Leserstimmen zu
Der Löwe erwacht

Robert Low

Die Königskriege (1)

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"Meine Herren, ich wünsche Euch zu Eurer Kapitulation alles Gute. Mögen Euch die Ketten leicht werden, meine Lords, wenn Ihr Euch hinkniet und die Hand küsst. Und möge die Nachwelt vergessen, dass Ihr einst meine Vettern sein wolltet." William Wallace schart all jene um sich, die dem englischen König Edward I., genannt Longshanks, die Stirn bieten wollen. Alle die, die bereit sind dafür zu kämpfen, dass Schottland ein eigenes Königreich bleibt und nicht bloß zur englischen Provinz herabgesetzt wird. Doch der schottische König, John Balliol, ist seines Amtes und der Kroninsignien enthoben worden. Im französischen Exil hegt er keinerlei Ambitionen, seinen Thron zurück zu holen. Dennoch werden Aufstände und Kämpfe in seinem Namen organisiert und gefochten. Aber nicht nur Getreue Balliols wollen die schottische Krone verteidigen. Auch andere, ehrgeizige Lords streben nach der Königswürde. Zum Beispiel Robert Bruce. Mehr durch Zufall als alles andere gerät Hal von Herdmanston in die Gefolgschaft genau dieses Thronanwärters und findet sich wider Willen in den Wirren der schottischen Unabhängigkeitskriege wieder, in denen Loyalitäten schneller die Richtung wechseln als ein Fähnchen im Wind. Und in all dem verliebt er sich erstmals nach dem Tod seiner Frau und seines Sohnes - ausgerechnet in Isabel MacDuff, die Frau des Earls von Buchan, der für diese Demütigung auf blutige Rache sinnt. Ich liebe Schottland. Ich liebe die Landschaft, ich liebe die kämpferische Sturheit und den unbedingten Freiheitsdrang, die sich beide durch die gesammelte schottische Geschichte ziehen, und ich liebe den Akzent. Und da ich von Robert Low bereits die Wikingersaga angefangen hab, gab es für mich überhaupt kein vertun als ich hörte er schreibt eine Reihe über William Wallace und Robert the Bruce. Wenn man sich ein bisschen in dieser Geschichte auskennt weiß man, dass die Loyalitäten häufig wechselten. Heute war einer der schottischen Earls für die Aufständler, morgen hat er das Knie vor Longshanks gebeugt und um Vergebung gebeten, wofür er in der Regel seine Ländereien und Titel behalten durfte. Viel zu den Entscheidungen welche Partei man unterstützte trugen auch immer die persönlichen Clansfehden bei. Unterstützte ein verfeindeter Clan die Rebellen, schlug man sich eben auf Seiten der englischen Krone und umgekehrt. Es muss unheimlich schwierig gewesen sein das alles auseinander zu dividieren und in Buchform zusammen zu packen. Und genau das merkt man beim Lesen leider auch. Schon im ersten Buch wird eine größere Zeitspanne abgehandelt, es gibt immer mal Zeitsprünge von einem bis mehreren Monaten und plötzlich stehen alle Zeichen wieder ganz anders als im vorigen Kapitel. Für mich war es ziemlich anstrengend nachzuvollziehen, wer wann wo und mit dem verbündet oder verfeindet war oder ein Bündnis gebrochen hat. Ebenfalls irritierend war die Perspektive, die er gewählt hat. Anstatt beständig einen Charakter zu begleiten oder wenigstens nur kapitelweise die Sicht zu wechseln, switcht die Einsicht, die man in Gedanken, Handlungen und Gefühle von Charakteren hat, manchmal schon nach drei Sätzen. Das war etwas, woran ich mich erstmal gewöhnen musste. Davon ab weiß Robert Low aber genau die richtige Stimmung zu erzeugen. Schlachten werden so atmosphärisch beschrieben, dass man sich richtig hinein versetzt fühlt. Und auch mit seinen Charakteren konnte ich extrem gut mitfühlen. Denn obwohl viele tapfere Männer und Ritter waren, hatten sie alle Angst, waren im Schlachtgetümmel orientierungslos. Die Kämpfe wurden wenig glorifiziert, sondern meiner Ansicht nach sehr realistisch beschrieben. Alle Beteiligten waren nur Menschen, es gab keine heldenhaften Überkämpfer wie aus dem Märchen. Das hat mir sehr gut gefallen. Die verwirrenden Zeitsprünge also einmal ausgeklammert hat Robert Low mich mal wieder überzeugen können, mit sympathischen weil menschlichen Protagonisten und Nebencharakteren, die nicht ausschließlich Statisten waren, sondern die man entweder ins Herz schließen oder wirklich auch aus seinem tiefsten Inneren verabscheuen konnte. Und auch die Liebesgeschichte zwischen Isabel und Hal war nicht zu dick aufgetragen. Man hatte immer noch das Gefühl sich in einem historischen Roman zu befinden, in dem es um die Geschicke Schottlands geht und nicht ausschließlich um die Liebelei des kleinen Lords von Herdmanston. Diese Reise ins mittelalterliche Schottland, das geprägt wurde von Sir William Wallace, Edward I. und Robert Bruce, habe ich sehr genossen. So sehr sogar, dass ich umgehend mit Band 2 angefangen habe. Ein ordentlicher Bonuspunkt war natürlich auch, dass meine beiden Lieblingsfiguren überlebt haben - wobei ich an dieser Stelle natürlich besser mal keine Namen nenne, denn sonst ist ja die Spannung weg. Für "Der Löwe erwacht" gibt es abschließend vier von fünf Blümchen.

