Leserstimmen zu
»Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen«

Maria Marc, Brigitte Roßbeck

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Hardcover
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Es war mir ein Erlebnis dieses Buch zu lesen, denn es gewährt einen einzigartigen Blick sowohl in den künstlerischen Schaffensprozess, als auch in das Privatleben eines der bedeutensten deutschen Maler des 20. Jh. – Franz Marc. Aus all den Aufzeichnungen ist die aufrichtige und unbedingte Liebe Marias zu Franz herauszulesen. Über die Jahre bleib sie eine feste Konstante in seinem Leben; sozusagen sein Fels in der Brandung. Niemand konnte sich besser in sein tiefstes Inneres hineinversetzen als sie. Kein Hindernis war ihr zu groß, kein Weg zu aussichtlos für sie. Die Botschaft dieses Buch ist: Es lohnt sich für die große Liebe zu kämpfen! Als Kunsthistorikerin interessieten mich aber natürlich in erster Linie der in dem Buch ausführlich beschriebene, kreative Entwicklungsprozess der Künstlerfigur Franz Marcs. In seinen Anfängen noch oftmals recht unschlüssig gegenüber seinem eigenen Werk, fühlte er sich oftmals unverstanden von seinen Zeitgenossen und führte eine geraume Zeit ein recht isoliertes Leben, fernab des sogenannten „Mainstreams“. Den entscheidenden Wendepunkt in seiner Karriere brachte seine Begegnung mit August Macke und dessen Vetter Helmuth, sowie dem Sammler Berhard Koehler; in weiterer Folge dann seine Mitgliedschaft in der Neuen Künstler Vereinigung und die Gründung des „Blauen Reiters“ in Kooperation mit Wassily Kandisky. Ab dann lösten sich Schritt für Schritt seine anfangs gehegten Selbstzweifel. Marc wusste sich nun endlich auf künstlerischer Ebene verstanden und entwickelte daraufhin den für ihn so charakteristischen Stil hin zum Expressionismus. Eines seiner bekanntesten Gemälde Blaues Pferd I (1911, Öl auf Leinwand) befindet sich heute der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München. Noch nicht gesehen? Dann unbedingt anschauen! Maria erzählt in berührender Weise von ihrer großen Liebe, ihren Wünschen, ihrer Sehnsucht und auch ihrer zeitweiligen Verzweiflung (Franz war zuweilen immer wieder in Beziehungen mit anderen Frauen verwickelt, ehelichte 1907 Marie Schnür). In ihrem tiefsten Inneren war es ihr jedoch bewusst, dass einzig allein sie seine ideale Partnerin war. Passend zu den einzelnen Lebensstationen wurden erfreulicherweise viele Bilder zu besseren Illustation in den Text eingefügt, was ohne Zweifel, eine große Bereicherung beim Lesen bewirkt. Wer sich für die Kunstszene des 20. Jh. interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen; alle anderen aber auch, denn es legt doch in erster Linie Zeugnis einer wahren, großen Liebe ab, die trotz allen Widrigkeiten des Lebens triumphiert!

