Leserstimmen zu
Der Tag, an dem Rose verschwand

Linda Newbery

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Der Sommer 1990 verändert in dieser Geschichte alles. Er unterteilt das Leben von Anna und ihren Eltern in ein „Davor“ und „Danach“. Denn an diesem schicksalhaften Tag bleibt die Zeit in Sevenoaks stehen. Kein lautes Lachen hallt mehr durch die Räume – nur leises Flüstern erfüllt die Leere. Eine Leere die sich insbesonder in den drei Zurükgebliebenen verankert, ohne sich jemals wieder richtig zu füllen. Rose, die älteste Tochter, ist verschwunden. Niemand weiß was geschehen ist; lediglich ein Buch und ein Glas zeugen davon, dass sie noch wenige Stunden zuvor auf der Liege unter dem Pfirsichbaum saß und die Stunden genoßen hat. Die Geschichte wird aus Sicht von Anna erzählt, deren Leben sich durch das Verschwinden ihrer Schwester grundlegend verändert hat. Sie selbst konnte den Verlust, der auch nach zwanzig Jahren noch unaufgeklärt ist, nie verkraften und hangelt sich immer noch an die Hoffnung, dass das zarte Wesen, welches Rose immer war, irgendwann wieder auftauchen könnte. Im Lauf der Geschichte springt die Zeit oftmals hin und her. Der Leser erfährt, wie Anna ohne Rose erwachsen geworden ist und wie weit Eifersucht gehen kann. Aber auch viele Gehemnisse dringen in dieser Geschichte ans Licht und teilweise ist man als Leser selbst verwirrt, wenn man die Faden der Erzählung einmal verloren hat. Doch wer dran bleibt und sich auch durch die manchmal zu tiefgründigen Passagen pflügt, wird überrascht sein, welche Wendungen die Geschichte nimmt. Es passiert viel und obwohl man manchmal befürchtet, das es zu viel ist, findet sich immer wieder eine Erklärung die stimmig ist und dadurch nicht zu übertrieben wirkt. Sein Leben quasi für das seiner verschwundenen Schwester aufzugeben wirkt einerseits sehr ergeben, andererseits auch abhängig. Mich hat in dieser Geschichte sehr betrübt, dass die Hauptprotagonistin ihr Leben nicht mehr wirklich selbst bestimmt hat, sondern nur noch die Suche nach ihrer Schwester im Mittelpunkt stand und sie jede Entscheidung ihres eigenen Lebens von dieser abhängig gemacht hat. Alles in allem erzählt sich die Geschichte gut, auch wenn die Autorin zeitweise abzuschweifen scheint. Ich wollte Anna am liebsten immer wieder an die Hand nehmen und ihr sagen, dass sie ihren eigenen Weg machen muss, denn es scheint, dass sie in den zwanzig Jahren, die in diesem Buch beschrieben werden, kaum ein Jahr älter wird in Bezug auf ihre Entscheidungen und Veränderungen. Sicherlich ist es auch nachvollziehbar, dass man auch noch nach Jahren nach einem geliebten Menschen sucht, aber ich konnte nicht verstehen warum man nicht irgendwann einen Schlussstrich zieht. Neben Anna spielt auch ihre Mutter eine große Rolle, denn wie man nach und nach erfährt, haben ihre frühen Entscheidungen ebenfalls auf die aktuelle Situation hingearbeitet. Und auch wenn das Hauptthema dieses Buches die Suche nach einer Frau ist, die ihren eigenen Weg gegangen ist ohne zurück zu blicken, gibt es auch kleine Einstreuungen, wie der Themen Verdrängung und Alzheimer, Eifersucht und auch Homosexualität. Aus diesem Grund hat mir die Geschichte gut gefallen und wurde für mich immer wieder schlüssig. Doch zeigt Linda Newbery auch klar, wie sich Leben in all der Zeit verändern und was für Schritte man manchmal wagen muss um in Richtung des eigenen Glückes zu gelangen. Dies ist ein Roman, der nicht ganz leicht dahinläuft, der immer wieder Abzweigungen und Zeitreisen unternimmt, der mich aber gerade dadurch an sich binden konnte. Manchmal kommt man aber auch ins Grübeln, ob es nicht zu viele Erlebnisse und Geschehnisse in einer Familie sind, die da niedergeschrieben wurden. Der ein oder andere wird wie ich schnell ahnen, was noch auf den Leser zukommt und schon früh erkennen wo der Weg hinführt, da der Weg aber im Nebel zu liegen scheint wird es an einigen Stellen spannend. Eine Familiengeschichte die jede Generation anders trifft und berührt. Die mit Vorurteilen kämpft und diese immer wieder in Frage stellt um sie dann zu beseitigen. Eine wunderbare Geschichte über das Leben, Verlust und einer Wahrheit, die zeigt, dass Wünsche und Hoffnungen sich oftmals von der Realität unterscheidet. Wer undurchsichtige Geschichte mag, die viele Wendungen und viele kleine Einzelgeschichten in sich beinhaltet, wird hier sehr gut aufgehoben sein.

