Leserstimmen zu
Das Ohr des Kapitäns

Gisbert Haefs

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Ich bin nicht sonderlich begeistert von dem Buch. Tatsächlich fühlte ich mich gleich mehrfach an der Nase herumgeführt. Gemäß Klappentext wird Kapitän Jenkins in der Karibik das Ohr abgeschnitten, er läuft plärrend nach Hause und sofort satteln die Briten die Pferde (bzw. bemannen die Schiffe) und es entbrennt der Kolonialkrieg in Mittelamerika. Und mitten drin steckt der junge Tobias Smollett, der später als Romanautor berühmt wird. Ich erwarte also, dass wir Tobias auf dem Schiff bzw. durch den Krieg begleiten und das auch Jenkins eine große Rolle spielen wird. Falsch. Ganz abgesehen davon, dass zwischen dem Ohren-Abschneiden und Kriegsbeginn 8 Jahre(!) liegen, springen wir soweit in die Zukunft, dass der Krieg inzwischen schon lange vorbei ist. Eine Jahreszahl wird hier wieder nicht mehr genannt, sondern aus dem Text ergibt sich, dass etwa 30 Jahre verstrichen sind. Stattdessen begleiten wir plötzlich ein Handelsschiff unter Kapitän Belmonte im Mittelmeer. Gut, denke ich mir, das liest sich ganz interessant, das ist okay. Als die Sache mit dem möglichen Schatz aufkommt, wird es auch etwas spannend. Eine Schatzsuche gibt ja immer was her. Aber auch das läuft irgendwie ins Leere. Denn dann besuchen wir den gealterten Mr. Smollett und es folgt eine endlose Palaverei über den Kolonialkrieg. Es wird mit Daten und Namen im Schnelldurchlauf um sich geworfen. Der 3 Jahre andauernde Krieg wird sowohl aus britischer Sicht (von Smollett) als auch aus spanischer Sicht (von Belmonte) durchgekaut. Über 180 Seiten werden geschichtliche Daten herumgeschleudert, dass mir regelrecht übel wurde. Und ständige Zwischenfragen erforderten dann auch noch irgendwelche anderen geschichtlichen Exkursionen zu Biografien, Besitzungen und Landschaftsverhältnissen. Die Schatzsuche, die das Buch interessant gemacht hat, bildete nur den Hintergrund für diese langatmige Unterhaltung und wurde dann recht zügig abgehakt. Dass Gisbert Haefs fesselnd und spannend zu schreiben vermag, zeigt er meiner Meinung nach in dem Abschnitt wo der Leser Kapitän Belmonte durchs Mittelmeer begleitet. Die Schilderung des Kolonialkrieges, die wohl der eigentliche Inhalt des Buches sein soll, über einen endlosen Dialog hinweg ist aber ganz furchtbar. Da wäre es in meinen Augen besser gewesen, Haefs hätte sich grundsätzlich auf eine Seite – nämlich die von Smollett, wenn der schon im Klappentext steht – beschränkt. So hätte Smollett als Erzähler während des Krieges auftreten können. Meinetwegen hätte man auch während des Krieges Smollett und Belmonte begleiten können. Die Beiden hätten die Geschichte abwechselnd erzählt. Dann hätte man die Mittelmeer-Story und die Schatzsuche weglassen können, die beide völlig irreführend sind. Zunächst habe ich mich ja auch über die beiden historischen Karten am Anfang des Buches gefreut. Allerdings sind diese für mich schwer zu entziffern gewesen, weil so wirr und überladen. Die im Buch genannten Orte und Buchten habe ich nur in den seltensten Fällen gefunden, was diese Karten im Grunde überflüssig macht. Ihr merkt schon, es gibt ganz viele Sachen, die mir an dem Buch nicht gefallen haben. Dabei hat es im Grunde alles was man braucht für eine spannende und packende Lektüre. Die Umsetzung allerdings war überhaupt nicht mein Fall.