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Was für einen Schatz Maria Marc uns mit ihren Memoiren hinterlassen hat und wie gut es Brigitte Roßbeck gelungen ist, sie in eine Lesefassung zu bringen! Die persönlichen Aufzeichnungen waren gar nicht zur Veröffentlichung gedacht, doch glücklicherweise sind sie zum 100. Todestag ihres Mannes Franz Marc unter dem Titel '"Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen" – Mein Leben mit Franz Marc' erschienen und geben sehr persönliche Einblicke in das Lebens des Künstlerpaars. Zunächst erzählt Maria Marc von der Zeit in Berlin, wo sie in bürgerlichen Verhältnissen aufwächst. Obwohl ihr künstlerisches Talent von den Eltern gefördert wird, kann sie es nicht richtig ausleben und geht nach München. Sie glaubt, im Schwabinger Künstlerviertel das passende Umfeld für ihre schöpferische Entfaltung gefunden zu haben, auch wenn sie sich anfangs schwertut und sich unter den Künstlerfamilien nirgends zugehörig fühlt. Erst durch die Begegnung mit Franz Marc erkennt sie ihre wahre Lebensaufgabe. Mich hat erstaunt, wie gut Maria Marc ihren künftigen Ehemann von Anfang an einschätzen kann und sein wahres Wesen erkennt. Sie weißt sofort, dass er dazu berufen ist, große Kunst zu schaffen, nichts halbherzig tut und unterstützt ihn dabei, sich vom Schmerz durch unglückliche Liebesbeziehungen und Melancholie zu befreien. Genossen habe ich vor allem die Passagen, in denen Maria Marc die unbeschwerten Stunden in Ried bei Kochel und in Sindelsdorf mit großem Enthusiasmus beschreibt. Man kann sich sehr gut ausmalen, wie Franz Marc sich von der hügeligen Landschaft und den weidenden Kühen und Pferden zu seinen Bildern inspirieren lässt. Er fühlt sich eins mit der Natur, befasst sich eingehend mit der Anatomie der Tiere und mit der Zeit wird das Pferd zum Hauptthema seiner Arbeit. Maria wächst unterdessen in die Rolle der Gefährtin hinein, spornte ihn an und freut sich über seine Schaffenskraft. Zu einem späteren Zeitpunkt hat mich die Erzählerin erneut mit ihrer Begeisterung angesteckt. Grund dafür ist die langersehnte Begegnung mit gleichgesinnten Künstlern wie August Macke und Kandinsky. Endlich wird die eigene künstlerische Sprache Franz Marcs bestätigt und gewürdigt. Es sind jedoch nicht nur die großen Momente, die zum großen Lesevergnügen beitragen – auch die eingestreuten kleinen Anekdoten und Erinnerungen, zum Beispiel daran, wie Helmut Macke in ihrem Haus rheinische Reibekuchen zubereitete und die Küche fast in Brand setzte, berühren. Der Titel „Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen“ beschreibt sehr treffend, welchen starken Emotionen sie im Laufe des gemeinsamen Lebens ausgesetzt war und wie ehrlich sie diese preisgibt.

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Franz Marc gilt als einer der bedeutendsten Maler des Expressionismus in Deutschland. Er war Mitbegründer der Redaktionsgemeinschaft "Der Blaue Reiter", die am 18. Dezember 1911 ihre erste Ausstellung in München eröffnete. In diesem Buch kommt Maria Marc zu Wort. Sie war seine Wegbegleiterin und nach vielen Hindernissen seine Ehefrau. Brigitte Roßbeck hat die handschriftich verfassten Memoiren von Maria Marc zusammengefasst. Maria Marcs Erinnerungen wurden mit diesem Buch erstmals veröffentlicht. Sie hütete alles Biografische wie einen Schatz. Auf den Gefährten sollte kein Schatten fallen, und so beschönigte sie das, was sie wohl dosiert freigab, makellos. Marias Vater war Bankdirektor, so wuchs sie in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Sie besuchte ein Lyzeum, nahm Klavierstunen und sang im Chor der Berliner Sing-Akademie. Auch ihr schöpferisches Talent wurde gefördert. Sie machte eine Ausbildung zur Zeichenlehrerin und nahm ein Studium an der Berliner Königlichen Kunstschule auf. Ihr heimlicher Traum war es, als Künstlerin existieren zu können. "In den Jahren meines Alleinseins nach dem Tode von Franz Marc wurde in mir der Wunsch lebendig, Erinnerungen an mein Leben mit ihm aufzuschreiben; ich musste so viel an dieses Leben denken, das ihn und uns beide so wunderliche Wege geführt hatte. Obwohl die Erlebnisse selber ungewöhnlich genug waren, beschäftigte mich viel mehr der Sinn, den sie für uns gehabt hatten. Und es wurde mir bald klar und im Laufe der Jahre immer klarer, welch ein tiefer Sinn sich hinter allen Begebenheiten verbarg." Sie hatte eine im Verborgen gebliebene Herz-Schmerz-Geschichte hinter sich, als sie 1905 erst mal nur kurz den Kunstakademieflüchtling und Kollegen Franz Marc traf. Im Februar 1906 lernte sie ihn dann näher kennen. Recht früh erkannte sie, dass sie ihn liebt. Doch bevor sie wirklich für ein Jahrzehnt ein Paar werden konnten, verging eine ganze Zeit. Da es ein dünnes Buch ist, möchte ich an dieser Stelle nichts weiter dazu schreiben. Es lohnt sich aber, diese beiden Menschen auf ihrem Weg zueinander zu begleiten.

