Leserstimmen zu
Die Tage danach

Erika Fatland

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Wer sich mit Norwegen beschäftigt kommt auch unweigerlich auf die Anschläge von Oslo und Utøya, ausgeführt vom Rechtsextremen Anders Breivik. Am 22. Juli 2018 ermordet er in 77 Menschen. Die Autorin Erika Fatland erzählt in dem Buch von den Tagen, Wochen und Monaten danach. Selbst betroffen vom Anschlag auf Utoya, denn ihr Cousin Lars, war im Jugendlager der Arbeiterpartei, ist sie nah dabei und doch sachlich. Sie begleitet die Hinterbliebenen, Opfer und auch den Täter ein Jahr lang. Bis zum Ende des Prozesses. Sie porträtiert die Opfer und diese Porträts gehen einem sehr nah. “Johannes wird nie älter als 14 werden. Er wird nie in die Oberstufe kommen und sich für bestimmte Kurse entscheiden, er wird nie den Militärdienst ableisten. Er wird nie studieren. Er wird nie heiraten. Das unheimliche Wörtchen ‘nie’ zieht mir manchmal regelrecht den Boden unter den Füßen weg, aber es nützt nichts, darüber nachzudenken, was alles hätte sein können.” (S. 459) Sie begibt sich auf die Spur der Terroristen nicht nur bei Breivik, sondern reist auch durch die Welt. Sie spricht mit Ermittlern, Sachverständigen, reist dafür nach Malta, Georgien, Oklahoma und Winnenden. Im Wechsel mit den Berichten und Erzählungen aus Utøya, stellt sie die Täterprofile und erzählt auch dabei von den Überlebenden und wie diese mit der Sache umgehen. “Wenn man Vater oder Mutter verliert, geht man auf einen Hügel und begräbt sie dort. Ein Kind jedoch begräbt man in seinem Herzen. Diese Trauer trägt man ein ganzes Leben lang mit sich herum.”(S. 356) Der Schreibstil ist immer sachlich, trotz all der Grausamkeiten, die ich las.Sie berichtet einfühlsam vom Grauen der Opfer, dem kalten Vorgehen von Breivik, der Angst der Eltern und der Ohnmacht der Ermittlungsbehörden.  Ich musste oft schlucken, denn die Erzählungen der Eltern, Freunde oder auch der Überlebenden sind eindrücklich, aber keineswegs sensationsheischend. Sie sprechen für sich und hinterlassen eine Frage nach dem Warum? Diesem Warum geht Fatland nach und sie schiebt es nicht auf die Kindheit, sondern analysiert. Da wird es dann stellenweise komplex und das sind dann auch die Kapitel, die sich dann mit anderen Anschlägen beschäftigen: Oklahoma, Winnenden, Beslan. Dieser analytische Teil hat dann wieder sehr viel weniger mit dem Geschehen in Oslo und auf Utøya zu tun. Viel mehr mit den Tätern und ihren Motiven. Dennoch schafft sie es die Waage zu halten zwischen den Tatsachberichten von Oslo und Utøya und der analytischen Sichtweise. Ebenso lässt sie nicht nur die Angehörigen zu Wort kommen, sondern berichtet auch vom Prozess und der Einschätzung der Bevölkerung und den Medien, dass einiges verhindert hätte werden können, wenn der Polizeieinsatz koordiniert verlaufen wäre. Diesen Aspekt beleuchtet sie in einem eigenen Kapitel und gerade dies wurde in Deutschland damals wenig thematisiert umso interessanter fand ich die Auseinandersetzung mit den Fehlern der norwegischen Polizei. Fazit Ein gefühlsmäßig hartes Buch. Sensibel und sachlich erzählt Fatland vom Geschehen am 22. Juli 2011. Ein gutes und empfehlenswertes Buch.

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