Leserstimmen zu
Wir sagen uns Dunkles

Helmut Böttiger

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Inhalt: Helmut Böttiger ist ein vielfach ausgezeichneter Kritiker und führt mit seinem Buch über die Liebe zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, durch eine aufregende, psychologische Studie, jener so herausragenden Persönlichkeiten. Auf dem Buchrücken ist folgendes gedruckt – Sie waren wie die Königskinder, die nicht zueinander kommen konnten: Ingeborg Bachmann und Paul Celan, zwei der einflussreichsten Dichter der Nachkriegszeit. Sie kannten und liebten sich fast ihr Leben lang, hielten es jedoch nicht miteinander aus. Eine dramatische Liebesgeschichte, die bis Celans Tod geheim blieb, nun zum ersten Mal in ihrer gesamten Chronologie erzählt. „…..die Liebesgeschichte dieser beiden Dichter gehört zu den dramatischsten und folgereichsten Begebenheiten der deutschen Literatur nach 1945 .“ …..so die FAZ Ingeborg Bachmann – am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren und am 17. Oktober 1973 in Rom tragisch verstorben (In der Nacht vom 25. auf den 26. September 1973 erlitt Ingeborg Bachmann in ihrer römischen Wohnung schwere Verletzungen durch einen Brand, der beim Einschlafen mit einer brennenden Zigarette ausgelöst worden war. Aufgrund ihrer schon seit Jahren bestehenden starken Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln, von der die behandelnden Ärzte zunächst nichts wussten, starb sie im Alter von 47 Jahren an tödlichen Entzugserscheinungen) war eine österreichische Schriftstellerin . Sie gilt als eine der bedeutensten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr zu Ehren wird seit 1977 jährlich der > Ingeborg Bachmann Preis < verliehen. Paul Celan – am 23. November in Czernowitz, damals Rumänien, heute Ukraine, mit jüdischen Wurzeln geboren und vermutlich am 20. April 1970 in Paris verstorben (Die Umstände und das Datum von Celans Tod sind nicht geklärt. Vermutlich unternahm er am 20. April 1970 einen Suizid , indem er sich in die Seine stürzte. Sein Leichnam wurde am 1. Mai 1970 gefunden.) war ein deutschsprachiger Lyriker. Fazit: Diese Geschichte einer unmöglichen Liebe erscheint bestens und genau recheriert. In faszinierender Ausführlichkeit wird in diesem Buch dieses tragische, schmerzerfüllte Auf und Ab in vielen Facetten offenbart. Auch gibt es sehr interessante Einblicke in die > Gruppe 47 < ( Als Gruppe 47 werden die Teilnehmer an den deutschsprachigen Schriftstellertreffen bezeichnet, zu denen Hans werner Richter von 1947 bis 1967 einlud. Die Treffen dienten der gegenseitigen Kritik der vorgelesenen Texte und der Förderung junger, noch unbekannter Autoren. Der in demokratischer Abstimmung ermittelte Preis der Gruppe 47 erwies sich für viele Ausgezeichnete als Beginn ihrer literarischen Karriere. Die Gruppe 47 besaß keine Organisationsform, keine feste Mitgliederliste und kein literarisches Programm, wurde aber stark durch Richters Einladungspraxis geprägt. In ihrer Anfangszeit bot die Gruppe 47 jungen Schriftstellern eine Plattform zur Erneuerung der deutschen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg. Später avancierte sie zu einer einflussreichen Institution im Kulturbetrieb der Bundesrepublik Deutschland, an deren Tagungen bedeutende zeitgenössische Autoren und Literaturkritiker teilnahmen. Der kulturelle und politische Einfluss der Gruppe 47 wurde Gegenstand zahlreicher Debatten. Auch nach dem Ende ihrer Tagungen 1967 blieben ehemalige Teilnehmer der Gruppe richtungsweisend für die Entwicklung der deutschsprachigen Literatur. – Quelle Wikipedia – ) 5 von 5 Sternen

