Leserstimmen zu
Mr. Mercedes

Stephen King

Bill-Hodges-Serie (1)

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Mit Mr. Mercedes wanderte mein 5. Buch von Stephen King in meine Hände und es wird bei Weiten nicht das Letzte sein. Auf die Reihe wurde ich aufmerksam als ich den 3. Reihe bekam. Ich mag es nicht mitten in Geschichten hinein zu lesen, weshalb ich mich dafür entschied, die beiden Vorgänger zuerst zu lesen. Gesagt, getan und da wären wir nun. Der erste Fall für Bill Hodges ist vorbei und hinterließ so einige Geschmäcker. Dazu aber jetzt mehr. Sobald man die erste Seite angefangen hat, befindet man sich mitten im Geschehen. Wir erleben den Anschlag auf eine Jobbörse hautnah, aus der Sicht der Wartenden. Dies ist sehr hart, da man davor erfährt welche Art von Menschen sich zu diesem Zeitpunkt vor der Halle befinden. Nachdem wir den ersten Schock überwunden haben, lernen wir Bill Hodges kennen, welcher ein pensionierter Cop ist. Im Laufe der Geschichte erfahren wir dann im stetigen Wechsel, was er und der Mörder denken und wie sie handeln. Diese Wechsel sind sehr gut gelungen, da sie Spannung aufbauen und man sich stellenweise nicht traut die nächste Seite aufzuschlagen. Immerhin will man ja nicht den Guten im Buch verlieren. Auch wenn mir die Story sehr gut gefiel, war sie doch nicht so fesselnd wie ich es mir gewünscht hätte. Zwar war der Ideenreichtum von Stephen King deutlich zu spüren, aber mir wurde der Täter einfach zu früh entlarvt, wodurch eine viel zu lange Verfolgungsjagd begann. Im Schriftlichen kann man sich allerdings nicht beschweren, da man sehr geschmeidig durchs Buch kommt. Man hang nie an Fremdworten fest oder musste erst eifrig über Szenen nachdenken, da sich diese wie von selbst im Kopf aufbauten. Neben einer Menge Spannung, gab es aber auch Momente der Gefühle und der Unterhaltung. Typisch für King ist wohl auch der psychische Teil, welcher einfach in seine Bücher gehört. Das Buch endet mit einem Cliffhanger, welcher zumindest mich, sehr auf den Nachfolger neugierig gemacht hat. Bill Hodges, kann man sehr wohl als äußerst sympatischen Charaktere betiteln, da man im Buch einfach nix negatives an ihm findet. Als Cop hang er an seinem Job und gab hierfür alles. Mit seiner Familie hat er allerdings nur wenig Kontakt, was eigentlich sehr schade ist, im Laufe der Geschichte aber erklärt wird. Der, ich nenne ihn mal "Täter", hatte meiner Meinung nach ein ungesundes Verhältnis zur Welt. Obwohl er oftmals als hübsch bezeichnet wird, scheint er doch einfach in der Menge untergehen zu können. Er ist clever und technisch äußerst begabt, was ihm dazu veranlasst auch auf diesem Bereich zu zuschlagen. Tatsächlich machten mir seine Gedankengänge zunehmend Angst, da sie einfach unerwartet und teilweise sehr abartig waren. Als 3. wichtige Person erschien mir Holly, da sie der Charaktere war, bei dem ich am ehesten nachfühlen konnte, was sie dachte und wieso so handelte wie sie handelte. Auch wenn Holly bereits auf die 40 zu ging, hatte man im Buch das Gefühl, das man etwas über eine Jugendliche liest. Dies lag wahrscheinlich daran, das sie von ihren Eltern wie ein Kind behandelt wurde und sie ihr Nervenkostüm nicht wirklich ernst nahmen. Ich kann nur sagen, das ich Holly sehr mochte. Zusammengefasst waren die Charaktere bestens durchdacht und jeder gab mir das Gefühl das er im Buch genau an der richtigen Stelle stand. Natürlich ärgerte man sich über den ein oder anderen, aber dies gehört einfach dazu. Ich bin immer wieder beeindruckt wie sehr Stephen King es schafft seinen Figuren Leben einzuhauchen, so das man als Leser das Gefühl bekommt, sie irgendwann einmal auf der Straße zu begegnen. Einfach nur umwerfend. Auch wenn ich bei weiten nicht mehr so gefesselt bin von Covern die in schwarz, weiß und rot abgebildet sind, sagt mir dieses doch sehr zu. Es zeigt klar um was es im Buch geht, was ich immer sehr mag. Die Neuauflage wurde dem aktuellen Stil der Stephen King Bücher angepasst und passt damit perfekt in die Reihe. Ein interessanter Roman der aber ein Spur mehr Spannung hätte vertragen können. Die Identität von Mr. Mercedes wurde zu früh preisgegeben.