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Als ich das Buch das erste Mal in die Hand nahm, war ich überwältigt. Das Cover sieht nicht nur toll aus, sondern fühlt sich auch angenehm an. Der Papierumschlag ist passend zum Thema des Buches. Der Klappentext klang vielversprechend und sehr interessant. Ich freute mich schon sehr darauf, das Buch endlich lesen zu können. Geschichtliche Bücher mag ich eigentlich sehr gerne, Militärgeschichte eher weniger. Leider war ein Großteil des Buches aber genau das. Schilderungen von Kriegsverläufen. Diese Stellen waren teilweise auch langweilig und haben sich gezogen. Trotzdem fand ich es sehr interessant zu lesen. Man erfährt sehr viel über den Kolonialkrieg und die damalige Zeit. Die Charaktere waren gut ausgearbeitet und ich konnte mit ihnen mitfiebern. Durch die besonders detailierten Beschreibungen konnte ich mich sehr gut in die Vergangenheit versetzen. Trotz der derben Sprache war Kapitän Belmonte eine faszinierende Persönlichkeit, die anderen Personen natürlich auch. Durch die vielen Dialoge wirkt die Geschichte sehr lebendig. Schön fand ich auch die Zitate, die zwischendurch immer wieder vorkamen und den Anfang eines neuen Kapitels zierten. Diese waren beispielsweise von Aristoteles, Heinrich Heine und Alexander von Humbold. Fazit Interessant und spannend ist das Buch auf jeden Fall. Empfehlen kann ich es allen, die Abenteuer und Militärgeschichte lieben.

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Das Buch spielt in der Zeit des 18. Jahrhunderts und handelt von dem Kolonialkrieg zwischen England und Spanien. Der mit einer riesigen Armada von Schiffen ausgetragen wird. Aber der Autor fasst dabei nicht nur den Krieg per se ins Auge, sondern zeigt auch die Zeit und das Leben selbst auf. Was dem Leser einen guten Eindruck dieser Zeitepoche vermittelt. Von gefährlichen Reisen über die Meere, die nicht oft mit verstümmelungen oder den Tod endeten. Auch von der Lebensart und dem Alltag an sich. Trinken, plündern, überleben, usw. Auch geht er auf die großen Themen dieser Zeit ein. Die Ausbeutung der Europäer an den Amerikanischen Ureinwohnern, die ständigen Konflikte der größen Mächte wie Frankreich, Spanien, Bayern, Österreich-Ungarn, Großbritannien. Aber auch das Plündern, Morden, Foltern, Piraten, sowie den enormen Skalvenhandel und Menschenhandel, zu jener Zeit. Auch muss hervorgehoben werden, dass es vielleicht dem ein oder anderen Leser, ein wenig verstören könnte. Da es nicht ganz so “politisch korrekt“ geschrieben wurde, was aber nicht am Autor selbst liegt, sondern eben an der Zeit. Also so, wie man früher eben gesprochen hat. So kommt es vor, dass sehr oft das Wort “Neger“ gebraucht wird. Aber dies war nun mal im 18. Jahrhundert üblich. Leider muss ich sagen, dass man vielleicht doch ein wenig mehr erwatet, als es dann ist. Auch kommt leider nicht eine so große Spannung auf. Schön ist, dass am Anfang, eines jeden Kapitels, Auszüge aus Büchern jener Zeit, oder Zitate von Personen zu lesen sind. Unter anderem von Alexander von Humblodt, uvm. Im Großen und ganzen ist zu sagen, ein tolles Buch für Geschichts begeisterte Leser, die mehr über diese Zeitepoche erfahren wollen, aber leider mit wenig Spannung, für einen Roman.

