Leserstimmen zu
Satin Island

Tom McCarthy

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Hardcover
€ 19,99 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)

INHALT: Was genau machen eigentlich Wirtschaftsanthropologen? Sie versuchen, das wirtschaftliche Verhalten einer bestimmten (Ziel-)Gruppe zu auszuloten, meistens im Auftrag eines Unternehmens, um deren Absatz zu steigern. Genau so einer ist U., der für die Consultingfirma Koob-Sassen auf der ganzen Welt unterwegs ist, um neue Märkte zu ergründen. Sein Boss Peyman hat kürzlich einen Mega-Deal mit einem großen Konzern an Land gezogen, ein nie dagewesenes Projekt über das alle sprechen, aber niemand so recht weiß, worum es eigentlich geht. Im Zuge dieses Projekts wird U. von Peyman beauftragt den Großen Bericht zu schreiben, einen universalen Text, der unser komplettes Zeitalter umfassen soll. Wie er das bewerkstelligt, Form und Ausmaß des Berichts, ist U. überlassen; der Text findet schon seine Form – was immer das heißen soll. U. merkt schon nach kurzer Zeit, dass er mit dieser Aufgabe völlig überfordert ist. Wie soll man einen Bericht über ALLES schreiben, einen Text der ein ganzes Zeitalter umfasst? Und wozu überhaupt? Und was ist das eigentlich für ein Projekt, für das Peyman diesen Bericht braucht? U. beginnt, sich in Kleinigkeiten festzubeißen. Der tödliche Unfall eines Fallschirmspringers beispielsweise erregt seine Aufmerksamtkeit. Tagelang trägt er alles zusammen, was über Unfalle mit Fallschirmen zu finden ist. Ebenso sammelt er alle Information zu Ölkatastrophen, ordnet sie, baut Statistiken auf, vernetzt alles miteinander, kommt aber nicht weiter. Es erscheint alles so sinnlos. Als Peyman erste Ergebnisse sehen will, muss U. sich eingestehen, dass er praktisch nichts vorweisen kann. Für ein Symposium saugt er sich einen Vortrag quasi aus den Fingern und wird von allen Gästen frenetisch gefeiert – wofür auch immer… FORM: Tom McCarthy (*1969) hat mit SATIN ISLAND einen kafkaesken Roman über einen obskuren Berufszweig und einen extremen Fall von Prokrastination vorgelegt. Sprachlich auf höchstem Niveau schreibt er seinem Helden eine Leidensgeschichte der ganz anderen Art auf den Leib. Monate lang recherchiert der arme U., ohne richtig zu wissen wofür und wohin das alles überhaupt führen soll. Dabei wird nichts wirklich erklärt und der Leser ist genauso ahnungslos wie U. selbst. (apropos Sprechende Namen: Das Initial verrät ja schon, dass Leser und Ich-Erzähler viel gemeinsam haben. Im englischen Original heißt es zu Beginn: »Me? Call me U.« Und der Boss Peyman ist der, der die Spesen bezahlt. Sein Vorname wird nicht genannt, aber ich tippe auf Bill.) McCarthys Erzählton würde ich irgendwo zwischen Donald Antrim und Thomas Pynchon verorten, also eher bildungssprachlich, aber mit deutlich weniger Humor. Auch wenn es hin und wieder skurril wird, ein paar Lacher hätten dem Buch nicht geschadet, schließlich ist es kein todernstes Thema, dessen sich McCarthy hier annimmt. SATIN ISLAND wirkt nach dem letzten Kapitel eher wie ein kleines Zauberkunststück – hübsch anzuschauen aber schnell verflogen. FAZIT: Ein überaus clever komponierter Roman, der viel Raum für Interpretationen lässt. Vier Sterne.

