Leserstimmen zu
Wem erzähle ich das?

Ali Smith

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Es ist ein Buch über die Liebe. Über den Verlust, das Abschiednehmen, Trauern. Loslassen. Diesen endlos langen Prozess der Neuorientierung. Und es ist ein Buch über die Poesie, die Literatur, die Kunst. Es ist ein Buch von Ali Smith und nennt sich: „Wem erzähle ich das?“ Ich gebe zu, ich habe sie ein bisschen vor mir hergeschoben, diese Buchbesprechung… Warum? Weil ich fast sprachlos war. Irritiert. Hin & hergerissen. Wie schon zuvor bei der schottischen Schriftstellerin Ali Smith. Es ist ein sprachliches Wunderwerk, dieses Buch, keine Frage. Und es rüttelt, nein, nicht auf, sondern durcheinander. Da werden verschiedene Ebenen mit- und ineinander verschachtelt, verwoben, dass es einem fast schwindlig wird. Einderseits eben die Liebes-, Trauer-, Loslassgeschichte, die da in Ich-Form erzählt wird. Keine banale Geschichte. Nein, denn die Geliebte – Ehefrau und langjährige Lebensgefährtin – ist tot. Seit einem Jahr schon. 1 Jahr und 1 Tag. Dann steht sie plötzlich wieder vor der Tür. Ein seltsames Zwischenwesen, voller Staub und Sand. „Das Husten war so typisch, das konntest nur du sein.“ Die tote Geliebte kommt immer wieder und benimmt sich, nun ja, etwas sonderbar. Sie spricht in manchmal fremder Sprache, klaut wie ein Rabe, lässt Dinge fallen und kümmert sich wenig um Konventionen.Sie ist bereits etwas vermodert und klapprig und vor allem: sehr eigenwillig… Verwoben sind diese sonderbaren Begegnungen mit Erinnerungen der Ich-Erzählerin, Erlebnissen, Gesprächen, Gedanken von früher. Und dem Alltag von heute – Arbeit, Kurzurlaub, Therapiesitzung, einsame Abende daheim. Um dann, schleichend in Poetik-Vorlesungen hineinzugleiten. Literatur in all ihren Formen wird eingeflochten in die Erzählungen, verschwimmen mit dem Allgegenwärtigen. Von Shakespeare zu Katherine Mansfield, Oliver Twist und Jane Austen, über W.C. Williams, Sylvia Plath, Dylan Thomas und Colette bis zu Ovid und Ezra Pound reicht die Palette. Gedichte und Textauszüge werden besprochen, zueinander in Beziehung gestellt. Die tote Geliebte war immerhin Kunst- und Literaturwissenschaftlerin, ihre Unterlagen liegen noch im Haus verstreut – und werden so zur Reise in verblichene Vergangenheiten und öffnen zugleich das Tor in eine neue Gegenwart, eine neue Zukunft. Filme, Fotographie, darstellende Kunst in all ihren Spielarten finden ebenso Eingang in das Buch – eine ungewöhnliche Mischung von Roman, Erzählung, Autobiographie (?) und detaillierten Abhandlungen über Kunst und Literatur. Als Laie wird mir letzteres manchmal fast zu viel. Zu genau, zu spezifisch. Große Namen und Werke rattern in unüberschaubarer Zahl durch meinen Kopf – ohne fundiertes Literaturgrundlagenwissen wird es manchmal etwas mühsam. Und doch immer wieder faszinierend. Wie Metaphern, Vergleiche, Bilder einander umgarnen, ins Fantastische, Surreale abgleiten, sich im realen Alltag wiederfinden. Der Besuch bei einer Psychologin, das Durchackern des Oliver Twist, das Neu-Sich-Formieren, sich finden. Es ist ein außergewöhnliches Buch, verspielt und doch geistreich, herausfordernd – man braucht Geduld und viel Liebe zu Kunst und Literatur – dann jedoch wird man reichlich belohnt! Ali Smith: „Wem erzähle ich das?“ Luchterhand Literaturverlag, München 2017, gebunden. ISBN: 978-3-630-87436-4

