Leserstimmen zu
Am Anfang war die Schuld

Jane Shemilt

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Das Cover dieses Buches ist nichtssagend und langweilig, der Untertitel "Ein fremder Mensch lebt in deinem Haus. Es ist deine Tochter." völlig unpassend. Im Großen und Ganzen hätte es mich in einem Buchhandel überhaupt nicht angesprochen. Weshalb ich "Am Anfang war die Schuld" dennoch weiterempfehlen kann, erfahrt ihr in der folgenden Rezension. Die Autorin legt einen sehr düsteren, fast schon deprimierenden Tonfall an den Tag, was mir gut gefallen hat. Im Buch wird mit zwei verschiedenen Zeitebenen gearbeitet, was an sich eine gute Idee ist. An manchen Stellen jedoch nimmt sich der Roman dadurch selbst die Spannung, da man als Leser bestimmte Sachen schon weiß. Infolgedessen sind einige Szenen des Buches äußerst langatmig und tragen nichts zur Handlung bei. Das Buch hätte an der ein oder anderen Stelle ruhig um ein paar Seiten gekürzt werden können. Dadurch würde, denke ich, die emotionale Entwicklung der Protagonistin, die mit diesen langatmigen Stellen verdeutlicht werden soll, nicht darunter leiden. Die handelnden Figuren haben mir im Großen und Ganzen gut gefallen, obwohl manchmal die Charaktere etwas eindimensional und blass wirken und man hier an Tiefgang hätte zulegen können. Die Handlung in der gesamten Übersicht bietet keine großen Wendungen, die "Am Anfang war die Schuld" zu einem rasant spannenden Thriller machen, sondern der Roman arbeitet mit einer ruhigen, fast schon sanften Erzählweise, die mit bedrohlich düsterer Atmosphäre daherkommt. Jedoch wirken einige Fortschritte in der Ermittlung sehr konstruiert und unlogisch. Das Ende fand ich großartig; es lässt viele Spekulationen zu und regt dem Leser auf den letzten Seiten noch einmal groß zum Nachdenken an. Der Roman "Am Anfang war die Schuld" besteht aus vielen verschiedenen Facetten, die sich im Laufe des Buches zu einem Ganzen verdichten. Dabei ist er an keiner Stelle vorhersehbar, aber auch nicht groß überraschend, da man das Grundkonzept solcher Bücher bereits kennt. Das Besondere ist hier eher die Erzählweise. Fazit: Ein ruhiger, düsterer Thriller mit einem überraschenden, großartigen Ende. Trotz einiger Makel spreche ich hier eine klare Leseempfehlung aus. Bewertung: Genrewertung: 8/10 Gesamtwertung: 7,5/10

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Der Roman, der im englischen Original "Daughter" heißt, spielt mit der Angst und der Unwissenheit, der die Familie nach dem plötzlichen Verschwinden der Tochter ausgesetzt ist. Die Tochter spielt die Hauptrolle in der West Side Story im Schultheater, der Ehemann ist ein erfolgreicher Neurochirurg, der eine Sohn, ein kreativer Fotograf und der Andere eine Sportskanone. Die perfekte Vorzeigefamilie. Vollzeitberufstätige Mutter und nebenbei und Abends Hausfrau. Es könnte nicht besser laufen. Von einem zum anderen Moment wird dir klar, dass du nur an der Oberfläche kratzt, aber die Geheimnisse darunter verborgen bleiben und sie nach dieser Tragödie - du weißt nicht, ob dein geliebtes Kind noch lebt oder bereits tot - wieder an die Oberfläche gelangen. Du brauchst Zeit für dich. Der Zusammenbruch ist nah, deine Ehe zerbricht, alles zerbricht. Du lernst mit der Ungewissheit und der Frage der Schuld zu leben. Aber je mehr Geheimnisse gelüftet werden, desto klarer wird für dich der Fall und du kannst wieder Hoffnung schöpfen. Dieser Thriller hat mich durch seine Zeitsprünge und Ortswechsel zwischen Bristol (die Familie Malcom vor und kurz nach Naomis Verschwinden) und Dorset (nur Jenny alleine mit dem Hund Bertie im Cottage) in seinen Bann gezogen. Es beschreibt die Zeit der Angst und das Lüften aller Geheimnisse der Familie am Besten, wenn man einen Einblick in das Seelenleben und die Umgebung der Familie hat. Jenny kommt mit sich selbst ins Reine, als sie die Medizin hinter sich lässt und sich der Malerei und Kunst hingibt. Sie findet ein Ventil ihrer Angst Herr zu werden. Der Roman lässt uns einen Blick hinter die Kulissen der perfekten Familie erhaschen und man sieht, dass es nicht so perfekt ist wie der Schein trügt. Welche Sorgen muss sich eine Mutter machen, die nicht die Geheimnisse der Tochter kennt, die sie im Laufe dieses Romanes rausfindet. Ich kann diesen Roman für verregnete Sommertage auf der Couch bei einem guten Glas und Kerzenschein empfehlen. Damit holt man sich die Atmosphäre, die dieses Buch verströmt direkt in sein Wohnzimmer. Der Roman ist im Blanvalet Verlag erschienen und kostet 8,99€.

