Leserstimmen zu
Ein Sommer in Corona del Mar

Rufi Thorpe

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Beeindruckendes Debut!

Von: Naibenak aus Pinneberg

22.03.2018

„ ,Du musst mir einen Zeh brechen‘, erklärte ich. Lorrie Ann und ich sonnten uns auf der winzigen Terrasse meiner Mutter auf dünnen Handtüchern, die direkt auf den heißen, rissigen Steinplatten ausgebreitet waren. Wir hatten uns jeweils den Saft einer Plastikzitrone aus dem Supermarkt ins Haar gequetscht und hofften inständig, blonder zu werden, […]. In unserer kleinen kalifornischen Neunzigerjahre-Siedlung gab es kein Mädchen, das perfekter war als Lorrie Ann Swift, und zwar […] weil sie auf eine Art gewöhnlich war, die uns alle übertraf.“ Mia und Lorrie Ann sind enge Freundinnen und gehen durch dick und dünn. Die wunderschöne, aber eher zurückhaltende Lorrie Ann wächst in überbehüteten und liebevollen Verhältnissen auf. Mia hingegen hat eine Mutter, die gern etwas tiefer ins Glas schaut und zwei junge Stiefbrüder, um die sie sich als ältere Schwester nicht selten zu kümmern hat. Als sich nach der Schulzeit die Wege der beiden Mädchen –zumindest geografisch – trennen, entfernen sich auch ihre Lebenswege voneinander. Und plötzlich kommt der Tag, an dem die einst so (vermeintlich) perfekte Lorrie Ann barfuß und völlig verwahrlost vor Mias Tür in Istanbul steht. Was ist passiert? Zugegeben, das Cover und der Titel könnten den Leser Glauben machen, hier erwarte ihn ein sommerlich-frischer Urlaubsroman. Aber das Gegenteil ist der Fall. Rufi Thorpe hat einen zutiefst berührenden und feinfühligen Roman über eine Freundschaft geschrieben, der unter die Haut geht. Mit schonungsloser Ehrlichkeit schildert sie aus Mias Sicht die Ereignisse in der Jugend der beiden Mädchen und was aus ihnen geworden ist. Dabei entstehen anfangs Sympathien und Antipathien, die sich aber im Laufe der Geschichte verändern, weil sich die Personen entwickeln, weil man mitfühlt und versteht oder auch nicht versteht. Bereits in den ersten Sätzen (siehe Zitat) spüre ich als Leser eine versteckte Traurigkeit zwischen den Zeilen. Die Erzählweise wirkt wiederum sehr frisch und lebhaft auf mich. Eine Traurigkeit zieht sich jedoch durch große Teile des Romans, insbesondere, wenn es um die Lebensgeschichte von Lorrie Ann geht, denn sie muss mit mehreren Schicksalsschlägen fertig werden. Mia hat ihre Freundin jahrelang als eine Art Göttin betrachtet und tatsächlich regelrecht vergöttert. In Istanbul übersetzt Mia ein uraltes Werk über die sumerische Göttin Inanna, die sie immer wieder Parallelen zu Lorrie Ann ziehen lässt. Einige interessante Informationen über diese Gottheit hat die Autorin sehr gekonnt mit in die Geschichte einbezogen. Während Lorrie Ann nun versucht ihrem Schicksal ins Auge zu sehen und es leben zu lernen, kann Mia nicht verstehen, wie ungerecht Glück und Unglück verteilt sind. Welten treffen aufeinander und entfernen sich wieder. Gleichzeitig gibt es auch in Mias Leben Veränderungen, die sie vor große Gewissensfragen stellen. Und am Ende stehen diese einfachen Fragen im Raum: wie gut kennt man die beste Freundin eigentlich? Und wie gut kennt man sich selbst? Fazit: Ein trauriger und zugleich hoffnungsvoller Roman, der eine Frauenfreundschaft mit ihren Höhen und Tiefen thematisiert und insbesondere eindrücklich beschreibt, wie Menschen zu den Menschen werden, die sie sind. Die mitreißende und zugleich sehr feinfühlige und warmherzige Sprache der Autorin hat den Roman für mich zu einem besonderen, fesselnden Lesehighlight gemacht. Ein beeindruckendes Debüt! Rufi Thorpe ist ein Name, den ich mir merke :-)

