Leserstimmen zu
Berlin Feuerland

Titus Müller

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In „Berlin Feuerland“ führt uns Titus Müller ins Berlin des Jahres 1848. Als „Feuerland“ wurde damals das Industrieviertel bezeichnet in dem das Gusseisen glühte, die Kessel unter Hochdruck brodelten und hohe Kamintürme ihren schwarzen Schlot über die Stadt niederregnen ließen. Eine Wiege des technischen Fortschritts und des preußischen Maschinenbaus. Jedoch bereiteten diese neuen Errungenschaften dem einfachen Handwerkern große Sorgen und Nöte … In den Jahren der beginnenden industriellen Revolution und der politischen Wandlung zur Republik teilte sich die nichtadlige Bevölkerung in die gehobene soziale Klasse der Bourgeoisie und des einfachen Proletariats. Aber auch von der geknechteten Arbeiterschaft ging eine starke Bewegung hervor, die sich gegen den ausbeuterischen Adel auflehnte. In ganz Mitteleuropa werden bürgerliche Grundrechte eingefordert und so natürlich auch in Berlin. Straßenkämpfe zwischen Aufständischen und dem Militär sind an der Tagesordnung. Tote und Verluste auf beiden Seiten! Hannes, der in Feuerland aufgewachsen ist und immer noch dort lebt, verdient sich sein Geld damit, reiche Damen in Berliner Elendsquartiere zu führen. Als er bei einer dieser Rundgänge Alice kennenlernt, entwickelt sich schnell eine innige Freundschaft. In meinen Augen ist der Roman aber sehr viel mehr als nur eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen. In vielerlei Hinsichten prallen hier Gegensätze, Welten und Lebensanschauungen aufeinander. Aus diesem Spannungsfeld zieht das Buch seinen Reiz! Nachdem ich „Berlin Feuerland“ beendet habe, kann ich auch sehr gut nachvollziehen, warum der Autor bei vielen Lesern einen hohen Stellenwert in der historischen Literatur hat. Er beschreibt nicht nur bildhaft und detailliert, er erzeugt durch seine Erzählweise eine bedrückende, düstere und doch knisternde Stimmung und man bekommt alle Facetten des Geschehenen mit. Was den politischen Hintergrund der Geschichte betrifft schreibt Titus Müller, direkt und offen über das Thema und lässt auch grausame Details nicht aus. Es wäre für den Autor ein Leichtes gewesen, für eine Seite Partei zu ergreifen und die Gunst der Leserschaft durch unterschwellige Manipulation auf die eine oder andere Seite zu ziehen, er bleibt aber neutral und lässt uns selbst die Richtung wählen. Neben unseren beiden Protagonisten sind auch einige historisch belegte Persönlichkeiten in die Geschichte eingebunden. Ein nicht unwesentlicher Teil der Handlung widmet sich dem damaligen Polizeipräsidenten Julius von Minutoli und dessen Bemühungen, den Aufstand zu verhindern oder zumindest ohne Blutvergießen zu beenden. Diese Mischung aus realen und fiktiven Personen, eingebunden in historisch belegte Ereignisse macht dieses Buch so lesenswert.

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Ein ganz großes Buch!

Brandenburger Tor Museum

Von: Miriam Nawroth aus Berlin

24.08.2018

Einige Wochen im März 1848. Richtig, bei diesem Datum liegt Revolution in der Luft! Revolution, die aus dem unübersehbaren Ungleichgewicht zwischen Adel und Arbeiterklasse erwächst. Die industrielle Revolution hat Berlin schon lange erreicht, Borsig und Co. haben ihre Fabriken vor den Toren Berlins errichtet, jenseits des Oranienburger Tors, im “Feuerland”, wo alle Fabrikschornsteine Tag und Nacht rauchen… Im Feuerland wohnen die Ärmsten der Armen, zu Dutzenden auf engstem Raum, in dunklen, feuchten Mietskasernen und Hinterhöfen – während das Großbürgertum unter den “Linden” wandelt und sich höchstens mal zum Gruseln in die Bezirke jenseits der Stadtgrenzen verirrt. So geschieht es Alice, die als Tochter des Kastellans im Stadtschloss wohnt und mit ihren Freundinnen einen Ausflug ins Armenviertel unternimmt. Hannes Böhm führt die feinen Damen herum und weiß genau, wie man ihnen den einen oder anderen Silbergroschen abnimmt… Titus Müller kann schreiben, und wie! Wir sind nahezu leibhaftig dabei, wenn die ersten Barrikaden errichtet werden und die bedrückende Stimmung im Volke sich zuspitzt. Ein ganz großes Buch!

