Leserstimmen zu
Der unrechte Wanderer

Michael Marcus Thurner

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Das Einfinden in die Geschichte von Eldar, Pirmen, Amelia und Co. ist mir auf den ersten Seiten sehr schwer gefallen. Es wurde immer wieder von der Treibgierde gesprochen, was genau das aber ist, habe ich erst zum Ende hin wirklich verstanden. Außerdem wird Eldar nicht wie ein Mensch beschrieben, sondern wie ein komisches Wesen, dass eben aus der Treibgierde herausgefallen ist. Dazu wird er nicht wie ein Mensch behandelt. Man betitelt ihn als „Ding“ und fragt sogar, was er sei. Vergebens habe ich auf eine genaue Beschreibung von ihm gewartet. Letztendlich wurde nur klargestellt, dass er ein Mensch ist... Oder sowas. Kommen wir zurück zur Treibgierde. Hierbei handelt es sich um eine Art Portal, in der die Zeit eingefroren ist. Geht man hindurch (was man im Normalfall nicht überlebt), gelangt man in die gleiche Welt, jedoch zu einer viel früheren Zeit. Ich wäre wirklich froh gewesen, hätte ich das früher gewusst. Denn wenn man von der Vergangenheit, dann von einer anderen Welt, dann aber von den selben Orten beiderseits die Rede ist, kommt man schon schnell durcheinander. Das hat mich auch beim Einstieg ziemlich abgeschreckt und ich habe mir ehrlicherweise gedacht, dass ich dieses Buch hassen werde. Glück gehabt, so weit ist es nicht gekommen. Lasst euch vom Babyblau und dem blonden Helden mit seinem glänzenden Schwert auf dem Cover nicht irritieren. Dieses Buch ist alles andere als bunt und voller aufregender Heldentaten. Ganz im Gegenteil: Es trieft vor Vulgarität, Gemetzel und Dreck. In dieser Welt ist gar nichts glänzend. Als sich Amelia in der Geschichte das erste (und einzige) Mal gewaschen hat, hab selbst ich mich besser gefühlt. Es war, als wäre eine zentimeterdicke Schicht von mir abgefallen. Stellenweise ist „Der unrechte Wanderer“ sogar ziemlich ekelerregend. Genaugenommen geht es aber gar nicht so wirklich nur um ihn, wie ich vom Klappentext aus geschlossen habe, sondern um insgesamt acht Figuren. Allesamt Freaks, die von einer Hure, über ein verunstaltetes Ekel bis hin zum cholerischen „Ding“ mit Gedächtnisverlust reichen. Das ganze Spektrum wird hier aufgeführt. Ich tat mich wirklich schwer damit, auch nur einen von ihnen zu mögen, da sie alle ihre ziemlich abstoßenden Eigenarten haben. Mein Favorit war dann jedoch bis zum Ende hin Ox, welcher sich von einem eigenartigen Nebencharakter zu einer sehr interessanten, selbst handelnden Person entwickelt hat. Im Allgemeinen entwickelt sich in diesem Buch jede der Personen, die auch nur in irgendeiner Weise wichtig ist, in irgendeine Richtung. Und trotzdem kann ich bis jetzt noch nicht einordnen, wer böse und wer gut ist. Eher sind sie allesamt nur ziemlich gefährliche Sonderlinge, von denen manch einer sich eben weniger im Griff hat und manch anderer sehr viel grausamer ist als die anderen. Das Gerüst dieser Geschichte ist eigentlich recht simpel: Magicae kämpfen gegen Wicca und dazwischen sind eben ein paar Figuren. Also haben wir zwei Parteien, sie sich auf den Tod nicht ausstehen können und deren Kampf viele andere Schicksale beeinflusst. Jedoch muss ich dem Autor lassen, dass er ein faszinierendes Konstrukt um diese simplen Streben gebaut hat. Jede Figur ist sehr durchdacht und voller Einzelheiten und jede kleinste Handlung ihrerseits löst unfassbare Dinge aus. Nichts ist vorhersehbar. Auch hat der Autor eine Art zu schreiben, die ich mit keiner vergleichen kann. Einerseits schreibt er sehr einfach erklärend, andererseits beschreibt er Bilder, die wirklich nicht jeder Autor so real gestalten kann. Sie alle sind absurd, surreal, erschreckend, schön.- Manchmal alles gleichzeitig. Hin und wieder wusste ich gar nicht, wie ich mich fühlen soll. Vor allem nicht, als sich dann alles dem Ende neigte. Dieses Finale hätte nicht grotesker sein können. So, wie der letzte Teil des Buches war, hätte ruhig mehr schon davor sein können. So verzaubert und magisch. Fazit: Eine sehr clever zusammen gesponnene Geschichte, in der es keine strahlenden Helden, sondern jede Menge Absurdes gibt.

