Leserstimmen zu
Eine letzte Liebschaft

Richard Yates

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Unerfüllte Sehnsucht umweht all seine Figuren. Wohl kaum einer vermag die Hassliebe einer Alltagsehe, die geplatzten Träume einer Mittelstandsexistenz und die Wunden der Nachkriegsjahre besser auf den Punkt zu bringen als Richard Yates. Er schaut hin, wo es wehtut: hinter die Fassaden der Vorzeigefamilien, in die Schlafsäle der Veteranenkrankenhäuser. Neun Erzählungen zeigen die literarische Größe eines der besten amerikanischen Schriftsteller seiner Zeit auf. Denn Yates komponiert Szenen, die sich einprägen. Symbole, die aufrütteln. Wie die Osterglocken, deren Bedeutung durch den Krieg ins Gegenteil verzerrt, plötzlich wie Vorboten des Todes anmuten. Die Geschichten dieser Sammlung sind in den 40er und 50er Jahren angesiedelt. Die Erlebnisse des Zweiten Weltkrieges hängen wie ein dunkler Schatten über den Stories. Der Krieg lässt seine Protagonisten nicht los, selbst Jahre später. Ein Gast prahlt auf einer Cocktailparty mit seinen Verdiensten in einer Schlacht und stellt dadurch einen Kollegen bloß. Auf der Tuberkulosestation eines Veteranenkrankenhauses nehmen amouröse Verwicklungen ein ungutes Ende. Die Frau eines GIs vereinsamt in Frankreich, wo ihr die Einheimischen ablehnend begegnen. Das komplexe Zusammenspiel von Beziehungen bringt Yates ebenfalls meisterlich auf den Punkt. Eigene Unzulänglichkeiten und Ängste werden auf die Beziehung übertragen. Der Partner leidet und schlägt zurück. Die Hassliebe entlädt sich in kleinen Alltagsszenen, bei denen eine zerbrochene Teetasse den angestauten Frust zum Explodieren bringt. Auch zeigt Yates eine Generation von Männern und Frauen, die ihren Platz in der Gesellschaft neu definieren müssen. Zwar ist das Rollengefüge noch klassisch geprägt – der Mann bringt das Geld nach Hause, wo er von der fürsorglichen Frau mit dem Abendessen erwartet wird – doch das Bild bekommt Risse. Die Männer kehren als gebrochene Helden vom Krieg zurück. Sie befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Rekonvaleszenz, scheinbar nicht mehr in der Lage, ihre Stellung als Familienoberhaupt auszufüllen. Danben gibt es Frauen, die Wege suchen, sich ihres Daseins als Heimchen am Herd zu entledigen. Sie beginnen Affären, verlassen den angepassten Buchhalter und brennen mit dem Intellektuellen durch. Sie nehmen sich das Recht auf eine letzte Reise samt einer letzten Liebschaft heraus, bevor sie in den Hafen der Ehe einlaufen. Ob Machtkämpfe zwischen Soldaten oder Liebenden, in Streitsituationen offenbaren die Protagonisten oftmals schonungslos hässliche Charakterzüge. Dennoch bleiben die Handlungen verständlich, die Charaktere menschlich, der Schmerz nachvollziehbar. Auf die eine oder andere Weise fühlen sich die Figuren in die Ecke gedrängt und beginnen um sich zu schlagen. Zum Beispiel, weil sie dem oberflächlichen moralischen Druck der Gesellschaft nicht mehr Stand halten können. Richard Yates präzise, perfekt formulierte Sprache, stellt ein ideales Gegengewicht zur emotionalen Wucht der Situationen dar. Jedes Wort hat seine Berechtigung, kein einziges wird verschwendet. Zwischen der Biografie von Yates und seinen Stories gibt es tragische Parallelen. Der Autor galt als „writer‘s writer“, der von Kollegen wie Raymond Carver hochgeschätzt wurde, aber beim breiten Publikum keinen Anklang fand. Vielleicht war die amerikanische Gesellschaft damals noch nicht bereit, sich Yates messerscharfen, sezierenden Blicken zu stellen. Yates Romane und Erzählungen wurden zu seinen Lebzeiten nie Bestseller, seine Ambitionen als Drehbuchautor scheiterten ebenso. 1992 starb Yates unter ärmlichen Bedingungen. Wenig später wurde seine Prosa zum „Kult“ erklärt und erhielt endlich die ihr zustehende Würdigung. Sein bekanntestes Werk „Zeiten des Aufruhrs“ wurde mit Leonardo di Caprio und Kate Winslet verfilmt. Es erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Fazit: Jede der neun Erzählungen ist ein kleines Meisterwerk. Jede von ihnen kann als Lehrstück für einen Creative Writers Workshop zum Thema „Wie schreibe ich die perfekte Short Story?“ herangezogen werden. Das Wesen des strauchelnden Menschen, schonungslos und doch mitfühlend auf den Punkt gebracht. Wahrhaft große Literatur im Kleinformat!

