Leserstimmen zu
Reinkarnation ist nichts für Feiglinge

Fredrik Brounéus

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Auf ein Wort vorab: Fußnoten sind in einer Rezension eher unüblich ... doch hier haben sie ihre eigene Bewandnis und ich habe mich entschieden, sie trotz einer gewissen Ungemach beim Lesen einzubauen. Die Möglichkeiten der Einarbeitung aber sind in einem Blog wie diesem etwas eingeschränkt, deshalb sind die Fußnoten farbig gekennzeichnet. Liebe Leser, ihr dagegen habt mehrere Möglichkeiten, damit umzugehen: Scrollen oder einfach überlesen, das sei euch überlassen. Wie viele Wissenschaftler mögen sich im Laufe ihres Lebens nach einer bahnbrechenden Entdeckung oder Erfindung schon gedacht haben: Was tun, damit das, was ich hier geschaffen habe, nicht in die falschen Hände gerät? Sicherlich zahllose. Einer davon ist I N, dessen Gehirn und Ich1 in Widerstreit darüber stehen, ob seine großartige Erfindung der Menschheit und vor allem dem Planeten nicht vielleicht doch zu viel Negatives bringen mag. Zumindest nach I N s Tod. Der Konflikt wird geklärt. Es wird Vorsorge getroffen: Wird die Erfindung nicht gleich zerstört, so wird zumindest ein Hintertürchen2 eingebaut, das die Zerstörung im nächsten Leben3 zulassen wird. George Larson, 18, ist hingegen vollauf damit beschäftigt, der Prince of Soul zu werden. Der Soul liegt ihm einfach im Blut und ganz nebenbei hofft er, dadurch der hübschen finnischen Austauschstudentin Kaisa näherzukommen oder zumindest so viel ihrer Zeit wie nur möglich mit ihr zusammen zu verbringen. Allerdings passieren plötzlich einige äußerst merkwürdige Dinge und George hat eine Aufgabe zu erledigen: Er muss den Leuchtturm ausschalten4. Der Überbringer dieser wichtigen Nachricht erscheint ihm im Traum5 und entpuppt sich als sein verstorbener Opa, der aber nicht der Einzige ist, der um die Wichtigkeit des Auftrags weiß. Tenzin, ein buddhistischer Mönch, taucht ebenfalls plötzlich und ganz lebendig auf, um George auf seiner Suche nach dem Leuchtturm zu begleiten und eines ganz deutlich zu machen: Wenn falschen Leuchtturm abschalten, er George abmurks. Und so beginnt Georges Suche nach dem Leuchtturm, von dem niemand so recht weiß, was er ist, wo er sich befindet … und das Passwort, das kennt auch keiner … Der Titel Reinkarnation ist nichts für Feiglinge des äußerst unterhaltsamen und frischen Romans von Fredrik Brounéus um George6, Tenzin7, Kaisa8 und Opa9 scheint ein wenig irreführend, heißt das Buch doch im Original The Prince of Soul and The Lighthouse, was den Kern der Geschichte etwas genauer und charmanter trifft. Abschrecken lassen sollte man sich davon aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn man Freude an abgefahrenen Ideen, abstrusen Wendungen und intelligentem Witz mit spirituellem Touch hat. Douglas - Adams - Lesern sei dieses Kleinod also wärmstens empfohlen. Eines sollte man jedoch beherzigen: Das Gehirn, das diese Geschichte aufnimmt, sollte schon etwas gedehnt sein, sonst droht es ob des skurrillen Datenflusses zu platzen – naja, nicht wirklich, aber das Lesevergnügen wird andernfalls sicherlich eingeschränkt sein. Brounéus schreibt in seinem Nachwort, die Geschichte habe sich von einer Horror-Shortstory zu einem unbeendeten Fantasy-Epos gewandelt. Erst als er in Neuseeland landete, erschienen ihm George, Tenzin und die anderen, die es ihm möglich machten, den vorliegenden Roman zu verfassen. Ein Glück für uns Leser. Hätten die Zeichen Brounéus woandershin geführt, wären wir vielleicht um ein intelligentes Stück Unterhaltung ärmer. Dass der Autor offensichtlich ein großer Verehrer von Literatur à la Douglas Adams ist, gereicht dem Roman nicht zum Nachteil, versucht Brounéus eben nicht, Adams Texte zu kopieren, sondern leiht sich nur dessen Handwerkszeug, um etwas Eigenes zusammenzubauen. Das ist erfrischend, erfrischend anders und abseits des Mainstream. Witzige Dialoge, flüssiger Stil, ungeahnte Wendungen - all das und noch viel mehr bekommt man hier serviert. Ein rasanter Roadtrip, ausgelöst durch buchstabierende Insekten, geführt von Tieren, die der Zeichensprache mächtig sind, mit überraschendem Ende, ach was soll ich noch sagen? Außer: Lest es selbst10. -------------------------------------------------------------------------------------- 1Eine der großen Fragen, wer oder was ist eigentlich Ich? Hier wird sie im Laufe eines wahren Roadtrips geklärt werden. 2Natürlich mit Passwort! 3Und dass es ein nächstes Leben gibt, ist absolut sicher. 4Soll heißen, die Welt retten. 5Oder? 6Weltretter 7Buddhistischer Leuchtturmbewahrer 8Finnische Ausstauschstudentin mit Hang zu ... miesem Karma 9Nach dem Tod Kaffee- und Zigaretten abhänig geworden 10 Just do it!