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Ein Buch der Trauer und Melancholie. Beim Aufräumen und Sortieren der Hinterlassenschaft der Geliebten reüssiert die Ich-Erzählerin über gemeinsam Gelesenes und Erlebtes. Dadurch reinigst sie auch ihre Seele und lässt den Schmerz zu. So begegnet der Leser Künstlern und Begebenheiten der Kunst- und Literaturgeschichte als säße er als dritter mit im Zimmer und lausche dem intimen Dialog zweier Frauen. Dieser Umstand wirkt etwas bemüht, die wiederkehrende Anrede mit „Du“, die der toten Geliebten gilt, lässt den Leser als Voyeur dabeisitzen. Manchmal lockert sich der Erzählton, sobald Ali Smith tiefer in die Literatur eintaucht und sich mit Romanfiguren, Autoren und ganz persönlichen Erlebnissen beschäftigt, vergisst man die Rahmenhandlung. So breitet sie ihr Wissen nach und nach aus, gibt Einblick in die Psychologie, in die Auseinandersetzung mit Sprache und Sprachformen. Auch wenn es für die Autorin vermutlich der beste Weg war, dieses Buch zu schreiben, berührt diese gewählte Form nicht wirklich und verwässert leider die vielen klugen Gedankengänge.

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In diesem kurzen Roman - nenne ich es besser eine Novelle? - zeigt uns Ali Smith eine junge Frau, die trauert. Ein Jahr und einen Tag nach dem Tod ihrer Lebensgefährtin fängt sie an, deren letzte Notizen zu lesen: die Manuskripte für Vorlesungen, welche die verstorbene Dozentin nicht mehr gehalten hat. Gleichzeitig fängt sie an, Oliver Twist zu lesen. Und sie bekommt Besuch von der verstorbenen Geliebten. Obwohl wir die Hauptfigur durch ihre Trauer begleiten, ist Wem erzähle ich das kein trauriges Buch. Eher ist es versonnen. Die nie gehaltenen Vorlesungen sind in voller Länge abgedruckt. Es geht um Literatur; ein Zitat nach dem anderen hat mich irgendwann dazu gebracht, diese ausgedehnten Kapitel zu überblättern und nur noch zu lesen, was im Leben der Hauptfigur passiert. Vielleicht lese ich dieses Buch irgendwann noch einmal in anderer Stimmung, und lasse mich mitnehmen auf einen melancholischen Rundgang durch die Weltliteratur.

