Leserstimmen zu
Wovon wir träumten

Julie Otsuka

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*Achtung Spoiler im Text* Julie Otsukas Roman "Wovon wir träumten" erzählt die Geschichten von jungen Japanerinnen, die in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihre Heimat verließen. Ihr Ziel war Kalifornien. Über einen Heiratsvermittler waren sie Männern versprochen worden. Kalifornien, das Land der Träume, dort lebten ihre Zukünftigen und warteten auf sie. Wie groß muss der Schock für die jungen Mädchen gewesen sein, als sie mit der Realität konfrontiert wurden. Verführerisch klingende Briefe hatten sie in der Heimat von ihrem Zukünftigen erhalten, gutaussehende Männer auf den Fotos. Doch es wurde nicht das Leben, wovon sie geträumt hatten. Einzelne Protagonisten aufzuführen, geht nicht, denn Julie Otsuka hat allen Frauen eine Stimme gegeben und zwar durch das Wort "Wir" und in dieser Form ist es auch geschrieben. Zitat S. 50 "Wir arbeiteten einfach, das war alles. Wir machten jeden Abend für sie unsere Beine breit, aber wir waren so erschöpft, dass wir oft einschliefen, bevor sie fertig waren. Wir wuschen einmal in der Wochen in Wannen mit siedend heißem Wasser ihre Kleidung. Wir kochten für sie. Wir putzten für sie. Wir halfen ihnen beim Holzhacken. …" Und mit jedem Tag, so sagen sie, veränderten sie sich. Sie waren nicht mehr die, als sie ihre Heimat verließen. War ich anfangs etwas irritiert durch die Wiedergabe der Sprache, legte sich das ganz schnell. Je länger man die Geschichte, das Geschriebene aufnimmt, stellt man fest, es hätte nicht anders geschrieben sein dürfen. Träume und Hoffnungen hatten sie bei ihrer Auswanderung, Schicksale, die in diesen 160 Seiten umfassenden wahren Meisterwerk eine Stimme erhielten. Und jedes Kapitel beschreibt ihren Weg bis hin zum Zweiten Weltkrieg, dem Angriff der Japaner auf Perl Harbour. Mit ihrem Buch hat die Autorin den Frauen, die als junge Mädchen in ein unbekanntes Land, mit einer fremden Sprache und Kultur ein unvergessliches geistiges Denkmal geschaffen. Aber es ist auch eine Ermahnung an das Vergessen - der Erinnerungen. Durch ihre zeitweise poetische Sprache und dann wieder klaren Sprache berührt sie den Leser. Ich bedanke mich bei Nicole für dieses wahre Leseschätzchen. Ohne sie hätte ich es bestimmt nicht gelesen. "Wovon wir träumten" ist ein Ausnahmeroman, der sich durch die leisen Töne und doch mahnenden Stimme hervorhebt.

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