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Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich mir nicht sicher, was mich in diesem Buch eigentlich erwartet, aber ich war wahnsinnig gespannt und mir war klar, dass ich es definitiv haben und so bald wie möglich lesen muss. Ich war schon nach wenigen Seiten von Tom McCarthys Schreibstil voll und ganz überzeugt. Er drückt sich sehr gewählt und anspruchsvoll aus, man hat teilweise eher das Gefühl, dass man eine philosophische Abhandlung liest, anstatt einer fiktiven Geschichte. Ich glaube, ich habe mir noch nie so viele interessante Zitate auf so wenigen Seiten markiert. Sprachlich ist das Buch wirklich ganz große Klasse! Der Protagonist U., dessen kompletten Namen der Leser nie erfährt, ist Anthropologe und wird von dem Konzern, für den er arbeitet, beauftragt den Großen Bericht zu schreiben. Was der alles beinhalten soll, was genau das überhaupt sein soll, wird nie wirklich erklärt, man soll es sich vielmehr selbst zusammenreimen. Es soll ein Werk sein, das den Zeitgeist festhält. Dass wir darüber eigentlich nicht besonders viel erfahren und dass in diesem Buch in gewisser Maßen auch nicht viel passieren wird, kündigt U. aber schon im zweiten Kapitel an. »Ereignisse! Sind Sie hinter solchen her, hören Sie am besten gleich auf zu lesen.« (S.23) Und das Buch ist tatsächlich nicht besonders ereignisreich. Es ist eher wie eine Patchwork-Decke aus zahlreichen Momenten und Gedanken, die U. auf irgendeine Weise beschäftigen. Beispielsweise sieht er ganz am Anfang des Buches eine Nachrichtenmeldung über einen Fallschirmspringer, der bei einem Sprung ums Leben kommt. Dieser Todesfall lässt ihn nicht los und er will diesem, so wie vielen vergleichbaren Fällen auf den Grund gehen und irgendeine tiefere Bedeutung, einen höheren Grund, ein Muster finden. »[D]ann können wir sagen: Da ist es, es regt, nähert sich, selbst wenn es in Wirklichkeit nichts ist, selbst wenn es nur Tintenkleckse sind.« (S.10) Es geht in dem Buch also weniger wirklich darum, den Zeitgeist festzuhalten, den Inhalt einer nahezu unendlichen Datenmenge irgendwie zusammenzufassen. Es geht vielmehr um das menschliche Bedürfnis, vollkommen bedeutungslosen oder zufälligen Dingen irgendeinen tieferen Sinn geben zu wollen. »Unter ihrer Unschärfe fühlte ich etwas Gestalt annehmen - etwas Wichtiges und Schönes und Folgenschweres.« (S.93) Ehrlich gesagt ist das für mich aber auch die einzige Aussage, die dieses Buch trifft. Es gibt noch ein paar andere Handlungsstränge, unter anderem will U. unbedingt wissen, warum die Frau, mit der er eine Affäre hat, früher einmal in Turin war. Ein Kollege von ihm wird schwerkrank. Und so weiter. Bestimmte Dinge, die einfach immer mal wieder aufgegriffen werden. Ich habe die ganze Zeit erwartet, dass es am Ende irgendeinen Zusammenhang dazwischen geben wird oder es wenigstens irgendeinen erkennbaren Grund gibt, warum jetzt nun genau diese Dinge so wichtig für U. waren. Aber das Buch war dann halt irgendwie einfach so zu Ende. Und schlauer war ich nicht wirklich. Ich denke, ich verstehe, warum Tom McCarthy dieses Buch so geschrieben hat. Manche Szenen waren absurd, manche waren ehrlich gesagt einfach etwas öde, manche wiederum philosophisch und zwischen manchen hat man tatsächlich sowas wie einen Zusammenhang erkannt. Und am Ende sitzt man da und versucht verzweifelt irgendeinen zusammenfassenden Sinn in diesem Buch zu erkennen, zieht die unlogischsten Schlüsse, nur um nicht akzeptieren zu müssen, dass manche Szenen eben bedeutungslos und austauschbar waren und nicht zu einem großen Ganzen gehören. Und genau das soll ja eigentlich die Aussage des Buches sein. Nicht hinter allem steckt eine größere Bedeutung, die alles miteinander verbindet. »Es ist deshalb umso heiliger, werte Herren, da umso wahrer. Die Natur ist sinnlos.« (S.142) Ich will das Buch dementsprechend nicht als überflüssig oder sinnlos bezeichnen, aber ich hatte keinen Mehrwert davon, es gelesen zu haben. Es war sprachlich sehr ansprechend, aber das ist im Grunde alles, was mir daran wirklich sehr gefallen hat. Ich habe nicht mitgefiebert und war auch nicht wirklich gespannt, was nun der endgültige »rote Faden« sein könnte. Es hat mich auf Dauer eigentlich eher etwas genervt, dieses ständige Umherspringen zwischen zusammenhangslosen Szenen und Themen. Ich will das Buch weder empfehlen, noch davon abraten, ich denke es ist zu 100% Geschmacksache, ob es einem gefallen könnte oder nicht. Nichtsdestotrotz danke ich der DVA bzw. der Verlagsgruppe Random House für das Rezensionsexemplar!