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Es ist Sommer in der südkalifornischen Stadt Corona del Mar. Die beiden Freundinnen Mia und Lorrie Ann sind unzertrennlich. Doch als Lorrie Anns Vater stirbt, weiß Mia nicht, was sie für ihre Freundin tun kann. Und dies ist nur der erste von vielen schweren Schicksalsschlägen, die Lorrie Ann treffen werden … Jahre später steht Lorrie Ann plötzlich wieder vor Mias Tür: barfuß, hungrig und vom Leben gezeichnet. Und Mia kann nicht verstehen, wie das Leben ihrer scheinbar makellosen Freundin so aus dem Ruder laufen konnte. Kann es sein, dass sie Lorrie Ann nie wirklich gekannt hat? Ich hatte mich ja sponta in das Titelbild verliebt und dann den Klappentext nicht mehr wirklich gelesen, als es darum ging, mir im bloggerportal ein neues Rezensionsexemplar auszusuchen. Dementsprechend hatte ich gestern Morgen im Zug erwartet, ein irgendwie locker-schnuffiges Buch zu finden, vielleicht so im Stil von Stephen Kings "Th Body", so eine Teenager-Freundschaft, diein diesem Sommer ihren Zenit erlebt ... Das war es dann doch nicht. Stattdessen habe ich ein Buch bekommen, dass mich dazu veranlasst hat, die drei Kilometer vom Bahnhof zur Arbeit und wieder zurück zu laufen, statt das Fahrrad zu nehmen, damit ich während des Laufens weiterlesen kann. Mich hat das Buch von Anfang an gefangen genommen. Da sind zuerst einmal Mia und Lorrie Ann, denen man am Anfang begegnet und die so gegensätzlich sind, wie sie nur sein können. Mia, die nüchtern auf das Leben blickt und als Ich-Erzählerin durch das Leben führt, und Lorrie Ann, die Träumerin, die an die große Liebe glaubt. Von Anfang an macht Mia klar, dass es Lorrie Ann schlecht ergehen wird, aber boah, die wird im Laufe des Buchs wirklich von einer miesen Situation in die nächste geworfen! Das ganze wird von Thorpe so schonungslos und ohne jede Regung erzählt, dass man manchmal wirklich schlucken muss. Im Gegensatz macht ausgerechnet Mia einen Abschluss in Yale, wird eine renommierte forscherin und findet ganz allmählich und ohne es eigentlich zu wollen, das Glück, das sie immer finden wollte - nicht zuletzt aber auch dank Lorrie Ann. Das wird Mia aber vermulich nie zeigen, denn es stimmt, was Lorrie Ann mal feststellt - sie braucht die andere eigentlich dazu, um über sich selbst zu sprechen, letztlich ist Lorrie Anns Schicksal für Mia aber fast schon egal, sie mag es nur nicht, nicht daran teil zu haben. Diese Geschichte einer Freundschaft knüpft Thorpe dann in einem ziemlich dramatischen Hauptteildialog mit großen Fragen nach dem Mutterbild, das wir oder die Gesellschaft haben will, der Frage nach Abtreibung und Sterbehilfe, danach, ob das eigene Glück manchmal wichtiger sein darf als das Glück von anderen. Für mich war das schwere Kost zu lesen, wirklich, aber ich fand die beiden Positionen spannend vertreten, und genau deshalb konnte ich mich wie gesagt gar nicht los reißen. Ein wirklich, wirklich gutes Buch, das ich euch uneingeschränkt ans Herz lege!