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Halte dich von der Treibgierde fern. Sie ist unberechenbar und gemein. Und bist du erst einmal darin gefangen, ist es sehr schwer ihr zu entkommen! Inmitten der Treibgierde herrscht der Krieg der Wicca und Magicae, der so weite Kreise zieht, dass er auch außerhalb davon in Schwung kommt. Eldar ist der erste, von dem man weiß, dass er der Treibgierde entkommen ist. Vor vielen Jahrhunderten ist er gemeinsam mit seiner Liebe Haran hinein geraten, ist zwischen die Fronten von Wicca und Magicae gelangt und nun mit Hilfe von Hackfresse dem gierigen Schlund entkommen. Ob das ein besseres Leben mit sich bringt, wird sich erst noch zeigen, denn sein Wissen hat einen unschätzbaren Wert für all jene, die in den brutalen und rücksichtslosen Krieg verwickelt sind. Man könnte "Der unrechte Wanderer" als Sequel zu "Der Gottbettler" betrachten. Es ist chronologisch auf den ersten Roman des Wiener Autors Thurner aufgebaut und hat auch ein paar Figuren übernommen, ist aber ebenso als eigenständige Geschichte zu lesen. Michael Marcus Thurner hat mich auch in seinem zweiten Roman wieder von seiner Fähigkeit zu schreiben, Welten und vielschichtige Charaktere zu kreieren, überzeugt. Mit dem Spannungsbogen hatte ich hier und da meine Schwierigkeiten, dennoch bin ich durch das Buch geflogen. Die Erzählperspektive wechselt von Kapitel zu Kapitel zwischen den Hauptfiguren hin und her. Ich mag, dass verschiedene Ebenen eingesetzt werden, die im Laufe der Handlung miteinander verknüpft werden. Was man vor Beginn des Buches wissen sollte: es bewegt sich schon über die Grenze der "normalen" Fantasy hin zu Dark Fantasy. Ich bin nicht zimperlich, aber an manchen Stellen ist mir doch ein wenig übel geworden. Es ist weniger das viele Blut und die Brutalität, die auch im Rahmen sexueller Handlungen auftritt, die mir Probleme bereiten, als vielmehr die in reichem Fluss vorhandenen Fäkalien. Die finde ich echt eklig! Sympathische Charaktere gibt es im Buch keinen einzigen. Vielleicht noch ein kleines bisschen Eldar, aber alle anderen sind abstoßend, widerwärtig, böse und keine Figuren, denen man in der Realität begegnen möchte. Dennoch geht man gerne mit ihnen. Sie heben sich von anderen ab, sind unberechenbar und sorgen immer wieder für unerwartete Handlungen. Das war schon bei "Der Gottbettler" so, lässt Thurner aus der breiten Masse herausstechen und sorgt dafür, dass immer wieder etliche Leser zu seinen Büchern greifen werden. Ich bin einer davon.