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Eins und doppelt möchte man sein. Die romantische Idee des Ineinander-Verschmelzens, die regelmäßig an den Klippen des Alltags zerschellt. Einer, der gerade dieses mit wenigen, knappen Sätzen beschrieb, war Richard Yates. Schon in seinem bekanntesten Roman „Revolutionary Road“ gibt es sie, diese Szenen einer Ehe – da liegt so viel Unausgesprochenes zwischen dem Paar, soviel ungelebte Möglichkeiten, soviel unerfüllte Wünsche. Den bitteren Geschmack der Enttäuschung – ihn transportierte der amerikanische Schriftsteller (1926 – 1992) auch in seinen letzten Erzählungen, neun short storys, die zu Lebzeiten nie veröffentlicht wurden und nun erstmals in deutscher Übersetzung erschienen sind.

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„Eine letzte Liebschaft“ ist die letzte Veröffentlichung des verstorbenen Autors Richard Yates, die als Sammlung von Kurzgeschichten in der Deutschen Verlags-Anstalt erschienen ist. Das Buch vereint 9 realistische Erzählungen, die zwischenmenschliche Beziehungen zum Thema haben. Auffallende Handlungspunkte sind der Zweite Weltkrieg, scheiternde oder entstehende Beziehungen und das gewollte Wirken auf andere Menschen. Ich finde es immer sehr schwer, Kurzgeschichten zu rezensieren und vorzustellen, denn eigentlich hätte jede einzelne es verdient, analysiert zu werden. Yates Erzählungen haben mich nicht unbedingt überrascht, aber dennoch Lust auf mehr gemacht. Auf wenigen Seiten spinnt der Autor Begegnungen, die unterhalten. Er schreibt über Marinefrauen in Frankreich, die sich die Langeweile und das Warten auf die Ehemänner vertreiben wollen, über Tuberkulosekranke, die im Krankenhaus zu einer festen Gemeinschaft werden oder über einen Ehemann, der nach einer langen Krankheit die Genesungszeit damit verbringt, sich Gespräche mit seiner Ehefrau auszudenken, in denen er immer den kürzeren zieht. Meine Lieblingsgeschichte in „Eine letzte Liebschaft“ ist die des Rechnungsprüfers George Pollock, der nach einem von seinem Chef viel gelobten Artikel zwar beruflichen Erfolg feiert, aber kurz zuvor von seiner Frau verlassen wurde. Zwischen der Hoffnung eines gelingenden Neuanfangs und dem Schmerz und Verlust versucht George noch am selben Abend, die junge Kellnerin seines Lieblingsrestaurants zu verführen [ACHTUNG: Spoiler!] und scheitert dabei kläglich [SPOILER ENDE]. Richard Yates gehört heute zu einem der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Für mich war die Kurzgeschichtensammlung ein guter Einstieg in die Themen, die den Autor beschäftigten und gute Beispiele für seinen sachlichen Erzählstil. Dieser erscheint zwar nüchtern, ist aber dennoch oft von einer sehr poetischen Schreibweise geprägt. Dem Buch merkt man Yates` Lebenserfahrung an. Jeder Leser kann sich sicher in die Figuren hineinversetzen und mit eigenen erlebten Situationen vergleichen. Der Autor erfindet keine spannenden Helden oder actionreichen Handlungen, sondern gibt einen erwachsenen Blick auf alltägliche Situationen, wie sie in vielen Haushalten entstehen. Gerade das macht das Lesen so interessant, denn so kann man sich immer selbst die Frage stellen, wie man selber wohl reagiert oder gefühlt hätte.