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Die Zitate „Unwiderstehlich.“ und „Bezaubernd!“ von Elle und Glamour auf der Rückseite des Buches sind irreführend. Sie sind es deshalb, weil allein die bloße Nennung dieser Lifestyle-Blättchen mich sofort in eine ganz andere Richtung gelenkt hat. „Ah,“ dachte ich. „Also doch eher etwas Seichtes …“ Doch weit gefehlt! Der Erstling „Ein Sommer in Corona del Mar“ von der kalifornischen Newcomerin Rufi Thorpe war immerhin gleich mal nominiert für den International Dylan Thomas Prize und den Flaherty-Dunnan First Novel Prize und enttäuscht den mutigen Leser, der sich trotz Glamour und Elle ins Lesevergnügen stürzt, nicht! Und er ist sicher vieles, aber bestimmt nicht „bezaubernd“ … Mia und Lorrie Ann sind beste Freundinnen, wahrscheinlich vor allem deshalb, weil sie sehr unterschiedlich sind. Der Roman startet gleich voll durch, es gibt keine Einleitungsphase. Der erste Satz, um einen Eindruck zu vermitteln, was ich meine, lautet: „Du musst mir einen Zeh brechen“, erklärte ich. Mia hat nämlich ein akutes Problem. Sie ist in der 10. Klasse und schwanger, und das von einem Kerl, den sie nicht mal besonders toll findet. Daher gibt es auch nur einen Ausweg für die Fünfzehnjährige: Abtreibung in der Frauenklinik. Lorrie Ann muss sie fahren, sie ist glücklicherweise schon sechzehn und hat den Führerschein. Am Tag nach dem Eingriff, das ahnt Mia, wird sie beim Meisterschaftsspiel nicht Softball spielen können. Also soll Lorrie Ann ihr den Zeh brechen, um ihr ein Alibi zu verschaffen. Zu Beginn des Buches scheint die Freundschaft nicht im Gleichgewicht. Es wirkt, als gäbe es da ein klares Gefälle. Mia ist die verrücktere, unstetere von beiden. Sie ist chaotisch und auf Lorrie Ann angewiesen, denn diese erdet sie immer wieder. Lorrie Ann hat nicht nur eine stabiler wirkende Persönlichkeit, sie hat auch so viel, um was sie von Mia und sämtlichen Mädchen aus Corona del Mar beneidet wird: Sie sieht gut aus, sie ist nett, sie hat Eltern, die sie lieben und die sie sehr liebt, Brüder, mit denen sie sich gut versteht und die sie wiederum abgöttisch lieben. Mias eigene Mutter ist Kosmetikerin und meistens betrunken. Der Vater ist irgendwann abgehauen und die ein, zwei Male, die Mia ihn pro Jahr sieht, sind meist grauenvoll, weil sich die beiden herzlich wenig zu sagen haben und bemüht sind, dies nicht zu deutlich zu zeigen. Doch irgendwann drehen sich die Verhältnisse in der Freundschaft um hundertachtzig Grad. Bei Mia geht es bergauf, bei Lorrie Ann beginnen sich die Unglücksmomente zu häufen. Alles beginnt mit dem plötzlichen und gänzlich unerwarteten Tod ihres Vaters. Die Familie, zwischen deren Mitglieder kein Blatt passte, wird in ihren Grundfesten erschüttert und zerbricht langsam, aber sicher an diesem Schicksal. Die „Unglücksgeier“, wie Mia sie bezeichnet, lassen Lorrie Ann nicht mehr in Ruhe, sie klopfen von nun an in regelmäßigen Abständen bei ihr an. Die ganze Geschichte wird aus Mias Perspektive erzählt. Sie hat mittlerweile eine steile Unikarriere absolviert und lebt und arbeitet heute mit ihrem Freund in Istanbul. Dort erreicht sie auch aus dem Nichts heraus der Telefonanruf von Lorrie Ann, die in der Stadt ist und sich unbedingt mir ihr treffen will. Wie bei jedem Treffen nach jahrelanger