Leserstimmen zu
Das Leuchten des Mondes

Lydia Netzer

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Ich bin allgemein kein Liebling von klassischen Liebesroman, die nur mit Stereotypen und Klischées spielen. Deswegen bin ich ständig auf der Suche nach außergewöhnlichen Liebesgeschichten und besonderen Ideen, die das Herz erweichen. In diesem Sinne kann ich euch mit bestem Herzen auch gerne noch einige andere Romane empfehlen, aber „Das Leuchten des Mondes“ von Lydia Netzer gehört definitiv auch dazu. Klappentext: Als Maxon Sunny zum ersten Mal traf, war er sieben Jahre, vier Monate und achtzehn Tage oder – in seinen Worten – 2693 Erdumdrehungen alt. Maxon war anders. Zusammen waren sie anders. Und auch heute noch, zwanzig Jahre später, führen die beiden keine gewöhnliche Ehe. Maxon ist Astronaut geworden. Während er zwischen Himmel und Erde schwebt, versucht Sunny in der idyllischen Kleinstadt in Virginia die Fäden der kleinen Familie zusammenzuhalten. Alles geht gut, bis zu dem Tag, als sie einen Autounfall hat. Obwohl harmlos, löst er eine Lawine in Sunnys Leben aus. Da ist ihr kleiner autistischer Sohn, um den sie sich sorgt. Da ist ihre schwerkranke Mutter, um die sie sich kümmert. Da sind ihre eigenen Wünsche, die sie bislang immer unterdrückt hat. Und wie immer ist Maxon nicht zur Stelle, um sie zu unterstützen. Schlimmer noch: Auf dem Weg ins All, passiert etwas Unvorhergesehenes … „Er hatte einen Ring in der Tasche, der genau so aussah wie ein Verlobungsring auszusehen hatte. Aber Maxon hatte kein Drehbuch. Er war auf sich selbst gestellt.“ (S. 263) Mich interessieren Astronauten schon immer, vielleicht, weil sie im Gegensatz zu mir mutig genug sind sich in einer winzigen Kapsel von der Erde schießen zu lassen. Maxons und Sunnys Geschichte sind abwechselnd aus beiden Perspektiven erzählt, die immer wieder Einschübe aus Vergangenheit der beiden zeigt. Tatsächlich beschreibt der Klappentext Maxon und Sunny schon sehr gut – sie sind anders, wirklich beide auf ihre Art anders. Zuerst war ich mir nicht ganz sicher, ob Sunny und Maxon sich wirklich lieben, dieser Zweifel wurde allerdings relativ schnell ausgeräumt. Maxon ist still, er sagt nichts, sondern beschäftigt sich lieber mit Robotern und KI. Manchmal kam es mir so vor, als versuchte er durch Roboter herauszufinden, was für Gefühle er hat. Seine Denkweise ist durch und durch rational, überlegt und besonnen, aber gerade seine Liebe zu Sunny ist ein Wunder für ihn. Er kann sich nicht erklären, wieso er sie vor allen anderen bevorzugt, wieso sie so wichtig für ihn ist – es macht für ihnen keinen Sinn und trotzdem kann er es nicht ändern. Maxon passt nicht dazu, nicht mal im Weltraum, aber es macht ihm nichts aus. Mein allerliebstes Zitat von ihm ist folgendes: „Wenn ich nicht deinen [Job] und den jedes anderen hier oben machen könnte, wäre ich gar nicht mitgekommen.“ (S. 330) Es ist unglaublich süß und lustig, wie er Berechnungen über Liebe in seinem Notizbuch festhält. Gleichzeitig wird dem Leser aber auch veranschaulicht, dass Maxon nicht besonders sozialfähig ist. Er braucht „Drehbücher“, um bestimmte Unterhaltungen zu führen und hat sich Redewendungen aufgeschrieben, um zu wissen wie er auf Menschen reagiere muss. Sunny ist sozusagen das komplette Gegenteil von Maxon. Während er sich nicht um sein soziales Umfeld kümmert, erlebt der Leser die Sunny der Gegenwart als die perfekte Ehefrau. Sie lebt in einer netten Nachbarschaft und fügt sich perfekt ein. Es wird schnell klar, dass sie eindeutig verscucht, etwas durch ihre Normalität zu kompensieren und deswegen so krampfhaft versucht wie alle anderen zu sein. Dabei vernachlässigt Sunny allerdings ihren Mann und ihren Sohn, die nun mal einfach nicht „normal“ sind und sich auch nicht mit Sunnys Lebensart vereinbaren können. Zusätzlich ist Sunny gerade noch in den letzten Zügen ihrer zweiten Schwangerschaft und durch die Abwesenheit ihres Mannes im Stress. Dabei wird deutlich, dass sie Maxon eigentlich als feste Konstante in ihrem Leben braucht und ohne ihn ihren Pol verliert. Gleichzeitig ist sie aber auch nur durch eine Kette aus interessanten Ereignissen fähig, aus ihrem Trott auszubrechen. Bubber, Sunnys und Maxons Sohn ist ebenfalls wichtig in dieser Geschichte. Während Sunny ihn versucht mit Medikamenten auf ein „normales“ Level zu brignen, möchte Maxon lieber, dass Bubber sich entwickeln kann und seine Stärken und Schwächen entdecken kann. Ich fand Bubber großartig. Er ist erst vier Jahre alt, aber bereits so schlau und mir gefällt wie sein Autismus umgesetzt ist. Obwohl er fast nie etwas sagt, ist er sehr wichtig für Sunny und für ihre Veränderung, aber auch für Maxon. Mir hat der gesamte Aufbau des Romans wirklich sehr gut gefallen. Man erlebt alle verschiedenen Zeitformen, Perspektiven und Handlungsstränge, die zusammen das große Ganze und Wunderbare dieses Romans bilden. Er lebt von Maxon und Sunny, von Bubber und dem Leben in Virginia und von den Astronauten im Weltall. „So ist es, Bubber zu sein, dachte Sunny. Niemand versteht ihn.“ (S. 112) Fazit: Insgesamt finde ich, dass „Das Leuchten des Mondes“ eine unglaublich schöne Liebesgeschichte ist, die noch über viel mehr hinausgeht. Es war eine sehr kurzweilige Geschichte, die mir immer wieder gefallen würde, dass sie durch ihre sehr interessante Thematik überzeugt. Besonders toll fand ich die Charaktere, das Setting und den Schreibstil der Autorin, der mir sehr angenehm vorkam. Vielen, vielen Dank nochmal an das Bloggerportal von Randomhouse und an btb Verlag für das freundliche Bereitstellen dieses Rezensionsexemplars. Diese Tatsache hat meine Meinung und Wertung in keiner Weise beeinflusst. [Werbung, Rezensionsexemplar, alle Cover- und Zitatrechte liegen beim btb Verlag] Bibliographische Angaben: Autor: Lydia Netzer Seitenanzahl: 377 Seiten Verlag: btb Verlag Genre: Liebesroman