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Stephen King gilt nicht zu Unrecht als Meister des Horrors. Doch hierbei handelt es sich mal nicht um Monster, die mitten in der Nacht die Menschheit heimsuchen. Sein Werk handelt von wahrem Horror, der uns täglich begegnen kann und den wir oft genug in den Medien verfolgen können. Ein Mensch schnappt sich ein Auto und nutzt es als Waffe. Das geschieht bereits auf den ersten Seiten des Buches und lässt es schon mit einer Horrorvorstellung beginnen. Zuweilen fragt man sich, ob es möglich ist, dass es keine Spur von einem solchen Täter gibt, obwohl man das Auto schnell gefunden hat. Der gestohlene Wagen wird noch eine wichtige Rolle spielen und einige Tode nach sich ziehen, so viel sei vorweggenommen. Es beginnt ein Katz und Maus Spiel, als der Mörder sich meldet und ein neues Massaker ankündigt - und genau hier beginnt der Hauptteil des Buches. Die Suche nach ihm, die Frage, ob man das Verbrechen verhindern kann und der Wettlauf gegen die Zeit bestimmen die Seiten. King geht dabei geschickt vor. Er gibt Einblick in das Leben und die Gedankenwelt des Psychopathen, der seinen neuen Plan akribisch vorbereitet. Andererseits blickt er Bill Hodges über die Schulter, einem ehemaligen Ermittler, der mit seinem Leben nicht mehr zurecht kommt und täglich zur Flasche und einer Waffe greift, um sich zu erschießen. Die Nachforschungen geben ihm neuen Lebensmut und eine wichtige Aufgabe, der er sich aus moralischen Gründen nicht entziehen kann. Bisweilen zieht sich die Geschichte ein bisschen, weil King nicht geradlinig von Anfang bis Ende erzählt, sondern seinen Figuren Leben einhaucht, sie Gefühle haben lässt, Facetten, die manchmal hinderlich sind und den stringenten Verlauf etwas verzögern. Das sorgt für Längen, die manchmal langweilig scheinen können, weil es einfach nicht vorwärts gehen mag. Trotzdem ist Mr Mercedes ein gelungener Thriller, bei dem die Spannung nicht zu kurz kommt. Gekonnt versetzt sich King in die abstruse Gedankenwelt eines Psychopathen, der nur eines im Sinn hat: zu töten!