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Am Beginn steht die Not: „Das volle Jahr und der Tag waren verstrichen, und ich wusste mir noch immer keinen Rat.“ Die Ich-Erzählerin hat ihre Lebenspartnerin verloren, seit einem Jahr trauert sie und versucht, wieder zu sich zu finden. Bezüglich der Beziehung und deren Ende bekommen wir in „Wem erzähle ich das?“ aber nur spärliche Hintergründe geliefert: weder Namen noch Krankheitsverlauf noch episodische Rückblicke auf die gemeinsame Liebe. Es gibt nur das Hier und Jetzt, ein allenthalben von Trauer durchzogener Raum, sowie die Literatur, die den beiden Frauen offenkundig sehr viel bedeutet. Immer wieder streift die Protagonistin durch das Bibliothekszimmer, zieht Bücher heraus, wagt sich vor in die Geschichten, insbesondere in „Oliver Twist“ von Charles Dickens. Steht dort etwas, was die eigene Gegenwart erhellt? Etwas, was von Verlust und Liebe spricht? Von der ersten Seite an ist „Wem erzähle ich das?“ von außerordentlicher Einfühlsamkeit und Prägnanz: weil hier Literatur als ein Dialog gedacht wird, als der sprachliche Versuch, zueinander in Kontakt zu treten, über Zeiten und Räume, ja, über Leben und Tod hinweg. So nimmt es nicht wunder, dass die Verstorbene bald schon als ein Geist herbeiimaginiert wird, um die schmerzlich klaffende Lücke zu füllen – und sei es nur als spektrale Phantasie. Bis zuletzt hatte die Freundin an vier Vorlesungen zur Literatur gearbeitet, die sie an einer Universität geben sollte. Die zurückgelassenen Manuskripte werden nun von der Ich-Erzählerin durchgelesen, kommentiert, weitergedacht, oft im Beisein des Du-Geists. Dementsprechend ist das Buch in vier Kapitel eingeteilt, jedes widmet sich einer der Vorlesungen: „Zeit“, „Form“, „Ränder“, „Angebot und Widerspiegelung“. In einer so ausschweifenden wie triftigen Kombinatorik verschaltet die 1962 geborene Smith hier verschiedenste Autoren und Autorinnen miteinander, über Epochen hinweg. Das Gilgamesch-Epos steht neben Walter Benjamin, Erzählungen von Katherine Mansfield neben Essays von Virginia Woolf. Alles greift ineinander, um sich dem Anliegen einer jeder Poetikvorlesung zu stellen: Wie wird aus Sprache eine geformte, schöne, andere Realität? In diese Recherche mischt sich unaufdringlich der Alltag der Ich-Erzählerin hinein. Job, Therapiesitzung oder Kurzurlaube – alles strahlt vom Rand aus das Zentrum an, den Mittelpunkt, die Frage nach dem, was Literatur ausmacht. Und gerade hierin glänzt dieser bescheidene Essay, der von Silvia Morawetz ins Deutsche übertragen wurde: Er sucht in den literarischen Werken keinen wohlfeilen Trost für schwierige Zeiten, keine Schulterklopf-Empathie, sondern fragt in zögernder Neugierde nach dem, was Literatur in all ihren historischen, theoretischen und poetologischen Weiten für den einzelnen Menschen ausmacht. Dabei gelingt es Smith, die heikle Kombination „Ein Autor spricht über das Schreiben“ aufs Eindringlichste zu bespielen, ohne ins lehrhafte Zitieren und Dozieren zu verfallen. Bereits 2012 hatte die schottische Autorin die Texte vorgestellt, als ihr vom St. Anne’s College in Oxford die „Weidenfeld Visiting Professorship“ zuerkannt worden war. Das Buch erschien im selben Jahr auf Englisch; seit einigen Monaten liegt es nun endlich auf Deutsch vor.

