Leserstimmen zu
Zum Sterben schön

Tessa Korber

Die Bestatterkrimis (2)

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Worum geht es? In Nürnberg treibt ein Frauenmörder sein Unwesen. Junge Floristinnen werden reihenweise zu seinen Opfern. Doch er tötet sie nicht einfach, er richtet sie mühevoll her, schmückt sie mit Blumen und Pflanzen. Morbide und schön zugleich. Mittlerweile reicht es Hedwig Anders endgültig. Die Familie, das Haus und das familieneigene Bestattungsinstitut wachsen ihr über den Kopf, sie packt ihre Koffer und lässt Mann Wolfgang und Neffen Viktor allein und fährt in Kur. Derweil bricht das Chaos aus, Wolfgang jagt einem dreisten Urnendieb hinterher und wird von der so erfolgreich verdrängten Vergangenheit eingeholt, während Viktor zum Detektiv mutiert und zusammen mit seiner Freundin Miriam dem Killer auf der Spur ist. Ohne zu ahnen, dass dieser mit Miriam bereits sein nächstes Opfer im Visir hat. Rezension: Als bekennender Fan der Taunuskrimis von Nele Neuhaus tue ich mich ja gerne schwer mit diesem Genre. Anhand des Klappentextes und des Covers erwartete ich etwas ähnliches. Einen regionalen Krimi, der Spannung verspricht ohne zu blutrünstig zu sein. Ein "Tatort zum Lesen" wie ich es so gerne nenne. Mit seinen knapp 280 Seiten ist "zum Sterben schön" kein Wälzer und dem entsprechend konnte man ausgefeilte Spannungskurven und detailreiche Wendungen natürlich nicht erwarten, aber das schadet dem Roman von Tessa Korber in keinster Weise. Bereits auf den ersten Seiten wird klar, dass Viktor Anders sich nicht das erste Mal an polizeilichen Ermittlungen beteiligt. Das Buch ist also ein zweiter Teil, doch auch wenn man wie ich Teil 1 noch nicht gelesen hat, tut dies der allgemeinen Spannung und Qualität des Buches keinen Abbruch. Schnell findet man hinein, nähert sich den Charakteren an und versteht Zusammenhänge. Tessa Korber schreibt locker und zugänglich, das Lesen wird zum Vergnügen, statt zur Anstrengung und ehe man sich versieht sind die ersten hundert Seiten bereits verflogen. Besonders angetan haben es mir dabei die spitzfindigen, humorvollen und teils wunderbar ironischen Dialoge der Protagonisten. Kleine Spitzen an gesellschaftliche Phänomene und Undinge unserer Zeit. Nicht offensichtlich und keinesfalls gekünselt. Tessa Korber versteht es, Mord, Totschlag und Humor perfekt zu verbinden, so dass das Wort "Lesevergnügen" in Bezug auf "zum Sterben schön" definitiv angebracht ist. Während sich viele Kriminalromane wohl auf das Tatsächliche reduzieren und die Ermittlungen, Handlungen des Täters und Spekulationen in den Vordergrund rücken, schafft "zum Sterben schön" Schauplätze mit diversen offenen Enden. Die Taten des Floristinnen-Mörders stehen dabei natürlich im Zentrum, dennoch kommen auch Emotionen nicht zu kurz. Besonders berührend ist dabei sicher die Geschichte rund um Tante Hedwig, Onkel Wolfgang und die Familie Anders. Ohne es bewusst wahrzunehmen erfolgte bei mit zudem eine Auseinandersetzung mit dem Thema Tod, Bestattung und all dem was dahinter steckt. Ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft, denn wer wird schon freiwillig Bestatter? Ohne Aufsehen gelingt es dem Roman aber, genau dieses Berufsfeld zu beleuchten, nahezubringen und als ein ganz normales zu beschreiben. Bäcker, Bauarbeiter, Bestatter...was soll daran nicht normal sein? "Zum Sterben schön" ist in meinen Augen daher eine gelungene Mischung aus Spannung und sozialkritischen Themen, ohne belastend, unpassend oder nervtötend zu sein. Fazit: Wer regionale Krimis mag und auf blutrünstige Szenen verzichten möchte, der ist bei Tessa Korber und ihren Bestatter-Krimis goldrichtig. Ein bisschen Humor bereichert auch Kriminalromane, warum soll er also zu kurz kommen? Die Charaktere machen Lust auf mehr, so dass man sicherlich keinen Fehler begeht, beide bisher erschienen Teile rund um Viktor Anders und die Bestatterfamilie zu lesen. Gleichzeitig hoffe ich auf eine baldige Fortsetzung, denn auch als bekennender Neuhaus-Fan bin ich auf den Geschmack gekommen. Sicherlich ist es kein sehr anspruchsvoller Kriminalroman mit ausgefeilten Wendungen, doch für ein unterhaltsames Lesevergnügen zwischendurch, als Bus-/Bahnlektüre und unterwegs eignet sich "zum Sterben schön" definiiv perfekt. Von mir gibt es daher eine absolute Leseempfehlung von 5 Sternen!

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Der zweite Teil rund um den ‚Bestatter’ Viktor Anders hat mich zuerst ein wenig geärgert. Muss ich zugeben, denn da wurde aus ‚Katarine’ im ersten Teil mal schnell ‚Kerstin’. Echt, ich hab es extra nachgeschaut. Aber das ist auch schon alles, was ich zu meckern habe, denn in ‚Zum Sterben schön’ gelingt es Tessa Korber, die Protagonisten auf ein höheres Niveau zu heben und sie damit sympathischer und sehr stimmig zu machen. Dies gilt ganz besonders für Tante Hedwig und Onkel Wolfgang, die gegen Ende so wundervoll ‚liebevoll’ sind, dass es mir beinahe die Tränen in die Augen getrieben hat. Das ist der Moment, wenn man liest und Augen und Mund aufreißt, weil es so erstaunlich schön und herzergreifend ist – und so wenig Worte braucht. Ich liebe solche Buch-Momente. Auch ist der Krimi-Anteil deutlich höher und spannender als es in ‚Gemordet wird immer’ der Fall ist. Wobei Viktor zwar ermittlungstechnisch unterwegs ist, aber den Platz als Hauptprotagonist eigentlich nur noch innehat, weil er alle anderen Personen miteinander verbindet. Als Sympathieträger eignet er sich meiner Meinung nach immer weniger. Die Stellung der Autisten in diesem Buch ist noch höher und macht es als Nebenhandlung sehr interessant. Zumal sich hier wunderbare Entwicklungen abzeichnen – und Tessa Korber weiß, worüber sie schreibt. Auch was die Gedanken der Angehörigen behinderter Personen betrifft. Das hat mir sehr gut gefallen, weil es ehrlich ist und nicht mit Gutmenschentum zu tun hat, sondern mit Menschlichkeit. Vielen Dank dafür! Ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung gibt, denn es gibt noch einige offenen Fragen, deren Antworten man sich zwar irgendwie denken kann, die aber noch ein bisschen diffus sind. Fazit? Ein Krimi, der ganz viel mehr ist!

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