Leserstimmen zu
Nachts, wenn der Tiger kommt

Fiona McFarlane

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Fiona McFarlane - Nachts, wenn der Tiger kommt

Von: Kerstin Junglen aus Flörsheim/Main

04.04.2014

Meinung: Ruth lebt seit dem Tod ihres Mannes Harry allein in einem abgelegenen Haus am Meer in Australien. Mit ihren beiden Söhnen hat sie meist nur telefonischen Kontakt und daher ist sie recht einsam. Eines Nachts wacht sie auf und meint, einen Tiger im Haus herumstreunen zu hören. Sie macht sich Gedanken, ob dieser Vorfall nun der Wahrheit entspricht oder ob das Altwerden etwas damit zu tun hat. Dann steht plötzlich die resolute Frida vor ihrer Tür, die angeblich vom Staat geschickt wurde, um sich um Ruth und deren Haushalt zu kümmern. Am Anfang genießt Ruth den neuen Kontakt zu dieser Frau, sie fühlt sich umsorgt und ist froh, mit jemandem reden zu können. Doch Frida schleicht sich immer mehr in das Leben von Ruth ein, fängt an sie zu bevormunden und zu kontrollieren. Was hat es mit dieser geheimnisvollen Frau auf sich? Nachts, wenn der Tiger kommt ist der Debütroman von Fiona McFarlane. Ruth ist ein ungemein sympathischer Charakter, der sich mit der Einsamkeit im Alter arrangieren muss und den Leser durch einige skurrile Angewohnheiten anzurühren vermag. Gerne würde man ihr eine helfende Hand reichen. Auf der anderen Seite ist da Frida, die vermeintliche vom Staat beauftragte Pflegerin, die sich in Ruths Leben einschleicht. Dieser Aspekt hat mich dann doch etwas gestört, denn weder Ruth zweifelt den Umstand an, dass eines Tages mir nichts dir nichts der Staat eine Pflegerin vorbeischickt. Auch ihre Söhne, vor allem Jeffrey, mit dem Ruth regelmäßig telefoniert, stören sich nicht daran und lernen Frida noch nicht einmal persönlich kennen. Dies war für mich etwas unglaubhaft. Dass mit Frida nicht alles mit rechten Dingen zugeht, ist von Beginn an klar. Sie vereinnahmt die alte Ruth immer mehr, macht ihr Vorschriften, nistet sich in einem ehemaligen Zimmer der Söhne ein und fängt an, Ruth immer mehr zu kontrollieren und zu manipulieren. Die arme Ruth lebt immer mehr in der Vergangenheit und in Träumen, bei ihr ist eine beginnende und auch fortschreitende Altersdemenz zu erkennen und somit hat die resolute Frida leichtes Spiel mit ihr. Das Ende kann kein gutes sein und somit ist dieses zwar abzusehen, aber macht, als es eintrifft, auch sehr traurig. Fiona McFarlane hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der sich wunderbar lesen lässt. Sie fängt nicht nur die Charaktere sehr gut ein, sondern auch die Szenerie des einsam gelegenen Hauses am Meer. Der Aspekt des Tigers, der laut Ruth nachts um und im Haus herumschleicht, stellte eine schöne Metapher dar, war mir aber ein wenig zu übertrieben. Trotzdem kann ich dieses Buch durchaus weiterempfehlen, denn es beschreibt die Thematik des Altwerdens in sehr schönen Worten mit einer Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt. Fazit: Ein zeitgenössischer Roman, der sich mit der Einsamkeit im Alter beschäftigt, aber auch mit der daraus resultierenden Gutgläubigkeit anderen gegenüber und wie diese diesen Umstand schamlos für sich selbst ausnutzen. Ein gelungener Debütroman!

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