Leserstimmen zu
Ein Brief aus England

Brigitte Beil

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Sigrid lebt gemeinsam mit ihrer 26-jährigen Tochter in einem Haus. Die Beziehung zwischen den beiden ist nicht gerade von Liebe gekennzeichnet. Als eines Tages ein Brief aus England ankommt, wird er von Judith geöffnet. Dieser Brief, der den Tod von Mrs. Linda Hamstad, ehemals Macksiepen anzeigt, bringt ein Lügengerüst zum Stürzen, das sich Sigrid über die Jahre aufgebaut hat ... Das Buch bringt den Leser in eine Zeit zurück, die die schwärzeste in der deutsche Geschichte ist, in die Nazizeit. Sigrid ist die Tochter eines Arztes des 3. Reiches und einer englischen Spionin. Als die Tarnung ihrer Mutter aufzufliegen scheint, verschwindet diese von einem Tag auf den anderen und kehrt nach England zurück. Ihre erst 3-jährige Tochter lässt sie bei dem Vater zurück, der sie nunmehr als seinen persönlichen Feind ansieht. Nachdem der Versuch, sie nach England hinterherzuschicken scheitert, verbringt sie ihre Jugend in diversen Heimen. Ungeliebt und unbeachtet frisst sich dieses Gefühl in Sigrid hinein. Sie empfing nie Liebe und ist auch nicht in der Lage, welche zu geben. Der Makel, die Tochter eines Nazis zu sein, hängt an ihr und sie versucht, sich ihre "eigene" Wahrheit zu erhalten. Sie blendet aus, dass ihre Eltern sie im Stich ließen und erzählt, dass sie ein Waisenkind ist. Selbst ihrer Familie inkl. ihrer Tochter Judith hat sie nie die Wahrheit gestanden. An dem Tag, an dem der Brief aus England kommt, ändert sich die Welt der beiden Frauen, denn er zeigt den Tod ihrer Mutter an. Judith ist entsetzt, dass sie von ihrer Mutter jahrelang belogen wurde. Es beginnt eine Zeit der Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse und des Verhältnisses der beiden Frauen zueinander. Die Geschichte wird aus der Sicht Sigrids erzählt. Mittels Rückblicken in ihre Vergangenheit, in die Nazizeit, die sie als Kind erlebte, und in die Zeit ihrer Jugend erfährt der Leser, wie aus dem kleinen glücklichen Kind eine verbitterte und der Liebe nicht fähigen Frau geworden ist. Großen Anteil an ihrem Leben nahm und nimmt Karola, die seinerzeit als Kinderfrau für Sigrid eingestellt wurde. Sie hatte selbst in der Zeit, als Sigrid im Heim war, immer über sie gewacht. Als Sigrid Judith bekam, bat sie Karola, doch auch für ihre Tochter zu sorgen. Karola ist auch diejenige, die Sigrid bei ihrer Vergangenheitsbewältigung helfen kann, hat sie doch die Beziehung zwischen Sigrids Eltern bewusst miterlebt. Immer wieder schweift die Autorin in die verschiedenen Zeitepochen ihres Lebens ab, in die Kinderzeit, in die Zeit ihrer Ehe oder im Jetzt. Sigrid sieht sich erst jetzt in der Lage, die Zusammenhänge zu erkennen und besinnt sich ihrer Tochter, als es fast zu spät ist. Mit diesem Buch hält man keine leichte Lektüre in den Händen. Es ist eine Aufarbeitung mit der Vergangenheit in seiner ganzen Tiefe. Ein wenig schwermütig ist dieser Roman, aber nie langweilig. Ein Roman, den man nicht mal so nebenbei lesen kann.

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