Leserstimmen zu
Straight White Male

John Niven

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Wer die Wahl hat, hat die Qual. Welches ist wohl das kleinere Übel, sechs Tage Knast oder, noch schlimmer, eine Therapie vielleicht? Kennedy Marr, erfolgreicher Romanautor aus Irland, wählte den schwierigeren Weg und bereut es immer wieder aufs Neue, sich nicht für das Gefängnis entschieden zu haben. Somit muss er sich mit dem "Seelenklempner" herumschlagen - was durchaus auf Gegenseitigkeit beruht. Doch das sind bei weitem nicht die einzigen Probleme, die Kennedy Marr plagen, der als Drehbuchautor in Hollywood Fuß fassen konnte. Mit derlei Beschäftigungen lässt sich viel Geld verdienen, zumindest wenn den jeweiligen Aufträgen, die allesamt terminlich gebunden sind, auch nachgekommen wird. Die Zuverlässigkeit des Erfolgsverwöhnten lässt jedoch Wünsche offen, was im Rahmen der vertraglichen Vereinbarungen erhebliche Kosten zu verursachen droht. Wenn dann noch die Kosten für den Lebenswandel des Autors die Einnahmen bei weitem übertreffen, sind gewisse Komplikationen vorprogrammiert. Doch damit nicht genug, denn private Verpflichtungen, zwei Ex-Frauen der nicht gerade preiswerten Sorte, nagen ebenfalls an seinem sehr bald nicht mehr vorhandenen Vermögen. Nicht zuletzt setzen ihm auch seine zahlreichen Affären zu, und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. John Niven stellt uns die Figur eines Schriftstellers vor, der in seiner eigenen Dekadenz zu scheitern droht. Dies jedenfalls prognostizieren ihm sein Manager, sein Agent sowie Vermögens- und Rechtsberater. Deren pragmatische Erwägungen prallen jedoch zunächst auf eine Mauer aus arroganter Gleichgültigkeit. Schließlich gibt es Wichtigeres im Leben. Die Breitseite gegen den Literaturbetrieb und die Filmindustrie skizziert John Niven mit einer spitzfindigen Lässigkeit, die einem die gelegentlich entstehenden tiefen Sorgenfalten mit ebenso spontanen wie unerwarteten Lachsalven wieder glattbügeln. Herrlich, wie sich seine Hauptfigur, einem Überschuss an Testosteron nicht abgeneigt, in immer neue Affären stürzt. Verwunderlich, dass nicht wenige seiner Angebeteten jeweils immer zu allem bereit waren und sind. Seine Ehefrauen ausgenommen. Mitunter ergibt sich aus dem Vollzug der Liebschaften urkomische Situationskomik, die der Autor mit hinreißendem Vokabular wahrhaft bildlich in Szene setzt. Als Beispiele seien hier eine zum eigenen Vergnügen veranstaltete Internetsession mit drei geöffneten Fenstern erwähnt, die zu einem ebenso unerwarteten wie hohen Sachschaden führt, oder jener Seitensprung, der auf der ganz und gar falschen Hochzeit stattfindet! John Niven kann aber auch ganz anders. Das ganz große Theater zaubert er eher in stillen Momenten der Einkehr, dann, wenn Kennedy sein Leben Revue passieren lässt und die Dinge, die ihm verhasst sind, Zuhören oder gar Familienleben, kurz im Licht des Erstrebenswerten aufblitzen. Große Momente entstehen auch, wenn er in Rückblenden die tragische Existenz seiner Schwester "Gerry" Geraldine reflektiert und ganz aktuell beim Gespräch mit seiner im Sterben liegenden Mutter, jenem Besuch, den er nach zahlreichen Absagen endlich wagt. Man kann diesen literarischen Rundumschlag gegen alles und jeden, auch gegen sich selbst, aber auch gegen falsch verstandene Männlichkeit ganz allgemein, mögen oder man hasst ihn einfach. Herzerfrischender Sarkasmus ist eben nur gut verträglich, wenn man es zulassen kann, mitunter selbst ein paar Federn zu lassen. Faszinierend, wie sich das Lesetempo mit fortschreitender Lektüre von "Straight White Male" immer mehr verlangsamt und einem wahrhaftigen Genuss weicht, verbunden mit der verzweifelten Hoffnung, dass dieses Buch niemals enden möge! In gewisser Weise geht dieser Wunsch sogar in Erfüllung. Ambivalent, emotional, dekadent, tränenreich und ein großer Spaß zugleich.

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John Niven macht endlich wieder Spaß!! Mit Straight White Male hat Niven wieder einen Protagonisten erschaffen, den man trotz (oder sogar auf Grund) seiner ganzen schlechten Charaktereigenschaften einfach mag. Ein typischer Antiheld. Alles was seine bisherigen Bücher ausmachte ist auch hier wieder vorhanden: Ein Protagonist der säuft, sozial inkompetent ist, zynisch und narzisstisch ist, Drogen nimmt, ...und trotzdem hat er damit ein ganz anderes Buch erschaffen, bei dem die Seiten nur so dahin fliegen. Streich White Male ist sehr unterhaltsam, durchtränkt mit schwarzem Humor, extrem provokant, klug durchdacht, hat teilweise spannende Abschnitte und ist sogar ein wenig gefühlsbetont zum Ende hin. Leider war es auch das Ende, was mir nicht komplett zugesagt hat. Trotzdem würde es von mir eine Kaufempfehlung geben: Wer Bücher wie 'Coma' oder 'Kill your Friends' von John Niven gelesen und geliebt hat, dem wird es mit diesem Buch genauso gehen!