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„Wir sagen uns Dunkles“ - Helmut Böttigers aufschlussreiche Analyse der Beziehung Bachmann-Celan „Ich habe einen Mann gekannt, der hieß Hans, und er war anders als alle anderen. Noch einen kannte ich, der war auch anders als alle anderen. Dann einen, der war ganz anders als alle anderen und er hieß Hans, ich liebte ihn.“ „Ich habe einen Mann gekannt, der hieß Hans, und er war anders als alle anderen. Noch einen kannte ich, der war auch anders als alle anderen. Dann einen, der war ganz anders als alle anderen und er hieß Hans, ich liebte ihn.“ Diese Zeilen in Ingeborgs Bachmanns Erzählung „Undine geht“ weisen auf die großen Lieben der Autorin hin, Hans Weigel, Paul Celan und Hans Werner Henze. Ihnen räumt auch Helmut Böttiger in seinem neuen Buch „Wir sagen uns Dunkles“ einen Platz ein. Das Ergebnis von Böttingers vielfältigen Analysen zeigt allerdings, daß Paul Celan, der Mittlere in Bachmanns Zitat, wie kein anderer die Frau und die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann prägte et vice versa. Helmut Böttiger, Literaturkritiker und Verfasser mehrerer Werke zur deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, widmet sich in seiner neuesten Studie der Beziehung von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Er beleuchtet darin die Stationen ihrer Vita als Liebende wie als Schriftsteller, ihre gegenseitige Beeinflussung und die Auswirkung auf ihre Literatur. Die, so zeigt Böttiger, oftmals in Chiffren Reaktionen auf die Äußerungen des jeweils anderen bergen. Fast schon programmatisch benennt das im Titel gewählte Zitat „Wir sagen uns Dunkles“ diese Art der intimen Kommunikation. Die Begegnung der beiden künftig Verbundenen steht auch am Beginn von Böttigers Darstellung. Sechs Wochen im Wiener Frühling 1948 reichen aus um die Paul Celan und Ingeborg Bachmann tief zu prägen. Ausgehend von dieser gemeinsamen Zeit geht Böttiger zurück und schildert wechselweise die Vergangenheit der beiden. Die Impulse und Anfänge ihres individuellen Schreibens führt er zu den kommunizierenden Werken, in denen sie die gemeinsamen Momente verklausulieren aber für den jeweils anderen verständlich festhalten. Die lyrischen Botschaften stehen für die Distanz. Nach der Abkehr von Wien lebt Celan in Paris, während Bachmann in Wien andere Wege und Kontakte sucht. Die Entfernung verstärkt die in beiden angelegte Melancholie und befeuert die Botschaften und Briefe. Es kommt zu neuen Begegnungen, die sie jedoch eher entfremden. Eine der wichtigsten ist die Teilnahme an der Niendorfer Tagung der Gruppe 47 im Mai 1952. Celan erhält auf Betreiben Bachmanns eine Einladung und geht aus dem Wettbewerb mit dem dritten Platz hervor. Trotzdem verbreiten sich über Celans Lesung der „Todesfuge“ Ressentiment geladene Legenden. Böttiger klärt in einem ausführlichen Kapitel ihre Entstehung und räumt sie aus dem Weg. Alleine dafür lohnt die Lektüre. Celan stand der Kritik an seinem Werk stets hilflos gegenüber. „Seine Gedichte“, so Böttiger, „sind seine immens konzentrierte, eigene Geschichte“. Sie sind unmittelbarer Ausdruck seiner Erfahrungen als verfolgter Jude, seiner Heimatlosigkeit und Einsamkeit. Er zeigt in ihnen seine emotionalen Zustände. Diese Art das Innere in Lyrik zu fassen teilt er mit Ingeborg Bachmann, auch wenn sie nicht seine Opfererfahrungen teilt, keine Jüdin, sondern eine „Fremde“ ist. Laut Böttiger prägt diese Tatsache die Beziehung der beiden und ist Ursache der ständigen Ambivalenz, „eine Anziehung und eine Abstoßung, die immer wieder neu geklärt werden muss“. Sie bedingt „das Dunkle“ zwischen ihnen, das Celan in seinem während der Wiener Wochen verfassten Gedicht „Corona“ benennt und das, so Böttinger, „zum gemeinsamen Code ihrer Liebe wird“. Trotz der Nähe, die dieser Code manifestiert, scheitern sie an der profanen Liebe, wie ihnen ein erneuter Versuch in Paris schmerzlich offenbart. Beide hindert die jeweilige psychische Verfasstheit. Paul Celan, der Jude aus Czernowitz, dessen Eltern von den Sowjets ermordet und der anderthalb Jahre Lagerhaft erleiden musste, entwickelt eine zerstörende Paranoia. Ingeborg Bachmann leidet als Dichterin und Intellektuelle unter ihrer hohen Sensibilität. Beide