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Inhalt: Die Horden des Gottbettlers sind abgezogen, das Land streckenweise verwüstet und Wicca und Magicae sind sich noch immer in Feindschaft zugetan, soweit also nichts Neues. Doch eines Tages geschieht etwas Außergewöhnliches: ein Mensch kann sich aus der Treibgierde – einer Art Zeitblase in der Cabrischen See – befreien. Eldar zieht sofort die Aufmerksamkeit aller Parteien auf sich, denn sie erhoffen sich wichtige Informationen aus dem Innern dieser Anomalie. Und Eldar selbst sucht nach einem Weg, seine Liebste aus der Treibgierde zu befreien und wird so unbeabsichtigt zum Spielball der Magie-Begabten. Erschwerend kommt dazu, dass ihm eine ganze Menge Erinnerungen fehlen. Gemeinsam mit einer jungen Wicca, dem Magicae Pirmen, dessen „Reitmenschen“ Ox und einer geheimnisvollen Hure namens Amelia, die sie unterwegs aufgegriffen haben, macht sich Eldar auf die Suche nach den Todfeindlichen Geschwistern, um dort Antworten zu erhalten. Meine Meinung: Es ist schon recht bizarr, wie Michael Thurner die (magischen) Wesen seiner Welt darstellt. Schon allein die Tatsache, dass die Magicae durch Selbstverstümmelung ihre Kräfte erhöhen können, hat etwas ziemlich sadistisches an sich. Diese Tatsache führt nämlich dazu, dass sie zwar über erhebliche magische Fähigkeiten verfügen, aber andererseits getragen, gefüttert und gewindelt werden müssen. Überhaupt lässt der Autor eine gewisse Vorliebe für Bizzares sowie Qualen, Blut und Gemetzel erkennen. Dies zur Warnung für die eher zarten Gemüter. Ansonsten gilt auch für diesen Band: Thurners Stil gefällt mir gut. Er erzählt geradlinig, ohne sprachliche Verrenkungen und Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Ein paar Wendungen waren vorhersehbar, aber da wir hier ja keinen Thriller vor uns haben, ist das nicht so schlimm. Der schwarze Humor, der mir im „Gottbettler“ so gefallen hat, ist auch wieder gut vertreten. Und erfreulicher Weise hat es der Autor diesmal geschafft, seinen Charakteren (na gut, einigen zumindest) sympathische Züge zu verleihen. Und mit Ox gibt es sogar eine Figur, die mir wirklich ans Herz gewachsen ist. Amelia darf auch eine interessante Entwicklung nehmen, wobei ich da das Ende ein bisschen dick aufgetragen finde. Aber das ist Geschmackssache und ihr dürft euch gern selbst ein Bild machen. Sensationell finde ich übrigens die wandelnde Hexenburg, deren Beschreibung mir sofort das Bild der Hütte von Baba Jaga aus dem alten sowjetischen Märchenfilm in Erinnerung rief. Ob dies gewollt war, weiß ich natürlich nicht, aber ich fand es einfach großartig. Noch ein Wort zum Thema „Fortsetzung“: es wird zwar hin und wieder Bezug auf den ersten Teil genommen, aber außer Terca und Pirmen treffen wir keine Figuren aus „Der Gottbettler“ wieder und ich bin der Meinung, dass man dieses Buch auch ohne Probleme eigenständig lesen kann. Auch dieser Teil erhält von mir 3,5 Sterne. Besser als der Durchschnitt allemal, aber eben auch nicht absolut umwerfend. Dennoch sind die Bücher von Thurner durchaus lesenswert. Fazit: Thurner schreibt keine netten Geschichten. Bizarre Wesen in einer eher grausamen Welt können aber dennoch unterhaltsam sein.