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"Lieben, bereuen, verzeihen. Das waren die drei hässlichen Flecken auf dem schneeweißen Tischtuch seiner Forschung. Die drei Posten auf seiner Liste, um die er sich noch kümmern musste: lieben, bereuen, verzeihen." Worum es geht: Sunny und Maxon führen die bilderbuch Ehe, mit den richtigen Möbel, dem richtigen Gärtner, den immer perfekten Haaren und den 1.5 Kindern. Mit dem zweiten Kind schwanger steht Sunny nun vor folgender Situation: Die Mutter liegt im Sterben, Maxon wird als Astronaut ins All geschossen um den Mond mit Robotern zu besiedeln, ihr Sohn Bubbers hat Autismus. Als sie dann auch noch einen Autounfall hat, scheint alles zu zerbrechen. Vorerst ihre perfekte Erscheinung. Sunny hat nämlich von Geburt an eine Glatze, und erst als die Perücke verschwindet, lichtet sich auch der Nebel, der über ihrem Leben lag. Und dann trifft ein Meteorit Maxons Raumschiff... Meine Meinung: Das Liebesprojekt von Lydia Netzer erschien 2016 und beschäftigte sich mit Glauben an den Seelenpartner und Kosmologie. Musste ich folglich sofort haben. Bei der deutschen Neuerscheinung " Das Leuchten des Mondes" handelt es sich um Netzer's 2013 erschienenes Debüt "Shine Shine Shine" und hier hat das Marketing für mich alles richtig gemacht. Mit dem wunderschönen Cover und dem Mond im Vordergrund musste ich das Buch ebenfalls sofort haben. Ja, ich bin meinem Beuteschema treu. Zugegebenermaßen war ich nicht auf das vorbereitet, was mich schlussendlich erwartete. Die meisten Kapitel erzählen Sunnys Schwierigkeiten als alleinerziehende Mutter auf der Erde, vor übergroßen Entscheidungen. Ab und an wird aber auch Maxon zu Wort gelassen, im All treibend, Sunny liebend. In Rückblenden kriegt der Leser nach und nach die Geschichte der beiden erzählt. Sunnys Kindheit in Birma mit einem Missionär als Vater, das gemeinsame Aufwachsen und Maxons leiden unter seinem gewalttätigen Zuhause, die Liebe, die wächst zwischen den Beiden. Aber auch Bubbers und sein Autismus wird thematisiert. Die drei, die in sich eine perfekte Welt geschaffen haben, leiden nun unter dem Einfluss von aussen. Denn Sunny will dazugehöre, will alles perfekt haben, zergeht unter dem Druck, den sie sich selbst auferlegt. Nach dem Autounfall kommt die Wende, und Sunnys ausbrechen aus ihrem selbst abgeschlossenen Gefängnis. Weg mit den Perücken, den Lügen, und den Medikamenten von Bubber. Das eigene Kind ohne Drogeneinfluss kennen lernen, ist das zuviel verlangt? Mit einer herrlichen Prise Humor, aber nie geschmacklos, geht Netzer das Familiendrama an. Dazu kommen sehr ernste Situationen und moralische Fragen. Habe ich die Mutter umgebracht weil ich dem Arzt die Erlaubnis gab, die Maschinen abzustellen? Bin ich eine schlechte Mutter, weil ich meinem Kind verschriebene Drogen verabreiche? Maxon und Sunny haben eine eigene Art miteinander zu kommunizieren. Während der Leser sich anfangs vielleicht noch fragt, was die beiden verbindet, wird schnell klar: Niemand versteht sie so, wie sie es einander tun. Mathematik wird eingefügt in den alltäglichen Sprachgebrauch. Eine kleine eigene Welt um die ich die beiden beneidet habe. Im Endeffekt doch eine Liebesgeschichte, aber auch soviel mehr. "Maxon schwebte ins All hinaus, vollkommen frei von jeglichen Verbindungen. Ohne eine Schnur, die ihn festband, und ohne einen Gedanken, der ihn in seiner Entschlossenheit hemmte, flog er weg. Die Männer in der Rakete sahen seine Silhouette vor dem Mond, den unendlichen Weltraum hinter sich. Er wirkte nicht länger menschlich, sie mussten sich bewusst daran erinnern, dass sich in dem leuchtend weißen Anzug sein Körper und seine Seele befand."