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Meinung / Fazit: Es geschah um Viertel nach zwei an einem Mittwochnachmittag... so lautet die Überschrift des Klappentextes. Ein Tag, der auch nach zwanzig Jahren bei Anna und ihren Eltern noch immer lebendig ist. Durch ihr plötzliches Verschwinden wurde Rose auf einen Sockel gestellt. Sie, die perfekte Tochter und Schwester. Sie verstand es, sich stets in gutem Licht darzustellen. Ihr Verschwinden war egoistisch und dass sie ihre Familie in Ungewissheit zurückließ, kümmerte sie nicht. Anna bekommt ihr tägliches Leben nach Rose Weggang nicht so recht auf die Reihe. Denn auch noch zwanzig Jahre danach sucht sie nach Rose und der Antwort: Warum! Die Mutter Cassandra hat den frühen Tod ihres Bruders Roland nie so richtig verarbeitet. Auch gibt es bei ihr ein lang gehütetes Geheimnis, von dem nur ihre Eltern wissen und welches bisher - auch vor ihrem Mann Donny - verschwiegen wurde. Und nun ist Rose weg! Kein Wunder, dass sie irgendwann mit den Nerven am Ende war! Auf verschiedenen Zeitebenen beschreibt die Autorin in einem flüssigen Schreibstil Personen, Landschaften und Handlungen. Die Charaktere wurden gut dargestellt und sie verstand es, die oft bedrückende Stimmung - die bis kurz vor Ende der Geschichte anhielt - anschaulich wieder zu geben. Eine interessante Geschichte um mehr als ein Familiengeheimnis.

