Leserstimmen zu
Das zweite Gesicht

Rachel Urquhart

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Das Buch hat mir recht gut gefallen. Es beinhaltet eine recht traurige Familiendramatik ... Ich habe das Buch als einen historischen Roman aufgefasst, nachdem ich etwas in der Suchmaschine gegoogelt habe, da ich zuvor noch gar nichts über die Shaker-Klostergemeinschaft gehört habe. Das Kloster an sich wird als Die Stadt der Hoffnung bezeichnet … Schwestern und Brüder gehen getrennte Lebensformen nach, sie zelebrieren aber gemeinsam die klösterlichen Regeln Festivitäten. Inhaltlich unterscheidet sich diese Klostergemeinschaft nicht sonderlich von den Klöstern hierzulande, abgesehen von ein paar wenigen Merkmalen wie z.B. den praktizierenden göttlichen Ehrentanz ... Sie verfolgen asketische und zölibatäre Lebensformen, d. h. sie leben streng religiös und fern von weltlichen Verlockungen. Die Shaker bezeichnet man als eine amerikanische Freikirche aus dem Jahre 1736. Der Name Shaker ist abgeleitet von dem rituellen Schütteltanz. Im Tanz verehren die Klostermitglieder Gott. Gegenstand dieses Romans ist die Darstellung der Familie Kimbell, die aus vier Familienmitgliedern zusammengesetzt ist und auf einer recht heruntergekommenen Farm lebt. Das Familienoberhaupt Silas Kimbell erlebe ich hier als eine Bestie, der nicht nur die Farm heruntergewirtschaftet hat, der auch seine Tochter Polly schon im Alter von zehn Jahren angefangen hat sexuell zu missbrauchen und seinen kleinen Sohn Ben immer wieder versucht im Wasser zu ertränken. Ein Mensch, der besessen ist von blanker und roher Gewalt. Dass Ben noch lebt, ist Polly zu verdanken, die ihn immer wieder von dem Vater weggezerrt hat. Die Mutter ist selbst Opfer, und sehr eingeschränkt in ihrer Handlungsfähigkeit. Auch sie wird von Silas körperlich massiv misshandelt. Polly sieht nur noch einen Weg, die Familie von dieser Gewalt zu befreien. Sie zündet eines Nachts, als der Vater schon schläft, das Haus an. Der Brand wurde zusammen mit der Mutter gut geplant und erfolgreich durchgeführt. Die Mutter und der kleine Ben warteten in der Kutsche auf Polly. Nach dieser Tat brennt das Haus lichterloh und die Familie reist mit den letzten Habseligkeiten davon. Die Kinder ahnen noch gar nicht, wohin die Reise geht. Die Mutter behält das für sich, bis sie mitten in der Nacht das Kloster aufsucht, mit der Bitte, die Kinder bei ihnen aufzunehmen, ohne die Gründe zu benennen … Nun beginnt ein neues Leben für Polly und Ben im Kloster und für die Mutter außerhalb dieser Einrichtung. Da das Kloster keine engen Banden duldet, werden gleich zu Beginn die Kinder voneinander getrennt. Das habe ich als recht furchtbar und lieblos erlebt. Der kleine Ben ist gerade mal 5 Jahre alt, Polly 19. Im Kloster versucht Polly ihre Fassade zu bewahren. Sie gibt sich erfolgreich als Seherin, doch die Klostermutter versucht hinter diese Fassade zu blicken. Sie mahnt Polly immer wieder zur Beichte. Da Polly darauf nicht eingeht, wird die Klostermutter Polly gegenüber immer misstrauischer … Und Polly weiß noch gar nicht, dass sie schwanger ist. Das bekommt eine Mitschwester raus, die mit Naturheilverfahren arbeitet. Erst entwickelte sich zwischen der Schwester Charity und Polly eine Freundschaft, bis Charity eines Tages bemerkt, dass Polly schwanger ist. Ab diesen Zeitpunkt wendet sich Charity von Polly ab und bezichtigt sie als eine Hure, die ihre Fleischeslust nicht zu beherrschen wusste. Charity ahnte nicht, dass Polly das Kind ihres Vaters in sich trug. Aus Kimbals Nachbarschaft wird ein Branddetektiv eingeschaltet, der die Ursache dieses Brandes analysieren soll. Er begibt sich auf die Suche der Familienmitglieder … Mehr möchte ich nun inhaltlich nicht verraten. Nur noch ein paar Sätze zur Konzeption der Autorin. Der Roman wird in verschiedenen abwechselnden Perspektiven erzählt. Mal aus der Sicht von Polly, dann wiederrum aus der Sicht des Branddedektivs, aus der Sicht verschiedener Schwestern … Das hat den Roman noch zusätzlich lebendig gemacht. Auf meinem Blog hat das Buch zwölf von zwölf Punkten erhalten.