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Klappentext: Richard Yates gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der US-amerikanischen Nachkriegsgeneration, für manche ist er der »missing link« zwischen Tennessee Williams und Raymond Carver. Der Band Eine letzte Liebschaft versammelt die neun letzten noch nicht auf Deutsch veröffentlichten Erzählungen des Autors. Ganz gleich, ob er das unterdrückte Begehren einer Hausfrau in der Vorstadt thematisiert, die Verzweiflung eines Büroangestellten in Manhattan oder das gebrochene Herz einer alleinerziehenden Mutter – niemand porträtiert die Alltagshoffnungen und -enttäuschungen seiner Figuren so schonungslos, doch mitfühlend wie Richard Yates. Meinung: Eigentlich lese ich eher selten Kurzgeschichten. Doch die vielen positiven Stimmen zu Richard Yates haben mich neugierig gemacht. Und schon mit der ersten Geschichte hat Richard Yates mich eingefangen. Mit seinem grandiosen Erzählstil (hier übersetzt von Thomas Gunkel), mit seinen Figuren, mit dem,was Yates zu erzählen hat. Denn auch wenn manche Geschichten zeitlich schon recht alt sind und in den 50er/60er Jahren spielen, so sind die Probleme und Sorgen der Charaktere immer noch aktuell und treffen den Nerv des Lesers. Besonders beeindrucken empfand ich, wie dicht Yates seine Protagonisten trotz der kurzen Anzahl an Seiten geschaffen hat. Mühelos konnte ich mich in die Figuren hineinversetzen, habe ihre Ängste und Sorgen verstanden, habe mit ihnen gelitten und mich mit ihnen gefreut. Aber auch die Geschichten selber haben mich berührt, die Auswahl der Themen hat zum Nachdenken angeregt und mich lange und über die Lektüre hinaus beschäftigt. Die kurzen Geschichten ließen sich mühelos in den Lesetag einbauen und viel zu schnell war das Buch durch und hinterließ ein leichtes Gefühl der Leere bei mir, denn gerne hätte ich noch länger in Yates Worten und Welten verbracht. Ich habe mit diesem Buch einen neuen Schriftsteller für mich entdecken können, denn auch wenn mir der Autor zwar schon was sagte, so war dies doch meine erste direkte Begegnung mit ihm. Aber sie wird nicht meine letzte bleiben ;) Fazit: Selten habe ich so gute Kurzgeschichten gelesen, die alles beinhalten, was sie benötigen. Die Geschichten sind dicht, atmosphärisch und berührend, treffen einen Nerv und wirken lange nach. Großartig! Von mir gibt es 5 von 5 Punkten. Vielen Dank an die DVA für das Rezensionsexemplar.

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Eher selten gebe ich mich der zeitgenössischen Literatur hin. Ich bin immer der Meinung, dass mich die Geschichten wohl langweilen würden und ich mich eher durch das Buch kämpfen müsste. Zugegeben, auch mit dem Buch „Eine letzte Liebschaft“ von Richard Yates hatte ich zunächst meine Startschwierigkeiten. Man merkt schon, dass die darin enthaltenen Kurzgeschichten aus einer etwas anderen Zeit stammen. Für mich sind es Zweite-Weltkriegs-Romanzen. Doch spätestens nach der ersten Kurzgeschichte habe ich mich an den Schreibstil von Richard Yates’ gewöhnt. Und nun konnte ich mich auch voll und ganz auf die neun Geschichten einlassen. Das Lesen des Buches ging sehr zügig voran, was ich zunächst gar nicht gedacht hatte. Jede einzelne der Kurzgeschichten berichtet aus dem Alltagsleben einzelner Personen von „damals“. Ob Hausfrauen, Buchhalter, Reisende: Richard Yates weiß es, die Erlebnisse dieser Personen dem Leser näherzubringen, immer mit einer gewissen Pointe am Ende der jeweiligen Kurzgeschichte. Manchmal muss man mehrmals über das Ende nachdenken. Und ich muss sagen, jede Geschichte hallt bei mir etwas nach, so dass ich immer wieder an das Erzählte denken muss. Die Geschichten sind wunderbar ausgeschmückt, so dass man sich die Szenerien wunderbar vorstellen – jeder Leser auf seine eigene Art und Weise. Auch wenn die Geschichten von einer etwas tragischeren Zeit handeln, habe ich niemals ein schwermütiges Gefühl in meiner Brust beim Lesen gehabt.