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Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo man sich seiner Lebensart besinnt und auf seine Taten zurückblickt. Wo man reflektiert und sich ändert oder so weiter macht wie bisher. Auch Kennedy Marr kommt an diesem Wendepunkt an, an dem sich alles weitere für seine Zukunft entscheidend verändern wird. Wenn auch sehr unfreiwillig. Der irische Autor steckt seit zehn Jahren in einer nicht enden wollenden Schreibblockade. Entsprechend wird kaum noch Geld auf sein Konto gespült und die Schulden häufen sich zu extremen Bergen. Zudem hängen seine beiden Ex-Frauen an dem dünnen Geldhahn und verlangen ihren Anteil. Seine Berater raufen sich die Haare und wollen ihn endlich zur Vernunft bringen. Wollen seine Ausgaben reduzieren. Seine Lebensumstände zum Besseren wenden. Doch Kennedy bleibt stur. Er ist keiner der sich wegen so was aus der Bahn werfen lässt und schon gar nicht will er seinen Lebensstandard verschlechtern. Plötzlich kommt die errettende Lösung in Form einer Auszeichnung aus England. Kennedy hat einen Literaturpreis gewonnen, der auch eine Gewinnausschüttung von mehreren tausend Pfund beinhaltet. Die Berater sind direkt Feuer und Flamme. Sie wollen, dass er den Preis annimmt, denn so kann er einen großen Teil seiner Schulden begleichen. Aber es gibt einen gewaltigen Haken an der Sache. Der Romanautor muss ein Jahr lang einer einer Universität in England kreatives Schreiben unterrichten. Ein Schock für den grummligen Kennedy, der derartige Aktivitäten nicht ausstehen kann. Sofort stellt er auf Durchzug und verweigert die Annahme des Preises. Damit ist in seinen Augen die Sache vom Tisch. Da hat er allerdings die Rechnung ohne seine finanziellen Helfer gemacht, die ihn auffordern entsprechend mit der Räumung seines Hauses anzufangen. Schließlich muss gespart werden. Also muss Kennedy Marr eine Entscheidung treffen, die sein Leben für immer verändern wird. Wenn man den Inhalt liest, fragt man sich, was daran bitteschön so spannend sein soll, dass man ein Buch dazu schreibt. Schaut man jedoch auf den Autorennamen und liest die ersten Seiten an, merkt man direkt, dass das eine verdammt gute Idee für einen Roman ist. Ein Roman über einen selbstverliebten arroganten Autor, der nur an sich denkt und durch eine Wende endlich einen Spiegel vor sein Gesicht gehalten bekommt. Ob es ihn verändert und er seine Grundeinstellung überdenkt, steht eigentlich außer Frage. Nur wie lange wird das anhalten? Kann er über seinen eigenen Schatten springen? Seine Bekannten glauben nicht an eine positive Wende. Denn Kennedy hat ja nicht mal genügend Zeit seine sterbende Mutter zu besuchen. Der Sex und Alkohol sind ihm wesentlich wichtiger. Sehr viel wichtiger. Das Buch ist in zwei große Abschnitte unterteilt, die das Leben von Kennedy Marr auf seinem Höhepunkt umfassen. Er ist ein Mann, der über andere lästert und ihre niedere Art verabscheut. Doch er muss irgendwann feststellen, dass er sich nicht sehr von seinen Gleichgesinnten unterscheidet. Der Cut mit dem Literaturpreis bringt eine deutliche Wende in das Buch. Das Leben um Kennedy wird ruhiger und nachdenklicher. Auch der Sarkasmus im geschrieben Wort lässt etwas nach. Dennoch dauert es sehr lange, bis er seine Fehler merkt und sie sich eingesteht. Als neutraler Beobachter ist es sehr amüsant diese midlife crisis zu beobachten. Der schwarze Humor kommt recht häufig zum Zug und lockert die Stimmung extrem auf, obwohl sie im Grunde sehr ernst ist. Alles in allem finde ich das Buch sehr gelungen. John Niven schafft es aus einem einfachen Thema, eine interessante Geschichte zu machen, wie sie sicher der ein oder andere in bestimmten Auszügen schon erlebt oder gehört hat. Die Geschichte lässt sich zügig durchlesen, was nicht nur am lockeren Schreibstil liegt. Immerhin will man wissen, welche Entscheidung Kennedy im nächsten Kapitel wählt und wie weit er sich diesmal ins Fettnäpfchen reitet. Eine klare Empfehlung!

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Nach einem überaus starken Einstieg flacht John Nivens 'Straight White Male' zwar im Mittelteil kurzfristig etwas ab, doch tut das der Mär um den scheinbar grenzenlos hedonistischen Protagonisten Kennedy Marr kaum einen Abbruch, zumal es dem Autor gekonnt gelingt, nach und nach die Untiefen hinter der Fassade seiner Figur auszuloten und sich nicht damit begnügt, bloß einen bissigen Abgesang auf die Scheinwelt des Showbiz abzuliefern.

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