Leserstimmen zu
Die Kostbarkeiten von Poynton

Henry James

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Manesse. Der Name dieses Verlags zaubert fast jedem Buchliebhaber sogleich ein Lächeln ins Gesicht. Manesse, das ist ein Versprechen auf liebevoll und sorgsam aufgemachte Bücher, ein Versprechen auf hochwertige Übersetzungen. So auch in diesem Falle: in elegantem Grau gebunden, mit farblich passendem Lesebändchen und einem Umschlag mit dem Bild einer Lady vor einem edlen Landsitz, kommt das Buch selbst als kleine Kostbarkeit daher. Und die Übersetzung durch den preisgekrönten Nikolaus Stingl hat zur Folge, dass der Inhalt nicht weniger elegant ins Deutsche übertragen wurde. Bei des Autors Vorliebe für verschachtelte Endlossätze mit Sicherheit kein Spaziergang. "Die Kostbarkeiten von Poynton", erstmals erschienen 1897, zählt zum Spätwerk Henry James'. Der Autor, im angelsächsischen Raum ähnlich bekannt wie hierzulande GoetheSchillerLessing, gilt als einer der besten Schriftsteller seiner Zeit, besonders gerühmt für seine präzisen Charakterzeichnungen. In diesem Roman nun treffen wir auf Adela Gereth, die zusammen mit ihrem verstorbenen Gatten aus ihrem Landsitz Poynton Park ein erlesenes Kunstwerk gemacht hat. Haus und Garten sind gefüllt mit unzähligen Kostbarkeiten, ein ganzes Eheleben lang liebevoll und mühsam gesammelt. Nach viktorianischer Gesetzgebung gehört das Alles nun ihrem Sohn Owen. Der wiederum möchte eine junge Dame heiraten, der es an jeglichem Kunstverständnis mangelt und zusätzlich seine Mutter in einen im Vergleich spartanischen Witwensitz ausquartieren. Das nimmt Mrs Gereth natürlich, trotz rechtlich fehlender Grundlage, nicht so hin. Sie hat mit der armen, aber dennoch gebildeten Fleda Vetch eine passendere Schwiegertochter gefunden, die sie ihrem Sohn schmackhaft machen möchte. Dabei hat sie aber nicht mit der inneren Moral und Schüchternheit ihres Schützlings gerechnet, die selbst den Leser bisweilen zu hochgezogenen Augenbrauen und genervtem Seufzen bringt. Man wünscht Miss Vetch doch einen etwas zupackenderen Charakter, der die für alle Beteiligten beste Lösung hervorbringen könnte. Den jedoch konnte James ihr nicht geben, wäre das Buch doch dann mit einer gefälligen Liebesgeschichte schnell beendet gewesen. So darf man dem Autor also dabei zusehen, wie er seine Charaktere meisterhaft in moralische und sonstige Verstrickungen stürzt, dabei Wendungen findet, die den Leser überraschen und aus dem vermeintlichen Konzept bringen, und so das viktorianische Zeitalter mit all seinen Ungerechtigkeiten, besonders die Stellung der Frau betreffend, zum Leben erweckt. Immer höchst elegant formuliert wohlgemerkt. Es sind tatsächlich die Frauen, denen das Hauptaugenmerk gilt: Fleda, die gezwungen ist, sich bei Bekannten einzuquartieren, da ihr Vater sie ungern bei sich wohnen haben möchte und die im Grunde nur eine Heirat erlösen könnte; Mrs Gereth, die durch den Tod ihres Gatten alle Rechte am gemeinsam Erschaffenen verliert und vom guten Willen ihres Sohnes abhängig ist; aber auch Mona Brigstock, die ungewollte Verlobte, die froh sein kann, einen so wohlhabenden Verehrer gefunden zu haben und diesen natürlich auch nicht "von der Angel" lassen möchte. Eher schattenhaft gleiten die männlichen Charaktere durch das Buch, immer vom Vorrang des männlichen Geschlechts überzeugt, auf ihre Rechte pochend, weil sie sie ja nun einmal haben und die armen Frauen ja gar nicht wissen, was gut für sie ist. Und doch sind es meistens die Frauen, die die Fäden in der Hand haben, ständig bemüht es die Herren nicht merken zu lassen. Erstaunlich konzipiert für einen männlichen Schriftsteller dieses Zeitalters. Und ein Punkt, der Henry James so lesenswert macht: die scheinbare Fortschrittlichkeit seiner Ansichten. Dazu kommt die wunderbar durchkomponierte Sprache und der genaue Blick auf seine Charaktere, auf ihre Gedanken, die Gründe ihres Handelns. Es ist wirlich großartig, die Möglichkeit zu haben, diesen hervorragenden Schriftsteller neu zu entdecken. Dem Verlag und dem Übersetzer dafür einen herzlichen Dank. Für den interessierten Leser: bei Manesse finden sich übrigens noch weitere Werke Henry James' in ähnlicher Aufmachung.

