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Leserstimmen (4)

Heinrich Mann: Professor Unrat

Professor Unrat Reinhören

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Hörbuch CD ISBN: 978-3-8445-1173-4

Erschienen:  27.04.2015
Dieser Titel ist lieferbar.

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Ein toller Klassiker

Von: Leseträume Datum : 10.01.2016

www.sabrinaslesetraeume.de

Professor Raat ist ein alter, verbitterter, narzisstischer Tyrann von einem Lehrer, der es sich zur Aufgabe gemacht hat jenen Schülern, die sich in seinen Augen nicht korrekt verhalten, das Leben schwer zu machen. Da er von allen Schülern mit seinem verhassten Spitznamen „Unrat“ betitelt wird, hat er genügend zur Auswahl, aber auf den Schüler Lohmann hat er es ganz besonders abgesehen. Dieser ist ein intelligenter und spitzfindiger Zeitgenosse, der es immer wieder schafft den Professor zu Weißglut zu treiben, ohne das dieser ihn ernsthaft bestrafen kann. Eines Tages fällt Unrat, eher durch Zufall ein Liebesgedicht von Lohmann in die Hände, welches dieser über die Künstlerin Rosa Fröhlich verfasst hat. Um nun Lohman endlich habhaft zu werden und um die guten Sitten in der Stadt zu bewahren, macht sich Unrat auf die Suche nach dieser Künstlerin und findet sie tatsächlich. Triumphierend nimmt Unrat nun den Platz an ihrer Seite ein und wacht mit Argusaugen über sie, sodass Lohmann ihr nicht mehr zu Nahe kommen kann. Aber dann verliebt er sich selbst in die Künstlerin und will ihr die Welt zu Füßen legen, da sie in seinen Augen für höheres bestimmt ist. Aber kann das wirklich gut gehen?

Das Buch ist ja schon ein echter Klassiker und wurde auch schon am Ende der 1920er Jahre unter dem Namen „Der blaue Engel“ verfilmt und verhalf Marlene Dietrich zu einer weltweiten Karriere. Die Handlung des Buches ist der langsame Verfall des Professors Raat, welcher durch seine Verbitterung und den Wunsch nach Rache immer bestrebt war seinen Schülern das Leben schwer zu machen. Jede Schmach, jedes Fehlverhalten blieb in seinem Kopf hängen und auch wenn seine ehemaligen Schüler schon seit Jahrzehnten die Schule abgeschlossen haben, trägt er ihnen alles nach und versucht immer wieder einen Weg zu finden Rache zu üben. Man verfolgt das Leben einer narzisstischen Persönlichkeit, die sich selbst als am höchsten gestellt sieht. Einzig die Künstlerin Fröhlich, in die er sich verliebt und die ihm dabei helfen soll Rache zu üben, duldet er an seiner Seite und sieht sie stellenweise sogar über sich stehen. Durch seine Verblendung merkt Unrat gar nicht wie er nach und nach immer weiter an einen Abgrund gerät. Nicht nur im sozialen sondern auch im privaten Bereich. Es steht eine Menge zwischen den Zeilen und es regt auch zum Nachdenken an, ist aber trotz seiner ernsten Thematik auch irgendwie ziemlich lustig und stellenweise auch ein bisschen überzeichnet. Immerhin soll es auch eine Karikatur der damaligen Zeit darstellen.­

Der Stil ist etwas gehobener und manchmal muss man sich schon ein wenig konzentrieren um zu verstehen was gemeint ist. Aber Manfred Steffen macht seine Sache sehr gut und durch ein paar Wörter, welche im Dialekt gesprochen werden, wird die ganze Sache auch ein wenig aufgelockert. Insgesamt hat mir das Hörbuch ganz gut gefallen und deshalb kann ich auch

4 von 5 Punkten vergeben.­

Grandiose Vorlesekunst

Von: Lesetante Datum : 14.12.2015

https://mittenimlebenaufdemlesesofa.wordpress.com

Voller Freude nahm ich das Hörbuch vom Hörverlag entgegen, das dieser mir freundlicherweise zur Verfügung stellte. Lange ist es her, dass ich diesen beeindruckenden Roman von Heinrich Mann, dem Bruder des noch berühmteren Thomas Mann, las. Ich liebte ihn damals schon und ihn jetzt als Hörbuch, gelesen von Manfred Steffen, in der ungekürzten Version über 8 Stunden noch einmal erleben zu dürfen, ist eine wirkliche Bereicherung.