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Rezension zum 100. Todestag von Franz Marc am 4. März 2016 Maria Marc: „Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen“ – Mein Leben mit Franz Marc. Siedler Verlag, 2016. 192 Seiten. 65 Abbildungen s/w. 19,99 Euro. Von Tanja Jeschke „Mit meiner Sehnsucht nur bei ihm“ - Zum 100.Todestag von Franz Marc Franz Marc ist als Vertreter des „Blauen Reiter“ in die Kunstgeschichte eingegangen, weltberühmt wurden seine kraftvollen Pferde, seine Rehe, sein Tiger, mit deren starken Farben er zu einem der bedeutendsten Expressionisten wurde. Am 4. März 1916 fiel der 36jährige in Verdun. Zurück blieb seine Frau Maria Marc, die bis zum ihrem Tod 1955 in Ried am Kochelsee seinen Nachlass verwaltete. Nur 10 Jahre hatte das Paar gemeinsam erleben können, nachdem sie sich 1906 begegnet waren. Maria Marc schildert die unruhige Anfangszeit und auch die letzten Jahre des künstlerischen Schaffens in einem ausführlichen autobiografischen Text, der durch seine Aufrichtigkeit und Bescheidenheit berührt. Maria und Franz müssen beide voller Selbstzweifel und innerer Zerrissenheit gewesen sein und konnten sich lange nicht „finden“, weder sich selbst noch den anderen. Wie die Malerei allmählich immer mehr zum Mittelpunkt seines Lebens wurde, Franz Marc seine ersten großen Werke jedoch in einem Anfall von Zorn und Unzufriedenheit zerstörte, wird genauso erzählt wie die Katastrophe der Scheinehe, die Franz Marc mit einer Kollegin eingegangen war, um einmal sagen zu können, „er hätte etwas geleistet, was das Leben wert sei“. Maria Marc zeigt sich als mitfühlende Frau, die auf der einen Seite ähnlich instabil wie Franz durch diese Zeit wankt, auf der anderen Seite aber doch allen Widerständen trotzt und zu ihm hält, dessen Genie sie früher als andere erkannte und zu unterstützen suchte. Die Aufzeichnungen sind erst in ihrem Alter entstanden, aber Klarheit und Detailreichtum ihrer Erinnerungen beweisen eindringlich, dass nichts stärker auf ein Gemüt zu wirken vermag als große Kunst und die lebensvolle Hingabe an sie. Mit Brigitte Roßbeck hat das Buch eine hervorragende Herausgeberin, die als Biografin anderer Künstler – auch des blauen Reiters - längst bekannt ist.

