Leserstimmen zu
Die Brüder

Jan Guillou

Brückenbauer-Serie (2)

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ACHTUNG: Diese Rezension enthält möglicherweise Spoiler zum ersten Teil der Reihe - "Die Brückenbauer". Dieser Band ist der zweite in Jan Guillous Brückenbauer-Saga. Das erste Buch von Jan Guillous Romanreihe hatte bereits fast achthundert Seiten. Die waren gut gefüllt, haben aber dennoch eines offen gelassen - das Schicksal des jüngsten Lauritzen-Bruders. Es wurde zwar manches angedeutet, im Wesentlichen konzentrierte sich die Handlung jedoch auf Oscar und Lauritz, die sich nach ihrem Ingenieursabschluss auf zwei unterschiedlichen Kontinenten wiederfanden. Grund genug, dem verschwundenen Sverre Lauritzen nun seinen eigenen Roman zu widmen. Nach seinem überstürzten Aufbruch aus Dresden findet der sich mit seinem Geliebten Albie auf der Reise nach England wieder. Erst dort wird ihm richtig bewusst, dass sein bester Freund und Liebhaber ein echter englischer Lord ist, während Sverre aus einer einfachen norwegischen Fischerfamilie stammt. Einige Missverständnisse später ist er jedoch einigermaßen in Albies noble Familie integriert. Die beiden Herren leben diskret in einer Villa nahe des Familienschlosses und träumen davon, mithilfe der Ingenieurskunst die Welt zu verändern. Doch auch die "richtige" Kunstszene fasziniert Sverre, der sich bald mit Albie und dessen Schwester der Londoner Bohéme anschließt. Ein nicht ganz ungefährliches Vorhaben, denn unter den Vorzeichen des drohenden Ersten Weltkriegs wittert man überall Verrat, erst recht unter den "Alternativen"... Jetzt erhalten wir also Einblicke in eine ganz andere Welt. Während Oscar und Lauritz mit ihrer Hände Arbeit um ihr Überleben kämpfen, lässt es sich der jüngere Bruder Sverre im direkten Vergleich erst einmal gut gehen. Doch auch auf ihn warten Herausforderungen. Die Beziehung zu einem Mann steht zu dieser Zeit in England unter Strafe und junge Künstler sind für die herrschenden konservativen Kräfte auch nicht sonderlich gern gesehen. Eine Menge Stoff für Konflikte also. Leider wird das nur wenig genutzt. Dafür beschreibt Jan Guillou die Szene, in der sich die Hauptprotagonisten bewegen, mit einer Anschaulichkeit, wie man sie sich schon lange gewünscht hat. Wer schon immer einmal wissen wollte, warum Oscar Wilde, der heutige als klassischer Schriftsteller gilt, einst so skandalös war, der ist hier genau richtig. Als Geschichtsbuch taugt Die Brüder damit sogar in gewisser Weise. Insgesamt verfällt der Autor jedoch immer wieder in den breiten ausführlichen Erzählstil, der schon seinen eigentlich sehr interessanten Historienroman Der Kreuzritter - Aufbruch etwas schwierig gemacht hat. Der Informationsgehalt und die faszinierende Einsicht in diese Epoche sind ohne Frage hervorragend recherchiert und üppig wie nie. Einem Roman ist das allerdings nicht immer zuträglich. Dialoge kommen zuweilen vor, man lernt die Charaktere aber eher indirekt über das kennen, was über sie erzählt wird. Das Konfliktpotential homosexueller Beziehungen zu Anfang des Jahrhunderts wird gleichfalls kaum ausgespielt. Ja, es gibt Reibereien, aber selbst Fernsehserien wie Downton Abbey waren da deutlicher. Die Stärken liegen hier eindeutig in den Geschichtskenntnissen des Autors. Hat man sich erstmal durch diese hindurchgelesen, kann der Stoff interessierten Lesern durchaus taugen. Allerdings führt auch der Titel in die Irre: Um die Brüder (Lauritzen) geht es hier nur in wenigen Zeilen. Originaltitel: Dandy Seitenzahl: 448 Format: 12 x 19 cm, Taschenbuch Verlag: Heyne

