Leserstimmen zu
Recht und Gerechtigkeit

Jörg Kachelmann, Miriam Kachelmann

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Es gibt wenige Bücher die mich wirklich überraschen – dieses gehört zweifelsohne dazu. Angesichts der flächendeckenden Berichterstattung zum Kachelmann-Prozess habe ich eher eine Abrechnung als ein derart reflektiertes Buch erwartet. Im deutschen Strafrecht gilt der Grundsatz “in dubio pro reo” – Im Zweifel für den Angeklagten. Das lernt der Jurastudent schon in den ersten Semestern. Auch gelten für die Medien Grenzen in Form der Persönlichkeitsrechte. Beides wurde im Kachelmann-Prozess ausser Kraft gesetzt. Mit welcher Wucht Herr Kachelmann aus seinem Leben gerissen wurde, wird beim Lesen dieses Buches klar. Er macht kein Geheimnis aus der Ohnmacht die ihn überkam angesichts dieser Lawine an Angriffen auf seine Existenz. Dieser Prozess ist leider nur ein Beispiel für die Handlungsweise der Staatsanwaltschaften und Gerichte. Und leider auch nur eines von vielen für die Vorverurteilungskampagnen in den Medien. Welche Macht Medien haben können wird in diesem Buch deutlich, aber auch wie mühsam es ist sich dagegen zur Wehr zu setzen. Man kann darüber streiten ob Herr Kachelmann sich in seiner Lebensweise moralisch stets “gut” verhalten hat, dieses steht aber niemandem – außer ihm selbst – zu. Denn mehrere Beziehung parallel zu führen erfüllt noch lange keinen Straftatbestand. Aber eine Falschanschuldigung tut es. Angesichts der – zum Zeitpunkt der Verhaftung und insbesondere der Eröffnung des Verfahrens bereits bekannten – Beweislage, hätte dieser Prozess nicht stattfinden dürfen. Eklatante Mängel in der Aussage der Anzeigenerstatterin, Gutachten die allesamt den geschilderten Tathergang für nicht wahrscheinlich oder sogar ausgeschlossen halten und die Art und Weise der Prozessführung lassen nur einen Schluss zu: Da wusste jemand einfach mehr wie er aus der Nummer rauskommen sollte. Anders lässt sich diese Verschwendung von Zeit, Akten und Geld nicht erklären. Besonders erschreckend: Während Kachelmann seiner Existenz beraubt wurde, gab es auf der “anderen Seite” Beförderungen. Ein lesenswertes Buch, insbesondere für diejenigen die glauben das Justizsystem wäre unfehlbar und stets im Recht.

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