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Das Cover finde ich toll - ein schönes Haus wird auf einer Fensterbank präsentiert. Es passt irgendwie zu der Familie Malcom, denn nach außen hin präsentieren sie sich als perfekte Familie. Doch wie auf dem Bild, "regnet" es schon lange rein... Außerdem bin ich total verliebt in die Farbauswahl... da schlägt mein "Mädchenherz" höher! Gleich vornweg: Dieser Roman ist kein Thriller/Psychothriller/Psychologischer Spannungsroman und schon gar kein Krimi. Die Geschichte ist sehr spannend, aber hauptsächlich geht es um eine Familie die schreckliches durchleiden muss, denn ihre Tochter ist spurlos verschwunden. Ich würde das Buch als "spannendes Familiendrama" zusammenfassen. Man weiß nicht was mit Naomi passiert ist und die Autorin zaubert einige Verdächtige aus dem Hut, was die Spannung immer hochhält. Dennoch geht es hauptsächlich darum, was solch ein Schicksalschlag in einer eigentlich glücklichen Familie auslösen kann. Aber auch, wie wenig man oft die eigene Familie zu kennen scheint, denn es werden einige Geheimnisse gelüftet. Im Fordergrund der Geschichte steht die Familie Malcom. Für Außenstehende eine Bilderbuchfamilie. Jenny, die Mutter, ist praktische Ärztin und ihr Mann Ted ist Neurochirurg. Ihre 17-jährigen Zwillingssöhne Ed und Theo und das 15-jährige Nesthäkchen Naomi machen die Familie komplett. Sie leben in einem großen und schönen Haus, welches der Familienhund Bertie bewacht. Gleich zu Beginn der Geschichte wird einem klar, wie sehr Jenny unter Druck steht. Alles hängt an ihr, während die restlichen Familienmitglieder ihr eigenes Leben führen und sich kaum einbringen. Um ihre ständige Abwesenheit zu kompensieren, bedrängt sie ihre Kinder regelrecht und überhäuft sie mit Fragen. Genervt von ihrer Mutter, ziehen sie sich immer mehr zurück. Da sie mit den Gedanken ständig woanders und grundsätzlich überfordert ist, macht sie in ihrem Beruf als Ärztin einen folgenschweren Fehler. Mitten hinein in dieses berufliche Chaos passiert das Unbeschreibliche: Ihre Tochter Naomi verschwindet spurlos. Die Polizei schaltet sich ein und stellt unangenehme Fragen. Die Familie fühlt sich in die Ecke gedrängt und es kommt wie es kommen muss - gut gehütete Geheimnisse kommen ans Licht und am Ende ist von der Familienidylle nichts mehr übrig. Die zentrale Frage in diesem Buch: Wo ist Naomi und was ist mit ihr passiert? Es gibt einige Verdächtige, auch in der eigenen Familie und plötzlich ergibt auch das teilweise bösartige Verhalten ihrer Kinder einen Sinn. Die Geschichte ist spannend geschrieben, Jane Shemilt konnte die Zerrissenheit der Hauptprotagonistin Jenny authentisch rüberbringen. Besoners interessant fand ich ihre Erzählweise, denn ein Teil der Geschichte spielt in der Gegenwart, ein Teil in der Vergangenheit. 2010 verbringt Jenny ihre Zeit allein in Dorset, in dem Cottage ihrer Eltern. Seit Naomis Verschwinden ist 1 Jahr vergangen. Ohne dem Leser etwas zu verraten, erzählt sie in Ich-Form aus der Zeit danach. Man weiß nicht warum sie plötzlich allein ist und wo der Rest der Familie sich aufhält. Die Neugier wird nur mit kleinen Häppchen gestillt. Der zweite Handlungsstrang - auch in Ich-Form von Jenny geschildert - spielt 2009 in Bristol, beginnend mit Tag 17 vor Naomis Verschwinden. Nach und nach werden die Geschehnisse aufgedeckt und die zwei Handlungsstränge fließen ineinander und halten einige Überraschungen für den Leser parat. Die handelnden Personen sind sehr gut ausgearbeitet und jeder hat seine "Daseinsberechtigung". Während Jenny immer nur krampfhaft versucht hat, alles zusammenzuhalten, sind ihr wichtige Details nicht aufgefallen. Im Grunde kennt sie weder ihre Kinder, noch ihren (egoistischen und arroganten) Mann richtig. Während der Ermittlungen entwickelt sich auch eine kleine "Beziehungssache" zwischen ihr und einem anderen Mann, die ich ganz interessant fand. Jane Shemilt hat wirklich nicht mit interessanten Details gegeizt. An sich hat mir das Buch sehr gut gefallen, aber das Ende war mir zu konstruiert. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Während der Rest der Geschichte stimmig war, passt das Ende überhaupt nicht. Das Gute daran: Nie und nimmer kommt man auf diese Auflösung und es bleiben auch keine Fragen offen. Mein Fazit: Ein gut geschriebener und spannender Roman mit einem (für mich) zu konstruierten und zwanghaft herbeigeführtem Ende. Dennoch gibt es von mir eine Leseempfehlung, weil die Autorin es geschafft hat, die Spannung hochzuhalten und den Zerfall einer Familie, nach einem sehr dramatischen Ereignis, authentisch dargestellt hat.