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<em>Der schwedische Autor Jan Guillou führt ein bewegtes Leben. Als Journalist und Schriftsteller wie als politisch interessierter und sich einmischender Bürger. Wer bereits einmal wegen Investigativem im Gefängnis saß und zudem für den KGB gearbeitet hat, der eröffnet allein in seiner Person jenen Resonanzraum mit allen bekannten Zutaten, die wir gemeinhin als Voraussetzung legendären Erzählertums, legendärer Autorschaft ansehen. Nicht überraschend ist daher Guillous Entwicklung vom Zeitungsschreiber hin zum Autor, der gern große Panoramen entfaltet und dabei mit essentiellen Zutaten nicht spart, als da wären: große Länder, große Erfindungen, große Vorbestimmungen und natürlich die große Liebe.</em> Drei Brüder sollen Brücken bauen. Doch der Jüngste, Sverre, mag nicht in jenes Land zurückkehren, in dem so viele Brücken zu bauen sind. Das ehrgeizigste Ingenieursprojekt Norwegens ist lang nicht so zwingend wie die Kraft der Liebe. Sverre folgt seinem Kommilitonen Albert, in den er sich verliebt hat, vielmehr nach England. Mit „Die Brüder“ hat Jan Guillou einen gelungenen Roman über die Moderne vorgelegt. Die Handlung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt, entfaltet vor dem Hintergrund der großen Verlockungen und Möglichkeiten von Naturwissenschaft und Ingenieurskunst die doch am Ende mächtigere Kraft der Liebe. Der deutsche Leser wird Genuss aus den Szenen ziehen, die etwa in Berlin spielen. So jene Passage, in der ein spektakulärer Kunstraub beschrieben wird, dem das Berliner Kaiser-Friedrich-Museum zum Opfer gefallen war. Hier wie an vielen Stellen verschränkt Guillou in meisterlicher Weise das Alte, symbolisiert durch hergebrachte Kunstfertigkeit im Malen, mit der Moderne, namentlich mit den Möglichkeiten der modernen Chemie. Studentischer Streich, der von der Komik bald in Schrecken umschlagen sollte: Sverre fertigt mit Hilfe einiger angehender Chemiker eine Kopie des entwendeten Rembrandts an, die so gelungen gerät, dass die anschließende Ausstellung die Polizei und mit ihr Kunstsachverständige auf den Plan ruft. Die vorher angestellten Farbexperimente in einem speziellen Ofen hatten die jungen Maler befähigt, sogar die Krakelüren des Originals täuschend echt zu imitieren. Die Krakelüren, das filigrane Netz von Rissen und Sprüngen auf der Oberfläche alter Ölgemälde, ist ein kunstfertiger Griff in das nicht eben große Reservoir gelungener, wirkungsvoller Metaphern. Die Maschinenwelt mit ihrer Naturwissenschaft und ausgereiften Technik vermag viel. Aber am Ende sind die Krakelüren, ist die fein geäderte Oberfläche eines von der Liebe eingenommenen Herzens nicht in anmaßendem und jugendlich-überschwänglichem Zugriff zu täuschen. Diesen Krakelüren ist vielmehr zu folgen. „Hier (in England, Anm. des Rezensenten) führen die beiden das wilde Leben der Boheme“, lässt sich denn also der Klappentext vernehmen. Autor der Rezension ist Karl Sensburg. Er gehört zum Autorenpool von Detlef Plaisier [Der Mann für den Text] Leipzig.

