Leserstimmen zu
Jahrbuch der Lyrik 2015

Christoph Buchwald, Nora Gomringer

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Paperback
€ 19,99 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)

Im Jahr 2015 war es bereits das 35. Jahr, in welchem das Jahrbuch der Lyrik herausgekommen ist. Ziel der jeweiligen Ausgaben ist es, Gedichte aus der aktuellen Zeit zu vereinen und so dem Leser einen Eindruck zu geben vom zeitgenössischen Dichten und Denken der Lyriker. Es finden sich im vorliegenden Band Gedichte, die sich mit der Zeit und den Menschen, mit den politischen Verhältnissen und dem Leiden unter ihnen auseinander setzen. Es finden sich aber auch Gedichte, welche den Mensch an sich thematisieren mit seinem Leiden, seinem Denken, seinem Sein in dieser Welt. Aus über 1000 Einsendungen haben Christoph Buchwald und Nora Gomringer einen interessanten Ausschnitt ausgesucht und präsentieren damit eine grosse Bandbreite an Zeitgenössischer Lyrik – thematisch, formal und sprachlich. Fazit: Ein breiter Ausschnitt zeitgenössischen Dichtens. Sehr empfehlenswert für jeden Lyrik-Interessierten.

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so schreibt Christoph Buchwald, seit 30 Jahren Herausgeber des “Jahrbuchs der Lyrik”, in dem aktuellen Band für 2015. Zusammen mit Nora Gomringer hat er aus knapp 7.000 Einsendungen diese Ausgabe zusammengestellt und in 6+1 Kapitel verteilt. +1, weil das letzte sich um die (gelungene) Übersetzung ausländischer Gedichte ins Deutsche dreht. Ich habe mich schwer getan, dieses Buch zu bestellen, denn obwohl ich Lyrik schätze, lese ich sie fast nicht. Ich wollte mich ins kalte Wasser stürzen, das gefühlt um so kälter ist, als ich zeitgenössische Autor/innen dieser ältesten Gattung fast nicht kenne. Buchwald nennt Gedichte einen Kompass. Und das stimmt, obwohl sie oft wie Blitze aus heiterem Himmel in unseren Alltag krachen. Je mehr Blitze, desto wacher die Augen und Ohren – und um so besser die Orientierung, würde ich mal salopp formulieren. Gedichte können Halt geben. Nicht wenige Gefangene aus Kriegen und Diktaturen haben sich an Gedichten festgehalten, wenn die Realität nicht mehr auszuhalten war. Merkwürdig, dass eben ausgerechnet Lyrik heute einen eher zwielichten Ruf hat als flattriges, kokett-flüchtiges, lustig-lockeres Medium, ohne Ernst und Bodenhaftung. Dabei… Ich habe nicht von vorne nach hinten gelesen, sondern die Kapitel kreuz und quer (nicht alle, aber davon später). Die Kapitelüberschriften sind äußerst poetisch (kein Wunder, sind sie doch, wie man beim Lesen eines Kapitels versteht, stets eine Zeile oder ein Wort aus einem dort abgedruckten Gedicht), verrieten mir aber wenig über den zu erwartenden Inhalt. Ich habe sogar laut gelesen. Allerdings nicht lange. Zu viel Gefrickel. Zu wenig Überraschung. Und nur ein Gedicht, das mir wirklich ins Gesicht gesprungen ist. Und mir seine befremdlichen Bilder (aber dann kennst du eben doch alle haargenau) tief in den Gehörgang (meinetwegen auch direkt ins Gehirn) gedrückt hat: “Fingernägel” von Arne Rautenberg. Eins aus 7.000. War wohl ein schlechtes Jahr und ich begreife, warum (zeitgenössische) Lyrik einen miesen Ruf hat. Ein Gedicht, möchte man den Schreibenden zurufen, ist nicht nur eine verrätselte (oder mit der Nagelschere verschnittene) Textstruktur. Keine Worthuberei. Kein geschmackvoller Schwenk von links nach rechts. Schon lange keine vor Individualität strotzende Wörterparade. Ein Gedicht (zu schreiben) bedarf Mut. Mit Karacho ins freie Feld zu rennen oder gegen die Wand. Ein großes Ich ist da eher hinderlich (mindert das Tempo). Dennoch gefällt mir die Idee von einem Jahrbuch der Lyrik. Wer ehrlich ist, stellt halt 149 schlechte Gedichte zusammen, oder sagen wir 140, das von Rautenberg ist schließlich gut und auch die von Herta Müller oder Elke Erb. Ich habe diesen Band nach 4 Kapiteln weggelegt. Bin mir aber sicher, das nächste Jahrbuch 2016 wieder zu bestellen. Denn Lyrik ist – auch wenn sie schlecht ist – ein tolles Zeug – Zündstoff für alle möglichen Kapriolen (im und außerhalb des Kopfes). Ein nicht so überragendes, aber dennoch wichtiges Buch. Macht Appetit auf Kommendes. Buch der Lyrik 2015. Hrsg. von Christoph Buchwald und Nora Gomringer. Deutsche Verlags-Anstalt 2015. Ich danke Random-House herzlich für das Rezensionsexemplar.

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Ganz schön viel Wind, der da gerade ums Jahrbuch der Lyrik wirbelt! Ich hoffe, dass dies auch bei potentiellen Lesern und nicht nur bei Lyrikern selbst Beachtung findet. Ich kann mich nicht erinnern, dass in den Jahren zuvor, soviel diskutiert wurde. Mag es daran liegen, dass derzeit Lyrik ohnehin mehr im Focus steht, seit Jan Wagner als erster Lyriker überhaupt den Buchpreis erhalten hat? Seit sich die “Lyrikszene” in verschiedene Lager aufzuspalten scheint? Ich bin selbst recht im Zwiespalt, was den Inhalt des neuen Jahrbuchs angeht. Es gibt nur wenige Gedichte, die mich ansprechen. Gleichzeitig finde ich viele Lyriker/innen, die ich sehr schätze. Ich glaube aber, dass manche/r Lyriker/in, nicht mit den besten Gedichten vertreten ist. Und es fehlen viele Dichter, die ich mir gewünscht hätte… Die Auswahl für 2015 traf diesmal Bachmann-Preisträgerin Nora Gomringer, zusammen mit (wie immer) Christoph Buchwald. Aus Tausenden von Einsendungen wählten sie ihre Favoriten, die im Buch dann auf verschiedene Kapitel aufgeteilt wurden. Viel Ausschuß sei dabei gewesen, so Nora Gomringer, aber manches fehle auch. Was ich mag … ganz subjektiv: Ulf Stohlterfoht, S. 163 Stefanie Kemper, S.146 Richard Pietraß, S.43 Kerstin Becker, S. 145, Anblick: ” die Leute munkeln die Mutter hätts nicht gewollt doch es kam im Kopf ganz normal nur die Arme runde Stümpfe sonst fehlt nichts es steht manchmal im Hausflur stumm in der Ecke und durch seine nackte Erscheinung zucken die Leute wie Strom” Und natürlich Herta Müller (obwohl ihre Texte als Wortcollagen noch schöner sind) Alles in allem lohnt es sich, einen Blick hinein zu werfen ins Jahrbuch der Lyrik und selbst zu erkunden, ob und was gefällt. Das Spektrum ist dafür breit genug … http://www.randomhouse.de/Paperback/Jahrbuch-der-Lyrik-2015/Christoph-Buchwald/e438508.rhd

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