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Manche Bücher stimmen mich ein wenig schwermütig und dieses Buch zählt dazu. Die Biografie machte mich sehr nachdenklich. Der Lesefluss wurde durch bemerkenswerte Episoden zwischen Maria und Franz Marc recht häufig unterbrochen. Ein dünnes Büchelchen, wofür ich aber trotzdem im Verhältnis viel Zeit benötigt habe. In dem Buch habe ich jede Menge Zettelchen zwischen den Buchseiten kleben, eine so reiche Biografie, dank der Herausgeberin Brigitte Roßbeck, die das Material, Maria Marcs handschriftliche Erinnerungen, zusammengetragen und als Buch herausgebracht hat. Viele Fotos und Bleistiftzeichnungen sind den Texten zusätzlich unterlegt ... Aber das Buch hegt keinen wissenschaftlichen Anspruch, trotzdem fand ich es sehr spannend, auch wirkte es sehr authentisch auf mich und sehr menschlich dargestellt. Aber so verhielt sich das Leben der beiden Menschen zwischen Maria und Franz. Ich beziehe mich hier hauptsächlich auf die Beziehungskonstellation, die Franz Marc mit seinen Mitmenschen und den Frauen hatte. Franz Marc, ein so herzensguter Mensch, der von dem Ersten Weltkrieg hinweggerafft wurde, als er noch nicht mal vierzig Jahre zählte. Sein Tod hatte für mich etwas Absurdes. Mir ist Franz Marc nicht unbekannt, ich hatte schon in meiner Schulzeit mit ihm zu tun gehabt, siehe letztes Posting im Label Buchvorstellung. Trotzdem stimmt mich sein Tod aufs Neue betroffen. Nie wieder Krieg, kann ich nur sagen. Nieder mit den Waffen. Weg mit den Fabriken, die diese herstellen. Der Krieg zerstört nicht nur den Körper des Menschen, sondern auch dessen Ideale, mit denen er geistig und seelisch die Welt bereichert hat. Wie viel hätte Franz Marc noch mit seiner Kunst nicht nur als Expressionist der Welt geben können, wäre er nicht so früh gestorben? Vielleicht wäre er ohne den Krieg ein Greis geworden. Franz Marc war es nicht nur wichtig, ein guter Künstler zu werden, nein, er war auch bestrebt, ein guter Mensch zu sein: Zitat: „Dies war wohl die Aufgabe seines Lebens, die ihm das Schicksal stellte.“ Siedler 2016, Seite 18., Ein Künstlerpaar waren sie, Maria und Franz, wobei sie beide noch sehr jung waren, und Maria sich noch in ihrer Ausbildung befand, als sie Franz in München kennenlernte. Sie haben sich beide recht schnell zueinander hingezogen gefühlt. Maria Franck besuchte nach der höheren Mädchenschule in Berlin eine Kunstschule ... … Doch die Liebesheirat musste noch lange auf sich warten. Außerdem war Franz Marc noch mit anderen Frauen verbandelt. Er durchlebte eine Affäre mit der verheirateten Annette Simon, die sehr schwer erkrankte, und sie deshalb die Bindung zu Franz beendete. Äußerlich. Innerlich hatte Franz viel Zeit benötigt, von Simon loszukommen. Zu Maria fühlte er sich eher seelisch verbunden. Die Liebe zu ihr musste erst noch aufgehen und wachsen ... Auch von Maria Franck forderte das Schicksal seinen Tribut. Erst musste sie sich geduldig zeigen, als Franz emotional nicht so leicht von Annette loskam. Doch als die Affäre dann schließlich geendet hatte, lernte er die viel ältere Malerin Marie Schnür kennen, die einen unehelichen Sohn besaß, den sie vor der Gesellschaft versteckt hielt. Franz Marc hatte Mitleid mit ihr, vielmehr mit dem kleinen Kind, und heiratete sie, damit Schnür ihren Sohn zu sich nehmen konnte. Ich versuchte mich in Maria Franck hineinzuversetzen, die entsetzlich litt, ihr aber nichts anderes übrigblieb, diesen Ehebund geduldig zu ertragen. Dies waren Szenen, die mich lange beschäftigt haben. Was war Franz Marc doch für ein Mensch? War er altruistisch eingestellt? Marie Schnür, die ein recht unausgeglichenes Innenleben führte, nahm schließlich das Kind nach der Heirat doch nicht zu sich, aus Angst, es nun öffentlich bekennen zu