, sondern auch sprachlich ein Hochgenuss:
Der Autor kann mit Sprache exzellent umgehen, setzt sie subtil und pointiert ein. Dadurch entstehen Wendungen, die den Leser schmunzeln lassen; oft aber bleibt einem das Lachen buchstäblich im Halse stecken.

Ähnlich ambivalent erging es mir mit der Hauptperson Henry Hayden:
Einerseits ist er natürlich ein Hochstapler und Blender - man müsste ihn eigentlich unsympatisch finden, auch auf Grund der Einblicke in seine Vergangenheit. Andererseits aber zeigt er oft (allzu) menschliche Züge
und viel Herz.
Er ist ein Lebenskünstler, der aus schwierigen Situationen nicht nur das Beste zu machen versucht, sondern möglichst noch einen Nutzen für sich herausholt.
Ähnlich wie ein kleines Kind kann er seine Handlungen immer wieder vor sich und anderen rechtfertigen und den Kopf aus der Schlinge ziehen.
Je ambitionierter andere Personen dagegen auf der Suche nach der Wahrheit sind, um so größer wurde meine Antipathie ihnen gegenüber.

Der Ausgang ist lange nicht absehbar, denn immer wieder gibt es Wendungen und neue konfliktträchtige Verkettungen, meist als Fügung des Schicksals, unbewusst ausgelöst durch Personen aus Henry's nahem Umfeld.

Dabei wird das Geschehen in erster Linie aus seiner Perspektive erzählt, aber wir erfahren auch andere Sichtweisen – z.B. die von Betty und der Verlagssekretärin oder die des Fischhändlers Obradin. Jede Person lebt
in und mit ihrer eigenen Realität.

Sowieso dreht sich thematisch alles um die Gratwanderung aus Lüge und Wahrheit – und vor allem Henry scheint manchmal selbst nicht so recht zu wissen, auf welcher Ebene er sich gerade befindet; zu stark verschwimmen gelegentlich die Grenzen.

Fazit: Ein Roman, der meines Erachtens völlig zu Recht für den Friedrich-
Glauser-Preis des Syndikats – der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur – in der Sparte „Kriminalroman-Debüt nominiert worden ist. Die Bekanntgabe erfolgt am Donnerstag, dem 30. April.

Mitreißender Charakter, subtiler Humor

Von: Lesen ist Datum : 16.03.2015

lesenist.com

Dieses Buch steht schon eine Weile auf meiner Wunschliste und jetzt habe ich es endlich auch gelesen. Nach zwei Jahren bloggen habe ich mein erstes Rezensionsexemplar angefragt und auch bekommen, vielen Dank an das Bloggerportal!

Henry Hayden, der Protagonist, erfährt gleich am Anfang, dass seine heimliche Geliebte, Betty Hansen, ein Kind von ihm erwartet. Seine Begeisterung hält sich verständlicherweise in Grenzen und er fragt sich, wieso seine Frau Martha von ihm kein Kind bekommt. Betty ist seine Lektorin und eigentlich kann er sie nicht wirklich leiden. Ich auch nicht. Ich mochte sie von der ersten Seite an nicht. Henry ist ein Bestseller-Autor. Betty hat rein zufällig das erste Manuskript, das er an das kleine Verlagshaus Moreany geschickt hatte, entdeckt. Das war die Rettung für Claus Moreanys Verlag, und seither liefert Henry regelmäßig Bestseller ab. Er und seine Frau sind durch seine Bücher wohlhabend geworden, sind den ärmlichen Verhältnissen entkommen, leben ganz angenehm und eher zurückgezogen in einer kleinen Ortschaft irgendwo an einer Küste.

Eigentlich ist Henry glücklich in seiner Ehe aber, wie viele Männer, kann er das Fremdgehen nicht lassen. Trotzdem liebt er seine Frau und diese Liebe für sie habe ich als aufrichtig empfunden, auch wenn es das einzig wirklich Aufrichtige in seinem Leben ist. Und Martha liebt ihn, so wie er ist, mit all seinen Fehlern. Henry und Martha haben ein gemeinsames, großes Geheimnis, und solange kein anderer davon erfährt, lässt es sich wirklich gut leben. Er kann seine eitle, leicht angeberische Ader ausleben und seine Frau kann ihr bescheidenes, zurückgezogenes Leben führen. Henry ist mit dem serbischen Fischhändler Obradin Basari befreundet. Gerade in dieser Freundschaft erkennt man, dass Henry kein geiziger Mensch ist und auch nicht eingebildet, kommt er doch selbst aus sehr bescheidenen Verhältnissen.

Henry ist ein Protagonist, den ich nicht unsympathisch finde, obwohl das doch eher nahliegend wäre. Der Klappentext ist auch leicht irreführend, weil Henry sich keinesfalls vornimmt, ein Mord zu verüben wie angedeutet. Er begeht sehr spontan einen folgeschweren Fehler, der sein Leben für immer verändern wird, unwiderruflich. Dieser Fehler zieht einfach andere Handlungen nach sich. Für mehr als die Hälfte des Buches war es wirklich schwer für mich ihm geplante, bösartige Handlungen zu unterstellen. Im Gegenteil, manchmal hat er fast heldenhaft gehandelt! So waren meine Gefühle für ihn permanenten Schwankungen unterworfen. Mit einem Einblick in seine Vergangenheit wird manches verständlich.

Auf dem Cover steht »Roman« und ich denke, das passt, auch wenn diese Geschichte Elemente eines Kriminalromans oder auch Thrillers beinhaltet. Mehr als einmal war ich von den Wendungen, die diese Geschichte nimmt, überrascht. Es geht aber nicht darum, aus der Sicht eines Detektivs ein Verbrechen aufzuklären. Es geht um Henry, um das was er macht oder was um ihn herum passiert. Es geht um sein Leben, ein Konstrukt aus Lügen, und wie eine Unwahrheit einfach zur nächsten führt. Wie schwer es sein muss sich jede Lüge zu merken. Wie anstrengend ein erlogenes, verlogenes Leben zu leben. Und wenn er doch die reine Wahrheit spricht, glaubt ihm kein Mensch, weil die Lügen schon zur Wahrheit geworden sind, glaubhafter sind. Die ganze Geschichte ist noch dazu mit einem genialen, subtilen Humor gespickt die mich immer wieder zum Schmunzeln brachte. Gerade dieser Humor überzeugt und verleiht dem Ganzen Glaubwürdigkeit und Originalität.

Ja, diese Geschichte hat mich tatsächlich fasziniert. Obwohl kein Thriller im eigentlichen Sinn, wird man von der Geschichte gepackt und gefesselt. Henry ist ein mitreißender Charakter und man weiß nie, was er als Nächstes machen wird. Das Ende der Geschichte war schon ein bisschen vorhersehbar, aber das stört nicht, es passt zu Henry, passt zur ganzen Geschichte wie das i-Tüpfelchen auf dem i.