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Berlin, 1848: der Adel lässt es sich gut gehen, während die Ärmsten der Armen im Feuerland für kargen Lohn ihre Körper zerstören. Doch das wollen sie sich nicht weiter bieten lassen. Sie wollen Mitspracherecht, Pressefreiheit und faire Löhne. In dem Gewühl träumt der junge Hannes von einem Leben jenseits des Feuerlandes. Dafür führt er reiche, verwöhnte Damen durch sein Elendsviertel. Und begegnet dabei Alice, einer frei denkenden, aber nicht frei lebenden Tochter des Kastellan des Schlosses. Er ist fasziniert, doch was soll so eine mit so einem wie ihm? "Berlin Feuerland" ist mein erster historischer Roman von Titus Müller und nach der Lektüre frage ich mich: warum eigentlich? Der Autor erzählt die Geschichte des Aufstandes so bildhaft, mitreißend und klar, dass ich mich zwischendrin immer wieder erinnern musste, dass ich selbst im Berlin des Hier und Jetzt sitze. Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Man folgt sowohl Hannes und seinem Leben im Feuerland, als auch Alice, die ihr Leben im Schloss mehr oder weniger genießt. Interessant fand ich auch die Denkweise des Hauptkommissars Julius von Minutoli. Dieser muss in Berlin für Ruhe und Ordnung sorgen, hat seine Spitzel in den Reihen der Aufständischen und muss dennoch merken, dass man niemanden trauen kann. Diese Mischung aus allen Blickwinkeln vom Adel bis zum Aufständischen selbst hat mir sehr gut gefallen. Denn Titus Müller bezieht damit selbst keine Stellung, sondern überlässt dies seinen Lesern. Toll! Die Figuren, allen voran Alice und Hannes, sind mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und werden nicht nur mit Worten, sondern auch mit ihren Taten charakterisiert. Mit Alice habe ich heiße Diskussionen geführt, mit Hannes von der großen Welt geträumt, dem Offizier Victor hätte ich mehr als einmal eine zimmern können und Hannes' besten Freund Kutte wollte ich schütteln, umarmen und zur Besinnung rufen. Einfach großartig! Ich habe bei historischen Romanen meist die Angst, dass eine Liebesgeschichte alles andere in den Schatten stellt. Diese Sorge ist bei diesem Buch unbegründet. Titus Müller findet einen tollen Weg zwischen einer Romanze und den Aufständen. Mich hat überzeugt, dass der Autor die Liebesgeschichte im Angesicht der sich überschlagenden Ereignisse in den Hintergrund hat treten lassen. So wirkt das Gesamtwerk glaubwürdig und korrekt. Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist mitreißend, aber nicht reißerisch. Titus Müller schlägt ruhige Töne an, wo sie angebracht sind, wird deutlich und eindringlich, wo es nötig ist. Für mich ein grandioser und ausgewogener Stil! Fazit: Kämpft mit Hannes und rebelliert mit Alice. Ich kann das Buch nur empfehlen!