zerbrechen an den Ansprüchen, den fremden und den eigenen, die wohl schwerwiegender sind. In seltsamer Koinzidenz münden sie bei beiden fast gleichzeitig in pathologischen Zuständen, führen bei Celan zum Suizid, und bei Bachmann zum tödlichen Unfall im Medikamentennebel. Böttiger gelingt es diese unausgelebte Dichterliebe zu fassen. Er nähert sich dem Paar in historischen wie psychologischen Ansätzen und unterlegt diese mit der Analyse ausgewählter Werke der beiden Dichter. Dazu zählen die frühen Gedichte „In Ägypten“, „Corona“, „Dunkles zu sagen“ und „Die gestundete Zeit“ ebenso wie spätere Werke. Daneben gewährt seine Studie Einblicke in die Literarische Welt der Nachkriegszeit, insbesondere der Rolle der Gruppe 47, die innovativen Schriftstellern Gehör verschaffte, auch wenn sie noch Vergangenem verhaftet war. Geprägt war die deutschsprachige Literaturkritik dieser Zeit von einem sich windenden Umgang mit der jüngsten Geschichte, wie Böttiger in einer umfassenden Analyse eines 1954 geführten Interview von Celan durch Karl Schwedhelm zeigt. „Zug um Zug schrieb Ingeborg Bachmann ihre persönliche Geschichte mit Paul Celan in Literatur um“ konstatiert Böttiger, was in ähnlicher Weise auch für Paul Celan galt. Böttiger zeigt in seinem Buch, daß die gegenseitige Beeinflussung der beiden Dichterpersönlichkeiten bis zum Schluss bestehen blieb. Er belegt, wie diese Liebesbeziehung im Privaten wie im Künstlerischen wirkt, und trägt dadurch zum Verständnis der Gedichte und Erzählungen der beiden Schriftsteller bei. Für mich ist dies ein Grund mehr, erneut ihre Werke zu lesen, und endlich den Briefwechsel „Herzzeit“, der schon seit Jahren im Regal wartet, bestens vorbereitet von Böttigers Buch.

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Von der „einzigen und großen Liebe“ schreibt Ingeborg Bachmann in ihrem Erzählungsband Simultan wie von den zwei berühmten Königskindern, denen es nie bestimmt sein wird, zusammen zu kommen. Dieses Bild verwendet Helmut Böttiger sehr treffend am Ende seiner Doppelbiographie über Ingeborg Bachmann und Paul Clean. Vermutlich aber ist Doppelbiografie ein etwas zu umfassender Begriff, denn Wir sagen uns Dunkles zielt vielmehr darauf ab, das Verhältnis ziwschen Bachmann und Celan, von welchem die Öffentlichkeit so lange nicht das Geringste erfahren hatte, zu beleuchten. IMG_4356 Unsystematisch abwechselnd werden in 14 Kapitel unterschiedlicher Länge mal Bachmann, mal Celan und mal die Verbundenheit der beiden in den Vordergrund gestellt. Glücklicherweise bin ich in meinem Germanistik-Studium nicht darum herum gekommen, mich auch mit diesen beiden so außergewöhnlichen Mitgliedern der Gruppe 47 auseinanderzusetzen. Und trotz dessen, dass ich an Lyrik im Allgemeinen eher weniger interessiert bin, ergriff mich bald eine Faszination, die sich nicht primär auf deren Dichtung sondern vielmehr auf die Personen dahinter, Bachmann und Celan selbst, bezog. Denn -- Interpretationsansätze und mögliche Deutungen der Werke beider gibt es nahezu wie Sand am Meer und auch Biographien gibt es mittlerweile bereits zahlreiche. Umso mehr stellte ich mir schließlich selbst nach und nach die Frage, wie denn dieses Liebesverhältnis, diese so leidenschaftliche Liebe zwischen Bachmann und Clean, die über so viele Jahre hinweg andauern sollte, so lange Zeit unentdeckt bleiben konnte? Helmut Böttiger liefert darauf chronologisch klar strukturiert und in leicht verständlicher Sprache (und zum Teil auch mit Fotografien) Antworten, die vom Kennenlernen der beiden über den Briefwechsel bishin zu Celans Selbstmord reichen. Vor allem hebt er dabei immer wieder diese Kommunikation zwischen Celan und Bachmann, welche über die Literatur, über einzelne Gedichte erfolgte, hervor, bietet Interpretationsansätze und gibt Aufschluss über den jeweiligen Kontext. Fazit: In jeder Hinsicht lesens- und wissenswert – auch für die, die (noch) keine Bachmann oder Celan—Fans sind!