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U. ist Anthropologe und arbeitet in der freien Wirtschaft. Sein Auftrag lautet, den ultimativen großen Bericht zu schreiben. Die Form? Egal, die findet sich. Vor diesem Auftrag stehend ergeht U. sich für den Leser in Betrachtungen über die Menschen in der Gegenwart, seiner „Präsensanthropologie“ wie er es nennt. Von Ölkatastrophen über Starbucks zu Fallschirmunfällen und politischen Protesten fasst er fast formlos und unsortiert die Welt zusammen. Es ist nicht der große Bericht, den man mit „Satin Island“ liest, es ist ein faszinierendes und anregendes Buch. Tom McCarthy zwingt regelrecht zum Nachdenken und Weiterdenken. Sicher ist es keine lockerleichte Unterhaltungsliteratur, aber McCarthy legt den Finger in die Wunden der Gesellschaft und führt uns unsere eigene Absurdität vor. Er ist ein großartiger Beobachter von Menschen und Mustern, anders hätte „Satin Island“ wohl nicht zu dieser Form finden können. Was nach einem Mammutroman von 800 Seiten klingt fasst er kompakt und doch überzeugend auf 200 Seiten zusammen und lässt uns Leser am Ende doch allein zurück mit der Frage, was das eigentlich war, was wir da gerade gelesen haben. Beobachtung? Gesellschafskritik? Oder einfach nur die Beschreibung des alltäglichen Chaos, dem wir uns alle immer wieder wie U. auch stellen müssen. Am Anfang hatte ich Probleme, mich in den Stil von Tom McCarthy einzufinden und wirklich in „Satin Island“ einzutauchen, doch Seite für Seite faszinierte es mich immer mehr. McCarthy ist ein spannendes und außergewöhnliches Stück Literatur gelungen, das meiner Meinung nach vollkommen zu Recht für den Booker Prize 2015 nominiert war.