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Hannes ist selbsternannter Fremdenführer im Berlin Feuerland. Er führt betuchte Damen durch die elenden Viertel, gewährt Einblicke in das arme Leben der Arbeiter. Die Damen bezahlen ihn und Hannes spart eisern jedes einzelne Geldstück. Bei einer dieser Führungen lernt er Alice kennen, die im Berliner Stadtschloss als Tochter des Kastellans zu hause ist. Auch wenn Hannes mit einigen Geschichten versucht, seine Führung so interessant und vor allem so elendig wie möglich zu gestalten, so kommt ihm Alice doch auf die Schliche. Sie sieht allerdings auch das wirkliche Elend und ist schockiert, dass Menschen in Berlin so leben müssen. Hannes und Alice sind beide von einander fasziniert und beginnen sich öfter und vor allem heimlich zu sehen. Doch die Märzunruhen im Jahre 1848 lassen ein Beisammensein der Beiden zur Unmöglichkeit werden. Hannes, der nie aktiv kämpfen wollte, findet sich plötzlich mittendrin. Er muss sich entscheiden.. "Berlin Feuerland" ist ein Historischer Roman über eine Zeit in der die Unterschiede zwischen den einzelnen Schichten enorm groß waren und der sich die Menschen der Unterschicht zur Wehr setzen wollten. Wie schon in vergangenen Romanen aus der Feder des Titus Müller, bedient sich dieser an realen Personen, die wirklich gelebt haben. Einzig die zwei Protagonisten sind erdacht, könnten aber so zu der Zeit gelebt, geliebt und gehandelt haben. Das macht den Roman zu etwas sehr einzigartigem. War man zuvor mit der Geschichte Berlins nicht so vertraut, so schafft es Titus Müller erneut, eine gewisse Neugier auf das Thema zu wecken. Besonders wichtig ist hierbei der Anhang, in dem der Autor den geschichtlichen Hintergrund etwas näher erläutert. Die Dauer der Handlung beschränkt sich auf einige Tage und hat doch eine sehr weitreichende Wirkung. "Berlin Feuerland" hat das Zeug zu einem echten Pageturner. Der Roman ist gespickt mit allerhand politischen Begebenheiten, die keinesfalls trocken oder angestaubt wirken, im Gegenteil, gerade diese Sequenzen sind sehr lesenswert und bieten eine große Abwechslung zur Geschichte um Hannes und Alice. Sie zeigt Hintergründe, lässt verstehen, warum die Personen im Roman handeln, wie sie es tun. Alle Figuren sind so gut ausgearbeitet, dass man sie sich bildlich vorstellen kann. Das dabei der ein oder andere vollkommen unsympathisch daher kommt, wertet den Plot sehr auf. Titus Müller hat einen sehr leicht zu lesenden Schreibstil und schafft es trotzdem die Fantasie der Leser anzuregen. Was würde ich anstelle der jeweiligen Figur tun? Ist ihr Handeln schlüssig? Auch während diese oder andere Fragen durch den Leserkopf fliegen, bleibt man trotzdem immer bei der Geschichte. Es fällt schwer zwischendurch eine Pause zu machen, zu groß ist die Neugier, was als nächstes passieren wird. Titus Müller schafft es mit diesem Roman, einen Teil der Berliner Geschichte so lebendig werden zu lassen, dass man meint, man stünde auf den Straßen des Elendsviertels genauso wie man die Treppen im Schloss erklimmt. Ein Roman der mit geschichtlichem Hintergrund, politischen Intrigen und vor allem mit einer zwar erdachten, aber sehr authentischen Liebesgeschichte aufwartet. (Die vollständige Rezension befindet sich auf http://buchgefieder.blogspot.com/

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Titus Müller benötigt nur einen Zeitraum von wenigen Tagen, um eindrucksvoll den Märzaufstand von 1848 zu schildern. Dazu führt er mich als Leser zum einen ins Feuerland, wo ich Hannes kennen lerne, ein pfiffiger junger Mann, der mit aller Kraft versucht, seine Träume von einem besseren Leben wahr zu machen. Auf der anderen Seite, nämlich im Berliner Stadtschloss, treffe ich auf Alice, eine unkonventionelle und selbstbewusste junge Frau, die Hannes den Kopf verdreht. Und mit diesen beiden jungen Leuten erlebe ich die aufregenden und spannenden Tage im März 1848. Gekonnt hat Titus Müller die besondere Atmosphäre jener Zeit eingefangen, hat seine Sprache dieser Zeit angepasst und lässt seine Charaktere zeitgemäß reden. Und gerade diese direkte Rede ließ mich oft schmunzeln. Es war schön, längst vergessene Redewendungen zu entdecken und das alte Berlinerisch war für mich ein besonderer Genuss. So brauchte es nur wenige Zeilen und ich konnte abtauchen in die von Titus Müller arrangierte Zeitreise. Die aufgeheizte Stimmung auf den Berliner Plätzen und Straßen hat Titus Müller ganz besonders eingefangen. Er erzählt aus verschiedenen Blickwinkeln und verschafft mir so die Möglichkeit, mich wirklich dabei und mittendrin zu fühlen. Atemberaubende Spannung vermischt sich mit der ganz besonderen Art von Titus Müller, diese Szenarien zu beschreiben. Fantastisch! Besonders schön fand ich die vielen Kleinigkeiten, die am Rande beschrieben wurden und damit eine unnachahmliche Kulisse schaffen. Titus Müller ist bekannt für seinen Blick gerade für die kleinen Dinge, die er dann sehr liebevoll darstellt und ich liebe es jedes Mal aufs Neue. Einen ganz speziellen Platz hat er zwei bedeutenden Persönlichkeiten jener Zeit eingeräumt: Julius von Minutoli, der damalige Berliner Polizeipräsident, und General Ernst von Pfuel. Eindrucksvoll schildert Titus Müller deren Gewissenskonflikte und ihre tragenden mitunter auch tragischen Rollen in diesen stürmischen Zeiten. Ihre Auftritte gehörten genau so zu meinen Lieblingsszenen wie all die dramatischen und auch anrührenden Szenen. Natürlich hat auch die Liebesgeschichte von Alice und Hannes ihren Raum in diesem lebendig geschilderten Zeitzeugnis. Frei von jeglichem Kitsch aber mit viel Humor und Gefühl fügt sie sich wunderbar in diese spannende Erzählung ein. Fazit: Diese Geschichte ist vollgepackt mit sehr vielen historisch belegten Ereignissen und so spannend und flüssig geschrieben, dass es mir eine Freude war, mit Titus Müller auf eine interessante und informative Zeitreise zu gehen!