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Der Gottbettler ist vernichtet und der Kampf der Magicae und Wicca tobt ungebremst weiter. Hexen beziehen ihre Kraft indem sie ihren Dusus beschwören. Die Magicae werden mächtiger je mehr sie sich selbst verstümmeln. Die Treibgierde ist eine Zeitblase wo die Kämpfenden Hexen und Magicae eingesperrt sind und kämpfen ohne den Rest der Welt zu vernichten. Doch es wurden auch Unschuldige eingesperrt. Eldar und Harana sind dort gefangen und konnten nur unter erschwerten Bedingungen überleben. Nun gelingt Eldar die Flucht und er hat alle Erinnerungen verloren außer der, dass er seine geliebte Harana retten muss. Zu Beginn steht eine kurze Sequenz mit Terca. Die Hexe lebt nach dem Krieg gegen den Gottbettler in einem wandelnden Hexenturm und hat eine Vision. Doch noch weiß man nicht was sie gesehen hat. Sie sendet einen Malekuften mit der Botschaft zu einem bis dahin unbekannten Empfänger. Während Eldar sich aus der Treibgierde schält, kommt zufällig Bertol (genannt Hackfresse) vorbei und befreit ihn. Dafür soll Eldar als Wesen aus der Treibgierde nun alles tun, was Bertol, seine Frau Tinte und die Tochter Loisie verlangen. Eldar ist in Bludkap gelandet, wo das Gesetz des Stärkeren gilt und Eldar gequält wird um ihn zu einer braven Geldquelle zu machen. Dann begegnen wir noch Pirmen Courtix, der bereits im Gottbettler eine entscheidende Rolle hatte. Er treibt seine Selbstverstümmelungen immer weiter um einer der mächtigsten Magicae zu werden.Inzwischen hat er keine Beine mehr und nur noch einen Arm, die Nerven rund um den Mund hat er sich gezogen und ist auf Fütterung und Windelwechsel angewiesen. Der treue Ox ist sein Reitmensch ohne den er völlig verloren wäre. Er pflegt Pirmen und trägt ihn überall hin. Pirmen hasst Terca, weil sie ihn zu ihrem Sklaven machen wollte und die Hexe nun alles daran setzt, das Land zu erobern. Als weitere Hauptprotagonistin fehlt noch Amelia Dusong, die im Heerestross des Gottbettlers als Freudenmädchen unterwegs war. Sie stammt aus Moina und versucht nun nach dem Krieg ihre zwei Söhne zu finden. Die Erzählung ist wie bereits im ersten Band wieder aus der Sicht des jeweils handelnden Protagonisten erzählt. Erzählperspektive ist wie auch in Band 1 die dritte Person in der Vergangenheitsform. Da jedes Kapitel wieder mit dem Namen des jeweiligen Protagonisten benannt ist, weiß man beim Lesen immer sofort bei wem man nun gerade ist. Das Genre ist wieder Dark/Low Fantasy, denn es geht hier wieder sehr düster und schmutzig zu. Der Autor hat mich aber mit seiner detailllierten Schreibweise wieder schnell in den Bann der Geschichte gezogen. Das Setting ist so plastisch dargestellt und es gibt wieder soviele wundersame Dinge zu entdecken, die ich so in noch keinem Fantasyroman hatte. Der Held in der strahlenden Rüstung lässt auch hier wieder auf sich warten. Aber ein solcher wäre auch in dieser Geschichte definitiv falsch. Auch Eldar, dessen Motive durchweg ehrenhaft und rein erscheinen zeigt ganz schnell, dass er dunkle Stellen im Charakter hat und er somit auch nicht der typische Held ist. Aber gerade das fasziniert mich so an diesen Büchern von Michael M. Thurner. Er arbeitet nicht mit den typischen Klischees, sondern schafft etwas eigenes. Der Schreibstil ist auch wieder sprachlich sehr schmutzig, aber auch das passt zu dem Weltenentwurf. Der Erzählstil ist dunkel und roh und zeichnet das Bild der verkommenen Welt sehr gut nach. Gelungen war hier auch wieder, wie er die einzelnen Erzählstränge zusammenführt und sich einzelne Figuren begegnen. Fazit: Wer eine weitere düstere, brutale Fantasy-Geschichte sucht, der darf auch hier wieder zugreifen. Der Roman lässt sich durchaus auch einzeln lesen und ohne Vorkenntnisse von Band 1 nachvollziehen.

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