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Das war ein Buch, das mich aufgrund des Covers angesprochen hat. Ich mag die Farben und die Atmosphäre. Die Geschichte: Im Jahr 1842 zündet die 15-jährige Polly Kimball versehenlich die Farm ihrer Eltern an und ihr Vater verbrennt. Sie schafft es zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder den Flammen zu entgehen. Pollys Vater war ein Tyrann, der sich an ihr vergangen hat, ihren Bruder fast getötet hätte und ihre Mutter schlug. Es ist für die drei daher eine Erlösung von der Farm und der Vergangenheit fliehen zu können. Pollys Mutter bringt ihre Kinder zur benachbarten Shaker-Gemeinde, einer Glaubensgemeinschaft, in der Arbeit und ein klösterliches, zölibatäres Gemeindeleben den Alltag prägen. Die Kinder werden dort aufgenommen und werden ein Teil der Gemeinde. Über Polly schwebt jedoch die ganze Zeit die Angst, dass ihre Tat entdeckt werden oder womöglich ihr Vater zurück kommen könnte. Die fühlt sich schuldig und für sie verschwimmen die Begebenheiten der Brandnacht. Sie ist sich nicht mehr sicher, ob sie das Feuer absichtlich gelegt hat, oder ob es ein Versehen war. Bei den Shakern wird jedes neue Mitglied früher oder später zu einer Lebensbeichte gezwungen. Vor dieser Beichte graut es Polly weil sie Angst hat, verstoßen zu werden, wenn die vermeintliche Wahrheit ans Licht kommt. In der Gemeinde findet sie dennoch ihren Platz, als sie bei einer Zusammenkunft plötzlich seherische Fähigkeiten zeigt und eine Vision hat. Ihre liebste Vertraute, Schwester Charity, die selbst in der Stadt der Hoffnung aufgewachsen ist, ist ihr ein Anker und eine große Hilfe. Als ein Brandinspektor den Brand untersucht und Fragen stellt, droht alles aufzufliegen. Die Geschichte wird aus den Blickwinkeln von Polly, Schwester Charity und dem Brandermittler Simon Pryor erzählt. Meine Meinung zum Buch: Kennt ihr diese Bücher, die nachwirken? Dieses ist so eins für mich. Ich habe ein bedrücktes Gefühl von diesem Buch mitgenommen und musste über einige Szenen immer wieder nachdenken. Das ist ein gutes Zeichen. Den wechselnden erzählenden Personen kann man gut folgen. Die Geschichte ist spannend und eingängig erzählt. Eine Weile hatte ich zwar das Gefühl, dass sie mich nirgendwo hin führte und - wenn auch nicht langweilig - vor sich hin lief, aber das ging vorbei. Am Ende gibt es keine Moral von der Geschichte oder eine Lösung. Aber wie sollte die auch aussehen? Es ist ein sehr gelungener Roman und ich kann ihn sehr empfehlen. Trivia (Quelle: wikipedia): Die Shaker sind eine christliche Freikirche in den USA. Sie sind aus dem Quäkertum hervorgegangen. Ihr Name leitet sich von dem rituellen Schütteltanz her, der auch im Buch beschrieben wird.  Für die Shaker war Fleiß, Kreativität und handwerkliches Arbeiten wichtig und sie haben ehelos zusammengelebt. Neue Mitglieder kamen von außen dazu, es wurden z.B. Waisen aufgenommen. Auch heute gibt es in den USA noch Shaker, aber nur einige wenige.

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Man schreibt das Jahr 1842. Die Familie Kimball lebt auf einer heruntergewirtschafteten Farm in Massachusetts. Unter ihrem trunksüchtigen, brutalen Vater haben die Kinder Polly und Ben sowie deren Mutter May sehr zu leiden. Sie leben in ständiger Angst vor den Gewalttaten des stets unzufriedenen Mannes. Eines Abends erträgt die 15-jährige Polly die Demütigungen nicht mehr. Sie zündet die Farm an und lässt den betrunkenen, schlafenden Vater zurück. Mit ihrem Bruder kommt sie in einer strengreligiösen Shaker-Gemeinde unter. Aber trotz aller Hoffnung, scheint sie auch hier keinen Ort des Friedens zu finden. Mit „Das zweite Gesicht“ präsentiert die New Yorker Autorin Rachel Urquhart ihr Romandebüt. Sie taucht in menschliche Abgründe ein und zeichnet skrupellose Tyrannen, gegen die sich Frauen, Kinder und Mittellose in jener Zeit kaum wehren konnten. Dagegen stellt sie die tiefgläubigen Shakers, welche den Rechtlosen, den Waisen und den Armen helfen, wenn diese nach ihren Regeln leben. Familien werden getrennt. Sauberkeit, Fleiß und ein zölibatäres Leben haben oberste Priorität. Männer und Frauen dürfen keinen Blickkontakt halten oder miteinander sprechen, es sei denn, die Ältesten erlauben dies. In rituellen Schütteltänzen huldigen sie Gott und ehren jene unter ihnen, die Visionen von ihrer Gründerin, Mutter Ann, empfangen. Auch die Protagonistin des Buches, Polly Kimball, ist mit der Gabe des zweiten Gesichts gesegnet. Das sorgt anfänglich für einige Aufregung und gibt ihr eine besondere Stellung innerhalb jener Gemeinde, die sich „Stadt der Hoffnung“ nennt. Doch Polly trägt zu viel Kummer aus der Vergangenheit in sich, als dass es ihr möglich wäre, sich trotz der sanften Zuwendung durch Schwester Charity, komplett in die Gruppe zu integrieren. Hinzu kommen die Ermittlungen durch den Brandinspektor Simon Pryor, der die Vorgänge in der Brandnacht auf dem Anwesen der Kimballs aufklären soll. Bald fragt sich dieser, ob es wirklich ein Unfall war oder ein Familienmitglied mit Absicht handelte. Pryor macht sich auf die Suche nach Polly, Ben und deren inzwischen verschwundenen Mutter. „Das zweite Gesicht“ hat mir trotz aller düsterer Dramatik sehr gut gefallen. Die Autorin versteht es, jene dunklen Knoten aufzuknüpfen und den Hoffnungslosen eine Fackel zu schenken, mit denen sie ihr Leben erhellen dürfen.

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