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Aufmachung des Buches Eine Frau läuft in einem Sommerkleid auf einer Schiene Richtung Horizont. Das Bild wirkt leicht melancholisch. Der Himmel ist bewölkt und irgendwie entsteht kein gutes Gefühl beim Betrachten des Fotos. Wahrscheinlich soll die Frau die verschwundene Rose darstellen. Ich bin dem Cover neutral eingestellt. Mir würde das Buch im Buchhandel nicht direkt auffallen. Inhalt Die Autorin Linda Newbery erzählt in ihrem Roman „Der Tag, an dem Rose verschwand“ von einer dramatischen Familiengeschichte. Seit zwanzig Jahren ist Rose verschwunden. Ihre Schwester Anna und auch die Eltern können nicht wirklich mit der Sache abschließen. Lebt Rose noch oder ist sie einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen? Anna beginnt noch einmal zu recherchieren. Sie lebt seit Rose Verschwinden gedanklich immer noch in der Vergangenheit. Auch ihre Eltern durchleben immer noch die Qual der Ungewissheit. Cassandra, Annas Mutter, verbirgt seit den 60er Jahren auch ein Geheimnis von dem niemand weiß. Wer ist Rosanna, die sie ständig erwähnt? Ist es einfach nur eine Verwirrtheit oder steckt mehr dahinter? Anna kommt langsam einem Familiengeheimnis auf die Spur. Wird sich der Fall Rose endlich nach zwanzig Jahren klären? Meine Meinung Linda Newbery hat bei „Der Tag, an dem Rose verschwand“ eine interessante, aber auch tragische Familiengeschichte geschaffen. Warum ist Rose vor zwanzig Jahren verschwunden? Was ist mit ihr geschehen? Anna kommt einem Geheimnis auf die Schliche, dass Roses Verschwinden etwas mit einem Ereignis aus den 60er Jahren zu tun hat. Die Geschichte ist aus verschiedenen Perspektiven erzählt: Aus Annas und aus Cassandras Sicht. Man lernt die Jugendzeit von Cassandra alias Sandy in den 60er Jahren kennen. In der Zeit haben zwei aufeinander folgende Ereignisse Sandys Leben auf tragische Weise beeinflusst, die sie bis zur Gegenwart verfolgen. Anna kann mit der Ungewissheit um Roses Verbleiben auch nach zwanzig Jahren nicht abschließen. Sie beginnt noch einmal das Verschwinden von Rose zu rekonstruieren. Dabei befragt sie Personen aus Roses Vergangenheit und kommt ganz langsam der Wahrheit auf die Spur. Immer wieder wird auch in Roses und Annas Schwesternleben zurückgeblickt. Hierbei wurde mir Rose leicht unsympathisch. Ihr Charakter hat mir nicht sehr gefallen, denn sie ist mir einfach zu gefühlskalt und merkwürdig vorgekommen. Erst heult sie beispielsweise wegen einer Sache und plötzlich lacht sie genau über das gleiche Ereignis. Da weiß man ja nicht mehr, ob sie einfach nur schauspielert. Anna hat in der Jugendzeit auch etwas über Rose erfahren, was eventuell mit ihrem Verschwinden zu tun haben könnte. Mehr möchte ich aber nicht verraten um die Spannung nicht vorweg zu nehmen. Anna hat sich in ihrem Leben zu oft nach Rose gerichtet, auch nach ihrem spurlosen Verschwinden. Sie kann auch nicht richtig in ihrer Beziehung zu Martin aufgehen, lieber flüchtet sie zu Martins Exfrau Ruth aufs Land. Wird Rose ein Hindernis bleiben und die Beziehung zu Martin zerstören? Das Buch lässt sich für mich nicht an einem Stück durchlesen. Dies hat nicht mit dem Schreibstil zu tun sondern eher mit dem Inhalt. Teilweise ist die Handlung schon sehr bewegend und man muss das Gelesene erstmal ein wenig verarbeiten. Oft gibt es auch Rückblicke in die Vergangenheit, was meinen Lesefluss auch etwas beeinträchtigt hat. Die Geschichte ist somit nicht zeitlich fortlaufend sondern zeigt immer wieder Geschehnisse aus Sandys und aus Roses und Annas Jugendzeit. Anna tat mir oft leid. Ihre Mutter lebt dermaßen in der Vergangenheit, dass ich das Gefühl bekam, dass sie Anna gar nicht so richtig wahrnimmt. Sie trauert um verschiedene Dinge, aber Anna kommt mir einfach bei Cassandra zu kurz. Das Ergebnis der Geschichte war gut, aber so manches Verhalten von gewissen Personen kann ich einfach nicht nachvollziehen. Um dies näher zu erklären, müsste ich spoilern, deshalb werde ich mich nicht weiter dazu äußern. Lest selbst ;-)! Mein Fazit Lange habe ich zwischen drei und vier Sterne geschwankt. Letztendlich hat mir das Buch aber gegen Mitte/Ende doch ganz gut gefallen und somit vergebe ich vier Sterne. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

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