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Wem erzähle ich das? ist eines dieser Bücher, denen man nicht so oft über den Weg läuft. Es ist eine Mischung aus Essay und Roman, Abhandlung über Kultur und Sprache, Umgang mit Trauer und die ersten Schritte zurück ins Leben. Die Ich-Erzählerin hat vor einem Jahr ihre Gefährtin verloren und ist seitdem gelähmt vor Trauer. Nach einem Tag und einem Jahr zieht sie schließlich ein Buch aus dem gemeinsamen Bücherregal – es ist Oliver Twist – und beginnt sich daran zu erinnern, was ihre Geliebte, die Kunst- und Literaturwissenschaftlerin war, ihr dazu gesagt hat. Sie macht den nächsten großen Schritt und verrückt einen Sessel an einen Ort, den ihre Gefährtin nicht mochte und beginnt zu lesen und in deren Gedanken- und ja, auch Lebenswelt, einzutauchen.Dann jedoch kommt die Geliebte zurück – als schwarzer Schatten, der wirres Zeug faselt, jedoch immer an ihrer Seite ist. Die Ich-Erzählerin beginnt, sich mit ihr auseinanderzusetzen, erinnert sich an ihre gemeinsamen Gespräche, aber auch an die Monologe über Bücher und kulturelle Phänomene. Die Vorlesungen, die die tote Gefährtin zurückließ, leiten sie einen Weg entlang, einen Weg der Entdeckungen und der erst zaghaften, dann aber immer intensiveren Auseinandersetzung mit der Welt, zurück ins Leben. Das Buch ist in vier Teile unterteilt: – Zeit, – Form, – Ränder, und – Angebot und Widerspiegelung. In ihnen setzt die Ich-Erzählerin – anhand der Aufzeichnung von und der Erinnerungen an die Geliebte sich mit diesen Phänomenen auseinander. Sie zieht Literatur, Kunst, Philosophie, Musik und Film zu Rate, zahlreiche Beispiele werden genannt und in Kontext gesetzt. Zudem ist die Ich-Erzählerin Biologin und addiert eine Komponente, die manchmal erstaunliche Einsichten geben. Und so ist dieser Roman zunächst eine Verarbeitungsgeschichte, aber dann so viel mehr. Ich möchte nicht behaupten, dass ich alles verstanden hätte, jedes Beispiel in einen Kontext setzen konnte oder jeden Kontext auch nur umreißen konnte – dafür müsste man all die Bücher gelesen, Filme gesehen, Kunstwerke besucht, Gespräche geführt und Musik gehört haben, die für das Buch verwendet wurden. Viele Zitate und Gedichte sind jedoch im Text eingebaut, und von vielen Werken hat man zumindest eine Ahnung, selbst wenn man sie nicht persönlich kennt, und so kann man doch das meiste verstehen. Für die weitere Lektüre befindet sich am Ende ein Quellenverzeichnis, das ich gewiss noch einmal zu Rate ziehen werde. Auch gibt es in der Mitte des Buches einige Abdrucke der besprochenen Bilder, damit man selber sieht, was gemeint ist. Dieser schmale Band von gerade gut 200 Seiten hat einen Inhalt wie für 1000, und eine einmalige Lektüre kann – zumindest den meisten Lesern – diesem Essay-Roman wohl nicht gerecht werden. Zu vielfältig sind die Ideen, zu komplex die Themen, zu groß die Bandbreite. Und doch: was schon bei der ersten Lektüre an Freude beim Nachvollziehen, beim genußvollen Erkunden der Gedankengänge, beim Nachlesen und Vergleichen aufkommt, lässt den Leser sicherlich noch einige weitere Male zur Lektüre greifen. Ich habe sehr viel Spaß an diesem Buch gehabt, und ich wünsche ihm noch sehr viele Leser mehr! Vielleicht wird dies aber auch geschehen, da Ali Smith mit ihrem neuen Roman Autumn auf der Short-List des diesjährigen Man Booker Prize steht und somit in den Blickpunkt rückt. Ali Smith: Wem erzähle ich das? Aus dem Englischen von Silvia Morawetz. Luchterhand Literaturverlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München 2017. OA: Artful. Hamish Hamilton, Penguin Random House UK, London 2012.223 Seiten. Ich danke Random House für das Leseexemplar. Ali Smith wurde am 24. August 1962 in Inverness geboren. Sie veröffentlichte mehrere Romane und Erzählbände und erhielt zahlreiche Preise. Sie ist Mitglied der Royal Society of Literature und wurde 2015 zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Ihr Roman „Beides sein“ wurde 2014 mit dem Costa Novel Award, dem Saltire Society Literary Book of the Year Award und dem Goldsmith Prize ausgezeichnet und gewann 2015 den Baileys Women`s Prize for Fiction. Sie lebt mit ihrer Lebenspartnerin Sarah Wood in Cambridge.

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andauernd empfohlen wird, zum anderen, weil sie 2015 den Bailey’s Women’s Price for Fiction gewonnen hat. Und dann fange ich hier gleich mit einem Sachbuch an, naja, eher etwas Halbfiktionales. Ali Smith erklärt hier die Regeln des Geschichten-Erzählens. Das Buch basiert auf verschiedenen Vorlesungen von ihr. Aber natürlich macht sie das nicht schematisch – sondern sie erzählt eine Geschichte: Es geht hier um eine Frau, deren Partnerin gestorben ist. Um ihre Trauer zu verarbeiten, liest und überarbeitet sie ihre alten Vorlesungen über Literatur und Kunst, interpretiert sie, kommentiert sie, fügt Erinnerungen ein. Das hier ist definitiv kein einfaches Buch, aber es ist sehr inspirierend und hat mich an Entdeckungen in der Unizeit erinnert. Ich habe Sachen über Bäume gelernt, schöne Gedichte gelesen und mir Bilder angeschaut. Jetzt muss ich definitiv mehr von Ali Smith lesen.

