Leserstimmen zu
Was kostet ein Lächeln?

Ulrich Schnabel

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Die Menschen in Deutschland heißen mit großer Herzlichkeit die Flüchtlinge willkommen. Emotionen wie man sie sonst nur von einer Fußball WM kennt, werden ganz selbstverständlich öffentlich ausgedrückt. Aber nicht nur in den jetzt erlebten Dimensionen sind Gefühle relevant: jede Situation, jeder Impuls von außen führt zu einer inneren Bewertung, indem die Gedanken mit einem Gefühl verbunden werden. Dieser Vorgang findet überwiegend automatisch statt. Unsere Emotionen bestimmen wie wir die Welt sehen und ihr gegenübertreten - ob wir sie als feindlich oder freundlich wahrnehmen, ob wir mit Angst, Wut, Aggression oder mit Mut und Liebe reagieren. Wenn unsere Gefühle unsere Entscheidungen herbeiführen, stellt sich die Frage: In welchem Maße sind wir damit manipulierbar? Der Wissenschaftsjournalist und Buchautor Ulrich Schnabel erstellt in "Was kostet ein Lächeln?" eine Kartografie der Gefühle. Er beschäftigt sich vor allem mit der Frage ob Emotionen ansteckend sind. Solche kollektiven Emotionen entfalten sich im Negativen (Reichsparteitag in der NS-Zeit) wie im Positiven (Refugees welcome). Über die Frage hinaus, ob und wie weit wir/ die Gesellschaft durch unsere Emotionen manipulierbar sind, hat es für den Leser einen durchaus praktischen Nutzen: Es kann uns dadurch gelingen, den emotionalen Hintergrund unserer Entscheidungen zu erkennen.

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Gefühle sind ansteckend. Denn wir Menschen haben eine erstaunliche Fähigkeit, uns in andere hineinzuversetzen, ihre Empfindungen zu lesen - und uns unbewusst von ihnen lenken zu lassen. Deshalb sind Emotionen heute ein umkämpftes Objekt, an dem vielfältige Interessen und Einflüsse zerren. Nicht nur Werbung und Medien zielen auf unsere Gefühle, auch am Arbeitsplatz oder in der Liebe ist emotionale Intelligenz gefragt. (Klappentext) Mit seinem Buch umfasst Ulrich Schnabel das Basiswissen zur gesellschaftlichen Rolle unserer Emotionen und bietet somit nicht nur Einblicke in die eigene Psyche, sondern auch eine gelungene Einführung in die Gesamtthematik. "Was kostet ein Lächeln?" kann man sich vorstellen als eine Ansammlung interessanter Studienergebnisse, kurzen Interviews mit bekannten Soziologen und Anekdoten des Autors, die sicherlich zum Nachdenken anregen. Zu Beginn wird es dem Leser ermöglicht, ein paar Fragen zu beantworten und sich ein Bild seiner eigenen Gefühlswelt zu schaffen. Hierbei handelt es sich nicht um einen "Welcher Typ bin ich?"-Test aus irgendeiner Zeitschrift. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten oder eine Musterlösung. Die Fragen dienen einzig und allein als Denkanstoß, was meiner Meinung nach wirklich gut gelungen ist. Inhaltlich hat mich vorallem der Abschnitt über die kindliche Entwicklung sowie das Kapitel zu den "Arbeitsgefühlen" angesprochen. Letzteres schien mir das Gebiet zu sein, mit dem ich mich persönlich bisher wenig auseinander gesetzt habe, weshalb die Dichte "neuer Informationen" hier am größten war. Der Rest des Buches greift vieles auf, von dem man bereits gehört bzw. gelesen hat und wer sich zuvor schon etwas mit Psychologie beschäftigt hat, wird sich teilweise etwas langweilen. Aber gerade deshalb eignet sich das Buch für Neueinsteiger auf diesem Gebiet! Zwar hätte mich eine Steigerung der Komplexität noch mehr überzeugt, aber durch die gewissenhafte Erklärung der Fachbegriffe und den bedachten Einsatz von Grafiken und Diagrammen stellt "Was kostet ein Lächeln?" ein Must-Read für alle dar, die ihrer eigenen Psyche schon immer mal auf die Schliche kommen wollten.

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