Leserstimmen zu
Wir waren furchtbar gute Schauspieler

F. Scott Fitzgerald, Zelda Fitzgerald

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Was bleibt nach Jahren der Ehe, wenn die Leidenschaft nur noch Leiden schafft? Was bleibt, wenn der Erfolg, Glanz und Jugend verebben? Was bleibt, wenn der Schein trügt und in Wahrheit das Ganze nur ein großes Schauspiel ist? Ein Hörspiel als Abbild der Ehe eines egozentrischen Künstlerpaars, die zusehends nur noch aus Vorwürfen, Anschuldigungen und Konkurrenzkampf besteht. Lebhaft und authentisch vorgetragen, dem Thema entsprechend und sehr ästhetisch gestaltet.

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Zelda und Scott

Von: Eva-Maria Heidenwag

22.07.2015

Ein glamouröses Paar ihrer Zeit waren sie ohne Zweifel. Zelda und F.Scott Fitzgerald. Skandal- und skandalumwittert waren sie. Er, der Autor des Großen Gatsby, war mitten in einer Schaffenskrise total verunsichert. Sie, Zelda eine doch eher mittelmäßige Malerin und Tänzerin, begabt und heimlich schreibend. Streit und Alkohol bestimmten ihr Leben. Ihre Ehe eher eine Hassliebe und zermürbend, auch begleitend von Vorwürfen. Ein schillerndes Paar, zu dessen Freunden auch Ernest Hemingway gehörte. 1933 treffen sich die Beiden bei dem Psychiater Dr. Thomas Rennie. Das Gespäch endet im Streit und die Abgründe werden sichtbar, ebenso der Konkurrenzkampf des Ehepaares. Lutz Hachmeister, der hier die Rolle des Dr. Thomas Rennie übernommen hat, entdeckte dieses erschreckend ehrliche Rededuell in den Archiven der Princeton University Library. Hochkäratig besetzt mit Birgit Minichmayer als Zelda und Tobias Moretti als F. Scott, liefern sie sich eine Eheschlacht ersten Ranges mit sehr viel Emotionen in den Stimmen. In meinen Worten ausgedrückt: "Das ging schon aufs Zahnfleisch". Was mir nicht so zugesagt hat, war die Stimme von Lutz Hachmeister, der das ganze Protokoll eher abzulesen schien. Die Übersetzung schrieb Hans Christian Oeser.

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Als das wohl glamouröseste Paar der Literatur gelten Zelda und F. Scott Fitzgerald. Sie sind Ikonen der Lost Generation und strahlen Glamour und Drama weit über die Literatur hinaus aus. Doch ihre Ehe wurde nicht nur beneidet, schlussendlich waren sie auch ihr gegenseitiger Untergang. So pompös sie in den 20er Jahren lebten und feierten, so gnadenlos bekämpften sie sich in 30ern und starben schließlich beide in den 40er Jahren. F. Scott erleidet verarmt und einsam in Los Angeles einen Herzinfarkt. Zelda kommt bei einem Brand in einer North Carolinaer Nervenklinik um, in der sie nach ihrem Nervenzusammenbruch mit diagnostizierter Schizophrenie lebte. Nun ist ein Originaldokument vom Psychiater Dr. Thomas Rennie erstmals auf Deutsch erschienen, dass die Abgründe der Fitzgerald-Ehe beleuchtet. 1933 haben sich die beiden mit dem Psychiater getroffen und mit ihm über ihre Ehe gesprochen, in der Hoffnung auf eine Schlichtung. Beide hoffen noch, dass eine Versöhnung und ein gemeinsames Glück nicht unmöglich ist. Spannend wie ein Krimi führen die drei Sprecher eine intensive Unterhaltung über die Sehnsüchte und Bedürfnisse der berühmten Fitzgeralds. F. Scott steckt mitten in einer Schaffenskrise: Seit seinem Erfolg mit „Der große Gatsby“ schaut die gesamte Literaturwelt auf ihn. Er gilt als der bestbezahlte Autor von Erzählungen und ermöglicht ihm und Zelda dadurch ein Leben, das nach Außen wie ein einziges rauschendes Fest wirkt, eine große Villa und den Zugang zu den elegantesten Kreisen. Doch er fühlt sich von den Schriftstellerambitionen seiner Frau bedrängt. Er wirft ihr vor, dass sie ihn plagiieren würde, seine Ideen übernehmen würde und fürchtet um sein Ansehen als Autor. Ein Großteil der Unterhaltungen dieses knapp zweistündigen Hörspiels dreht sich um diesen Verdacht und seine Auflösung. Als Ehemann hat Scott alle Rechte auf seiner Seite, er kann eine Veröffentlichung, besonders wenn sein Name im Spiel ist, verhindern und er versucht seine Frau dazu zu bringen, die Schriftstellerei vollends aufzugeben. Für ihn ist sie ein aufmerksamkeitsheischendes Kind ohne ersichtliches Talent und sie sehnt sich nach künstlerischer und finanzieller Emanzipation. Fitzgerald_furchtbar_gute_Schauspieler_CD_Cover Zelda:“Ich will das Recht auf meinen eigenen Willen.“ Scott: „Und das kannst du nicht haben ohne mich zu zerbrechen, also musst du es aufgeben.“ Mit sprachlicher Brillanz und scharfzüngiger Analyse geht das Ehepaar aufeinander los, greift jede Schwäche des anderen brutal und offen an. So werden Alkoholismus, Medikamentenmissbrauch, häusliche Gewalt und die Manipulation der gemeinsamen Tochter Scottie ins Feld geführt und beinahe genüsslich vor dem Psychiater ausgebreitet. Doch es gibt auch leisere Töne, in denen man die Liebe und Verbundenheit des Glamourpaares zu erahnen scheint. Schöne Erinnerungen an die berühmte Zeit in Paris und gemeinsame Urlaube erlauben einen kurzen Rückblick auf eine schönere, heilere Zeit im Hause Fitzgerald. Der Respekt vor der gegenseitigen Intelligenz trifft aber immer wieder auf den eigenen sehr stark ausgeprägten Egoismus. Die Inszenierung von Lutz Hachmeister haucht diesem Dokument intensives, knisterndes Leben ein. Besonders die Sprecherleistung von Birgit Minichmayr ist beeindruckend. Ihre schnarrend, zuweilen heiser-erregte Stimme greift perfekt die Verzweiflung einer Ehefrau der 30er Jahre auf, die eher in eine Anstalt gesperrt wird, bevor man ihr Autonomie zugesteht. Fazit Eine herausragend inszenierte Lesung und ein spannender Einblick in eine der bekanntesten Ehen der Literaturgeschichte. Brutal und gnadenlos und doch von höchster sprachlicher Brillanz nehmen F. Scott und Zelda Fitzgerald ihre Ehe Stück für Stück auseinander. Spannend wie ein Krimi! kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt Eure Mareike F. Scott Fitzgerald, Zelda Fitzgerald – Wir waren furchtbar gute Schauspieler. Psychogramm einer Ehe Gelesen von Birgit Minichmayr, Tobias Moretti, Lutz Hachmeister Verlag: Der Hörverlag 2 Audio-CDs, Laufzeit: 109 Minuten, 19,99 €

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