Da es sich um einen Klassiker handelt, der vielen bekannt sein dürfte, verzichte ich an dieser Stelle auf eine ausführliche Inhaltsangabe, die man u.a. hier nachlesen kann, und verweise lieber auf Marlene Dietrich, die in der Verfilmung “Der blaue Engel” die Rosa Fröhlich mimte.

Manfred Steffen (1916-2009) sprach das Hörbuch bereits 1982 für den NDR ein. Meisterhaft versetzt er sich in die einzelnen Rollen, brummt den Unrat, säuselt die Fröhlich und murrt wie die Jungen um Lohmann. Steffen lässt sich Zeit, genießt, was er tut, lebt die Rollen und verzaubert durch eine solch große Vorleselust, dass man das Geschehen in Einzelbildern im Kopf zusammensetzt. Man sieht, wie Unrat die Fröhlich anzieht und zurechtmacht, ihr jede einzelne Nadel aus dem Körper zieht.

Als Hörer erlebt man wahrhaftige Vorlesekunst. Die jungen Männer, Schüler von Prof. Rat, klingen ein wenig zu erwachsen, zu gereift, aber wie soll ein 66-jähriger Sprecher auch jung und unverbraucht klingen können!? Manfred Steffen hat mir enormes Vergnügen bereitet.

Mitreißend vorgetragene Hörbuchversion

Von: Lesemanie Datum : 03.10.2015

lesemanie.blogspot.de

Professor Raat ist Gymnasiallehrer in einer norddeutschen Kleinstadt zu wilhelminischer Zeit. Verknöchert und seit Jahrzehnten als Lehrer tätig, ist er vor allem verbittert und trägt eine Verachtung und Wut auf seine Schüler mit sich herum, die ihresgleichen sucht. Die Wurzel allen Übels ist sein Name: Statt "Raat" nennt ihn die halbe Welt "Unrat" und wenn der Witwer, der in seine Sätze homerische Füllwörter einfließen lässt, durch die Stadt geht oder die Schulgänge entlangschleicht, so hört er Geflüster: "es riecht nach Unrat!"

Besonders in der Schule macht ihn dieser Spitzname fuchsteufelswild und er ist ganz versessen darauf, die Übeltäter "zu fassen" und ihre Schullaufbahn zu beenden. Er grollt seinen Schülern auch noch Jahrzehnte später und bewegt sich verbissen durch die Stadt, die von seinen ehemaligen Schülern bevölkert ist. Ausflüge wie ein Besuch im Kaffeehaus, oder ein Abendspaziergang durch die Gassen der Wohnviertel gleichen einem Spießrutenlauf - von jeder Ecke wispert es "Unrat... so ein Unrat..." und so verbringt der Mann seine Abende in der Regel alleine in seinem Haus und sinnt über Homer nach oder darüber, wie er diesem oder jenem Schüler noch eins auswischen könnte.

Besonders wütend machen ihn die Schüler, die er nicht "fassen" kann, weil er sie nicht auf frischer Tat dabei ertappt, wie sie seinen verhassten Spitznamen anwenden. Dabei weiß er doch, dass sie ihn ebenso wie die anderen nutzen - schließlich tun es alle! Einer dieser Schüler ist Lohmann. Der Wunsch, diesen Schüler "zu fassen" steigert sich zur Besessenheit und als Unrat (Verzeihung, ich meine Professor Raat) eines Tages im Heft des Oberstufenschülers ein Liebesgedicht an "die Künstlerin Fröhlich" findet, glaubt er, sein Ziel endlich erreicht zu haben. Er macht sich auf die Suche nach dieser Künstlerin und findet sie schließlich: eine Tänzerin in der zwielichtigen Bar Blauer Engel (der Film mit Marlene Dietrich basiert auf Manns Roman).