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Titus Müller benötigt nur einen Zeitraum von wenigen Tagen, um eindrucksvoll den Märzaufstand von 1848 zu schildern. Dazu führt er mich als Leser zum einen ins Feuerland, wo ich Hannes kennen lerne, ein pfiffiger junger Mann, der mit aller Kraft versucht, seine Träume von einem besseren Leben wahr zu machen. Auf der anderen Seite, nämlich im Berliner Stadtschloss, treffe ich auf Alice, eine unkonventionelle und selbstbewusste junge Frau, die Hannes den Kopf verdreht. Und mit diesen beiden jungen Leuten erlebe ich die aufregenden und spannenden Tage im März 1848. Gekonnt hat Titus Müller die besondere Atmosphäre jener Zeit eingefangen, hat seine Sprache dieser Zeit angepasst und lässt seine Charaktere zeitgemäß reden. Und gerade diese direkte Rede ließ mich oft schmunzeln. Es war schön, längst vergessene Redewendungen zu entdecken und das alte berlinerisch war für mich ein besonderer Genuss. So brauchte es nur wenige Zeilen und ich konnte abtauchen in die von Titus Müller arrangierte Zeitreise. Die aufgeheizte Stimmung auf den Berliner Plätzen und Straßen hat Titus Müller ganz besonders eingefangen. Er erzählt aus verschiedenen Blickwinkeln und verschafft mir so die Möglichkeit mich wirklich dabei und mittendrin zu fühlen. Atemberaubende Spannung vermischt sich mit der ganz besonderen Art von Titus Müller, diese Szenarien zu beschreiben. Fantastisch! Besonders schön fand ich die vielen Kleinigkeiten, die am Rande beschrieben wurden und damit eine unnachahmliche Kulisse schaffen. Titus Müller ist bekannt für seinen Blick gerade für die kleinen Dinge, die er dann sehr liebevoll darstellt und ich liebe es jedes Mal aufs Neue. Einen ganz speziellen Platz hat er zwei bedeutenden Persönlichkeiten jener Zeit eingeräumt: Julius von Minutoli, der damalige Berliner Polizeipräsident und General Ernst von Pfuel. Eindrucksvoll schildert Titus Müller deren Gewissenskonflikte und ihre tragenden mitunter auch tragischen Rollen in diesen stürmischen Zeiten. Ihre Auftritte gehörten genau so zu meinen Lieblingsszenen wie all die dramatischen und auch anrührenden Szenen. Natürlich hat auch die Liebesgeschichte von Alice und Hannes ihren Raum in diesem lebendig geschilderten Zeitzeugnis. Frei von jeglichem Kitsch aber mit viel Humor und Gefühl fügt sie sich wunderbar in diese spannende Erzählung ein. Fazit: Diese Geschichte ist vollgepackt mit sehr vielen historisch belegten Ereignissen und so spannend und flüssig geschrieben, dass es mir eine Freude war, mit Titus Müller auf eine interessante und informative Zeitreise zu gehen!