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Der Schreibstil von Jane Shemilts ist sehr detailliert. Egal ob Jenny telefoniert oder im Garten spazieren geht. Alles was Jenny wahrnimmt, flechtet die Autorin gekonnt mit ein. >>Als ich darauf warte, dass Michael sich meldet, schwingt der schwarze Körper einer Spinne, der an einem Faden der Mauerkrone hängt, wie eine Perle an einem Pendel auf die Steine in der Gartenmauer zu.<< Diese und sämtliche andere Gedankengänge von Jenny, vermitteln dem Leser das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Die Handlung ist nicht mit viel Blut und Morden gepflastert; sie besticht jedoch durch raffinierte Strategien. Nichts ist dem Zufall zuzuschreiben. Nichts ist so wie man denkt. Nichts richtet mehr Schaden an als Ignoranz. Mit dem Ende hab ich so nicht gerechnet. Ich war total überrascht. Ein Thriller, den das wahre Leben geschrieben haben könnte ...... Danke Jane Shemilts

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Meine Meinung Eben habe ich den Roman beendet und muss sagen, dass ich das Ende noch nicht richtig verdaut habe. Ich würde diese Geschichte nicht als Thriller bezeichnen. Für mich ist es eine Familientragödie. Nach außen hin gewinnt man den Eindruck einer Bilderbuchfamilie. Das Ärzteehepaar mit drei wohlgeratenen Kindern. Der Schein trügt ganz gewaltig. Jenny merkt, dass ihre Tochter Naomi immer verschlossener wird. Sie legt sich sämtliche Erklärungen dafür zurecht. Als Ärztin hat sie einen anstrengenden Alltag. Irgenwie konnte ich Jenny verstehen. Ich hatte das Gefühl, ihr fehlt die Kraft für Auseinandersetzungen; jedoch hätte sie lieber mal beruflich kürzer treten sollen. Ihr Sohn Ed verändert sich auch. Er wird immer dünner und einsilbiger. Zeitweise blickt er seine Mutter voller Hass an. Er wird seiner Mutter noch gehörig die Meinung sagen .... Theo scheint das einzige unproblematische Kind zu sein. Der Vorzeige - Sohn. Doch, auch er wird seine Mutter noch überraschen .... Der Familienvater Ted bekommt nicht viel von der Familie mit. Der Neurochirurg hat einen harten Job. Bei einer schwierigen Operation passiert ein Kunstfehler ..... Naomi spielt in einem Theaterstück mit, dass ihr sehr viel Energie abverlangt. Nach dem letzten Auftritt kehrt sie nicht mehr heim. Naomi ist spurlos verschwunden ... Die Geschichte verfügt von Anfang an über eine Spannung, die die Autorin bis zur letzten Seite hält. Der Roman wird aus der Sicht von Jenny Malcom erzählt. Die Kapitel sind immer ein paar Tage vor- und nach dem Verschwinden von Naomi aufgeteilt. Nachdem Naomi verschwunden ist, kommen die familiären Probleme schonungslos ans Tageslicht. Ted und Jenny müssen nun ihren Fehlern ins Auge sehen. Die Geheimnisse die sie haben, tragen viel zu Naomis Verschwinden bei. Als Leser merkt man mit jeder gelesenen Seite, dass kein Familienmitglied wirklich so ist, wie es Anfangs den Anschein hatte. Drogenprobleme kommen zum Vorschein. Ted wusste von Anfang an viel mehr, als er zugegeben hat. Mit Teds Treue steht es auch nicht zum Besten. Jenny wird immer mehr bewusst, wie nachlässig sie gegenüber ihren Kindern war. Die Probleme wären leicht erkennbar gewesen. Wenn sie nicht gearbeitet hat, ist sie ihrem Hobby, der Malerei, nachgegangen. Sehr schlimm fand ich Jennys Vorurteile. Sie hätten beinahe einem kleinen Mädchen das Leben gekostet ....... Jenny ist am Ende mit ihren Kräften. Sie verlässt das gemeinsame Heim in Bristol ...... Fazit Der Schreibstil von Jane Shemilts ist sehr detailliert. Egal ob Jenny telefoniert oder im Garten spazieren geht. Alles was Jenny wahrnimmt, flechtet die Autorin gekonnt mit ein. >>Als ich darauf warte, dass Michael sich meldet, schwingt der schwarze Körper einer Spinne, der an einem Faden der Mauerkrone hängt, wie eine Perle an einem Pendel auf die Steine in der Gartenmauer zu.<< Diese und sämtliche andere Gedankengänge von Jenny, vermitteln dem Leser das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Die Handlung ist nicht mit viel Blut und Morden gepflastert; sie besticht jedoch durch raffinierte Strategien. Nichts ist dem Zufall zuzuschreiben. Nichts ist so wie man denkt. Nichts richtet mehr Schaden an als Ignoranz. Mit dem Ende hab ich so nicht gerechnet. Ich war total überrascht. Ein Thriller, den das wahre Leben geschrieben haben könnte ...... Danke Jane Shemilts Eine absolute Empfehlung und 5 Sterne