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Was wäre, wenn man seine Umwelt nur noch in Mustern, Rastern und Algorithmen wahrnehmen würde? Eine ungefähre Vorstellung davon bekommt man in diesem Roman von Tom McCarthy. Dies beginnt bereits mit der Hauptfigur, die keinen individuellen Namen trägt. Sie nennt sich „U“, gleichklingend wie „You“, als sei die Figur übertragbar auf jede Person, den Leser eingeschlossen. Als Firmenanthropologe erforscht U die Menschheit im Auftrag einer Beratungsgesellschaft in London. Die Beschreibung einer Szene am Flughafen in Turin zeigt, dass sich seine Arbeitsweise und die beruflichen Gewohnheiten schon längst in seinen Alltag eingeschlichen haben. Während er auf einen verspäteten Flieger wartet, beobachtet er das Treiben um sich und scannt alle Informationen, die auf ihn herein prasseln, ab. Auf mehreren Bildschirmen werden Berichte von Ölkatastrophen übertragen, Kinder tollen um ihn herum, auf seinem Handy blinken Nachrichten aus dem Büro. Sein Sitznachbar spricht ihn in einem Mischmasch aus Französisch, Holländisch, Deutsch und Amerikanisch an. Reale Bilder und Fernsehaufnahmen verschmelzen dabei zu einer vielschichtigen Collage und U fühlt sich leicht überfordert. Wenn sich schon so eine einfache Alltagssituation derart wirr für ihn darstellt, wie wird es ihm dann erst beim Koob-Sassen-Projekt ergehen? Bei diesem Auftrag soll er DEN Großen Bericht über die Menschheit schreiben, einen universales ethnografisches Werk, das das gesamte Zeitalter abbildet – das bedeutet, alle Daten zu katalogisieren, sie durch Skizzen, Diagramme und Muster in eine Ordnung zu bringen und das ganze Bild zu sehen. U weiß nicht so recht, wo er anfangen soll und stellt fest, dass allein die Klimaanlage in seiner Firma so umfassend ist, dass sie ein eigenes Buch verdient. Was der Protagonist im großen Stil betreibt, kennt man selbst im kleinen Maßstab. Ganz ähnlich ergeht es mir, wenn ich die ständig wachsende Zahl von Mails, Dokumenten und Fotos sichte, archiviere und versuche, ein System hineinzubringen. Interessant fand ich den Gedanken, dass der große Bericht möglicherweise schon längst von einem binären System geschrieben wurde und dass es dafür keiner menschlichen Anstrengung bedarf. Ich bin bisher schon so einiges von Schriftstellern und Philosophen gelesen, die sich mit dem Sinn des Universums und des Lebens beschäftigen. Das Thema aus der Sicht eines Anthropologen zu betrachten, war trotz der fehlenden Handlung eine interessante Leseerfahrung.

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Dieses Buch ist wirklich sehr verwirrend für mich gewesen. Das könnte zum einen an U liegen, dem Hauptcharakter dieser Geschichte. Außer diesem Buchstaben erfahren wir leider nichts mehr über unseren Charakter und das, obwohl die Geschichte aus seiner Sicht geschrieben ist. Natürlich lernen wir die Person als solche kennen,aber irgendwie konnte ich keinerlei Bindung zu U aufbauen. Eines muss man Tom McCarthy allerdings lassen: sein Schreibstil ist faszinierend anders. Manchmal war ich wirklich hin und hergerissen zwischen totaler Begeisterung und kompletter Verzweiflung. Es gab tatsächlich einige wirklich interessante Stellen, die gefesselt haben und an denen ich dieses Buch nicht mehr aus meinen Händen legen konnte, aber trotzdem gab es auch ziemlich viele langweilige Stellen. Der Schreibstil als solcher war ausführlich und bildhaft. Manchmal wurde sogar schon zu viel der Umwelt, zum Beispiel des Flughafens und anderer Gebäude, beschrieben. Es zog sich an diesen Stellen ins unendliche und einige Male kamen mir die knapp 220 Seiten unüberwindbar vor. Gegen Ende des Buches habe ich allerdings meinen Frieden damit gemacht. Das Cover ist trotzdem mein Highlight. Wo der Inhalt mich gelangweilt hat, da konnte mich nur noch das Cover zum Buch zurückholen. Dieser Tintenfleck und die farblich passenden Schriften dazu- es war einfach perfekt. Ein unterhaltsames Buch für Zwischendurch, aber leider sind viele langatmige Stellen vorhanden. Daher gibts nur 3 von 5 Sternen. Danke an DVA für das Rezensionsexemplar!