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Meine Meinung Geschichte Das fatale Ereignis in den 1720ern mal ganz anders. Der Einstieg war simpel und sollte uns noch mehr oder weniger verfolgen. Die Szene um das Ohr des Kapitäns wurde auf Papier gebracht und szenisch wunderbar beschrieben. Dadurch entstand die Illusion bei mir, dass auch die Geschichte dort spielen wird: Auf dem Meer. Doch Autor Haefs ließ sich etwas ganz anderes einfallen: Er mischte die Fiktion mit der Non-Fiktion und plötzlich landete der Leser auf einer interessanten Schatzsuche, dessen Geschichte Generationen verknüpft und Distanzen überbrückt. Erzählt wird die Geschichte einige Jahre später durch die Augen der Beteiligten. Während der Reise tritt der Protagonist in Kontakt mit dem Romanautor Tobias Smollett, der im damaligen Krieg Schiffsarzt war. Dieser ist von einer komischen Natur, aber immer auf der Suche nach neuen Geschichten und vermutlich weniger Einsamkeit. Somit kommt es dazu, dass die Geschichte des Krieges aus zwei Sichten erzählt wird...aus englischer und auch spanischer. Zum einen war das eine wirklich tolle Idee. Man stellt sich somit auf keine Seite, erlebt beide Perspektiven und ist dennoch mittendrin. Durch die leicht säuerliche Art und Weise Smolletts hat man zudem einige Anekdoten. Leider wurde auch viel in der Zeit gesprungen. Von einem Tag zurück zu einem älteren. Es gab viele Unterbrechungen, wie sie bei einer Erzählung nur natürlich sind und viele griesgrämige Gefechte zwischen den Beteiligten. Manchmal wirkte alles nur verwirrend und unsortiert. Charaktere Die Charaktere passten alle hervorragend in die Zeit des Krieges. Doch weit weg vom "bösen Anführer"-Klischee, hat man hier einen gerechten und freundlichen Kapitän, den man dennoch nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Schön fand ich vor allem auch die ausführlichen Beschreibungen des Schwarzen Ortiz, der viel Talent aufwies und somit nicht nur ein schlichter Putzjunge war und das Deck schrubbte. Schwierigkeiten hatte ich mit Romanautor Tobias Smollett. Die Zeit scheint ihn bitter gemacht zu haben. Ständig fallen herablassende Kommentare von ihm, die als Witz und Ernst gleichzeitig gehandhabt werden können. Es fiel mir als Leser schwer, ihn zu mögen - das war wohl auch nicht die Intention. Er war das Gewürz in der Suppe und gab dem Buch eine besondere Note. Allgemein kam man den Charakterne nur geringfügig näher. Alles bleibt eher auf Distanz, was auch hilft, das Buch subjektiv zu sehen. Schreibstil & Sichtweise Oft habe ich Probleme mit Schreibstilen in historischen Romanen. Sie sollen informativ sein und den Leser trotzdem fesseln, doch oft geht der "fesselnde" Aspekt verloren unter Fakten. Hier jedoch war das ganz anders. Durch die Mischung mit der Fiktion wird das Buch lebendiger. Dadurch wird dem Schreibstil mehr Freiraum gelassen, der auch genutzt wurde. Langweilig wurde mir nie. Geschrieben ist das Buch in erster Linie aus der Sicht des Kapitäns Belmonte. Doch auch andere Sichtweisen werden zwischendurch eingebunden. Cover & Titel In der oberen Hälfte sieht man eine Karte, während in der unteren die Schiffe schwimmen, mit dem Nebel von Kanonenfeuer. Durch die Farbe wirkt alles ein wenig veraltet, wie auf einem alten Stück Papier. Das gefiel mir sehr gut, da es ja ein historisches Buch ist. Das Cover gefällt mir sehr gut. Auch der Titel ist anziehend und vielleicht der wichtigste Auslöser im Krieg. Weshalb er wohl auch gewählt wurde. Es wird zu Anfang und Ende erwähnt, doch verliert etwas an Bedeutung. Zitat " 'Muß ich etwas unterschreiben?' 'Das machen wir per Handschlag. Hände halten länger als Papier, hombre.' " - Seite 20 Fazit Ein gelungener historischer Roman, der durch die Erzählperspektive beider Kriegsseiten und außergewöhnlichen Charakteren punkten kann. Jedoch sind die Sprünge und Einwände teilweise verwirrend.