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Die Brüder

Von: Keke

14.05.2015

Infos zum Buch: Autor: Jan Guillou Verlag: Heyne Verlag Erschienen: 13.10.2014 Originaltitel: Dandy Preis: 9,99€ / Taschenbuch ISBN: 978-3-4532-6840-1 Seiten: 432 Genre: Historienroman Klappentext: Aus den drei Fischerjungen Lauritz, Oscar und Sverre sind die besten Brückenbauer des Landes geworden. Doch Sverre, der Jüngste, wird seinen Brüdern nicht nach Norwegen folgen. So sehr er sich auch wünscht, am ehrgeizigsten Ingenieursprojekt des Landes - dem Bau einer Eisenbahnverbindung zwischen Bergen und Oslo - mitzuwirken, die Gefühle sind stärker. In einer Nacht- und Nebelaktion folgt Sverre seiner großen Liebe nach England. Unbeschwerte Monate folgen. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer. Meine Meinung: Da ich die Geschichten von Lauritz und Oskar sehr interessant fand, wollte ich auch unbedingt wissen wie es ihrem Bruder Sverre erging. Leider konnte mich dieses Buch nicht so sehr fesseln wie sein Vorgänger. Sverre ist mir zwar sympathisch und auch Albie macht eine gute Figur, doch konnte ich mit der Handlung an sich nicht so viel anfangen. Hier wird die Thematik der Homosexuallität behandelt und auch sehr gut wiedergegeben, dennoch hat es mich erstaunt wie "frei" sie dieser Liebe nachgehen konnten. Natürlich musste man in aller Öffentlichkeit vorsichtiger sein, aber dennoch war es am Anfang relativ unkompliziert. Auch erstaunt hat es mich wie viele Männer in ihren Kreisen diese Neigung hatten und auch das so viele Frauen einer Scheinehe zustimmten. Ein weiterer Punkt der mich störte waren die teilweisen großen Zeitsprünge, besonders gegen Ende,wodurch viel Handlung, die viel hätte erklären können, verloren ging. Dennoch war auch Sverres Geschichte interessant und eben unter einem vollkommen anderen Aspekt erzählt, wie die seiner Brüder. Schön fand ich seine Reise nach Norwegen, da man so auch seine innere Zerrissenheit gut zu spüren bekam, aber dennoch auch wie sehr er seine Mutter liebt, und sein Geschenk fand ich sehr schön. Bewegt hat mich auch das Ende des Buches und trotz der Schwachstellen dieses Buches, freue ich mich auf den dritten Band. Ich kann leider nur 3/5 Punkten vergeben, da ich manches sehr seltsam fand und das Buch auch seine Längen hatte, durch die ich mich manchmal durchquälte.

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Der Jüngste der drei Lauritzen-Brüder, Sverre, folgt nach dem Studium in Dresden seiner Liebe. Nicht ahnend, dass es sich bei seinem Liebsten Albie um einen englischen Lord und Titelanwärter handelt. Unbeschreiblich der Moment als Sverre zum ersten Mal das Herrenhaus der Manninghams sieht. Nach außen hin treten Albie und Sverre als Kollegen auf, die gemeinsam ein Ingenieurbüro führen, und so können sie auch eine gemeinsame Wohnung beziehen. Was unter dem Mäntelchen der Verschwiegenheit verdeckt wird, wird geduldet, wenn auch nicht unbedingt gut geheißen. Schließlich ist es Albies Pflicht, irgendwann für einen Nachfolger auf den Titel zu sorgen. Doch zunächst genießen er und Sverre eine unbeschwerte Zeit. Bei diesem zweiten Band um die Erlebnisse der Lauritzen-Brüder aus Norwegen wird das Leben des jüngsten Bruders Sverre beschrieben. Parallel zu den Ereignissen um Lauritz und Oscar, von deren Wegen sich Sverre nach dem Studium getrennt hat, werden ungefähr die ersten zwanzig Jahre nach Abschluss der Ausbildung beschrieben. In der Zeit zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurden die Homosexuellen als Sodomiten bezeichnet. Das Gerichtsverfahren gegen Oscar Wilde war ein Anlass für Albies Vater, den Sohn zum Studium der Ingenieurwissenschaften nach Dresden zu schicken. Bei der Rückkehr nach England haben sich die Verhältnisse nicht wesentlich gebessert. Dennoch beginnt eine Zeit der relativen Freiheit und des Aufbruchs. Albie und Sverre erlangen etliche Fortschritte im landwirtschaftlichen Betrieb des Gutes, sie bewegen sich in Künstlerkreisen und Sverre kann sich als Maler entwickeln. Doch je näher der erste Weltkrieg heranrückt, desto größer werden die Repressionen. In meist sehr beschreibender Form lässt der Autor das Leben seiner Protagonisten durch die unwirtliche Gesellschaft gleiten. Ihr kleines Glück wird in einigen Zeiten so gerade toleriert und in dem Moment, wo die Möglichkeit besteht, sogar angegriffen. Die gemeinsamen Erlebnisse und Reisen verblassen zu Erinnerungen. Ihre Bohemien-Kreise können letztlich keine Hilfe sein, ihr Unwille, sich der Konvention zu beugen, ist zwar bewundernswert, führt aber leider nicht zur Befreiung. Leider beinhaltet dieses Buch nicht die Lebensfülle des ersten Bandes. Dennoch handelt es sich gerade wegen der aufgegriffenen Thematik der Homosexualität und wie ihr zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts begegnet wurde um ein lesenswertes Buch. Auch wenn die heutige Situation in weiten Bereichen glücklicher ist, gibt es sicher noch viel zu verbessern. 3,5 Sterne

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