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Stephen King hat mit „Mr.Mercedes“ das Genre weder revolutioniert noch neu erfunden. Aber er tut das, was er gut kann: er entwickelt eine Geschichte und vor Allem die darin vorkommenden Charaktere detailliert und facettenreich. David Nathan hat die Geschichte solide gelesen. Bereits dem Eingangskapitel merkt man sofort die Handschrift Kings an, wenige Autoren hätten Wert darauf gelegt, die Szenerie mit all den wartenden Arbeitslosen, in die Mr.Mercedes gleich hinein fahren wird, so umfangreich zu beschreiben. Die späteren Opfer werden ausführlich vorgestellt, bekommen ein Gesicht und sind somit nicht Teil einer gesichtslosen Masse, die später nur eine Zeitungsnotiz wert ist. (So hätten das vermutlich andere Autoren gelöst). Sie haben einen Namen: Augie Odenkirk, ein Mann im mittleren Alter, der im Zuge von Rationalisierungen entlassen wurde, Janice Cray, eine junge Frau, die sich mit ihrem Baby Patty in die lange Schlange der Arbeitssuchenden einreiht. Der Leser wird vertraut gemacht mit ihren Gedanken und Gefühlen, folgt ihren Gesprächen. Er interessiert sich für sie, nur um kurz darauf durch die Tat von Mr. Mercedes brutal von ihnen getrennt zu werden. Ich habe diese Eingangszene als sehr intensiv empfunden, die Tat selber hat dabei weniger Raum eingenommen als alles andere. Im weiteren Verlauf wird die Handlung wechselweise aus Hodges Sicht oder der des Killers geschildert. Es ist eine Serienkillergeschichte, der Plot ist nicht neu und als solcher auch nicht wichtig. Vielmehr offenbaren sich in der Interaktion von Hodges und Brady -altgewohnt und geliebt- Kings große Stärken in der Entwicklung seiner Protagonisten. Hodges ist am Anfang ein desillusionierter, übergewichtiger und gelangweilter Ex-Cop und steckt als Couch-Potatoe beim Fernsehen schon mal den Lauf einer seiner Waffen in den Mund, um emotionslos darüber nachzu grübeln, wie das denn nun ist, wenn man sich das Gehirn weg pustet, weil das Leben so sinnlos scheint. Von Brady herausgefordert, entwickelt er sich vollig anders als von diesem erwartet. Er nimmt die Herausforderung an und besinnt sich auf seine guten Cop-Eigenschaften: Spürsinn und Verbissenheit in eine Sache. Der kleine Irre Brady, der unauffällig seinem unauffälligem Tagewerk nachgeht, mutiert innerhalb der Geschichte zum großen Wahnsinnigen, der den finalen Supergau -Massenmord- plant. Besonders gruselig ist hierbei die Beschreibung des häuslichen Verhältnisses, in dem er mit seiner Mutter lebt und die Tatsachen, welche dazu geführt haben, dass Brady ist, wie er ist. Verstörend ist die völlige Emotionslosigkeit, die er wie eine Maske vor sich her trägt, um sie in den Momenten, in denen Hodges den Spieß umdreht und seinerseits IHN provoziert, fallenzulassen und komplett auszurasten. Das ist King in seinem Element. Gekonnt hetzt er Brady und Hodges aufeinander, um beide an ihre Grenzen zu bringen und die Story so zum Höhepunkt zu treiben. Mr.Mercedes dient als Auftakt zu einer (kleineren?) Reihe von Fällen um den pensionierten Cop Hodges und ich freue mich sehr auf die Fortsetzungen. Der spannende Showdown von Mr. Mercedes macht uns auch mit den übrigen „Team-Mitgliedern“ von Hodges vertraut, die sich hier ein erstes Mal bewähren müssen, während Hodges in letzter Minute gesundheitlich schwächelt und nur hilflos zusehen kann. Überdies ist das Trio eine recht ausgefallene und sehr eigene Mischung, die auch ab und an zur Erheiterung des Lesers beiträgt, ohne dass die Geschichte komisch wirkt. Ich hatte ein winziges Hörproblem, welches nichts aber auch gar nichts mit der Leseleistung von David Nathan zu tun hat, der bekommt 4 Sterne. Kings Charakterentwicklung braucht Zeit und ich hatte beim Hören des Öfteren ein Gefühl, als ob die Handlung stagniert, was aber nicht wirklich der Fall ist. Testweise habe ich nach zwei Drittel der Hörzeit aufgehört und habe den Rest des Buches gelesen. Und siehe da: da war es wieder perfekt, das King-Lesegefühl und dabei werde ich es für mich belassen. King ist für mich besser zu lesen als zu hören. Ich glaube aber, dass diese Tatsache wirklich völlig subjektiv ist. Eindeutige, gleichrangige Hör- und Leseempfehlung von mir, mit David Nathan macht man nix verkehrt. Und mit King sowieso nicht. Wer allerdings temporeiche Thriller mit sich überschlagenden Handlungen favorisiert, in denen ausgefeilte Charaktere nicht so wichtig sind, ist eventuell mit Mr.Mercedes nicht so gut beraten.

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Natürlich ist die Erzählweise Kings auch in diesem Roman wieder einmal großartig. Allerdings ist das Cop-im-Ruhestand Thema für mich in einer Weise umgesetzt, die sicherlich alles andere als langweilig ist, mich jedoch nicht so gefesselt hat, wie andere Romane Kings. Ein Protagonist, der zugegebener Maßen von einigen stereotypischen Beschreibungen lebt und eine Handlung, die es in nahezu jeder Crimeserie schon einmal gab. Ein ungelöster Fall, der nun wieder ans Tageslicht gespült wird. Dass Stephen King mit seinen Werken fast spielerisch zwischen verschiedenen Genren switchen kann ist ja bekannt, und so scheint auch ein Krimi für ihn keine Herausforderung zu sein. Denn genau das ist Mister Mercedes für mich – ein im besten Sinne typischer Krimi. Auch durch die Interpretation David Nathans wird die Story immer besser. Und der Leser erlebt eine spannende Jagd. Allerdings muss man sich dazu auf die Handlung einlassen und das hat dieser besondere Roman mit jeder Zeile verdient. Ein Roman für King- und Krimifans.

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