Funkstille, muss Mia entsetzt feststellen, dass ihre Freundin noch ein bisschen tiefer gefallen ist. Lorrie Ann, die von ihr ein halbes Leben lang auf einen Thron gehoben und angehimmelt wurde, wirkt wie ein abgestürzter Engel. Drogenabhängig, pleite und sozial völlig am Boden – so steht ihr ehemaliges Jugendidol in Istanbul vor ihr. Was ist nur geschehen? Rufi Thorpe stellt genaue Charakterstudien an, sie skizziert feinsinnig, wie scheinbar bedeutungslose Situationen ein Leben in eine komplett andere Richtung lenken können, sei es zum Guten oder zum Bösen hin. Keine der beiden Freundinnen hat jemals wirklich eine objektiv falsche Entscheidung getroffen, sie haben immer einfach nur das getan, was ihnen in dem jeweiligen Moment – oft nach langen Gesprächen – am sinnvollsten erschien. Wie so oft ist das Leben aber einfach nicht fair. Das Schicksal hätte sich auch nochmals drehen können und Mia eine Pechsträhne verpassen können – doch sie blieb auf der sonnigen Seite des Lebens. Und doch, denkt man am Ende, ist auch bei Lorrie Ann nicht alles schlecht. Em Ende ist es doch vor allem wichtig, dass man nicht auf der Stelle tritt, dass man jeden Tag seinem Leben eine neue Chance gibt. Auch wenn bislang vieles schief lief, kann der morgige Tag ein guter werden. Man muss ihm nur eine Chance geben. Und so entwickeln sich die beiden ehemals besten Freundinnen weiter, nicht zusammen, sondern jede für sich. Und sie erkennen ihre eigene Stärke, ihre Persönlichkeit vielleicht gerade deshalb, weil sie nicht mehr zusammenglucken wie früher. Für mich ist der schonungslose Roman die Überraschung meines Bücherstapels schlechthin, hatte ich mir doch nicht viel mehr als ein paar belanglose angenehme Lesestunden von ihm erwartet – und dabei bietet er einem so viel mehr. Klarer Aufruf: Lesen!

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Zusammenfassung: Mia und Lorrie Ann verbringen ihre Kinder- und Jugendtage in Corona del Mar, Kalifornien. Während Mias Familie alles andere als durchschnittlich ist, reflektiert Lorrie Anns Familie Perfektion. Mias Eltern haben sich getrennt, als sie noch klein war. Nun lebt sie mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater sowie ihren beiden Brüdern zusammen. Ihre Mutter ist eine egoistische Frau, die mit den drei Kindern überfordert ist. Sie haben wenig Geld und zudem vergisst sie oft einzukaufen oder für die Kids zu kochen. So bleibt alles an Mia hängen, da auf ihren Stiefvater Paddy auch kein Verlass ist. Denn dieser fühlt sich mehr zur Flasche und zum Lotterleben hingezogen, als ein Familienvater zu sein. Dementsprechend, kommt das junge Mädchen mit Paddy auch nicht gut aus und die beiden gehen sich aus dem Weg. Lorrie Anns Eltern sind dass genaue Gegenteil. Ihre Mutter ist berufstätig und kümmert sich hingebungsvoll um ihre Kinder. Der Vater ist ein christlicher Rocksänger und hat eine eigene Band. Lorrie Ann wächst behütet und beschützt auf, sie wird von allen angehimmelt und ein sehr gutes Verhältnis zu ihre Eltern - vorallem zu ihrem Vater. Ihre Mutter Dana sammelt Zwerge, die im Wohnzimmer auf einem Regal stehen. Mia und Lorrie Ann sind die besten Freundinnen und teilen jedes Geheimnis miteinander. Der Roman beginnt damit, dass Mia ihre Freundin bittet ihr mit einem Hammer den Zeh zu brechen. Denn sie ist