Leserstimmen zu
Das Mädchenopfer

James Oswald

Inspector McLean (1)

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INHALT Erster Satz Er hätte nicht anhalten sollen. In Edinburgh werden im Kellerraum eines alten Hauses die entsetzlich zugerichteten Gebeine eines jungen Mädchens entdeckt. Ringsum befinden sich sechs Wandnischen – darin sechs Schmuckstücke und die konservierten Organe des Opfers. Die Polizei misst dem Fall keine besondere Bedeutung bei, geschah der Mord doch vor mehr als 60 Jahren. Nur Detective Inspector Anthony McLean lässt das schreckliche Schicksal des Mädchens keine Ruhe. Bald stößt er auf eine Verbindung zu einer blutigen Mordserie, die seit Kurzem die Stadt erschüttert, und kommt auf die Spur einer unvorstellbar bösen Wahrheit ... [ Inhalt nach GOLDMANN ] MEINE MEINUNG Der Verlauf Ich mache ein Geständnis: ich mags gern blutig. Ich mag Thriller, aus denen das Blut förmlich raustropft. Wenn sich die Killer noch was einfallen lassen. Und als ich dann von einer Leiche gelesen habe, deren Organe konserviert wurden, na da war ich dann schon ein wenig neugierig. Als ich dann weitergelesen habe und es weiter hieß, dass die Leiche schon 60 Jahre alt ist, da war klar: das muss ich lesen! Dieser Thriller beginnt so ganz anders, als man es von Büchern dieses Genres gewohnt ist. Normalerweise beginnen solche Bücher entweder damit, dass der Leser mitbekommt, wie das erste Opfer dran glauben muss oder durch den Fund eben dieses Opfers. Doch hier beginnt das Buch zwar auch mit einem Toten, doch nicht mit der auf dem Buchumschlag angekündigten Mädchens. An sich hat mir diese Art wirklich gut gefallen. Muss ja nicht immer Schema F sein. Allerdings war die Umsetzung ein wenig holprig. Ich hab mich irgendwie nicht so ganz mit dem Buch anfreunden können. Der Leser wird zu Anfang einfach mit zuvielen Fällen, zuvielen Toten (und so etwas von mir!!), zuvielen Charakteren überschüttet. Auch beim Verlauf folgt dieses Buch nicht dem klassischen Aufbau. Meistens dreht sich so ein Buch ja mehr oder weniger nur um einen großen Fall. Doch hier werden mehrere Fälle miteinander verknüpft, was ja an sich eine wirklich gute Idee ist. Ich mag es recht gerne, wenn die ganze Geschichte etwas komplexer ist und die Auflösung nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Doch irgendwie hat mich das alles nicht so ganz überzeugen können. Im Gegenteil: an manchen Stellen hab ich mich richtiggehend geärgert, was einem da präsentiert wird. Da gibt es eine Reihe von Einbruchsdiebstählen, die alle am Tag der Beerdigung der Hausbesitzer passieren. Und die Großmutter des Protagonisten stirbt, die by the way stinkreich ist. Da weiß man als Leser schon, wodie Geschichte hinführt. Nur sämtlichen Detectives scheinen daran wohl nicht zu denken. Der Verlauf der Geschichte ist so lächerlich vorhersehbar, doch der ausgebildete Polizist kommt da irgendwie nicht drauf. Doch dann gab es wieder Stellen, da sind null Hinweise da, doch Inspector McLean weiß plötzlich ganz genau, wo es lang geht. Das hat die ganze Story für mich ein wenig unrealistisch gemacht. Die vielen Handlungsstränge haben zwar eine komplexe Geschichte ermöglicht. Doch an manchen Stellen war es mir dann ein wenig zu verworren. Zum hinteren Teil des Buches hatte ich stellenweise das Gefühl, überhaupt nicht mehr durch die Handlung durchzusteigen. Und das ist meiner Meinung nach eine Todsünde für jeden Thriller. Hinzu kam weiter, dass Handlungsstränge eröffnet wurde, die dann aber nicht konsequent weitergeführt wurden. So wurde ein junges Mädchen entführt und da könnte man ja eigentlich meinen, dass sämtlichen Polizeikräfte sich mit der Suche nach ihr beschäftigen. Aber Pustekuchen... das Ganze geht erst einmal schön unter. Das Ende Das Ende... ja was soll ich sagen, außer "What the...". Meiner Meinung nach kann ein Thriller seitenlang noch so übel sein, aber ein tolles Ende und eine ausgeklügelte Auflösung des Falls kann da schon wieder einiges rausreißen. Aber auch das Gegenteil ist der