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Reinkarnation ist nichts für Feiglinge, Rezension „Als hätten der Dalai Lama und Douglas Adams gemeinsame Sache gemacht“, steht im Klappentext. Nachdem ich das Buch gelesen habe, muss ich zugeben, dass es wohl eines der wenigen Male ist, in denen nicht zu viel versprochen wurde. Denn was als seichter Roadtrip eines hormongesteuerten Teenagers beginnt, gewinnt mit der Zeit immer mehr an Tiefe. Den Leser erwarten fantastische Abenteuer und absolut absurde Szenen. Kein Wunder, schließlich treffen hier unter anderem amerikanische Regierungsagenten, schriftkundige Insekten, ein Geisterauto samt Fahrer, ein buddhistischer Mönch mit miserablen Englischkenntnissen und die Reinkarnation von Adolf Hitler aufeinander. Es ist ganz klar, dass diese Art von Humor nicht für jedermann funktioniert. Wer die überaus mitteilsamen Naturerscheinungen noch mit einem Schulterzucken hinnimmt, wird spätestens beim inneren Monolog des Protagonisten, der in diesem Fall sehr schnell zum Dialog wurde, die Stirn runzeln. Ganz richtig, das Gehirn des Protagonisten unterhält sich mit Herz, Mund, Ohren, Nieren und so weiter. Wer jetzt an Otto Waalkes‘ „Milz an Großhirn, Milz an Großhirn: Soll ich mich auch ballen?“ denken muss, der hat eine recht gute Vorstellung davon, wie das abläuft. Mich hat das zu Beginn sehr gestört, aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und mochte es zum Schluss sogar. Mit den Charakteren bin ich leider nicht so richtig warm geworden. Dazu waren sie auf der einen Seite viel zu oberflächlich, auf der anderen auch viel zu abgeklärt. Und wenn ein Charakter selbst sich nur als Teil einer Reihe von Inkarnationen sieht, weshalb sollte es mich dann mehr kümmern als ihn selbst, wenn ihm etwas geschieht? Zudem vertragen sich Humor und Charakter-Drama bekanntlich nicht so gut, und in diesem Buch überwiegt der Humor. Das Buch ist äußerst unterhaltsam und deshalb schnell gelesen. Am Ende war ich weder traurig noch glücklich, sondern hatte das gute Gefühl zuversichtlicher Gelassenheit. Und alleine dafür schon möchte ich es mit ganz vielen Menschen teilen. Aufmachung Das Taschenbuch überzeugt mit angenehmer Haptik und gefälligem Layout und Satz. Das Cover hat bei mir leider sehr schnell Stöße an den Ecken und Knicke am Rücken bekommen. Der dezent eingesetzte Spotlack gefällt mir super. Der wahre Hingucker sind jedoch die Illustrationen im Inneren, die aussehen, als hätte der Zeichner direkt mit dem Bleistift in mein Buch gemalt. Ein bisschen schade fand ich, dass diese Bilder in ein paar Fällen mehrfach verwendet wurden, in einem Fall drei Mal, im anderen mit nur einer Seite dazwischen.

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Der Inhaltsangabe des Verlages ist nichts mehr hinzuzufügen, ohne mehr zu verraten, als gewollt. Als sich George, seine Freundin Kaisa, sein toter Großvater und der tibetanische Mönch Tenzin auf die Suche nach dem Leuchtturm machen, ist nicht voraussehbar, was passieren wird und auf was man sich als Leser einlässt. Ich zumindest hatte irgendwie völlig andere Vorstellungen vom Buch als es sich letztendlich herausstellte. Reinkarnation bezeichnet eine Vorstellung der Art Wiedergeburt der zumeist nur menschlichen Seele. Laut dieses Romans gibt es sie, die Wiedergeburt des Geistes, der nie ganz sterben wird, sondern immer wieder aufs neue in einem anderen Körper, egal ob Mensch oder Tier, wiedergeboren wird. So kann sie auf ewig weiterleben. George hat in einem seiner früheren Leben als Wissenschaftler etwas erfunden bzw. entwickelt, das er nunmehr finden und zerstören soll. Dumm nur, dass er sich an so gar nichts erinnern kann und die Suche von daher auch nicht ganz einfach ist. Nur gut, dass es Mächte gibt, die ihm helfen, indem zum Beispiel Regenbögen mit Pfeil erscheinen, die ihm über Stunden die Richtung weisen. Um die Sache ein wenig spannender zu machen, gibt es auch Typen, die ihn verfolgen, denn natürlich trifft die Vernichtung des Leuchtturmes auch auf Interessenten, die das zu verhindern suchen. Ich muss gestehen, dass ich mich mit dem Roman recht schwer getan habe. Das Thema Reinkarnation an sich war es nicht, was mir zu schaffen machte, es war eher die Umsetzung. Ein gerade verstorbener Großvater, der nächtens bei seinem Enkel auftaucht und ihn warnen will, Ameisen und Spinnen, die Nachrichten übermitteln und ein tibetanischer Mönch, der George mehr oder weniger freiwillig zur Suche nach dem Leuchtturm anleitet. Dazu die Freundin Kaisa, die sich mehr und mehr im Buch verändert. Auf mich wirkt diese Geschichte wie an den Haaren herbeigezogen. Ich konnte mich mit nicht einem der Protagonisten anfreunden und fand alle ein wenig befremdlich. Aber ich mag auch die Scheibenwelt-Bücher von Terry Pratchett nicht, die in eben das gleiche Schema fallen. Gestört haben mich während des Lesens auch die Fußnoten, die genausogut in den laufenden Text gepasst hätten. Nicht nur diese störten den Lesefluss, sondern auch die Dialoge zwischen George, seinem Gehirn und den anderen Organen. Mich konnte das Buch leider nicht überzeugen, wobei ich aber denke, dass es für die Liebhaber der Terry Pratchett-Romane genau das Richtige wäre.

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