In der Garderobe der Künstlerin finden sich in den Pausen immer Lohmann und zwei Freunde ein: Kieselack und der junge Graf Ertzum. Kritiker stören sich manchmal an der stark überzeichneten Art dieses Gymnasiastentrios, das sich auch problemlos in die Feuerzangenbowle einfügen könnte. Lohmann ist der stille, brütende Dichter, Kieselack der freche Bengel, der sich durch seine rotzige Art in der Clique behauptet und nicht durch etwaige hohe Geburt, die sowohl Lohmann - Sohn eines einflussreichen Vaters - als auch Ertzum - Graf in spe - anführen können. Ertzum schließlich ist der stämmig-blonde und dumme Landgraf, der der Künstlerin Fröhlich vollends verfallen ist und sie durch rohe Gewalt und Stärke zu beeindrucken sucht. Der Lehrer will sie eigentlich für dieses unsittliche, eines Gymnasiasten unwürdiges, Betragen (Frequentierung eines zwielichtigen Etablissements und Verkehr mit einer Kabarett-Tänzerin) zum Direktor schleifen und sie der Schule verweisen. Das Problem jedoch ist: er selbst verfällt der Künstlerin Fröhlich und macht sich so angreifbar.

Genüsslich folgt der Roman fortan dem moralischen Verfall des Professors und schließlich der ganzen Stadt. Durch zuhälterische Methoden gelingt Unrat die Rache, von der er seit Jahren träumt. Endlich vermag er es, alle diese ehemaligen Schüler, die er früher nicht zu fassen bekam, in den Ruin zu treiben - gesellschaftlicher und/oder finanzieller Natur. Das leicht Überzeichnete, das man nicht nur dem Gymnasiastentrio sondern auch anderen Charakteren unterstellen könnte, erweist sich nun als positiver Aspekt: es unterstreicht die Scheinheiligkeit des Lehrers, der Schule, der ganzen Gesellschaft. In meinen Augen stört die Überzeichnung daher gar nicht und von Anfang bis Ende ergibt sich eine runde Geschichte, die Spaß macht.

Gelesen wird das Buch in dieser ungekürzten Version (eine NDR-Produktion von 1982) von dem 2009 verstorbenen Manfred Steffen, der 40 Jahre lang am Thalia-Theater gewirkt hat und unter anderem auch den Gandalf in der Hörspielproduktion von Herr der Ringe spricht (überragend!). Steffens ruhige Stimme kommt für die Erzählerpassagen zum Einsatz. Ansonsten breitet er hier sein umfassendes Können aus: er flötet die Künstlerin Fröhlich ("Na, nun haben Sie sich mal nicht so, Unratchen..."), kräht den frechen Kieselack ("Unrat! Ich rieche Unrat!") und poltert den Professor ("Nun denn also, hinfort mit Ihnen!"). So vergehen die fast 8 Stunden schnell und als Hörer fühlt man sich den Personen schnell näher, als das sonst manchmal bei Hörbüchern der Fall ist.
Die Box an sich ist stabil und schön gestaltet und den Essay im Begleitheft, der unter anderem die vielen Adaptionen und die generelle Rezeption dieses Romanes erläutert, kann ich nur wärmstens empfehlen.

VOM TYRANNEN ZUM ANARCHIST...