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WEM ERZÄHLE ICH DAS? trägt im englischen Original den Titel ARTFUL und genau das ist dieses Buch: Kunstvoll. Kunstvoll in allen Bedeutungen des Wortes. WEM ERZÄHLE ICH DAS? ist ein raffiniertes, meisterhaftes Buch, das voller Kunst steckt. Es lässt sich in keine eindeutige literarische Kategorie drängen: Ist es eine Erzählung? Eine Essaysammlung? Beides? WEM ERZÄHLE ICH DAS? ist ein ruhiges Buch, es hat kaum Handlung und ist doch so voller Inhalt, voller Tiefe. Literatur, Kunst und Kultur: Alles findet auf den nur 224 Seiten, die so gehaltvoll sind, dass man hätte drei Bände daraus machen können, seinen Platz. Für mich ist dieses schmale Buch eine große Liebeserklärung an die Geisteswissenschaften. Es ist ein Buch, mit dessen Verstehen ich noch immer nicht am Ende angelangt bin. Ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen kann. Im Zentrum steht das Unvermeidliche. Das Ende, der Tod. Aus unserer Merkwelt wird der Tod verdrängt. Wer jedoch die Erfahrung des Verlustes machen musste, dem gelingt dieses Verdrängen nicht mehr. Smith' Protagonistin hat ihre Lebenspartnerin verloren. Als Geist, taucht sie wieder auf. Treibt Schnabernack, der aus dem Buch jedoch keine gruselige Schauergeschichte macht, sondern die tiefe Verzweiflung, die tiefe Trauer, die ein Mensch empfinden kann, aufs deutlichste darstellt. Was bleibt, wenn jemand geht? Wie fühlt sich Verlust an? Gerade die letzte Frage beantwortet Smith auf wunderbar (literarische) Art und Weise. Verlust grenzt ab: "Ich betrachtete die Frau und dachte im Stillen, sie hat nichts verloren. Sie ist noch nie von irgendetwas verunsichert gewesen. Sie hat einen Mann. Er singt unter der Dusche." "(...) Ich wollte mir nur für einen Augenblick ausmalen, wie ein Schatten über das Gesicht von jemandem zieht, der sich anscheinend besser als ich darauf verstand zu enträtseln, was in meinem Leben vor sich ging, ein Schatten der Welt, der ich mich eng verbunden fühlte und mit dem sie und ihr Mann, der unter der Dusche sang und eine Sprache beherrschte, die ich nicht sprach, und alle anderen Leute auf der Welt, deren Leben noch heil und unkompliziert und erklärlich war, keine Berührung hatten." Die verstorbene Geliebte war eine begnadete Kunst- und Literaturwissenschaftlerin. Auch ein Jahr und einen Tag nach ihrem Tod kann Smith' Ich-Erzählerin nicht loslassen, alles erinnert sie an die Verstorbene, deren Vorlesungen überall in der Wohnung verstreut liegen. Es enspinnt sich ein Dialog mit der Erscheinung der Geliebten über Alfred Hitchcock, Salvador Dalí, Shakespeare, Sappho, Michelangelo. Über das Erzählen. Über all dem - oder durch all das - gewinnt die Ich-Erzählerin ihren Lebensmut wieder, ihre Lust am Sein. Ihre Neugierde. Aber ist das nicht dasselbe? "Als ich mit dem Anruf bei der Arbeit fertig war, ging ich (sehr schnell) ins Internet und suchte nach Sprachschulen, die es hier am Ort gab. (...) Schon bald würde ich ein neues Alphabet kennen, schon bald mit Hilfe eines Lehrbuchs für Fünfjährige ein paar sehr einfach Sätze sprechen können." Ein Zitat von Dwight Garner, der für die New York Times schreibt, ziert die englische Originalausgabe: »I will keep this book on my shelves forever.« Besser lässt sich ein Fazit zu diesem Buch nicht formulieren. WEM ERZÄHLE ICH DAS? ist ein brillantes Buch für Kunst- und Kulturversessene. Danke, Ali!

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