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„Wir sagen uns Dunkles“ von Helmut Böttiger 2. Zum Inhalt Helmut Böttiger zeigt uns eine Beziehung, die gepflastert mit Stolpersteinen war. Im Focus steht die Zeile "Wir sagen uns Dunkles" aus „Corona“ Beide waren bedeutende Lyriker der Nachkriegszeit. Leo Antschel (ein rumänischer Name wird mit c geschrieben. Anagramm von Celan.) und Ingeborg Bachmann waren sehr unterschiedlich. Bachmann galt als eine nach außen gerichtete Person, die sich immer wieder neu erfindet und wahrscheinlich keiner der übernommenen Rollen entspricht. Allerdings könnte man ihr Liebesleben als chaotisch oder durcheinander bezeichnen. Ihre Gemeinsamkeit waren sechs Wochen Liebesreigen. Celans Gedichte zeigen dir seine Trauer und elegisch das Verzichten müssen. Lyrik wird zur Sprache und zum Spielzeug. Ihre Bezugsgröße ist Wien. Der Kommunismus erscheint als utopisches Ideal - eine Leitvorstellung. Celan sang Revolutionslieder mit. Seine Freunde betrachteten ihn als Mimose, als Narziß, unduldsam ja geradezu hochmütig. Die Nacht, in der Celans Eltern verhaftet wurden, verbrachte dieser bei einem Mädchen. Diese "Schuld, überlebt zu haben" wird ihn sein ganzes Leben begleiten. Er selbst war 1 1/2 Jahre lang ein Zwangsarbeiter. Zuvor hatte er ein Studium Romanistik, Russisch und Anglistik angefangen. Sein Sprachtalent war außerordentlich. Englisch, russisch, rumänisch und französisch. Sein wohl berühmtestes Gedicht ist die Todesfuge. You Tube Schwarze Milch der Frühe, „Ich nehme die Frauen wie Zigaretten, die ich Ausrauche und wegwerfe.“ Auch dieses Zitat ist von Paul Celan https://www.youtube.com/playlist?list=PL2G2jR9rOAY0svG6I8fziNEEb7GJYhULi Ich habe "Die Todesfuge", "Corona", "Die gestundete Zeit", ein Filmbericht über Ingeborg Bachmann und Trailers "Die Geträumten" zusammengestellt. Paul Celan liest selbst aus „Corona“. "Die gestundete Zeit" wird von Katharina Thalbach gelesen. Ich habe mir den Film von Suhrkamp gekauft und war enttäuscht. Gedichte werden gelesen und wir hören die Gedanken der Sprecher dazu. Es hat mich überhaupt nicht angesprochen. Die Atmosphäre war mir zu clean. Gleichzeitig bekommt der Leser ein Porträt der Gruppe 47 und die gespannte Atmosphäre zwischen Celan, Bachmann und der Gruppe. Termine der Lesung 5/5 Punkten 3. Sprachliche Gestaltung Helmut Böttiger nimmt kapitelweise Bachmann und Celan in den Focus. Aber daraus entstehen letztendliche nicht nur die Biographien zweier Menschen, sondern Böttiger zeigt uns ein verworrenes und komplexes Beziehungsgeflecht. Zwei Alphatiere, die zugleich Mimosen sind und denen Normalität und Mittelmäßigkeit ein Gräuel sind, finden keine beständige Brücke zueinander. Ihre Welt ist die Lyrik und nicht die Banalität des Alltags. 5/5 Punkten 4. Cover und äußere Erscheinung „Wir sagen uns Dunkles“ von Helmut Böttiger hat 250 Seiten, einen festen Einband und ist am 28.08.2017 unter der ISBN 9783421046314 bei DVA im Genre Biografien erschienen und kostet 22 €. Auf dem Cover sind Fotografien von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Das Buch ist auch im Scoobe Katalog enthalten. 5/5 Punkten 5. Fazit Ich freue mich sehr, Ingeborg Bachmann und Paul Celan näher kennengelernt zu haben. Es hat mich bewegt, Ingeborg Bachmann und Paul Celan, und ihr Gedichte wie „Corona“ und „Gestundete Zeit“ vortragen zu lassen, durch das Wissen, dass die beiden nicht nur Absender sonder auch Adressaten sind. Helmut Böttiger ist es gelungen, den Leser die Emotionen fühlen zu lassen und ihm die Leidenschaft, ja die Abhängigkeit voreinander, aufzuzeigen. @Randomhouse und @dva Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares! Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten. Connie’s Schreibblogg https://schreibblogg.de

