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Leserstimmen (9)

Sascha Arango: Die Wahrheit und andere Lügen

Die Wahrheit und andere Lügen Blick ins Buch

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-570-10146-9

Erschienen: 24.02.2014
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Die Wahrheit über die Lüge

Von: Marius Datum : 08.04.2015

buch-haltung.blogspot.de/

Dass das mit den Lügen manchmal alles andere als leicht sein kann, das muss der Schriftsteller Henry Hayden in Sascha Arangos Debüt feststellen.

Arango, bislang eher als Drehbuchautor für Tatortfolgen und Spielfilme der Öffentlich-Rechtlichen aufgefallen, legt mit „Die Wahrheit und andere Lügen“ ein beachtliches Debüt als Krimischriftsteller hin, das es zu lesen lohnt. In seinem doppelbödigen Roman entspinnt er einen fiesen Plot um den Schriftstellerstar Henry Hayden, der in Wahrheit keine einzige seiner Zeilen selbst geschrieben hat. Stattdessen hat seine Frau alle Romane verfasst, deren Lorbeeren der Gatte einheimst.
Kompliziert und in Fahrt gerät das Ganze nun, als Henrys Geliebte – eine Lektorin aus dessen Verlag – ein Kind von Henry erwartet. Die Geliebte muss verschwinden, so entscheidet Henry. Doch dabei geht natürlich schief, was schief gehen kann.

Sascha Arango versteht sein Handwerk meisterlich. Nicht einmal 300 Seiten benötigt er für seinen Roman, der Henry genauso wie den Leser durch die Handlung hetzen lässt. Stets steht man Henry ambivalent gegenüber – ein Blender, ein Täuscher und Betrüger, der trotzdem das ein oder andere Mal Herz beweist. Wird der Schriftstellerstar mit seinen Täuschungen und Manövern der Polizei entgehen oder verheddert er sich im eigenen Lügengewirr? Das sind die Fragen, die die Spannung von „Die Wahrheit und andere Lügen“ ausmachen. In einer wirklich sprachlich höchst angenehmen und mitreißenden Prosa verkleidet folgt man Henry Hayden wirklich gerne und sieht den Verwicklungen bis zur letzten Seite gebannt zu.
Ein großartiges deutsches Krimidebüt, bei dem sich der Lesegenuss mit der Hoffnung verbindet, schnell neue (Lügen)Geschichten aus Arangos Feder lesen zu dürfen!

Mitreißender Charakter, subtiler Humor

Von: Lesen ist Datum : 16.03.2015

lesenist.com

Dieses Buch steht schon eine Weile auf meiner Wunschliste und jetzt habe ich es endlich auch gelesen. Nach zwei Jahren bloggen habe ich mein erstes Rezensionsexemplar angefragt und auch bekommen, vielen Dank an das Bloggerportal!

Henry Hayden, der Protagonist, erfährt gleich am Anfang, dass seine heimliche Geliebte, Betty Hansen, ein Kind von ihm erwartet. Seine Begeisterung hält sich verständlicherweise in Grenzen und er fragt sich, wieso seine Frau Martha von ihm kein Kind bekommt. Betty ist seine Lektorin und eigentlich kann er sie nicht wirklich leiden. Ich auch nicht. Ich mochte sie von der ersten Seite an nicht. Henry ist ein Bestseller-Autor. Betty hat rein zufällig das erste Manuskript, das er an das kleine Verlagshaus Moreany geschickt hatte, entdeckt. Das war die Rettung für Claus Moreanys Verlag, und seither liefert Henry regelmäßig Bestseller ab. Er und seine Frau sind durch seine Bücher wohlhabend geworden, sind den ärmlichen Verhältnissen entkommen, leben ganz angenehm und eher zurückgezogen in einer kleinen Ortschaft irgendwo an einer Küste.