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Die Geschichten und Romane von Richard Yates haben mich schon oft angelächelt, aber es bisher nie in mein Regal geschafft. Man, bin ich froh, dass sich das mit „Eine letzte Liebschaft“ geändert hat. Die Short Storys über Krieg, Abschied, Liebe und Schmerz sind düster, zärtlich und so wohl formuliert, dass ich mir bereits auf den ersten zwei Seiten mehrere Sätze angekreuzt habe. Nämlich als erinnerungswürdig. In der Welt der Rezensenten wird Richard Yates mit Tennessee Williams und Raymond Carver verglichen und stimmt, ich mag ihn genauso sehr, wie die beiden anderen. Mein Anspruch, den ich an amerikanische Schriftsteller der Nachkriegsgeneration stelle, wurde in „Eine letzte Liebschaft“ erfüllt: Die Short Storys sind tief empfundene Portraits einer Gesellschaft, die versucht den Schmerz zu vergessen, zurück in den Alltag zu finden und klug zwischen Vernunft und Leidenschaft zu vermitteln. Yates teilt Alltagshoffnungen, macht die Ängste seiner Figuren verständlich und zeigt uns, wie sich männliche von weiblicher Liebe unterscheidet.

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Kleine Meisterwerke

Von: Nela

16.11.2016

<i>»Als Mann muss man keinen Verlobungsring tragen, also hast du leicht reden. Ein Mann ist privilegiert, er kann tun, was ihm gefällt.« </i>(S.172) Erster Satz: „Moment mal – ist das nicht dieselbe Division, in der du warst, Lew?“ Betty Miller wandte sich in Erwartung eines aussergewöhnlichen Zufalls mit weit aufgerissenen Augen an ihren Mann und hätte fast ihren Drink verschüttet. Verlagstext: Kein Wort zu viel und trotzdem alles gesagt: Die letzten Erzählungen vom Meister der kurzen Form Richard Yates gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der US-amerikanischen Nachkriegsgeneration, für manche ist er der »missing link« zwischen Tennessee Williams und Raymond Carver. Der Band Eine letzte Liebschaft versammelt die neun letzten noch nicht auf Deutsch veröffentlichten Erzählungen des Autors. Ganz gleich, ob er das unterdrückte Begehren einer Hausfrau in der Vorstadt thematisiert, die Verzweiflung eines Büroangestellten in Manhattan oder das gebrochene Herz einer alleinerziehenden Mutter – niemand porträtiert die Alltagshoffnungen und -enttäuschungen seiner Figuren so schonungslos, doch mitfühlend wie Richard Yates. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim Bloggerportal der Randomhouse Verlagsgruppe für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares bedanken. Meine Meinung: Richard Yates ist bekannt für seine grossen Romane, wie „Zeiten des Aufruhrs“ oder „Cold Spring Harbor“, die zum Teil auch schon verfilmt wurden. Die DVD zu „Zeiten des Aufruhrs“ habe ich sogar bei mir im Wohnzimmer stehen. Umso mehr erstaunt es mich, dass ich noch keines seiner Bücher gelesen habe. Glücklicherweise hat sich dies mit der Kurzgeschichten-Sammlung „Eine letzte Liebschaft“ nun geändert. Diese neun kurzen Geschichten wurden erst in Yates‘ Nachlass entdeckt und auch wenn Yates selbst sie nie zur Veröffentlichung gebracht hat, so ist doch jede für sich ein kleines Meisterwerk. <i>»Ich hatte gar nichts. Sie glaubte, ich hätte alles. Hielt mich für ein Genie. Dachte, ich würde irgendwann ein neuer Sherwood Anderson sein. Wahrscheinlich glaubte sie das immer noch.“« </i>(S.110) Richards Yates Stil zeichnet sich aus durch eine unglaubliche Prägnanz und Beobachtungsgabe, sowie seine sprachliche Präzision. Wie auch im Verlagstext bereits erwähnt, kein Wort ist zu viel und doch ist alles gesagt. Ich persönlich empfinde das als grosse Kunst. Bereits die erste Geschichte vermag den Leser zu fesseln, so dass das keine 200 Seiten starke Büchlein in einem Abend gelesen werden kann. Jede Geschichte steht für sich und doch sind sie thematische alle miteinander verbunden durch den Zweiten Weltkrieg und dessen körperlichen und seelischen Auswirkungen. So spielen die Geschichten zeitlich in der Nachkriegszeit und oft wird als Handlungsort ein Veteranenkrankenhaus oder eine Invalidenstation erwähnt. Gemeinsam ist den Geschichten auch die genaue Beobachtung des menschlichen Miteinanders und der Thematik des Verlassenwerdens. Oft schwingt eine bisweilen fast unerträgliche Melancholie mit, die umschwenkt in eine fast schon süffisante Leichtigkeit. Von einer sich einredenden „Alles ist gut“-Stimmung zur bitteren Erkenntnis, dass es eben doch etwas gibt, das einen unglücklich macht. Diese Gratwanderung gelingt Yates unglaublich gut, so dass seine Geschichten keine Traurigkeit zurück lassen, sondern vielmehr einen fast schon ironischen Beigeschmack haben. Der verlassene Ehemann, der sich Mut antrinkt, um die hübsche Kellnerin anzusprechen, ein Kranker, der in totaler Panik versucht, ein Missgeschick vor seiner Frau zu verbergen oder ein junges Mädchen, dass lernen muss, für sich selbst einzustehen. Yates hat wirklich ein Talent, seine Protagonisten so klar und mit wenigen Worten zu umschreiben, dass man sie als Leser versteht und sie einem in Erinnerung bleiben. <i>»Um die Wahrheit zu sagen… Um die Wahrheit zu sagen, dachte Miller, müsste ich zugeben: von wegen schlechtes Gedächtnis. Ich habe nur das vergessen, was mir nicht wichtig war, und in jener Nacht ging´s allein darum, im Dunkeln zu rennen […].« </i>(S.11) Würde man mich fragen, welches denn nun meine liebste Erzählung ist, so könnte ich keine klare Antwort geben. Ich empfinde das Buch als ein Ganzes, die Geschichten sind thematisch so gut miteinander verwoben und ergänzen sich so wunderbar, dass beim Lesen kein Gefühl von Trennung zwischen den Erzählungen entsteht. Durch diese Form der Kurzgeschichte eignet sich das Büchlein zudem fast perfekt als Bahnlektüre oder für kurze Lesezeiten zwischendurch. Fazit: „Eine letzte Liebschaft“ bietet neun kurze Geschichten, die sich thematisch perfekt aneinander reihen, über das Glück und Unglück im Leben, mit spannenden Protagonisten und Umständen die einen guten Einblick in das Leben im Amerika der Nachkriegszeit geben. Es ist unterhaltsam und perfekt für unterwegs. „Eine letzte Liebschaft“ war zwar mein erstes Buch von Richard Yates, wird aber definitiv nicht das letzte sein. Meine Liebe für Kurzgeschichten wurde wieder entfacht.