Fall: ein absolut bescheuertes Ende kann ein ganzes Buch ruinieren. Vorliegend ist es so, dass das Buch an sich eher durchschnittlich war und das Ende leider unterirdisch. Keine Ahnung, was sich der Autor da gedacht hat. Da ich nicht spoilern will, ist es etwas schwer, mich hier genauer zu erklären. Nur soviel: wenn ich einen Thriller lese, dann hätte ich es gerne realitätsnah und nicht in irgendeiner Form ins Mystische gezogen, nur weil der Autor nicht so ganz weiß, wie er seine Story beenden soll. Die Charaktere Inspector Anthony McLean, um den es in dieser Reihe geht, ist ein Polizist ganz eigener Art. Sein Privatrecht hat bei ihm nur einen geringen bis gar keinen Stellenwert, wobei dies in der Vergangenheit wohl nicht so war. Er wurde mit einer eigenen Hintergrundgeschichte ausgestattet, wobei mir die sowohl positiv als auch negativ aufgefallen ist. Einerseits finde ich es immer ganz gut, wenn die Ermittler in solchen Thrillerreihen mit einer eigenen Geschichte ausgestattet werden, da ich mich ihnen so näher fühle. Doch bei McLean war das alles ein wenig viel des Guten. Nicht nur, dass er seine Eltern bei einem Flugzeugabsturz verloren hat. Das wäre ja schon ein traumatisches Erlebnis, aus dem man viel hätte machen können. Nein, der Gute scheint vom Pech verfolgt, denn auch seine Lebensgefährtin ist wohl eines unnatürlichen Todes gestorben. Zwar handelt es sich bei "Das Mädchenopfer" ja um den Auftakt einer Reihe, doch ich hätte mir gerade hinsichtlich McLeans Freundin gewünscht, dass es da genauere Erklärungen gegeben hätte. Oder aber dass diese Geschichte komplett weggefallen wäre. Zwar konnte ich McLean an sich ganz gut leiden, aber seine Super-Bullen-Dasein war mir zu unrealistisch. Scheinbar ist er auf seinem Revier der einzige Polizist mit Hirn, denn sämtliche Fälle kann nur er lösen, obwohl da ein riesiges Team hinter ihm steht. Auch absolut offensichtliche Verknüpfungen sieht nur der gute McLean, während die anderen scheinbar wir Zombies nur durch die Gänge streifen. Hinzu kam seine ständige Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten. Deren Grund blieb mir zum einen verschlossen und zum anderen war mir das zu viel Schwarz-Weiß-Zeichnung. McLean als der herzensgute, introvertierte und fleißige Inspector, der sich aus eigener Macht an die Spitze gekämpft hat und auf der anderen Seite sein Boss, ein unausstehliches, hochnäsiges Ekel. Ein bisschen subtiler hätte es schon sein dürfen. Der Schreibstil An sich war James Oswald Schreibstil ganz ok. Er schreibt in nicht zu langen, nicht zu komplizierten Sätzen. Trotzdem konnte er mich mit seiner Art zu schreiben nicht konsequent fesseln. Stellenweise wurde die Stadt, in welcher die Geschichte spielt einfach zu ausführlich beschrieben. Bei einem Buch dieses Genres kann ich auf Straßenbeschreibungen verzichten, wenn es nicht für die Story förderlich ist. Es wurde einfach langatmig. Auch die Wahl der Namen einiger Charaktere empfand ich als ein wenig unglücklich, da ich immer wieder darüber gestolpert bin. Zumal wohl der Autor selbst stellenweise nicht ganz gewusst hat, welche Schreibweise er für den Namen des Rechtsmediziners bevorzugt. FAZIT "Das Mädchenopfer" hat mich erstmal wegen des unglaublich genialen Covers angesprochen, das nicht nur unglaublich toll ausschaut, sondern sich auch super anfühlt. Mit der Prägung fühlt es sich wirklich so an, als würde die Stecknadel im Cover stecken. Doch leider entspricht der Inhalt so gar nicht seinem Äußeren. Weder Handlung, noch Schreibstil oder Charaktere konnten mich vom Hocker reißen. Trotzdem werde ich dem zweiten Teil der Reihe noch eine Chance geben. Vielleicht war es einfach nur ein etwas holpriger Auftakt. Problematisch find ich allerdings, dass James Oswald bisher im Fantasy-Genre zu Hause war, was man leider auch bei seinem Thriller gemerkt hat. Kurz: Eine gute Idee mit einer nicht ganz so gelungenen Umsetzung und einem Ende, das so gar nicht nach meinem Geschmack war.

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