ungewollt schwanger mit 15 Jahren - und will eine Abtreibung. Der Termin steht schon fest und Lorrie Ann wird sie begleiten, damit sie aber am kommenden Softball Turnier nicht teilnehmen kann, müssen Knochen gebrochen werden. Doch Lorrie Ann weigert sich, und so lässt Mia den Hammer nach der Abtreibung selber auf ihren Zeh sausen. Jedoch fester als geplant und so beschädigt sie ihren kleinen Zeh irreparabel. Die kleine heile Lorrie Welt bricht jedoch entzwei, als ihr Vater bei einem Unfall getötet wird. Sie verändert sich und zieht sich komplett zurück. Mia kann ihr nicht helfen und beginnt hier schon sich auch von ihr zurückzuziehen... Mia verlässt dann Corona del Mar, um auf ein College zu gehen und Lorrie Anne wird ungewollt schwanger von ihrem Freund. Er steht jedoch zu ihr und dem Sohn, der schwer behindert zur Welt kommt. Als Mia Lorrie Anne nach der Geburt besucht, wird sie nach 2 Tagen vom Mann ihrer Freundin (Jim) hinaus komplementiert. Und sie selber hat auch das Gefühl, nur im Weg zu stehen, da sich die junge Mutter nicht um sie kümmert und auch nicht mehr nach ihr fragt. Um die Rechnungen der Krankenhäuser und Ärzte bezahlen zu können, tritt Jim der Army bei. Er wird nach kurzer Zeit im Einsatz getötet und Lorrie Anne steht alleine mit ihrem Sohn da. Nachdem die Trauerzeit vorbei ist, muss sie das Armygelände verlassen und landet in einer Sozialwohnung mit ihrem Sohn Zach... Meine Meinung: Der deutsche Titel hätte nicht unpassender sein können. Im Original heißt das Buch "The Girls from Corona del Mar", und hätte viel besser gepasst. Zwar spielt der Anfang in Corona del Mar und ja, auch im Sommer - aber der restliche Roman spielt meistens immer irgendwo anders. Ich fand das Buch sehr gut, aber ich lese generell gerne ernste Bücher oder mit problematischen Thematiken. Es war erschütternd und traurig (wieder mal) zu sehen, was das Leben aus den Menschen macht. Ein Schlag nach dem Anderen und schon befindet man sich einer Abwärtsspirale. Lorrie Anne aber auch Mia fand ich auf ihre eigenen Weisen sympathisch, keine der beiden ist die typische Sympathie Protagonistin. Lorrie Annes Leben entgleitet ihr immer mehr, während Mia versucht ihren Weg und sich selbst zu finden. Sie hebt ihre Freundin auf einen Sockel und sieht in ihr eine Heilige. Und sie sieht nicht, dass das andere junge Mädchen alles andere als perfekt ist. Im Laufe des Romans verändert sich die Lage und Mia (die sich selbst immer als die Böse und Schlechte sieht) wird die Starke, die ihr Leben meistert - trotz der zerrütteten Familienverhältnisse und der Abtreibung als Teenager. Lorrie Anne hingegen scheint ihr nie komplett vertraut zu haben. Wie sich im späteren Verlauf zeigt, hat sie Mia nie die Liebe und das Vertrauen entgegengebracht, wie diese sich das wünschte. Nur ist es ihr nicht aufgefallen.... Der Roman ist aus Mias Sicht geschrieben und wir erfahren viel über ihr Leben und ihre Gefühlswelt. "Ein Sommer in Corona del Mar" - ein Roman über den Fall und den Aufstieg zweier Menschen, die dachten sie wären Freundinnen. Ein labiles Mädchen, dass sich nicht äußern kann und auf der anderen Seite ein starkes Mädchen, dass keine Hilfe anbieten kann. Definitiv kein Buch für zwischendurch oder um es in der Sonne zu lesen. Es erschüttert, berührt, macht hilflos und macht wütend.