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Helmut Böttiger „Wir sagen uns Dunkles. Die Liebesgeschichte zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan“ DVA 2017 ISBN:978-3-421-04631-4 Ich wollte dieses Buch lesen, weil ich dachte, es wäre eine Gedichtesammlung und ich sowohl die Gedichte von Paul Celan als auch die von Ingeborg Bachmann sehr schätze. Tatsächlich handelt es sich um eine Doppelbiographie mit dem Fokus auf die Beziehung zwischen den beiden. Eine durchaus interessante, detailreiche Biographie aus der ich eine Menge erfuhr, nicht nur über die beiden Lyriker sondern auch über etliche andere Personen, die in ihren Leben wichtig waren sowie über finstere Seiten des Literaturbetriebs. Die erste Begegnung zwischen Celan und Bachmann fand in Wien statt, was mir das Lesen der biographischen Daten erleichterte, weil ich viele der erwähnten Personen zumindest dem Namen nach kenne. Die Liebesbeziehung zwischen Celan und Bachmann war nicht nur unkonventionell sondern auch äußerst schwierig bis sie völlig unmöglich wurde. Ein ständiges Hin und Her zwischen Anziehung und Ablehnung, kurze gemeinsame Zeiten, dann wieder langes Schweigen und Entfremdung. Bachmann lebte zum Zeitpunkt der ersten intimen Begegnung mit Celan mit Hans Weigel zusammen. Celan heiratete kurz nach einem zweiten gescheiterten Versuch mit Bachmann zusammenzuleben Gisèle de Lestrange. Zwischen den kurzen Episoden des Zusammenlebens gab es manchmal eine sehr intensive Korrespondenz, manchmal lange Phasen des Schweigens. Zum Beispiel schrieb Celan zu einem Zeitpunkt an dem Bachmann den Eindruck hatte, dass es zu einer Annäherung gekommen war: „Lass uns nicht mehr von Dingen sprechen, die unwiederbringlich sind, Inge – sie bewirken nur, dass die Wunde wieder aufbricht, sie beschwören bei mir Zorn und Unmut herauf, sie scheuchen das Vergangene auf – und dieses Vergangene schien mir so oft ein Vergehen. Du weißt es, ich habe es dich fühlen ja wissen lassen – sie tauchen die Dinge in ein Dunkel, über dem man lange hocken muss, um sie wieder hervorzuholen, die Freundschaft weigert sich hartnäckig, rettend auf den Plan zu treten, – du siehst, es geschieht das Gegenteil von dem, was Du wünschst, Du schaffst, mit ein paar Worten, die die Zeit in nicht gerade kleinen Abständen vor dich hinstreut, Undeutlichkeiten, mit denen ich nun wieder ebenso schonungslos ins Gericht gehen muss wie seinerzeit mit Dir selber“ p.88 Sehr interessant fand ich die Analyse von Werken beider Autoren, die die gegenseitige Beeinflussung und das sich aufeinander Beziehen zeigen. Eigentlich unabhängig voneinander aber steuerten ihrer beider Leben auf die Katastrophe zu. „Man kann es nicht ohne Erschütterung lesen, wenn Klaus Demus, der jüngere, langjährige und bewundernde Freund, nach einem Besuch in Paris im März 1962 und einer Abweisung im April einen bewegenden Brief an Celan schrieb: „Mein lieber, mein geliebter Paul! Wenn Du mich lieb gehabt hast in so vielen Jahren, wie ichs ja weiß, wenn du meine Liebe gespürt hast: dann gib diesem Brief dem schwersten meines Lebens, soviel Gehör als Du kannst. Ich habe Dir das Äußerste, das Allerletzte zu sagen. Ich schwöre es Dir, dass es allein aus mir kommt, dass niemand mich beeinflusst hat , dass ich allein von mir zu Dir spreche. Alles hängt davon ab, dass Du mir das glaubst. Was ich zu sagen habe, kannst du mir wohl nicht glauben – es geschähe denn ein Wunder: weil diese winzigste Chance besteht, die letzte und äußerste, die meiner Freundschaft zu dir aufgegeben ist, habe ich es zu sagen. Paul, ich habe den entsetzlichen ganz gewissen Verdacht, dass Du an Paranoia erkrankt bist.