Leserstimmen zu
Amt für Mutmaßungen

Jenny Offill

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n kurzen Abschnitten schildert Jenny Offill die Geschichte einer Ehe, und die Geschichte einer Familie die langsam in sich zerfällt. Die Geschichte handelt von einer namenlosen Frau und einem namenlosen Mann. Auch das Kind bleibt namenlos. Durch die Gedankengänge der Frau erfahren wir, wie ihr Leben abgelaufen ist. Wie sie den Mann kennen gelernt hat und mit ihm eine Familie gründete und wie diese langsam zerfällt. Mehr möchte ich gar nicht zu der Handlung sagen. Der Schreibstil ist fast puristisch, er ist abgehackt und so ganz anders als ich ihn bis dato kannte. Die intimen Gedanken der Frau werden fast zu den Gedanken des Lesers. Wir fühlen die Freude, die Liebe und den Schmerz gleichermaßen und hoffen immer wieder, dass es ein gutes Ende gibt und wir nicht mit dem Schmerz der Frau alleine gelassen werden. Sie offenbart uns Wünsche und Träume, die so realitätsnah sind, dass wir manchmal nicht wissen ob es unserer sind oder tatsächlich die der Frau. Wir kennen weder die Namen, noch die Gesichter der Personen, doch genau das macht diese Liebesgeschichte so real. So real, dass es die eigene seine könnte. Egal ob wir sie bereits erlebt haben, gerade erleben oder noch erleben werden. Jeder kann Teil dieser emotionalen Beziehung sein. Ich habe mir viel unterstrichen und markiert. Während dem Lesen bin ich manchmal in Gedankengänge versunken und in Gefühlswelten eingetaucht, die nicht meine wahren. Ich hatte das Gefühl das Tagebuch unserer Protagonistin zu lesen oder in ihrem Kopf zu sein. Ein kurzer, knackiger Roman, der so viel mehr ist als es den Anschein macht. Es gibt tatsächlich nicht mehr zu sagen als, lest es, taucht in die Welt der Protagonisten ein und genießt es.

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Eine Frau. Ein Mann. Eine Geschichte. Sehr simpel und pur erzählt Jenny Offill die Geschichte der Liebe, wie sie beginnen und enden kann. Es geht um sie, die eigentlich Kunstegomanin werden wollte, sich dann aber verliebte und ein Leben mit einem Mann aufbaute, der sie sich besonders fühlen ließ. Mit den wunderbarsten Worten beginnt alles, steigert sich zum Höhepunkt und zerfällt, ganz langsam, fast liebevoll. Wie besonders Offill hier schreibt, kann ich kaum in Worte fassen. Puristisch und ehrlich, das trifft es am ehesten, kann es aber nicht einheitlich beschreiben. Sie spricht von Wärme und Geborgenheit sehr gekonnt und kreativ, dieses Kribbeln, wenn man weiß, das ist es. Sie trifft die wichtigen Punkte, hält alles strikt voneinander getrennt und schreibt gleichzeitig warmherzig und kaltblütig. Der Tod ist bei ihr auf gleichem Rang wie die Geburt, beides bleibt ein großes Ereignis, das Einschnitte in das Leben bedeuten, in mehr Punkten unterscheidet sie nicht. Sie belebt ihre Figuren mit so viel Realität und Wunschträumen, dass es kaum möglich scheint, dass nicht jeder sich eins mit ihnen fühlt. Jenny Offill, die mir vorher nicht einmal ein Begriff war, hat sich mit ihren knapp hundertfünfzig Seiten in mein Gedächtnis geschrieben. Die Schmerzen, die sie beschreibt, das Leid, das so nahe bei der Freude liegt, die uns in die Luft springen lässt, voller Enthusiasmus und Lebensfreude, all diese Gefühle verschmelzen mit den Worten und werden über die Seiten an den Leser weitergegeben. Immer wieder erinnert mich die Lektüre an die eines Tagebuches, nicht aufgrund seiner Form, sondern seiner Intimität. Die Frau, namenlos, ist jeder und individuell. Sie schreibt ihr Leben nieder, offen für alle, doch bestimmt für niemanden, als eine einzige Person. Mit so vielen Stilmitteln, so vielen Metaphern, Bildern und Szenarien, spielt Offill mit Fantasie und Realität und vermittelt so einfach das Leben einer Familie, die durch Krisen zueinanderstehen und einander auffangen, auch wenn sie selbst geschubst haben. Gedanken werden gedacht, die kaum große Auswirkungen zu haben scheinen, doch in mir etwas zum Klingen gebracht haben. "Sie denkt bevor sie handelt. Oder eher, sie denkt, statt zu handeln. Ein Charakterfehler, keine Tugend." Doch nicht nur die Worte und der unglaublich gute Stil zeigen, wie gut Offill kann, was sie tut, auch die herzzerreißende Geschichte, ein Leben auf so wenige Seiten komprimiert, fesselt und begeistert. Sie kann außergewöhnlich gut Inhalte in Bilder fassen und einrahmen, mit so viel Eleganz, dass das Schlechte noch schlechter, das Beste noch besser erscheinen kann, wenn man sich auf sie einlässt. Sie lebt von Sinn, den sie ohne Worte zu vermitteln sucht, den sie, ohne sich bemühen zu müssen, in unseren Köpfen erscheinen lässt. Sie verpflanzt Informationen und Gefühle, die wir miteinander in Einklang zu bringen haben und versetzt uns so noch stärker in ihre Geschichte, bringt uns dazu, diese Frau, von der erzählt wird, zu spüren, all ihre Ängste, Wut, Trauer, Liebe du Vertrautheit. All dieses Gefühlschaos, in uns wie auf den Seiten. Das ist Jenny Offills Begabung.

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