müssen. Welchen Sinn hatte diese Ehe, nachdem Schnür ihr Kind weiterhin ablehnte? Diese Frage stellte sich Maria Franck. Eine weitere Geduldsprobe, der Maria ausgeliefert war. Es zogen viele Jahre ins Land, bis Franz Marc rechtlich gesehen von Schnür loskam, damit Maria und Franz neu heiraten konnten. Franz hielt es nicht lange mit Schnür aus und wollte sich nach einem Jahr wieder scheiden lassen. Schnür legte ihm Steine in den Weg. Franz Marc wurde des Ehebruchs bezichtigt, und musste, als er Maria heiraten wollte, vor dem Gericht immer wieder ein Dispens einfordern ... … Doch bis zu dieser Zeit gab Franz Marc Maria immer wieder zu verstehen, dass er auch zu ihr gehören würde. Anders hätte Maria diese Treue und diese Geduld nicht aufbringen können … In den ersten hundert Seiten beschreibt die Biografin sehr intensiv Marias Beziehung mit Franz. Auf den weiteren Seiten erfährt man recht viel über die Kunst Franz Marcs, und auch die Bekanntschaft mit anderen Künstlern, die er sich so sehr gewünscht hat. Er lebte zuvor ein sehr einsames Leben und sehnte sich nach einem Kreis Gleichgesinnter, mit denen er sich geistig und seelisch weiter entwickeln konnte. Die Brüder August und Helmuth Macke, Paul Cézanne, Paul Klee, u. a. traten schließlich in sein und Marias Leben, von deren Bekanntschaft sie sich beide sehr bereichert gefühlt haben. Mit Wassily Kadinski gründete er die Redaktionsgemeinschaft Der blaue Reiter. Mir persönlich haben Franz Marcs Tierbilder sehr gefallen. Er konnte sich ziemlich gut in die Tiere hineinfühlen, nachdem er die Anatomie dazu ausreichend studiert und erfasst hat. Er malte alle Arten von Tieren. Beide Menschen, Maria und Franz Marc, haben mir mit ihrer Geduld zum Leben, die Art, mit ihrem Schicksal fertigzuwerden, sehr imponiert. Mein Fazit? Ich habe nur wenige Zettelchen bearbeitet, um nicht zu viel zu verraten. Für mich waren die Beziehungen Franz Marcs, die er geknüpft hat, sehr interessant ... „Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen“, wie es im Untertitel heißt, konnte ich sehr gut nachvollziehen, was Maria Franck an der Seite von Franz Marc durchmachen musste, auch dann noch, als die Ehe 1911 zwischen ihnen beiden lang ersehnt endlich geschlossen werden konnte, als der Krieg ihr den Mann ein paar Jahre später wieder wegnahm, und sie ihr Dasein als Witwe fristen musste, wenn sie nicht neu heiraten wollte. Nur kurze Jahre, die sie glücklich an Franz Marcs Seite als Ehefrau verbringen konnte. Eine echte Herausforderung, diese Form von Trauer und Verlust zu überwinden …

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Der berühmte deutsche Maler Franz Marc, Mitglied des legendären Künstlerduos Der Blaue Reiter (mit Wassily Kandinsky), starb 1916 im Ersten Weltkrieg in den Schützengräben bei Verdun. Genau hundert Jahre nach seinem Tod erscheinen erstmals die Erinnerungen seiner zweiten Frau Maria Marc. Sie waren nie für eine Veröffentlichung bestimmt, sondern sollten lediglich den Nachfahren als Überlieferung für die Familiengeschichte dienen. Der Herausgeberin des vorliegenden Buches, Brigitte Roßbeck, ist es gelungen, eine von zehn handschriftlichen Versionen zu ersteigern und die Einwilligung der Erbengemeinschaft in eine Publikation einzuholen. Roßbeck hat die zugänglichen Versionen miteinander verglichen und eine lesbare Fassung erstellt, in der auch ursprüngliche Streichungen teilweise enthalten sind. Herausgekommen ist ein kurzweiliger Text mit der sehr persönlichen Sicht von Maria Marc, geborene Franck, auf die rund zehn Jahre währende intensive Begegnung mit Franz Marc, der viele interessante Details ihres Privatlebens und der damaligen Künstlerszene enthält. Maria Franck wurde 1876 als Tochter eines Bankdirektors geboren. Diese Familiensituation war einerseits