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Das Buch: In diesem Buch sind neun Kurzgeschichten von Richard Yates vertreten. Diese sind doch recht unterschiedlich, zeichnen jedoch prägende Personen ab, die der Leser in einer kurzen Zeit erlebt und mit den Protagonisten leidet. Und so kommen unter anderem ein liebeshungriger Bürokaufmann, eine verzweifelte Ehegattin, eine Verlobte auf Europareise, eine gefundene Münze und Soldaten die auf das Kriegsende hoffen vor. Fazit: Klar, die Inhaltsangabe ist hier wirklich nicht aussagekräftig. Aber das braucht es hier nicht. Man kann sich ungewollt in kurze Geschichten fallen lassen. Denn nach einer bestimmten Anzahl von Seiten ist die Geschichte auch wieder vorbei und man kann sich anderen Texten zuwenden (oder weiterlesen). Denn Yates macht es mit seinem lockeren, doch verbitterten Schreibstil einfach, dass sich der Leser mit dem ersten Satz in die Geschichte abtauchen kann. Und das macht einen Schriftsteller aus: vom ersten Satz an zu faszinieren. Bei einer Kurzgeschichte ist dies besonders wichtig, da hier in der Kürze die Würze liegt. Klar, nicht jede Story ist hier ein Hit. Aber das muss es auch nicht unbedingt. Gefühlt spielen alle Geschichten in der Nachkriegszeit zwischen 1945 und 1960. Vor allem auf dem „American Dream“ wird hier unterschwellig angespielt. Es geht um typische Probleme in einer Beziehung, Liebhabern oder auch Missverständnissen. Dieses Buch zeigt den bitteren Alltag, so wie er auch heute noch vorkommen könnte. Und das passiert nicht mit einem Knall zum Ende der Geschichte. Die Geschichten selbst geben diese Aussagekraft wider. Trotzdem fehlte doch ein wenig der Zugang zu den Geschichten. Man hatte schon das Gefühl, dass diese Storys eigentlich nur kurz aufgeschrieben wurden, um später einen Roman daraus entstehen zulassen. Und bei einigen Plots wäre dies durchaus möglich gewesen. Aber sei es drum: ändern kann man es nun nicht. Zusammenfassend ist dieses Werk ein Kleinod auf dem aktuellen Büchermarkt. Wer kleine amerikanische Alltagsgeschichten liebt, wird hier definitiv richtig liegen. Aber auch als Einstieg in die Welt der Kurzgeschichten ist dieses Buch durchaus zu empfehlen.

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