Von: parden Datum : 09.09.2015

www.litterae-artesque.blogspot.de/

Der siebenundfünfzigjährige Gymnasiallehrer Raat ist Witwer. Nachdem sein Sohn viermal durchs Examen gefallen war und sich mit zwielichtigen Damen auf dem Marktplatz der Kleinstadt gezeigt hatte, trennte sich sein Vater von ihm. Seit 26 Jahren unterrichtet er am örtlichen Gymnasium, und seit mehreren Schülergenerationen kennt man den verschrobenen Professor unter dem Spitznamen "Unrat". Er überspielt seine Verklemmtheit und Unsicherheit, indem er seine Schüler wie Erzfeinde behandelt; im Unterricht stellt er ihnen Fragen, die sie nicht beantworten können, und er ist ständig darauf aus, dem einen oder anderen ein Fehlverhalten nachzuweisen. Am liebsten würde der Gymnasiastenschreck seine autoritäre Herrschaft auch außerhalb des Klassenzimmers durchsetzen, zumal die Stadt voll ist von seinen ehemaligen Schülern.

"Was in der Schule vorging, hatte für Unrat Ernst und Wirklichkeit des Lebens. Trägheit kam der Verderblichkeit eines unnützen Bürgers gleich, Unachtsamkeit und Lachen waren Widerstand gegen die Staatsgewalt, eine Knallerbse leitete Revolution ein, "versuchter Betrug" entehrte für alle Zukunft."

Im 17-jährigen Sohn des Konsuls Lohmann hat Unrat in der Schule einen besonderen Gegenspieler: er ist intelligent, durch Strafen nicht zu treffen und weiß genau, wie er den Professor in Rage bringen kann. Als Raat ihn wegen der Verwendung des Spitznamens "Unrat" in ein finsteres Garderobenzimmer, das "Kabuff", verweist, bemerkt er im Aufsatzheft des Schülers ein Gedicht mit dem Titel "Huldigung an die hehre Künstlerin Fräulein Rosa Fröhlich". Um Lohmann endlich zu Fall zu bringen, macht sich Raat auf die Suche nach diesem "Fräulein Rosa Fröhlich". Er findet heraus, dass sie als "Barfußtänzerin" in dem Vergnügungslokal "Der blaue Engel" auftritt. Angeblich um die moralische Hygiene seiner Schüler besorgt, sucht der Professor die verruchte "Barfußtänzerin" auf. Raat stürzt sich in die Gaststätte ohne einen wirklichen Plan, wird in einige Missgeschicke verwickelt und landet plötzlich in Rosas Garderobe. Schnell macht sich die in der Verführung geübte Tänzerin den tyrannischen Chauvinisten gefügig - er verlässt sehr verwirrt das Lokal. Am nächsten Morgen herrscht in der Schule ein gespannter Waffenstillstand: Raat befürchtet, dass seine Schüler ihn in der Klasse lächerlich gemacht haben – die Schüler befürchten, zum Direktor zitiert zu werden. Nach Schulschluss will Raat unbedingt vor seinen Schülern bei Rosa Fröhlich sein.

"Lohmann durfte nicht bei ihr sitzen und Wein trinken: das war Aufruhr, Unrat ertrug es nicht. Weiter war ihm nichts bewusst."