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„Das Ohr des Kapitäns“ von Gisbert Haefs erzählt die Geschichte einer Schatzsuche und des Kolonialkrieges in der Karibik. Erschienen ist der Roman im August 2017 im Heyne Verlag. Karibik, 18. Jahrhundert: Der spanische Erbfolgekrieg ist vorbei und die englischen Händler haben das Monopol erhalten Südamerika mit Sklaven zu beliefern. Kapitän Jenkins wird auf einer Fahrt, bei der er auch Schmuggelware dabei hat, von den Guardacostas vor Kuba überprüft. Da er nicht kooperiert wird ihm kurzerhand ein Ohr angeschnitten. Dieses bringt er nach England und löst so den Kolonialkrieg aus. Auch der junge Arzt und spätere Schriftsteller Tobias Smollett nimmt an dem Krieg teil. Es fällt mir schwer dieses Buch zu beurteilen. Einerseits hat es mir ganz gut gefallen, auf der anderen Seite hat sich die Geschichte für mich aber auch gezogen. Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen und lässt einen gut im Buch vorankommen. Sehr irritiert hat mich, dass dieses Buch wohl in der alten Rechtschreibung veröffentlicht wurde. Es war mir nicht bewusst, dass man das überhaupt machen kann. Dies kann ich aber auch nur daran festmachen, dass Wörter wie misslungen oder muss mit ß geschrieben werden. Des Weiteren ist die Sprache teilweise sehr derbe. Es gibt beispielsweise eine schönärschige Venus-Statue und es wird sehr viel wörtliche Rede benutzt. Es gibt ganz viele Gespräche in dem Buch und es werden nur kurz Dinge beschrieben. Die viele wörtliche Rede hat für mich dazu beigetragen, dass sich die Geschichte ein wenig gezogen hat. Ansonsten werden die Kapitel aus der Sicht eines der Protagonisten des Buches geschildert. Man erfährt etwas über die Gedankenwelt von Ortiz, Belmonte und auch O’Leary. Diese Einblicke fand ich interessant, da jeder auch einen ganz anderen Blickwinkel auf die Welt hat. Vor jedem Kapitel gibt es Zitate, die etwas mit dem Inhalt des Buches zu tun haben. Ich muss zugeben, dass ich nicht immer den Zusammenhang verstanden habe, aber die Zitate sind durchaus informativ. Die Personen in dem Roman fand ich sehr interessant und trotz der derben Sprache sympathisch. Kapitän Belmonte ist auf jeden Fall ungewöhnlich und hat eine bunt gewürfelte Truppe auf seinem Schiff. Juden, Schwarze, Iren, usw. finden sich alle auf der Santa Catalina wieder. Der schwarze Ortiz hat besondere Fähigkeiten. Er kann Unregelmäßigkeiten erkennen und so oftmals wichtige Hinweise liefern und auch ansonsten ist er nicht unbedingt auf den Kopf gefallen. Der Ire O’Leary bringt die Truppe rund um Belmonte und Ortiz auf die Fährte eines Schatzes, den sein Vater während des Kolonialkrieges versteckt hat. Am Krankenbett des Lazarettarztes Tom Smollett erfährt man dann viel über den Kolonialkrieg. Smollett war auf der Seite der Engländer und Belmonte auf der Seite der Spanier. So wird einem ein sehr detaillierter, aber auch differenzierter Blick auf den Kolonialkrieg gewährt, was mir gut gefallen hat. Nur selten kommen in einem Buch beide Seiten zu Wort. Die ganzen Daten und Details haben mich allerdings auch ein wenig erschlagen und so fühlte sich das Ganze auch sehr wie ein Geschichtsbuch an. Fazit: Insgesamt ein durchaus interessantes Buch, dass mit der vielen wörtlichen Rede und den vielen Daten und Fakten die Geschichte aber in die Länge zieht. Empfehlenswert für Leute, die gerne Abenteuerromane lesen und nicht vor derber Sprache zurückschrecken.