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Von Titus Müller wollte ich schon immer mal ein Buch lesen, da der Autor mir bereits mehrfach empfohlen worden ist und mit diesem Buch ist mir das nun endlich gelungen. Tja und was soll ich sagen? Meine Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen. In dem historischen Roman geht es um die Berliner März- Revolution des Jahres 1848. Hier begegnen wir Hannes Böhm, der im Industrieviertel Feuerland lebt. Er verdingt sich als Fremdenführer durch das Elendsviertel Berlins, um seinem Schicksal ein wenig zu entkommen. Bei einer dieser Führungen trifft er auf Alice, Tochter aus besseren Kreisen. Wie wird das Schicksal der beiden verlaufen? Ein autarker Erzähler führt uns durch die Geschehnisse, so dass wir alle Charaktere von außen miterleben. Dabei gelingt es dem Autor dafür zu sorgen, dass für keine Seite Partei ergriffen wird, sondern dass sich der Leser selbst dazu eine Meinung bilden kann. Die agierenden Protagonisten, allen voran Hannes und Alice werden detailliert beschrieben. Hannes bewunderte ich vor allem für seine Cleverness und Alice für ihren Mut aus den Konventionen ihrer Gesellschaftsschicht auszubrechen. Man versteht ihre Denke und kann ihr Handeln immer nachvollziehen. Zudem treten zahlreiche, real existierende Personen auf, was die Handlung besonders glaubhaft erscheinen lässt. Titus Müller gelingt es sehr gut die damalige Zeit dem Leser näher zu bringen. Besonders die Darstellung des Elends der Arbeiter hat mir des Öfteren einen Schauer auf der Haut verursacht. Mit diesem Roman wird reale Geschichte greifbar und spannend. Fazit: Für Histofans ein Must-Read. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen und mich nach weiteren Romanen des Autors umsehen. Klasse!

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Während es in mehreren europäischen Städten zu Aufständen gegen die bestehende Ordnung kommt, verschärft sich auch im preußischen Berlin die Situation. Durch die Industrialisierung haben viele Handwerker ihren Beruf und Einkommen verloren, Arbeitskraft kostet nichts mehr und ist austauschbar, da ein Heer von Arbeitssuchenden bereitsteht. Im Berliner Feuerland leben die Ärmsten der Ärmsten, die nicht wissen, wo sie den nächsten Kanten Brot bekommen sollen und deren Kinder an den Folgen von Hunger und Krankheit sterben. In diesem Umfeld lebt der junge Hannes, der von einem besseren Leben träumt und alles daran setzt, dem Elend Feuerlands zu entkommen. Dabei lernt er Alice kennen, die Tochter des Schlosskastellans, und verliebt sich in sie. Aber da gibt es auch noch den adeligen Premierleutnant Victor, der sich für Alice interessiert. Währenddessen laufen im Untergrund die Vorbereitungen für einen bewaffneten Aufstand gegen den König, auch Hannes' bester Freund versucht ihn für die Sache zu gewinnen. Ich kann mich noch erinnern, daß die Märzrevolution von 1848 damals im Geschichtsunterricht keinen sehr großen Raum eingenommen hat, so daß mir die Ursachen und Folgen des Aufstands nicht mehr sehr präsent waren. Das hat sich mit diesem Roman geändert. Aus verschiedenen Perspektiven lässt der Autor seine Figuren die Auslöser der Revolution erkennen und wird Zeuge, wie der Aufstand geplant und durchgeführt wurde. Interessant ist dabei zu erfahren, daß auch Prominente und Menschen aus den besseren Gesellschaftsschichten die Revolution tatkräftig unterstützten. Aber auch in Regierungskreisen gab es gemäßigte Kräfte, die vorausschauend auf eine friedliche Lösung bedacht waren – und die durch die aggressiveren Vertreter ausgebootet wurden. Mehr als einmal hätte man das Geschehen in friedlichere Bahnen lenken und damit viele Tote vermeiden können. Sehr schön kann man das an den historischen Figuren des Polizeipräsidenten Julius von Minutoli und General Ernst von Pfuel erkennen, zwei der Hauptfiguren in dem Roman. Viele der im Roman aufgeführten Geschehnisse und Zitate entsprechen historischen Fakten, wie in dem ausführlichen Anhang erläutert wird. Gut gefallen haben mir die unterschiedlichsten Sichtweisen aller Gesellschaftsschichten auf die Lage der Arbeiter - wie so oft, vernebeln auch hier Vorurteile und falsche Informationen die Sicht auf die wahren Zustände. Hannes Böhm erscheint zu Beginn des Buches als ein kleiner Filou, wie er junge Frauen aus besseren Kreisen gegen Entgelt durch das Berliner Armenviertel Feuerland führt, und ihr Mitleid ausnutzt, um ihnen die Geldbörse zu öffnen. Aber bald wird klar, in welchem Elend die Menschen dort leben und sie jeden Strohhalm ergreifen müssen, um das Überleben für sich und ihre Familien irgendwie zu sichern. Das erkennt auch Alice Gauer bei einer der Führungen und tut sich immer schwerer, das Elend einfach zu ignorieren. Bei der Wahl ihrer Verehrer ist sie allerdings eher unsicher, für welchen sie sich entscheiden soll. Die enge Verzahnung von Fiktion und historischen Ereignissen ist dem Autor in diesem Buch wieder gut gelungen und ich freue mich schon auf die weiteren Projekte von ihm.

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