“ p.239 Celan fühlte sich immer mehr auch von den wohlwollendsten Freunden angefeindet und verfolgt. Nach tragischen Vorfällen und mehreren Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken, wählte er im April 1970 den Freitod. Bachmann starb 1973 mit 47 Jahren. Sie litt in den letzten Jahre ihres Lebens an einer gravierenden Angstneurose und an Panikattacken und hatte eine ausgeprägte Medikamentensucht.

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Wir sagen uns Dunkles. Die Liebesgeschichte zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan von Helmut Böttiger Im letzten Jahr erschien die Doppelbiographie von Bachmann und Celan, geschrieben von dem renommierten Literaturkritiker und Kenner der Nachkriegsliteratur, Helmut Böttiger. Für Literaturwissenschaftler wie für Laien stellt sein neues Werk eine umfassende Zusammenfassung der zwei bekanntesten Lyriker der Nachkriegszeit dar. Doch mit welcher Berechtigung kann eine neue Biographie stehen, wenn keine neuen Quellen zur Verfügung stehen? Erschien hier ein Werk für die Wissenschaft, oder Literatur für die breite Gesellschaft, gefußt auf einer Emotionalisierung, wie man sie nur zu genüge aus der Sachbuchsparte der letzten Jahre kennt. Sollen nun auch Bachmann und Celan für eine biografische Bestandsaufnahme ihrer Liebesgeschichte herhalten, wie einst Arendt und Heidegger sowie Kafka und Felice Bauer. Zur Beruhigung kann schon einmal gesagt werden: Nein, dies ist hier nicht der Fall. Böttiger nimmt fehlende Dokumente zum Anlass, um eine Fassung der beiden Schriftsteller zu schaffen, die biografische Daten- und Lyrikanalyse gekonnt nebeneinandersetzt. Ohne den Blick auf die Lyrik zu verlieren, entstand hier ein Werk, welches nicht nur für Laien von Bedeutung sein kann, sondern eben auch Literaturwissenschaftler interessieren kann. Eine erfrischend neue Form einer Doppelbiographie, die es lohnt, näher zu betrachten. Es ist die wohl bekannteste Liebesgeschichte in der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, die Geschichte der Gruppe 47 und zweier Liebender, die nicht zueinanderfinden konnten, in einer Zeit, in der alles möglich schien und nichts möglich war. Der 27-jährige Paul Antschel, besser bekannt unter seinem Pseudonym Paul Celan, lernte im Frühling 1948 die junge Ingeborg Bachmann in Wien kennen. Die Unterschiede der Beiden könnten nicht größer sein. Anschel, ein aus der ehemaligen k.u.k. Monarchie kommender Jude, strandet, nach den Traumatisierungen der ermordeten Eltern, im zerstörten Wien. Mit ganz anderen Voraussetzungen kommt die wohlbehütete Bachmann nach Wien. Vordergründig um ihr Studium fortzuführen, ist sie ebenso wie Celan auf der Suche nach einem Anschluss an die intellektuellen Kreise der Stadt des Westens und der Hochburg der Literaten, Wien. Geboren in Klagefurt, wuchs sie mit beiden Eltern auf und konnte ihr Studium der Philosophie ein Jahr zuvor in Innsbruck und Graz