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Das Ärzteehepaar Jenny und Ted haben drei Kinder, die Zwillinge Ed und Theo und die 15-jährige Tochter Naomi. Auf den ersten Blick stellen sie eine perfekte Familie dar. Ein beruflich erfolgreicher Neurochirurg, Kinder, die allmählich erwachsen werden, Haus und Hund - und eine Mutter, die Vollzeitberuf und Familienleben meistert. Als Naomi nach einer Theaterprobe abends nicht nach Hause kommt, bricht die Idylle in sich zusammen. Während der Ermittlungen der Polizei merkt Jenny nach und nach, dass ihre Tochter sie getäuscht und belogen hat und dass sie Naomi gar nicht wirklich kannte bzw. es die kleine unschuldige angepasste Tochter nicht mehr gab. Im Verlauf des Romans wird deutlich, dass ihr auch vieles ihrer Söhne verborgen geblieben ist und dass sowohl Ed und Theo als auch ihr Ehemann jeweils jeder ein Geheimnis vor ihr hatte: Eine augenscheinlich perfekte Familie, in der es innerlich gebrodelt hat. Auch Wochen und Monate später gibt es kein Lebenszeichen von Naomi. Die Nachforschungen der Polizei werfen nur weitere Fragen auf: War Naomi schwanger? Mit welchem Mann wollte sie sich treffen? Was hat es mit dem Narkosemittel Ketamin auf sich? Und wo war ihr Vater zum Zeitpunkt ihres Verschwindens, wo doch seine OP abgesagt worden war? Die Familie bricht in der Zeit der Trauer zusammen statt zusammenzurücken. Die Eltern trennen sich, Jenny zieht sich in das Cottage ihrer verstorbenen Eltern zurück und vermeidet den Kontakt mit den Menschen im Dorf. Einzig zu dem leitenden Ermittler Michael hält sie weiterhin Kontakt. Ted ist beruflich noch mehr unterwegs, die Zwillinge studieren und gehen ihrer Wege. Während der Leser erkennt, dass Jenny mehr für ihren Beruf als Hausärztin und in ihrer Freizeit für ihre Malerei gelebt hat, und dabei ihre Familie vernachlässigt hat, erkennt sie in ihrem Verhalten keine Fehler. Allein der direkte, wenn auch späte, Vorwurf ihres Sohnes, dass "Mama nie da war", lässt sie stutzig werden. Zu Gute halten muss man ihr allerdings, dass sie im Gegensatz zu ihrem Ehemann auch noch Monate nach dem Verschwinden ihrer Tochter bemüht ist, dieses aufzuklären. Der Roman wird aus zwei Zeitperspektiven aus der Sicht der Mutter erzählt und erstreckt sich über 14 Monate: X Tage vor ihrem Verschwinden/ X Tage bzw. X Monate nach ihrem Verschwinden. Sogar innerhalb der Kapitel finden mehrere Zeitsprünge statt. Ich fand diese ständigen