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Als ich dieses Buch zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich, es wäre eine locker-leichte Geschichte über eine Freundschaft und das Leben. Was mich zu dieser Vorstellung geführt hat? Der Titel klingt für mich irgendwie nach einer typischen Sommerlektüre und das Cover wirkt in seinen leuchtenden Gelb- und Blautönen eher freundlich und macht gute Laune. Was dieses Buch wirklich ist? Eine aufwühlende und zum Nachdenken anregende Geschichte über die Schicksale zweier Menschen, die miteinander verbunden sind, egal wie viele Kilometer sie gerade trennen. "Ein Sommer in Corona del Mar" ist definitiv keine leichte Sommerlektüre, doch gefallen hat es mir trotzdem. Die Geschichte dreht sich um die beiden Freundinnen Mia und Lorrie Ann. Lorrie Ann war früher immer das perfekte Mädchen, doch dann schien ihr das Schicksal immer und immer wieder übel mitzuspielen. Bis sie schliesslich barfuss und hungrig nach Jahren des Leidens vor Mias Haustüre steht und ihr die ganze Geschichte der letzten Jahre erzählt. Das Buch behandelt viele Themen, die nicht leicht sind und manchmal haben mich gewisse Aussagen, gerade solche von Lorrie Ann, wirklich schockiert. "Eine Mutter hat das Recht ihr Kind zu töten" war definitiv eine von ihnen. Und während ich wirklich zu hundert Prozent versuchte, mich in Lorrie Ann hineinzuversetzen, versuchte ihr Handeln zu verstehen und sie nicht zu verurteilen, gelang es mir nicht. Offengesagt hasste ich ihren Charakter. Natürlich empfand ich Mitleid für sie, natürlich war mir klar, dass ihr Schicksal wirklich unglaublich hart war. Doch trotzdem ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich mir dachte, was sie für eine böse Hexe war und sie einfach nur als hinterlistig und fies empfand. Doch ich denke, gerade das ist die Stärke dieses Buches. Es hat unglaubliche Emotionen und Gefühle in mir geweckt und es hat es bisher noch selten gegeben, dass mich eine Person in einem Buch so angeekelt hat (nicht äusserlich sondern einfach von ihrem Denken und Handeln her). Ich finde es extrem bewundernswert, wie Rufi Thorpe diese Personen entwickelt hat, die wirklich etwas in mir ausgelöst haben. Einen kleinen Abzug muss ich machen, weil das Buch ab der Stelle, als Lorrie Ann wieder auftaucht teilweise etwas zu hastig und vollbepackt auf mich wirkte. Gerade die Geschichten, die Lorrie Ann von ihren Reisen erzählt, hätten meiner Meinung nach besser wirken können, wenn sie nicht so dicht erzählt worden wären. Ansonsten hat mir das Buch aber wirklich extrem gut gefallen und es hat wie gesagt auch starke Emotionen auslösen können, weshalb es von mir vier von fünf Sternen bekommt.

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Eine packende, tiefsinnige, berührende Geschichte über Freundschaft, Erwachsen werden und das (erschütterte) Gefühl, jemanden zu kennen. Zu keiner Zeit vorhersehbar lässt die Autorin Rufi Thorpe den Leser teilhaben am Zerbrechen einer Freundschaft, an der individuellen Entwicklung zweier besten Freundinnen. Mia, eine der beiden Protagonistinnen erzählt im Rückblick die Geschichte von der Freundschaft zwischen ihr und Lorrie Ann, die bereits in Kindergartentagen begann. Beide wuchsen in Corona del Mar auf, wobei ihre eigene Familie aus einer trinkenden Mutter und zwei kleinen Brüdern bestand, Lorrie Anns Familie aus einem sich und ihre Kinder liebenden Elternpaar. Die Mutter Dana Erzieherin, der Vater ambitionierter Musiker. Beide gläubig. Wohnhaft in einer kleinen, engen Zweizimmerwohnung, aber sehr glücklich. Der große Bruder versteht sich bestens mit ihr. Das