Eigentlich ist Henry glücklich in seiner Ehe aber, wie viele Männer, kann er das Fremdgehen nicht lassen. Trotzdem liebt er seine Frau und diese Liebe für sie habe ich als aufrichtig empfunden, auch wenn es das einzig wirklich Aufrichtige in seinem Leben ist. Und Martha liebt ihn, so wie er ist, mit all seinen Fehlern. Henry und Martha haben ein gemeinsames, großes Geheimnis, und solange kein anderer davon erfährt, lässt es sich wirklich gut leben. Er kann seine eitle, leicht angeberische Ader ausleben und seine Frau kann ihr bescheidenes, zurückgezogenes Leben führen. Henry ist mit dem serbischen Fischhändler Obradin Basari befreundet. Gerade in dieser Freundschaft erkennt man, dass Henry kein geiziger Mensch ist und auch nicht eingebildet, kommt er doch selbst aus sehr bescheidenen Verhältnissen.

Henry ist ein Protagonist, den ich nicht unsympathisch finde, obwohl das doch eher nahliegend wäre. Der Klappentext ist auch leicht irreführend, weil Henry sich keinesfalls vornimmt, ein Mord zu verüben wie angedeutet. Er begeht sehr spontan einen folgeschweren Fehler, der sein Leben für immer verändern wird, unwiderruflich. Dieser Fehler zieht einfach andere Handlungen nach sich. Für mehr als die Hälfte des Buches war es wirklich schwer für mich ihm geplante, bösartige Handlungen zu unterstellen. Im Gegenteil, manchmal hat er fast heldenhaft gehandelt! So waren meine Gefühle für ihn permanenten Schwankungen unterworfen. Mit einem Einblick in seine Vergangenheit wird manches verständlich.

Auf dem Cover steht »Roman« und ich denke, das passt, auch wenn diese Geschichte Elemente eines Kriminalromans oder auch Thrillers beinhaltet. Mehr als einmal war ich von den Wendungen, die diese Geschichte nimmt, überrascht. Es geht aber nicht darum, aus der Sicht eines Detektivs ein Verbrechen aufzuklären. Es geht um Henry, um das was er macht oder was um ihn herum passiert. Es geht um sein Leben, ein Konstrukt aus Lügen, und wie eine Unwahrheit einfach zur nächsten führt. Wie schwer es sein muss sich jede Lüge zu merken. Wie anstrengend ein erlogenes, verlogenes Leben zu leben. Und wenn er doch die reine Wahrheit spricht, glaubt ihm kein Mensch, weil die Lügen schon zur Wahrheit geworden sind, glaubhafter sind. Die ganze Geschichte ist noch dazu mit einem genialen, subtilen Humor gespickt die mich immer wieder zum Schmunzeln brachte. Gerade dieser Humor überzeugt und verleiht dem Ganzen Glaubwürdigkeit und Originalität.

Ja, diese Geschichte hat mich tatsächlich fasziniert. Obwohl kein Thriller im eigentlichen Sinn, wird man von der Geschichte gepackt und gefesselt. Henry ist ein mitreißender Charakter und man weiß nie, was er als Nächstes machen wird. Das Ende der Geschichte war schon ein bisschen vorhersehbar, aber das stört nicht, es passt zu Henry, passt zur ganzen Geschichte wie das i-Tüpfelchen auf dem i.