Wechsel störend und es hat dem Buch aus meiner Sicht einiges an Spannung genommen. Gerade in der Vergangenheit angekommen, wechselte die Autorin nach nur wenigen Seiten wieder in die Gegenwart. Die Gegenwarthandlung erfolgte dann wenigstens chronologisch - im Gegensatz zur Schilderung der Vergangenheit. Die Handlung des Familiendramas bleibt aber spannend, da nach und nach Lügen aufgedeckt und weitere Eigenschaft der einzelnen Protagonisten zu Tage kommen und diese an Charakter gewinnen. Sympathiepunkte sammeln konnte dabei allerdings keiner. Das Verschwinden der jüngsten Tochter steht meiner Ansicht nach symbolisch für Familienmitglieder, die sich von einander entfremdet haben und nur noch unter einem Dach gelebt haben ohne sich wirklich zu kennen bzw. einander anzuvertrauen. Auch wenn mich der Schreibstil von Jane Shemilt gestört hat und ich eine chronologische Abfolge mit einzelnen Rückblenden favorisiert hätte, wollte ich unbedingt wissen, ob Naomi noch am Leben ist, und warum sie letztendlich verschwunden ist und wohin. Den Schluss fand ich dann allerdings etwas konstruiert. Aus dem Plot hätte man mehr machen können.

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Familienlüge

Von: hessen liest

07.06.2015

Die 15jährige Naomi kommt nach der Schauspielprobe nicht mehr nach Hause. Jenny und Ted, ihre Eltern sind beide Ärzte und arbeiten viel, nach dem Verschwinden ihrer Tochter sind sie am Boden zerstört. Eine Vermisstenanzeige und die Suche der Polizei hilft nicht weiter und Naomi ist auch nach über einem Jahr noch verschwunden. Der erste Teil um das Verschwinden von Naomi ist recht kurz und im ausführlichen zweiten Teil geht es um die Verarbeitung in der Familie, die an den Ereignissen zerbricht. Insbesondere die Mutter wird mit der Ungewissheit nicht fertig. Nach und nach erfährt der Leser immer mehr aus dem Leben der Familie und es wird deutlich das vieles auf einer Lüge aufgebaut ist. Ich würde die Story eher als interessant denn als spannend beschreiben, besonders nahe gegangen sind mir die Personen allerdings nicht. Im Grunde geht es hauptsächlich darum wie Menschen eine Familie bilden und sich in Wirklichkeit ganz fremd sind. Für die Eltern hat immer nur die Arbeit gezählt und die Kinder sind am Rande nebenher mitgelaufen. Wer sich dafür interessiert ist mit dem Buch gut beraten, wer Spannung erwartet der sollte sich lieber ein anderes Buch kaufen. Ich vergebe 3,5 Sterne