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In letzter Zeit mag ich immer mehr die Historische Romane zu lesen. Heute will ich mit Cover anfangen, weil ich in diesem Fall ein Coveropfer war. Ich war sofort verliebt und wollte unbedingt das bei mir zu Hause haben. Als Vorteil, der ich in mehreren Büchern jetzt sehe, finde ich die Karten am Anfang des Buches. Mir hilft das immer besser alle Bewegungen vorzustellen. Der Klappentext hat mich noch mehr überzeugt, dass es sehr gutes Buch sein wird. An sich ist die Schreibweise sehr leicht und gut. In der Schule hatten wir dieses Teil der Geschichte ganz flach gelernt. Deshalb fehlt bei mir ab und zu die Kenntnisse, aber ich konnte das nachvollziehen. Mir hat sehr gefallen, dass Information sehr deutlich und interessant vorgestellt wird. Im Buch gibt es viele Daten. Der Autor hat viel Information studiert und bearbeitet. Es mein erster Roman von Gisbert Haefs. In der Zukunft merke ich die andere seine Bücher für mich.

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Bei meinem ersten Buch des Autors Gisbert Haefs hat mich vor allem die Thematik gereizt, wie es von einem abgeschnittenen Ohr zu dem jahrelangen Kolonialkrieg zwischen England und Spanien in der Karibik gekommen ist. Ich habe mit einer chronologischen Erzählung der damaligen Geschehnisse gerechnet, nachdem der Leser Zeuge wurde, wie es dazu kam, dass dem englischen Kapitän Jenkins ein Ohr durch spanische Küstenschützer abgehauen wurde. Man erlebt noch die ersten Nachbeben dieses Ereignisses mit, um sich dann plötzlich 30 Jahre in der Zukunft wiederzufinden: Der Kolonialkrieg zwischen England und Spanien ist längst beendet, es herrscht ein fragiler Friedensvertrag. Einziges Verbindungsglied zwischen den beiden Zeitebenen ist Rafael Ortiz, der damals auf dem Schiff des spanischen Kapitäns angeheuert hat, der sich für den Verlust des Ohrs verantwortlich zeichnet, und 1770 zusammen mit dem Halbspanier Osvaldo Belmonte ein eigenes Schiff unterhält. Als Ortiz und Belmonte über Umwege zu einem neuen Mannschaftsmitglied kommen, das ihnen von seinem verstorbenen Vater und dessen verstecktem Schatz in der Karibik erzählt, beschließen die drei, sich auf die Spurensuche zu machen. Dazu müssen sie in ihren Erinnerungen in die Vergangenheit zurückreisen, in die Zeit des Kolonialkriegs, zusammen mit dem berühmten englischen Dichter Tobias Smollett, der damals nicht nur als Schiffsarzt im Krieg dabei war, sondern auch in dem Lazarett war, in dem der vermeintliche Schatz-Eigentümer verstorben ist. Diese Herangehensweise an die damaligen Geschehnisse hat mich ziemlich überrascht, fand ich dann aber auf den zweiten Blick sehr raffiniert. Auf diese Weise erlebt der Leser die Kriegswirren aus zwei Perspektiven mit, durch Smollett die englische und durch Belmonte die der Spanier. Zudem erlaubt der Rückblick eine Analyse der Gründe für Erfolg und Misserfolg. Belmonte und Smollett machen dabei keinen Hehl daraus, was sie von den Beweggründen der Verantwortlichen damals halten. Die Beschreibungen der genauen Kriegsschauplatzbewegungen fand ich zwar teilweise etwas trocken, was sicherlich auch daran lag, dass mir ein wenig die bildliche Vorstellung der örtlichen Begebenheiten fehlte. Dabei sind am Anfang des Buches zwei originale Karten abgebildet, die jedoch den Nachteil haben, dass die Beschriftungen sehr klein sind, so dass ich Mühe mit dem Entziffern hatte. Der Sprachstil des Buches hat mir sehr gut gefallen, er passt zur damaligen Zeit und ist anspruchsvoll, dabei aber oftmals mit einer feinen Nuance von hintergründigem Humor unterlegt. Als ich das Buch in den Händen hielt, ist mir auch direkt der aufwändig und kunstvoll gestaltete Umschlag positiv aufgefallen. Mich hat dieses Buch mit seiner unerwarteten Erzählweise jedenfalls neugierig auf weitere Werke des Autors gemacht.