pure Familienidyll, trotz widriger Umstände. Mia findet alles an ihrer Freundin perfekt: ihr Aussehen, ihren Intellekt, ihre Familie, ihre absolute Loyalität zu ihr. Die Gefühle von Lorrie Ann erfährt der Leser „aus zweiter Hand“. Diese Filter ist besonders zu Beginn des Buches so hervorragend, weil zum einen dem Leser Lorrie Ann als Quasi-Göttin vermittelt wird, zum anderen die Protagonistin Mia ihre Verbundenheit, ihre Achtung zu Lorrie Ann legitimiert. Dadurch wiegt die Erkenntnis, dass sie ihre beste Freundin wohl doch nicht so gut kannte, sie doch nicht so perfekt ist und war, umso schwerer. Auch all die Katastrophen, die Lorrie Ann aushalten und erfahren muss, treffen den Leser unmittelbar. (Um hier nichts von der Handlung vorwegzunehmen, wird auf das Benennen einzelner Schicksalsschläge der Mädchen und späteren Frauen verzichtet.) Mit wenigen Protagonisten und einer sehr unmittelbaren Erzählweise baut die Autorin eine Wörterwelt auf, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Mit Analepsen wird das Bild von Corona del Mar, Yale, dem Krankenhaus und den Figuren von Kapitel zu Kapitel vollständiger. Ich hatte bald das Gefühl, die Protagonisten zu kennen. Nach dem überraschenden Schluss des Buches bin ich fast etwas traurig, dass ich die Figuren nicht weiter begleiten kann. Dem Buch merkt man an, das die Autorin Rufi Thorpe Literatur und kreatives Schreiben studiert hat, ihr Handwerk perfekt beherrscht. Die Geschichte wird wohl noch lange in mir arbeiten.

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Auf das Buch „Ein Sommer in Corona del Mar“ kam ich nur durch Zufall. Die Lektüre hat mich positiv überrascht. Nachdem ich einen US-amerikanischen Klassiker eines renommierten US-amerikanischen Autors gelesen hatte, suchte ich nach locker-leichter Sommerlektüre. Das Cover des Buches „Ein Sommer in Corona del Mar“ und auch der Buchtitel verhießen genau solche Lektüre. Wie erstaunt allerdings war ich, als ich das Buch las. Es hat mich von Anfang an gepackt. Der Schreibstil sprach mich an. Ich habe hier keinen belanglosen Frauenroman vor mir, sondern wirklich einen Roman mit Tiefgang, der mich bis zum Schluss fesseln konnte. Es geht um die zwei Freundinnen Mia und Lorrie Ann in einer südkalifornischen Stadt in den 1990er-Jahren. Mia erzählt die Geschichte dieser Freundschaft aus der Ich-Perspektive. Die Geschichte beginnt, als die beiden Teenager sind. Lorrie Ann ist beneidenswert, sie scheint ein besseres und glücklicheres Leben zu führen als Mia. Das Schicksal wendet sich, als Lorrie Anns Vater stirbt. Als Lorrie Ann schwanger wird und Jim, den Vater ihres Kindes, heiratet, scheint wieder vieles gut zu werden. Doch Jim stirbt, als er als Soldat bei einem Einsatz agiert – und Lorrie Anns Baby, namens Zach, ist schwerbehindert. Lorrie Ann scheint ihr Schicksal zu akzeptieren, sie hat einen neuen Partner und liebt ihr Kind abgöttisch. Allerdings bleiben Probleme nicht aus – beispielsweise Probleme mit Drogen. Mia studiert, macht einen hervorragenden Studienabschluss und promoviert. Sie zieht nach Istanbul und findet einen Partner. Mit Lorrie Ann ist sie vorwiegend telefonisch in Kontakt. Ab und zu gelingt es ihr, ihre Freundin in Kalifornien zu besuchen. Interessant an dem Buch finde ich, dass ich als Leserin am Leben von Lorrie Ann aus der Perspektive ihrer Freundin Mia teilhabe. Und zwar ziemlich intensiv. Jugenderinnerungen wechseln sich ab mit Erlebnissen, die beide als Erwachsene haben. Wobei der Fokus mehr auf das Leben von Lorrie Ann gelegt wird. Von Mia erfahre ich lange Zeit nur wenig. Und beim Lesen fragte ich mich oft: „Was kommt noch? Worauf will dieses Buch hinaus?