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Tom Macarthy folgt in seinem neuen Werk nicht unbedingt ausgetretenen Pfaden. Schon anders als gewohnt ist es, sich auf diese (kaum wirklich vorhandene Geschichte) durchgehend einzulassen. Was daran liegen könnte, dass diese „Geschichte von Allem“, die der Ich-Protagonist des Buches von Seiten seines Arbeitgebers als zu verfassenden „Auftrag“ erhält, sich nicht nur im Buch selbst als „unmöglich zu schreiben“ herausstellen wird. Der Anthropologe, der sich nach Erhalt des Auftrags erstmal auf Recherche begibt, der erfolglos überhaupt einen Anfang „von all dem“ v ersuch, in die Hände zu bekommen, stellt von Beginn an fest, dass eben so vieles sich miteinander vermischt, quasi schon per Stichwortanschluss das eine zum anderen führt (ohne großen inneren Zusammenhang), das man zwar dem Einzelnen immer wieder nachgehen, nachhängen kann, aber eben nicht zu einem gerahmten, geschlossenen System am Ende vordringt. Am Flughafen sitzend, auf den Flug wartend, beobachtet die Hauptfigur, man könnte sagen, mit „offenen Sinnen“. Und sinniert über „Mythen“, die Menschen brauchen, wie das „Turiner Grabtuch“ (das wissenschaftlich erwiesen nicht echt sein kann), und dann sitzt er vor einigen Jahren da, mäandert durch soziale Netzwerke „voller Nichtigkeiten“, die vielleicht auch nur so wirken, als wären sie nichtig (je nachdem, was man für die relative Bedeutung der Nachrichten als Bezugsgröße wählt), die aber eben auch die Welt ausmachen können, je nach Betrachtung. So kommt er über das Grabtuch zu den „Drehkreuzen“, wörtlich im Flughafen und für den Flughafen selbst als „Drehkreuz“, liest etwas über die „Freilaufnarbe“ und findet sich in Erinnerungen an sein erstes Fahrrad mit eben einer solchen wieder. Eben wie auf den Bildschirmen um ihn herum, Sportereignisse, Ölkatastrophen, wirbelnde Menschen sich zu einer Gleichförmigkeit in der Form vermengen, bei denen die Form den Inhalt überlagert. „U.“ stellt sich der Mann dem Leser einige Seiten weiter vor. Und hier liegt wohl der Schlüssel zum Verständnis des „Berichtes von allem“. Denn vor allem von sich erzählt der Mann. Und da er im Wortspiel eigentlich „Mein Name ist „Du““ sagt (U. = phonetisch „you“), verweist McCarthy umgehend auf den Leser selbst als Protagonisten des Romans. Der sich auf mindestens drei Ebenen aufgliedert. Der Auftrag zum Bericht und die vermeintliche Arbeit an diesem, die assoziativen Erinnerungen und Eindrücke für „U.“ im Buch und die beim Leser entstehenden Querverbindungen zu eigenem Erleben vielleicht und neue Gedankenwanderungen zu andren Ereignissen außerhalb des Buches selbst, die wiederum alles in allem zeigen und alles mit allem verbinden. Ein „Mitmachroman“ somit auch. Der es aufgrund der kühlen Distanz seiner Hauptfigur und des mangelnden roten Erzählfadens dem Leser oft nicht einfach macht, eine innere Spannung gegenüber den Ereignissen im Buch aufzubauen. „Ich für meinen Teil blieb sitzen und sah die Bohrinsel krängen, die Vögel herumflattern, die kaputte Leitung speien, das dunkle Wasser auf den Höchststand anschwellen, immer wieder“. „Wir handeln, wie Peyman es ausdrückt, mit Narrativen“. Und das bietet McCarthy Seite für Seite an. Narrative, oft ohne Relation und Bewertung, so dass der Leser sich dem aussetzen kann. In feiner Sprache abwartend, was dies auslösen mag, beim Leser, aber auch bei „U.“, der seine Sicht auf all die Dinge zur Verfügung stellt, ohne ein verbindendes Ganzes daraus abzuleiten. Auch die Erotik bleibt seltsam fern. „Als ich bei Madison war, hatten wir Sex. Danach lagen wir im Bett“. Und eine Unterhaltung entfaltet sich über Erinnerungen. An den Turiner Flughafen. Womit wieder eine Verbindung erschlossen wäre, die dennoch zunächst nicht von Bedeutung scheint. Sprachlich versiert, in der assoziativen Kette all dessen, was passiert, passiert ist und wie es sich scheinbar belanglos verbindet, wird jener Leser das Buch als Gewinn empfinden, der die differenzierte Sprache zu schätzen weiß und sich erinnern lassen möchte, wie Kleinigkeiten Bedeutung haben können und „große Dinge“ wenig Nachhall erzeugen, aber sich alles mit allem im eigenen Kopf verbindet. Was als Roman nicht einfach und nicht ohne Irritation zu lesen ist.

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