Leserstimmen zu
Mr. Mercedes

Stephen King

Bill-Hodges-Serie (1)

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Stephen King hat mit „Mr.Mercedes“ das Genre weder revolutioniert noch neu erfunden. Aber er tut das, was er gut kann: er entwickelt eine Geschichte und vor Allem die darin vorkommenden Charaktere detailliert und facettenreich. David Nathan hat die Geschichte solide gelesen. Bereits dem Eingangskapitel merkt man sofort die Handschrift Kings an, wenige Autoren hätten Wert darauf gelegt, die Szenerie mit all den wartenden Arbeitslosen, in die Mr.Mercedes gleich hinein fahren wird, so umfangreich zu beschreiben. Die späteren Opfer werden ausführlich vorgestellt, bekommen ein Gesicht und sind somit nicht Teil einer gesichtslosen Masse, die später nur eine Zeitungsnotiz wert ist. (So hätten das vermutlich andere Autoren gelöst). Sie haben einen Namen: Augie Odenkirk, ein Mann im mittleren Alter, der im Zuge von Rationalisierungen entlassen wurde, Janice Cray, eine junge Frau, die sich mit ihrem Baby Patty in die lange Schlange der Arbeitssuchenden einreiht. Der Leser wird vertraut gemacht mit ihren Gedanken und Gefühlen, folgt ihren Gesprächen. Er interessiert sich für sie, nur um kurz darauf durch die Tat von Mr. Mercedes brutal von ihnen getrennt zu werden. Ich habe diese Eingangszene als sehr intensiv empfunden, die Tat selber hat dabei weniger Raum eingenommen als alles andere. Im weiteren Verlauf wird die Handlung wechselweise aus Hodges Sicht oder der des Killers geschildert. Es ist eine Serienkillergeschichte, der Plot ist nicht neu und als solcher auch nicht wichtig. Vielmehr offenbaren sich in der Interaktion von Hodges und Brady -altgewohnt und geliebt- Kings große Stärken in der Entwicklung seiner Protagonisten. Hodges ist am Anfang ein desillusionierter, übergewichtiger und gelangweilter Ex-Cop und steckt als Couch-Potatoe beim Fernsehen schon mal den Lauf einer seiner Waffen in den Mund, um emotionslos darüber nachzu grübeln, wie das denn nun ist, wenn man sich das Gehirn weg pustet, weil das Leben so sinnlos scheint. Von Brady herausgefordert, entwickelt er sich vollig anders als von diesem erwartet. Er nimmt die Herausforderung an und besinnt sich auf seine guten Cop-Eigenschaften: Spürsinn und Verbissenheit in eine Sache. Der kleine Irre Brady, der unauffällig seinem unauffälligem Tagewerk nachgeht, mutiert innerhalb der Geschichte zum großen Wahnsinnigen, der den finalen Supergau -Massenmord- plant. Besonders gruselig ist hierbei die Beschreibung des häuslichen Verhältnisses, in dem er mit seiner Mutter lebt und die Tatsachen, welche dazu geführt haben, dass Brady ist, wie er ist. Verstörend ist die völlige Emotionslosigkeit, die er wie eine Maske vor sich her trägt, um sie in den Momenten, in denen Hodges den Spieß umdreht und seinerseits IHN provoziert, fallenzulassen und komplett auszurasten. Das ist King in seinem Element. Gekonnt hetzt er Brady und Hodges aufeinander, um beide an ihre Grenzen zu bringen und die Story so zum Höhepunkt zu treiben. Mr.Mercedes dient als Auftakt zu einer (kleineren?) Reihe von Fällen um den pensionierten Cop Hodges und ich freue mich sehr auf die Fortsetzungen. Der spannende Showdown von Mr. Mercedes macht uns auch mit den übrigen „Team-Mitgliedern“ von Hodges vertraut, die sich hier ein erstes Mal bewähren müssen, während Hodges in letzter Minute gesundheitlich schwächelt und nur hilflos zusehen kann. Überdies ist das Trio eine recht ausgefallene und sehr eigene Mischung, die auch ab und an zur Erheiterung des Lesers beiträgt, ohne dass die Geschichte komisch wirkt. Ich hatte ein winziges Hörproblem, welches nichts aber auch gar nichts mit der Leseleistung von David Nathan zu tun hat, der bekommt 4 Sterne. Kings Charakterentwicklung braucht Zeit und ich hatte beim Hören des Öfteren ein Gefühl, als ob die Handlung stagniert, was aber nicht wirklich der Fall ist. Testweise habe ich nach zwei Drittel der Hörzeit aufgehört und habe den Rest des Buches gelesen. Und siehe da: da war es wieder perfekt, das King-Lesegefühl und dabei werde ich es für mich belassen. King ist für mich besser zu lesen als zu hören. Ich glaube aber, dass diese Tatsache wirklich völlig subjektiv ist. Eindeutige, gleichrangige Hör- und Leseempfehlung von mir, mit David Nathan macht man nix verkehrt. Und mit King sowieso nicht. Wer allerdings temporeiche Thriller mit sich überschlagenden Handlungen favorisiert, in denen ausgefeilte Charaktere nicht so wichtig sind, ist eventuell mit Mr.Mercedes nicht so gut beraten.