“ Der Schluss hat mich überrascht – und er wirft das Bild, das ich mir lange von Lorrie Ann gemacht hatte, total über den Haufen. Aber nicht allein der Leser wird überrascht – die Ich-Erzählerin Mia ebenfalls. Zu Recht fragt sie sich, wie gut sie ihre Freundin Lorrie Ann überhaupt gekannt hat. Mein Fazit: Das Buch „Ein Sommer in Corona del Mar“ kann ich empfehlen. Wer einen lockeren Frauenroman lesen will, sollte allerdings zu einem anderen Buch greifen. Denn hier geht es um die Freundschaft zweier Frauen, die den Leser nachdenklich macht. Auch den Schreibstil finde ich gelungen. Er wird nie ordinär, er ist oft klug und gefällt mir. Der deutsche Buchtitel passt nicht ganz zu dem Buch, da es nicht nur um einen Sommer im südkalifornischen Städtchen Corona del Mar geht, sondern um eine freundschaftliche Beziehung, die mehrere Jahre dauert. Wegen einiger Längen in dem Buch ziehe ich einen Stern ab, vergebe also vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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Inhalt: Es ist Sommer in der südkalifornischen Stadt Corona del Mar. Die beiden Freundinnen Mia und Lorrie Ann sind unzertrennlich. Doch als Lorrie Anns Vater stirbt, weiß Mia nicht, was sie für ihre Freundin tun kann. Und dies ist nur der erste von vielen schweren Schicksalsschlägen, die Lorrie Ann treffen werden... Jahre später steht Lorrie Ann plötzlich wieder vor Mias Tür: barfuß, hungrig und vom Leben gezeichnet. Und Mia kann nicht verstehen, wie das Leben ihrer scheinbar makellosen Freundin so aus dem Ruder laufen konnte. Kann es sein, dass sie Lorrie Ann nie wirklich gekannt hat? Mein Lieblingszitat: Meine Meinung: Direkt am Anfang muss ich unbedingt etwas klarstellen: Der Inhalt und der Titel des Buches haben ungefähr so viel mit dem Cover zu tun, wie ein Apfel mit einem Auto; also praktisch gar nichts. Dafür ist diese Tatsache auch das einzige, was ich an dem Roman zu bemängeln habe. Die Geschichte, die über viele Jahre, auch mittels Rückblenden, erzählt wird, weist so viele überraschende Wendepunkte auf, dass ich fast auf jeder Seite geschockt von einer erneuten Schicksalswendung war. Mia und Lorrie Ann, die beiden Hauptprotagonistinnen tragen zu diesem Überraschungseffekt bei, indem sie von Rufi Thorpe sehr genau ausgefeilt wurden und mir somit super real erschienen. Zu den beiden möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten, weil euch das die ganze Spannung vermiesen würde und ihre Freundschaft ja eines der Hauptelemente des Romans ist. Aber ich kann sagen, dass ich andere Figuren, wie z.B. Lorrie Anns Mutter Dana und Mias Freund Franklin echt sympathisch fand. An Authentizität gewinnt die Handlung ebenfalls durch das Erzählen in der Ich-Perspektive durch Mia, da es mir so umso leichter fiel, mich in ihre Situation hineinzuversetzen und ihr Handeln und Denken nachzuvollziehen. In meinen Augen ist die Autorin ihr Buch mit viel Humor angegangen, sodass die Dialoge der Charaktere oft um Schmunzeln anregen. Dies gelingt ihr sehr gut, wobei sie auch ernst zu nehmende Themen wie Drogen, ungeplante Kinder und Behinderungen behandelt. Das Ende war für mich persönlich nicht ganz zufriedenstellend, weil es relativ offen war und ich glaube, dass es keine Fortsetzung geben wird. Mein Fazit: Ich bin der Meinung, dass dieses Buch jeder lesen sollte, der sich für die oftmals komplizierte Konstruktion einer Freundschaft interessiert! Vielen Dank an den btb Verlag für die Bereitstellung des Buches! Ein Sommer in Corona del Mar bekommt von mir volle 5/5 Sterne!

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