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INHALT/Klappentext: Sklavenhandel, Schmuggelware und ein Kriegsgrund,,,, Nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs im Jahr 1713 erhalten englische Händler das Monopol für die Belieferung des spanischen Kolonialreichs in Südamerika mit schwarzen Sklaven. Eines Tages weigert sich der »Händler« Jenkins (de facto wohl Schmuggler), sich von der spanischen Küstenwache vor Kuba kontrollieren zu lassen, worauf der spanische Kapitän dem Zeternden kurzerhand das linke Ohr abschneidet. Als Jenkins das Beweisstück in London vorlegt, ist das in der aufgeheizten Stimmung für England Grund genug, mit dem größten Flottenaufgebot seit der Armada zu reagieren. Es kommt zum Kolonialkrieg in der Karibik. Der später berühmte Romanautor Tobias Smollett nimmt als junger Assistenzarzt an Bord eines britischen Linienschiffs an der Unternehmung teil. MEINE MEINUNG: Das schöne Cover mit den tollen Windjammern und mit Teilen einer historischen Landkarte hat mich sofort angesprochen und ich habe ein buntes und spannendes Historiendrama , das sich zwischen den beiden damals führenden Seemächten England und Spanien spielt, erwartet. Meine Erwartungen wurden auch erfüllt , leider aber nicht ganz was die Spannungsbögen und meinen Zugang zu den Charakteren des Buches betraf. Das geschichtliche Wissen, welches der Autor vermittelt ist ungeheuer gross und umfassend, was normalerweise für einen historischen Roman sonst kaum üblich ist. Und doch hat mir ein wenig die Spannung und der Zugang zu den Protagonisten gefehlt. Da es hauptsächlich gestandene *Seebären* sind, hätte ich mir mehr Temperament und Buntheit in ihren Erzählungen gewünscht, wobei die Atmosphäre auf See und in den Häfen sehr stimmig und interessant vom Autor geschildert wurde. Ich bin mit diesen See-Männern als Romanfiguren einfach nicht warm geworden und wurde nicht wirklich von ihnen beeindruckt. Ein Glossar wäre sehr hilfreich gewesen, denn viele Begriffe aus der Seefahrt sind mir völlig unbekannt, wie zum Beispiel eine Schebecke . Die schönen, alten und informativen Karten am Beginn des Buches haben mich aber schnell darüber hinweg getröstet. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die Zitate vor jedem Kapitel von bekannten Persönlichkeiten wie zum Beispiel von Heinrich Heine, Zitat Seite 322 vor dem Kapitel * Wunder in Cartagena*: Aber das Leben ist im Grunde so fatal ernsthaft, daß es nicht zu ertragen wäre ohne solche Verbindung des Pathetischen mit dem Komischen. oder von Harold Temperley (1909) Seite 44 vor dem Kapitel *Downing Street 1738*: Man kann sagen, Jenkins Ohr symbolisierte die Empfindungen der englischen Öffentlichkeit ganz allgemein , ihren Haß auf die Spanier als grausame Papisten, ihre insulare Verachtung des Ausländers, und so weiter. Die Frage ist, wie ausschlaggebend diese Gefühle für die Kriegserklärung waren...Es war vielleicht der erste englische Krieg , bei dem wirtschaftliche Interessen den absoluten Vorrang hatten. Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten, aber vor allem mein geschichtliches Wissen über diese Zeit erweitert. Meine Bewertung : **** Vier Sterne. Herzlichen Dank an den Heyne Verlag und den Autor für dieses sehr informative Werk.

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