Von da an betrachtet Unrat es als seine Pflicht, jeden Abend im "Blauen Engel" zu sein und vor Rosas Eintreffen in der Künstlergarderobe die Toilettengegenstände zu ordnen, die saubersten Unterröcke und Höschen herauszusuchen und die Flickwäsche beiseite zu legen. Die Tänzerin steht jetzt unter seinem Schutz. So sorgt Raat nicht nur dafür, dass seine Schüler ihr nicht zu nahe kommen, er hält auch andere Verehrer von ihr fern und wirft etwa einen Schiffskapitän hinaus, der sie in der Künstlergarderobe besuchen will. Zwei Lehrerkollegen, die Gerüchten nachgegangen sind und sich vergewissert haben, dass sich Raat mit Rosa Fröhlich in deren Garderobe trifft, sprechen ihn darauf an, aber er weist sie darauf hin, dass das nicht ihre Angelegenheit sei. Der Schuldirektor stellt ihn zur Rede: vergeblich. Die Schneiderin, die für Rosa arbeitet, weist Raat auf das Gerede der Leute hin, aber er kümmert sich nicht darum.
Immer weniger kümmert es Raat, was die Leute über ihn denken. Er geht sogar so weit, öffentlich Rosas Ehre zu verteidigen, als sie beschuldigt wird, zusammen mit seinen Schülern ein Hünengrab verwüstet zu haben. Erst als Rosa zugeben muss, bei der wüsten Feier am Hünengrab teilgenommen zu haben, zieht er sich am Boden zerstört zurück. Er wird aus dem Schuldienst entlassen. Aber als der Pastor ihm ins Gewissen redet, giftet Raat: "Sie haben die Künstlerin Fröhlich beleidigt. Die Dame steht unter meinem Schutz." Er wirft den Pastor hinaus und macht sich auf den Weg zu ihr. Er wolle sich keine Stunde mehr von ihr trennen, beteuert er und macht ihr einen Heiratsantrag. Jetzt erst erfährt er, dass Rosa eine kleine Tochter hat. Aber es bleibt dabei: Das leichte Mädchen wird Frau Professor Raat.
Nach zwei Jahren Ehe mit Rosa ist Raat finanziell ruiniert. Eine Freundin Rosas gibt ihm den Rat, Unterricht zu geben. Der "Unterricht" sieht bald so aus, dass die Herren der Stadt sich in seinem Haus bei Spiel und Wein treffen und Rosa ihnen sehr geschickt und diskret zu Diensten ist. Mehr und mehr bewegt der Professor sich auf den Abgrund zu und enthemmt schon bald seine gesamte Umwelt. Der Tyrann wird zum Anarchist und der Untergang ist nur eine Frage der Zeit...

"Aus dem Tyrannen war endgültig der Anarchist herausgebrochen."

Professor Unrat entstand in einigen Monaten des Jahres 1904 und erschien ein Jahr später. Mit dem Roman Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen – so der vollständige Titel – vollzog Heinrich Mann die Wende zum politischen Schriftsteller. In Manns Heimatstadt Lübeck, deren Einwohner für den Roman herhalten mussten, wurde das Buch möglichst totgeschwiegen und, wenn das nichts half, negativ kritisiert. Es herrschte faktisch ein Verbot des Buches. Doch der Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und erlangte 1930 mit der Verfilmung "Der blaue Engel" große Popularität. Marlene Dietrich brillierte darin als verführerische und verruchte Rosa Fröhlich.
Manche sahen im Professor Unrat eine Karikatur des deutschen Bildungsbürgers der Wilhelminischen Epoche. Es zeigte, welche Höhe die Doppelmoral des Bürgertums erreichen kann und ist ein Dokument für die Mentalität in Deutschland vor den Weltkriegen. Die frühe Spießer-Satire ist einer der ersten Lehrer- und Campusromane und geht Meisterwerken wie Nabokovs "Lolita" oder Philip Roths "Der menschliche Makel" voraus.

Dies war mein erstes Buch von welchem der Manns auch immer, wie ich zugeben muss. Die Wahl als Hörbuch war dabei m.E. gut getroffen, auch wenn aufgrund des altertümlichen Schreibstils ein besonders aufmerksames Zuhören erforderlich war. Die Produktion der vollständigen Lesung vom Norddeutschen Rundfunk aus dem Jahr 1982 wird gelesen von Manfred Steffen, der 2009 bereits verstorben ist. Die Stimme Steffens passt hervorragend zu der Figur des Professor Unrat, und er liest die Szenen gekonnt und souverän, passend zur jeweiligen Situation.
Wohl um der Karrikatur willen sind die Charaktere sehr plakativ und übertrieben gezeichnet. Es geht nicht darum, dass der Leser eine der Figuren sympathisch findet oder sich gar mit ihnen identifiziert. Zu Manns Zeit war es eher ein (sicherlich unangenehmer) Spielgel, den er der damaligen Gesellschaft vorhielt. Aus heutiger Sicht ein interessantes Stück Zeitgeschichte.


© Parden