Die Wahrheit und andere Lügen - die Geschichte eines liebenswerten Hochstaplers

Von: Alexandra Datum : 28.02.2015

www.readpack.de

Henry ist ein Hochstapler. Er ist als erfolgreicher Autor im ganzen Land berühmt, ohne je eine Zeile geschrieben zu haben. Er führt eine glückliche Ehe, betrügt seine Frau jedoch mit seiner Lektorin. Man könnte sagen, er hat mehr Glück als Verstand. Bis das schöne Wolkenschloss ins Wanken gerät, als seine Geliebte von ihm Schwanger wird und verlangt, dass Henry seine Frau verlässt.
Irgendwie ist die Situation in „Die Wahrheit und andere Lügen“ ganz klassisch und könnte sich fast zu einem typischen „Tatort“-Fall für den Sonntagabend entwickeln. In diesem Buch läuft aber alles ein bisschen anders. Das Buch ist ein Krimi und doch wieder nicht. Es gibt eine gewisse Spannung, es gibt einige brenzlige Situationen und (natürlich!) einen Mord. Aber da hören die typischen Krimieigenschaften auch schon auf. Die Spannung ist nämlich weniger drängend und düster, als eher durch die absurde Situation getrieben. Man muss einfach wissen, wie sich das alles entwickelt. Und der Mord? Der ist auch alles andere als kaltblütig und lang geplant.
Weglegen mag man das Buch trotzdem nicht, denn es bietet eine Menge Witz und toll gestaltete Charaktere. Der Humor des Buches ist sowohl ganz offen in der lebhaften Sprache und den witzigen Gedanken von Henry zu spüren, speist sich aber auch aus den einfach genial konstruierten Situationen im Buch. Das wirkt alles zu komisch um wahr zu sein, ist aber so authentisch beschrieben, dass es richtig wirkt.
Das ganze wird toll unterstrichen durch die Charaktere. Alle sind sie irgendwie eigen und haben Seele. Besonders der Hauptprotagonist Henry Hayden ist so ein skurriler Vogel, dass man ihm im Verlauf des Buches beinahe alles verzeiht. Natürlich ist er ein Hochstapler und Drückeberger, er scheut Konflikte und ist auf seine Bequemlichkeit bemüht. Das müsste eigentlich so richtig unsympathisch sein, aber Henry wurden auch so viele nette, liebenswerte Eigenschaften angedichtet, dass ich mit diesem Antihelden mitgefiebert habe.
Der Schreibstil ist flott und kurzweilig aber detailliert genug um die Atmosphäre der Szenen zu transportieren. Das mag damit zusammenhängen, dass der Autor bisher Drehbücher verfasst hat und ein Gespür für abwechslungsreiche und fesselnde Szenen (und Szenenfolgen) haben muss.
„Die Wahrheit und andere Lügen“ ist überraschend und interessant. Kein klassischer Krimi und trotzdem mit einem eigenen Sog, keine klassische Komödie, aber mit einem großen Schuss Humor.

Das Buch in einem Tweet: Henry Hayden ist ein Hochstapler, Mörder, Betrüger und Angeber. Und doch! Man beginnt den Protagonisten zu mögen, fibert und leidet mit ihm.

Von: Tanita Möller aus Bebra Datum : 21.03.2014

Ich fand dieses Buch klasse! Bis auf eine winzig kleine Ausnahme. Aber dazu später mehr.

Den Schreibstil fand ich wundervoll. So locker leicht, beiläufig, ab und an ein bisschen sarkastisch. Das war für mich mal etwas ganz anderes und ich saß oder lag oft da und musste grinsen und schmunzeln. Die Geschichte ist auch sehr interessant, sie wird aus mehreren Sichten erzählt, die aber alle sehr eng zusammenhängen. Allerdings war es oft schwer nachzuverfolgen, wer denn jetzt genau an der Reihe ist. Außerdem wird aus der Vergangenheit erzählt und auch die sehr realistisch beschriebenen Wunschvorstellungen haben es mir schwer gemacht Wahrheit und Lüge zu unterscheiden.

Ich konnte das Buch sehr flüssig lesen und mir viel es auch nicht schwer dran zu bleiben, ich wollte immer wissen was Henry noch geplant hat und ob auffliegt was er gemacht hat. Das Ende hätte ich mir allerdings ein klein bisschen besser vorgestellt. Trotz allem ein wunderbares Buch. Das ist auch der einzige negative Punkt an dem Buch.

Alles in allem, kann ich das Buch nur weiterempfehlen. Ich habe bisher kein Buch dieser Art zu gelesen und fand es wirklich richtig klasse. Wer mal eine etwas andere Geschichte lesen will und herausfinden will, ob er Lügen anderer aufdecken kann, ist bei diesem Buch definitiv richtig.

Dem Bösen ganz nah -

Von: Mathias Neumann aus Marburg Datum : 06.12.2013

Buchhandlung: Buchhandlung am Markt

Ein schauerlich guter Roman! Mit dem skrupellosen Schriftsteller Henry Hayden ist man als Leser dem Bösen ganz nah. Und dieses Böse kommt völlig unaufgeregt daher, langsam und bedächtig breitet es sich vor dem Leser aus. Arangos unkomplizierte Sprache wirkt umso eindringlicher, denn durch die so geschaffene Nähe ertappt man sich dabei, manchmal sogar mit dem Bösen zu sympathisieren - um es kurze Zeit später wieder umso abstoßender zu finden.
Ein toller, unfassbar eindringlicher Roman!