beginnen. Trotz aller Unterschiede lernten die beiden sich kennen und verbrachten gemeinsam 6 Wochen in Wien. Wochen, die sowohl für Ingeborg Bachmann als auch für Paul Celan und deren künstlerischen Werke von Bedeutung werden sollten. Zu Anfang kehrt Böttiger in die Vergangenheit der beiden zurück, zeichnet die Unterschiede der Herkunft, die Privilegen der Einen und die Entbehrungen des Anderen deutlich auf, um diese dann in die lyrische Analyse einfließen zu lassen. Die ersten Kapitel im Buch legen die Herangehensweise des Autors an Schriftsteller und ihr Werk offen und zeigen schon gleich zu Anfang, dass es sich lohnt, dieses Werk zu lesen. Im gesamten Buch wechseln sich Passagen über Celan und Bachmann ab. Ohne in einen Duktus reiner Datenaufzählungen zu verfallen, bindet er stets die Zeitumstände, die Vergangenheiten, die gegenwärtigen Situationen und Zukunftsvorstellungen in die Lebensdaten und das lyrische Werk ein. Deutlich arbeitet Böttiger die Unterschiede der Herkunft heraus und widmet sich, mehr als der Leser es aus Biographien gewohnt ist, ebenso einer dichterischen Analyse. Was meist als unwissenschaftlich gilt, meistert Böttiger klug indem er keine Deutungshoheit aufstellt. Durch intertextuelle Bezüge lässt er genügend Raum zwischen Fakten und Interpretation offen. Zudem nimmt er immer wieder seinen roten Faden auf, der sich schon in der Auswahl seines Werktitels andeutet. Denn „Wir sagen uns Dunkles“ wird von ihm als Leitmotiv der Schriftstellerkonstellationen überzeugend ausgearbeitet und im ganzen Buch immer wieder aufgegriffen. Doch wie bekannt, ist es nicht nur die bekannteste Liebesgeschichte der deutschen Nachkriegszeit, sondern eben auch die tragischste Liebesgeschichte. Der Kontakt der beiden Lyriker reißt immer wieder ab, bis es zu einem endgültigen Bruch kommen wird. Auch hier schafft es Böttiger die gegenwärtigen Situationen der Beiden und die Lage derer Umgebung in einem großen Zusammenhang zu bringen, ohne zu viel zu interpretieren. Er arbeitet eng mit den Schriftstücken des gemeinsamen Briefwechsels zwischen Bachmann und Celan „Herzzeit“ zusammen und bringt somit dem Leser die Bezüge zum lyrischen Werk näher, in dem er aus allen Dokumenten Zusammentreffen und letztendlich den Bruch aufschlüsselt und deren Bedeutung jeweils in anschließenden Kapitelanalysen herausstellt. Auch wenn die Biographie der Schriftsteller bekannt ist, soll hier nicht zu viel vom Inhalt erzählt werden. Es bleibt also zu sagen, dass es sich hier um ein durchaus gelungenes Werk handelt, welches sowohl von Kenner als auch von Neulingen des Œuvre Bachmanns und Celans zur Hand genommen werden kann. Natürlich ist Böttiger nicht umsonst als Experte der Gruppe 47 bekannt. Auch in diesem Werk hinterlässt seine Expertise seine Spuren und so bekommt der Leser nicht nur einen neuen Überblick über die Schriftsteller und obendrauf noch eine Zusammenführung von Werk und Lyrik, sondern eben auch eine Einbindung in den Literaturbetrieb der frisch geborenen Bundesrepublik. Trotz all der Informationen schafft Böttiger es, seine Doppelbiographie nicht mit Fakten zu überfüllen. Er legt eine sachliche und textnahe Biographie vor, die aufzeigt, was Lyrik auch und gerade in der Nachkriegszeit war und schaffen konnte. Spätestens nach dieser Lektüre wird der Leser zu dem lyrischen Werk Bachmanns und Celans greifen und den Briefwechsel der Beiden mit genügend Informationen und oder durch einen neuen Blick betrachten.