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Sunny Mann ist mit Maxon verheiratet, mit dem sie den gemeinsamen Sohn Bubber hat und ist erneut schwanger. Während sie sich auf der Erde um Bubber kümmert, der Autist ist, und sich Sorgen um ihre Mutter macht, die im Sterben liegt, befindet sich Maxon im Weltall. Er ist Wissenschaftler und Astronaut und in einer bemannten Mission unterwegs, um Roboter zum Mond zu bringen, die diesen kolonialisieren sollen. Als Sunny einen Autounfall erleidet, der eigentlich glimpflich abläuft, bei dem sie jedoch ihre Perücke verliert, gerät sie aus dem Gleichgewicht. Von Geburt an hat sie keine Haare und beschließt nun mit dem Versteckspiel in der Vorstadt aufzuhören und keine Perücke mehr zu tragen, zudem setzt sie Bubbers Medikamente ab, um wieder den echten Bubber zu erleben. Diese Veränderungen macht sie ganz allein mit sich aus und dann wird die Rakete, in der sich Maxon befindet, von einem Meteoriten getroffen. Der Kontakt bricht ab. "Das Leuchten des Mondes" ist das Porträt einer modernen Familie. In Gegenwart werden wir mit den Problemen konfrontiert, die alle gleichzeitig auf Sunny einprasseln und die sie in dem Moment, in dem sie mal wieder allein ohne ihren Mann ist, überfordern. In Rückblenden erfährt man, wie sich die beiden als Kinder kennengelernt haben. Beide waren sie Außenseiter: Sunny ein kahles Mädchen, das als Tochter eines christlichen Missionars einen Teil ihrer Kindheit in Birma verbracht hat und Maxon, ein Junge mit autistischen Zügen, dem es schwerfällt, die Reaktionen seiner Umwelt einzuordnen und unter einem gewalttätigen Vater zu leiden hat. Sunny hilft ihm dabei, seine Kompetenz für Mathematik und Physik - seine Formeln und Gleichungen, die er im Kopf hat - in Emotionen umzuwandeln. Aus der Freundschaft entwickelte sich eine besondere Liebe. Mit dem Wunsch nach Normalität beginnt Sunny ihr Leben umzukrempeln, wobei lang gehegte Geheimnisse aus der Vergangenheit zutage treten, die sie quälen und erkennt gleichzeitig, dass sie ohne ihren Mann, mit dem sie vor dem Raketenstart im Streit auseinander gegangen ist, nicht leben möchte. "Das Leuchten des Mondes" ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, eine Liebe, die nur von einem Partner zum Ausdruck gebracht werden kann. Erzählt wird der Kampf um den Erhalt einer Verbindung, denn trotz aller Widrigkeiten ziehen sich Sunny und Maxon gegenseitig an wie Erde und Mond.

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