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Eine perfekte Familie? Jenny und Ted, ein vielbeschäftigtes Ärzteehepaar, die Zwillinge Ed und Theo, die kurz vor dem Schulabschluss stehen und die 15-jährige Naomi, die allmählich flügge wird, das ist die Familie, die auf den ersten Blick den Anschein erweckt, ein ganz normales Leben zu führen. Aber an dem Abend, an dem Naomi nicht mehr nach Hause kommt, verändert sich alles. Die Geschichte wird in zwei Handlungssträngen erzählt. Der eine beginnt wenige Tage vor Naomis Verschwinden. Er schildert zunächst die Situation in der Familie und gibt Gelegenheit diese kennenzulernen. Ab dem Verschwinden von Naomi erleben wir die verzweifelte Suche der Eltern und die Ermittlungen der Polizei. Der zweite Handlungsstrang schildert die Ereignisse ein Jahr nach dem Verschwinden Naomis, das immer noch nicht aufgeklärt ist. Wir erleben vor allem Jenny, die an der Verzweiflung und Ungewissheit förmlich zerbricht und versucht, sich alleine ein neues Leben aufzubauen. Es gibt natürlich auch Einblicke in die weitere Entwicklung von Ted und den Zwillingen. Beide Handlungsstränge werden von Jenny in der Ich-Form und abwechselnd in relativ kurzen Kapiteln erzählt, die zur besseren Übersicht mit dem entsprechenden Zeitpunkt überschrieben sind. Genau diese Erzählweise hat für mich bei diesem Roman den Reiz ausgemacht. Durch die häufigen Wechsel war ich durchgängig an die Geschichte gefesselt und es baute sich eine hohe Spannung auf. Nach und nach setzen sich aus beiden Zeitperspektiven gesehen immer mehr Puzzleteilchen zusammen und es entsteht allmählich ein Gesamtbild, nicht nur der Situation sondern auch der Charaktere. Es gibt viele Geheimnisse, die irgendwann gelüftet und Lügen die aufgedeckt werden, aber auch Charakterzüge der Figuren, die man so nicht vermutet hätte. Alle Protagonisten sind gut gezeichnet, facettenreich, handeln und entwickeln sich glaubhaft. Gut gespürt habe ich die unterschiedlichen Emotionen in der Familie nach dem Verschwinden von Naomi, die naturgemäß bei jedem Familienmitglied andere Reaktionen und Handlungen hervorrufen. Die Autorin ist praktische Ärztin und ihr Ehemann Neurochirurg, genau wie Jenny und ihr Mann Ted im Roman. Da habe ich mich natürlich gefragt, ob und wenn ja wieviel Biografisches in die Gestaltung der Figuren eingeflossen sein mag. Genau wie Jenny, deren Leben völlig aus der Bahn gerät, habe ich mich die ganze Zeit gefragt, was mit Naomi geschehen ist und warum. Man merkt deutlich, dass Jenny trotz aller Verzweiflung nicht aufgibt und immer wieder versucht, Naomis Verschwinden aufzuklären. Und so kommen immer wieder kleine Puzzleteile dazu und führen schließlich zu einem überraschenden und auch sehr außergewöhnlichen Ende. Jane Shemilts gelungener Debütroman über ein Familiendrama hat mich mit seiner Raffinesse nicht nur durchgängig gefesselt sondern auch durch einen tollen Plot, der in einem klaren und packenden Schreibstil erzählt wird, völlig überzeugt. Bitte weiter so Frau Shemilt! Fazit: 5 von 5 Sternen

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