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Natürlich ist die Erzählweise Kings auch in diesem Roman wieder einmal großartig. Allerdings ist das Cop-im-Ruhestand Thema für mich in einer Weise umgesetzt, die sicherlich alles andere als langweilig ist, mich jedoch nicht so gefesselt hat, wie andere Romane Kings. Ein Protagonist, der zugegebener Maßen von einigen stereotypischen Beschreibungen lebt und eine Handlung, die es in nahezu jeder Crimeserie schon einmal gab. Ein ungelöster Fall, der nun wieder ans Tageslicht gespült wird. Dass Stephen King mit seinen Werken fast spielerisch zwischen verschiedenen Genren switchen kann ist ja bekannt, und so scheint auch ein Krimi für ihn keine Herausforderung zu sein. Denn genau das ist Mister Mercedes für mich – ein im besten Sinne typischer Krimi. Auch durch die Interpretation David Nathans wird die Story immer besser. Und der Leser erlebt eine spannende Jagd. Allerdings muss man sich dazu auf die Handlung einlassen und das hat dieser besondere Roman mit jeder Zeile verdient. Ein Roman für King- und Krimifans.

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Meinung: Bis vor zwei Jahren hätte ich nie im Leben einen Stephen King Roman angepackt, aber dann kam “The Green Mile” und Stpehen King hat mich mit seiner Erzählkraft und seiner genialen Figurenentwicklung eingefangen. So auch bei “Mr. Mercedes”. Bereits die ersten paar Minuten gesprochen von David Nathan haben mich gefesselt und ich bin völlig in die Geschichte um den pensionierten Cop Bill Hodges und seinen Gegenspieler Brady Hartsfield, den Mercedes-Mörder, eingetaucht. Der Beginn des Hörbuches ist direkt sehr heftig, denn die ersten Minuten gehören ganz dem Wahnsinn des Mercedes-Mörder und den Menschen vor der Jobbörse. Die nur auf einen guten Job in Zeiten der Wirtschaftskrise 2009 warten und dann dem mörderischen Wahnsinn von Brady Hartsfield erliegen. Jenen Brady Hartsfield möchte im realen Leben niemals begegnen, denn er ist ein wahrer Psychopath. Dies erkennt auch im Laufe, der wirklich nicht genehmigten, Ermittlung auch Ex-Detective Hodges, der seinen letzten Fall, nach dem Hartsfield ihn mit einem Brief wieder auf die Spur brachte, nun noch abschließen will. Zusammen mit seinem Nachbarsjungen Jerome beginnt er zu recherchieren auf “Under Debbies blue Umbrella”. Durch die beiden Perspektiven von Hodges und Hartsfield, die Stephen King, immer im Wechsel bringt, ist der Leser wesentlich näher am Geschehen dran, als der arme Hodges. Der zunächst zusammen mit Jerome und dann auch später zusätzlich mit Holly mühsam jedes Puzzlestück entdeckt und man selber etwas weiter ist. Dabei würde man ihnen so gerne helfen. Vor allem die Charaktere sind liebevoll gestaltet. Hodges, Jerome und auch die etwas spezielle Holly habe ich direkt ins Herz geschlossen. Hodges, etwas füllig um die Taille und der nichts mit den neuen Errungenschaften der Technikwelt anfangen kann auf der einen Seite und dann Jerome, immer witzig und hilfsbereit und Holly, gestraft mit einer nervenden Mutter und etwas spleenig und hibbelig, haben mich immer wieder begeistert. King schaffte es immer wieder das ich mal Lachen, mal den Kopf schütteln und in manchen Momenten am liebsten gewisse Personen einmal kräftig geschüttelt und die Meinung gesagt hätte. Auch der Gegenpart zu den dreien hat Stephen King vortrefflich da gestellt: Im Prinzip ein armes Würstchen, der auch im Erwachsenenalter noch bei seiner alkoholkranken Mutter lebt, ohne jegliche Beziehung zu einer Frau, sich mit zwei Jobs über Wasser hält und wirklich bösartige Gedanken hegt und pflegt, und auch noch ein Computergenie ist. Einen Punkt muss ich noch herausstellen: Stephen King hat auch wieder Bezüge zu seinen früheren Romanen einfließen lassen und dies war für mich ein weiteres Highlight. David Nathan hat mich von den ersten Minuten an begeistert. Er schafft es jedem Charakter eine eigene Stimme zu verleihen, die er auch stringent durch hält. Selbst dabei gelingt es ihm, auch jeder Charakterstimme Nuancen zu geben, wenn sie traurig, ängstlich oder aufgeregt sind. Dadurch hat er es geschafft, dass ich während der ganzen Geschichte am Ball blieb und meine Gedanken nie abschweiften. Gerade die stimmliche Darstellung von Brady Hartsfield hat mir imponiert. Er hat ihm so eine bösartige und auch sarkastische Stimme verliehen, dass es mir öfters kalt den Rücken runter lief und ich Gänsehaut bekam. Auch die spleenige Holly hat er wundervoll dargestellt und ich hatte ständig das Gefühl, dass sie neben mir steht und mich beim Hören beobachtet. David Nathan hat es geschafft, dass Mr. Mercedes mich nicht nur von der Handlung gepackt hat, sondern auch durch seine Erzählstimme in den Bann gezogen hat. Dieses Hörbuch kann ich jeden nur empfehlen.

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