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Liebelei

Von: StMoonlight

16.01.2018

Eigentlich handelt es sich hier um eine Doppelbiographie, was ein ganz außergewöhnliches Leseerlebnis beschert. Der Leser erfährt den Einfluss der jeweiligen Protagonisten, Ingeborg Bachmann und Paul Celan, zueinander. Nach und nach erfährt man immer mehr über die beiden Personen, wodurch sie lebendiger und greifbarer werden. In jedem Kapitel geht es um ein bestimmtes Thema. Mal wird auf Bachmann eingegangen, mal Celan. Dabei steht immer die Beziehung zwischen den beiden im Vordergrund. Einen roten Faden gibt es leider nicht wirklich und so wirklich spannend war es jetzt leider auch nicht. Einige Fotos lockern das Buch ein wenig auf, dennoch konnte es mich leider nicht wirklich überzeugen.

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Als Germanistikstudentin hat man meistens ein ziemlich großes Interesse an allem, was im Entferntesten mit Literaturwissenschaft zu tun hat. Ich bin kein großer Fan von Lyrik und finde keinen rechten Zugang dazu und doch interessieren mich Bachmann und Celan auf rein persönlicher Ebene sehr. Die Beziehung der beiden blieb weiterstgehend verborgen und so war ich sehr gespannt, die Ausarbeitung Helmut Böttigers dazu zu lesen. Beim dem Buch handelt es sich genau gesagt nicht nur um die Untersuchung einer Beziehung, vielmehr bekommt der Leser eine Doppelbiografie präsentiert. Die Biografien der beiden überschneiden und trennen sich immer wieder und es ist interessant zu lesen, welchen Einfluss der eine auf das Leben des jeweils anderen nimmt und wie das alles sich wiederum in den Werken der beiden erkennen lässt. Man bekommt als Leser nicht nur ein Gefühl für die Beziehung zwischen Celan und Bachmann sondern auch ein breites Wissen über die Leben der beiden, die – so empfinde ich jedenfalls – zumindest in der Schule deutlich zu kurz kamen. Das gesamte Buch gliedert sich in mehrere Kapitel, die entweder nur Ingeborg Bachmann bzw. Paul Celan thematisieren oder sich mit der Beziehung der beiden Beschäftigen. Dabei wird immer ein besonders Augenmerk auf eine bestimmte Thematik oder ein bestimmtes Ereignis gelegt, was dem Buch eine schöne Struktur gab. Allerdings fiel es mir teilweise sehr schwer, den roten Faden nicht zu verlieren bzw. die Chronologie der Ereignisse m Auge zu behalten. Hier hilft es sicher enorm weiter, wenn man sich schon grob mit dem Leben der beiden auskennt oder sich kurz vor und immer wieder während dem Lesen einen chronologischen Lebenslauf aufruft. Ergänzt werden die Worte durch einige Bilder, die jedoch nicht überhand nehmen und das erzählte sehr gut unterstützten. Besonders gefielen mir hier die Bilder der Gruppe 47, da man sehr gut erkennen konnte, wie Bachmann und Celan innerhalb einer größeren Gruppe miteinander umgehen. Auch den Schreibstil von Helmut Böttiger empfand ich als sehr angenehm. Er schriebt so schön und bildlich, dass ich nicht nur viel Wissen über die beiden Lyriker mitnehmen konnte, sondern auch das ein oder andere schöne Zitat entdeckt und für mich markiert habe. Wir sagen uns Dunkles informiert uns nicht nur über die Beziehung von Ingeborg Bachmann und Paul Celan, vielmehr bekommt man als Leser eine gut recherchierte und wundervoll geschriebene Doppelbiografie präsentiert, die thematisch in einzelne Kapitel gegliedert ist.

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