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Robert Low erzählt eines der wichtigsten Kapitel der schottischen Geschichte – die Geschehnisse der Unabhängigkeitskriege im 13. / 14. Jahrhundert. Er erzählt die Geschichte zweier Helden dieser Geschichte: William Wallace und Robert Bruce. Und er erzählt die wahre Geschichte (soweit sie bekannt ist), die sich doch deutlich von Mel Gibsons verklärter Braveheart-Version unterscheidet. Obwohl es die Geschichte von Wallace und Bruce ist, sind sie nicht die Hauptfiguren des Buches. Protagonist ist Hal Sientcler, der wie so viele der schottischen Lords lange nicht entscheiden mag, auf wessen Seite er kämpfen soll. Aber letztendlich wird ihm die Entscheidung durch verschiedene Umstände abgenommen und er findet sich auf Seiten der Rebellen wieder, die sich – eher unwillig – um den „Räuberhauptmann“ William Wallace scharen. Wallace ist eine umstrittene Persönlichkeit, da er nicht wirklich zum Adel gehört (der „Sir“ wird ihm verliehen, damit die Lords ihm überhaupt folgen) und er unterstützt keinen der vielen Thronanwärter. Genau die sind das Hauptproblem der Schotten, denn so lange die Clans zerstritten sind, wird Englands Edward I. immer leichtes Spiel haben. Robert Low kennt die schottische Geschichte sehr gut und das merkt man dem Buch an. Allerdings kann es nicht schaden, wenn man die historischen Fakten in groben Zügen kennt. Sonst kann die Vielzahl der Charaktere anfangs verwirrend sein. Das ausführliche Personenverzeichnis hilft aber gut, diese Verwirrung in den Griff zu bekommen. Besonders gelungen finde ich, dass bei Low die Personen im Vordergrund stehen und keine epischen Schlachten. Diese waren zur damaligen Zeit wohl sowieso eher Gemetzel als heroische Ereignisse… So spielen die Schlacht bei Stirling und auch Falkirk eine wichtige Rolle in diesem ersten Teil der Saga, aber eben aus Sicht der Kämpfenden mit allen Ängsten, Qualen aber auch Hoffnungen. Dadurch, dass der Autor den historischen „Nebenfiguren“ (zum Teil auch von ihm erfundenen) die eigentlichen Hauptrollen in seinem Roman einräumt, kann er eine völlig andere Sichtweise entfalten. Das hat mir sehr gut gefallen und ich freue mich sehr auf die weiteren Bände, deren Übersetzungen beide noch in diesem Jahr erscheinen werden. Für Einsteiger beim Thema schottische Geschichte vielleicht nicht ganz so gut geeignet, es sei denn, sie nehmen ein bisschen Recherche auf sich. Für alle, die die Rahmenbedingungen ein wenig kennen, gibt es aber eine 100 %ige Leseempfehlung und 4 Sterne von mir. Fazit: Schottische Geschichte abseits verklärter Mythen – sehr gut recherchiert und lebendig erzählt. Lesenswert!

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