privilegiert, andererseits auch durch enge Konventionen bestimmt, in denen sich Maria nicht wohl fühlte. Nach einer Ausbildung zur Zeichenlehrerin für den Schuldienst, nahm sie eine Kunststudium auf, das sie schließlich in die Künstlerszene nach Schwabing führte. Dort begegnete sie im Februar 1905 erstmals Franz Marc, doch erst ein Jahr später nach ihrer Rückkehr lernte sie ihn näher kennen und lieben. Franz Marc litt anfangs immer noch unter der Liebe zu der verheirateten Anette Simon, so dass seine Beziehung zu Maria schleppend und vorsichtig begann. Hinzu kam bald ein Dreiecksverhältnis mit Marie Schnür, die Franz Marc 1907 sogar heiratete. Bereits ein Jahr später wurde diese Ehe wieder geschieden, doch die daraufhin angestrebte Eheschließung mit Maria konnte nach deutschem Recht erst 1913 vollzogen werden. Die Erinnerungen sind in einem einfachen Stil geschrieben und geben naturgemäß die subjektive Sichtweise von Maria Marc wieder. Immer wieder ist, dem damaligen Zeitgeist entsprechend, von "schicksalhaften" Ereignissen die Rede. Und doch ist es interessant zu lesen, auf welch schwierigem Weg Franz Marc als einem von vielen begabten Künstlern der Münchener Bohème schließlich der Durchbruch gelang. Die widrigen Lebensumstände allerdings, die Maria schildert, machen zumindest zum Teil verständlich, dass sie am Schluss ihrer Erinnerungen überraschend feststellt, "dass - falls ich gefragt würde, ob ich Franz wiederhaben wollte und alles so sein sollte wie damals oder ob ich mein Leben ohne ihn weiterleben wollte, ohne seine Gegenwart, aber mit allen Erfahrungen, die mir sein früher Tod brachte - ich ohne Besinnung zu wählen hätte, dass es bleiben müsse, wie es geworden war." Maria Marc: "Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen". Mein Leben mit Franz Marc. Herausgegeben von Brigitte Roßbeck. Siedler Verlag, München 2016. 192 Seiten, gebunden. 19,99 €

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Aus den handschriftlichen Erinnerungen Maria Marcs hat Brigitte Roßbeck eine unvergleichliche Biografie der Frau an der Seite des Expressionisten Franz Marc zusammengefasst und herausgegeben. Wir steigen in das Buch mit einer schwarz-weiß-Fotografie Maria Marcs an ihrem Schreibtisch im Jahr 1950 ein. Den Texten sind weitere Fotografien hinzugefügt, die die Texte bildhaft untermalen und erklärend darstellen, was in diesen zu lesen ist. Leseprobe: ======== Als ich Franz eines Tages – zusammen mit Marguerite Legros, der Freundin von Jeam Bloé Niestlé – zum Mittagessen abholte, trafen wir zu unserer freudigen Überraschung den August Macke an. Und wie wir uns gerade zum Ausgehen fertig machen wollten, wurde an die Eingangstür geklopft. … Nicht einmal zehn Jahre konnten Maria und Franz miteinander verbringen, weil der Expressionist im Jahr 1916 im Krieg in Verdun sterben musste. Seine Maria schrieb ihre Erinnerungen auf, man spürt, diese sind ehrlich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, geschrieben worden. Bisher sind sie noch nie veröffentlicht worden. Auch diese Tatsache macht das Buch für mich so einzigartig. Man lernt den Künstler von einer ganz neuen Seite kennen – persönlich, privat, in seiner Beziehung zu Maria, in seinen Gedanken, aber auch natürlich in seinem Wirken und seiner Zeit. Man taucht wirklich intensiv in das Leben dieser beiden Menschen ein, geht mit ihnen ihren Weg und kann sich gut vorstellen, vor Augen führen, wie sie lebten, wie sie miteinander lebten – wie Marc zweifelte an sich und der Welt – wie er melancholisch sein konnte …. Wundervoll geschrieben, liest sich diese ganz besondere Biografie sehr einfühlsam, spannend, authentisch, nachvollziehbar und flüssig kurzweilig sowie informativ und glaubwürdig.

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