Leserstimmen zu
Das Vermächtnis der Göttinnen

Kateřina Tučková

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“Das Vermächtnis der Göttinnen” literarisch einzuschätzen fällt mir schwer. Von der Struktur her erinnert es mich an “Wildauge” von Katja Kettu, die Geschichte einer jungen Frau immer wieder durchbrochen von Dokumenten, Gutachten und Briefen. Das ist es letztlich auch, was es mir anfangs erschwert in der Geschichte anzukommen, mich mit Hauptfigur Dora und ihrer Familie bekannt zu machen und mich in sie hineinzuversetzen. Denn kaum habe ich den roten Faden ergriffen schneidet das Papier einer Akte der Staatssicherheit ihn wieder ab und mir fast in die Finger. So geht das über 400 Seiten, glücklicherweise gewöhne ich mich irgendwann an den Rhythmus von Erzählpassagen, Gutachten und anderen Dokumenten. So ganz an die Geschichte selbst gewöhnen, kann ich mich aber nicht. Meine Namensvetterin erzählt mir von den Göttinnen der weißen Karpaten – Heilerinnen von allerlei kleineren Wehwehchen und Kräuterkundige, die sowohl von den deutschen Besatzern zur Zeit des zweiten Weltkrieges, als auch von den sozialistischen “Befreiern” danach, misstrauisch beäugt werden. Sie tut dies am Beispiel der neugierigen Dora, die im Rahmen der Erzählung für eine wissenschaftliche Arbeit recherchiert mit der sie den Ruf der Göttinnen nach allerlei Diffamierung durch die örtliche Kirche, die Presse u.a. wieder rein waschen will, und ihrer Tante Surmena, einer der letzten Göttinnen, die ihr Ende in einer psychiatrischen Anstalt in den Händen eines IM (inoffizieller Mitarbeiter) der Staatssicherheit findet, sowie des kleinen Bruders von Dora und einiger Nachbarn und Ahnen, viele davon selbst Göttinnen. Wäre es nicht so verworren erzählt, wäre der Schreibstil Katerina Tuckowás nur etwas lesefreundlicher, dann wäre “Das Vermächtnis der Göttinnen” ein durchaus unterhaltsames Buch. Der wenig bekömmliche Stil, der mich beim Lesen immer wieder aus dem Konzept bringt, da er auch Aktenzeichen und Archivnummern, sowie viele tschechische Betonungszeichen, die ich der Autorin aber natürlich nicht vorhalten kann, – der Übersetzerin vielleicht und natürlich dem Verlag der für deutsche Leser keine Betonungslegende beigelegt hat – enthält, sorgt allerdings immer wieder dafür, das jegliche Spannung in der Geschichte kurz nach Aufkommen schon wieder versiegt. Das bedauere ich als interessierte, aufgeschlossene Leserin zutiefst, kann es aber natürlich nicht ändern, kann letztlich nichts anderes tun, als hier meine Eindrücke zu schildern. Nach und nach lerne ich Dora kennen und einzuschätzen, ebenso wie ihre Tante und mir wird sogar das Herz eng, als ich miterleben muss, wie diese ihr trauriges Ende nimmt. Was diese Schilderungen interessant macht ist jedoch nicht die Geschichte selbst sondern die Geschichte hinter der Geschichte – die Inspiration. Katerina Tocková erzählt jeder Leserin, die es hören möchte, davon wie das sozialistische Tschechien eines seiner kulturellen Erbe auszurotten versucht hat und es zumindest zwischen den Seiten von “Das Vermächtnis der Göttinnen” auch schafft. Ob man nun an die Magie glaubt oder an die moderne Medizin, bei einer Entzündung Heilkräuter aufbrüht oder Antibiotika einnimmt, dieses Unrecht, welches der letzten Generation der Göttinnen widerfahren ist, das lässt sicher keine Leserin kalt, mich eingeschlossen. Insgesamt hat “Das Vermächtnis der Göttinnen” auf die Geschichte bezogen großes Potenzial. Da ich als Leserin immer nur von mir selbst ausgehen kann, muss ich an dieser Stelle allerdings auch anmerken, dass vieles von diesem Grundpotenzial durch die schwer verdauliche Erzählweise wieder verloren geht. Ab und zu habe ich die Lektüre von “Das Vermächtnis der Göttinnen” vollends genossen, habe mitgefiebert und auf ein Happy End gehofft, zumindest für Hauptfigur Dora. Doch die Momente in denen ich nur schleppend voran komme, in denen mich die Geschichte nicht an sich heran lassen will, überwiegen leider. Daher fällt mein Gesamteindruck auch eher durchwachsen aus, während die Geschichte selbst überaus interessant ist, konnte ich mich mit der Art und Weise auf die Katerina Tucková sie erzählt trotz unzähliger Versuche meinerseits einfach nicht so recht anfreunden.

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