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(1) Die Kostbarkeiten von Poynton, eines der Spätwerke von Henry James, wurde im Manesse Verlag in neuer Übersetzung von Nikolaus Stingl herausgegeben und hat darüber hinaus eine wunderschöne Gestaltung mit farbigem Buchschnitt und Leineneinband erhalten, die allein schon zum Sammeln seiner Werke wunderbar ist. Doch auch der Name Nikolaus Stingl trägt eine Art Gütesiegel unter den deutschen Übersetzern, weshalb ich mich auf eine gute Übersetzung und eine tolle Geschichte von Henry James freute. Ich bin ein großer Fan von Henry James, habe jedoch bisher tatsächlich nur zu seinen frühen Werken gegriffen. Somit war Poynton mein erstes Spätwerk des Autors und ich erkannte schnell, dass es einen ganz anderen Charme hat. Ich bleibe nach wie vor ein Fan der früheren Werke doch was in seinen älteren Büchern ebenso heraussticht, das ist die große Gabe, Gesellschaften und einzelne Personen genauestens zu analysieren und ihre Schwächen auf teilweise sehr satirische aber auch versteckte Art dazustellen. Nichts anderes war auch hier der Fall und man kann einfach nicht anders, als die Passagen nach Hinweisen abzusuchen, das Verhalten der Charaktere zu analysieren und sich darüber zu amüsieren. Besonders spannend fand ich hierbei Fleda. Die wird schnell zu einem Werkzeug von Mrs Gereth, als diese erkennt, dass sie die Schönheit Poyntons genauso schätzt, wie sie selbst: Das Problem ist nämlich, dass ihr Sohn eine Frau heiraten möchte, die die Kostbarkeiten nicht zu schätzen weiß und an die Mrs Gereth diese keinesfalls verlieren möchte. Sie sieht in Fleda somit nicht nur eine potentielle Schwiegertochter sondern auch eine Lösung des Gesamtkonflikts und auch Fleda findet nach und nach Gefallen an Mrs Gereths Sohn Owen. Dennoch versucht Fleda immer wieder, nicht zum Spielball der Witwe zu werden und lehnt sic in ihrem Verhalten häufiger gegen diese auf, was ihr jedoch nicht immer gelingt. Besonders spannend war es auch, ihre Entwicklung nachzuverfolgen und gegen Ende nimmt dieser Punkt immer mehr an Spannung zu. Gemeinsam mit Mrs Gereth und Owen hängt Fleda in einer Art Kommunikationsdreieck und der Großteil des Buches spielt sich auch in Gesprächen dieser drei Parteien ab. Wir haben also einen interessanten Familienkonflikt, der mich sehr fesseln konnte und darüber hinaus sowohl im Konflikt selbst als auch in seiner Lösung sehr unüblich ist. Darüber hinaus fand ich viele Wendungen, die ich erstaunt las, da ich sie so nicht erwartet habe und das Ende des Romans setzt dem ganzen noch eine Krone auf und führt dazu, dass der Leser noch einige Zeit an die Geschichte zurückdenkt. Fazit: Henry James Spätwerk Die Kostbarkeiten von Poynton unterscheidet sich zwar von seinen früheren Werken, die Kunst, Personen und Gesellschaften zu analysieren, ist jedoch erhalten geblieben. Er entführt den Leser in eine Geschichte, mit einem sehr eigenartigen Familienkonflikt und schafft es, mit seiner Charakteranalyse zu fesseln. Besonders hervorgehoben werden, muss außerdem die gute Übersetzung.

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Die distinguierte Mrs. Gereth liebt Kunst und erlesene Schönheit. Ihren Landsitz „Poynton Park“ hat sie mit seltenen Kostbarkeiten aus ganz Europa geadelt. Leider geht der Besitz an ihren Sohn Owen über, der kein Auge für Kunst hat, aber dafür Gefallen an der stillosen, aufgedonnerten Mona Brigstock gefunden hat. Undenkbar, den beiden ihr Lebenswerk zu überlassen! Zum Glück hat Mrs. Gereth in der klugen Fleda Vetch eine Komplizin gefunden, die sich als würdige Schwiegertochter erweisen könnte. Mögen die Spiele – mit all ihren Intrigen – beginnen! Henry James zeigt sich als Meister der subtilen, doppelbödigen Gesellschaftsdramen, die mit vielen Wendungen und ironischen Dialogen aufwarten. Seine Charaktere und ihre Beweggründe sind zunächst nicht leicht zu durchschauen, was einen eigenen Reiz ausmacht. Zwischen dem, was sie fühlen und denken und dem, wie sie sich nach außen zeigen und handeln, liegen oft Welten. Kein Wunder, sind sie doch den Zwängen ihrer Zeit unterworfen. Mrs Gereth verkörpert den tragischen Typ der „entthronten, entrechteten Mutter.“ Nach dem englischen Gesetz geht das Haus mit seinen Besitztümern nach dem Tod ihres Mannes an ihren Sohn über. Sie, die ihr ganzes Leben damit verbracht hat, es zu verschönern, muss ihren Platz räumen für eine Schwiegertochter, welche all die Kostbarkeiten nicht zu würdigen weiß. Die nahezu mittellose Fleda Vetch wiederum hat lediglich ihre hohe Moral als Wert anzupreisen. Darum scheut sie davor zurück, die Rolle der Ehebrecherin einzunehmen und einen Mann mit beschädigtem Ruf zu wählen, selbst wenn er das Versprechen gegenüber seiner Verlobten aus Liebe zur Fleda auflösen würde. Für einen männlichen Autor der damaligen Zeit ist es erstaunlich, dass alle handlungsrelevanten Figuren weiblich sind. Owen Gereth dient mehr oder weniger als Spielball zwischen den Fronten. Er wird als wenig intelligent, naiv, aber aufrichtig beschrieben. Ein denkbar geeigneter Spielball also. Und letztlich bleibt den Damen, denen Besitz und Wahlrecht zum ausgehenden 19. Jahrhundert noch versagt sind, gar nichts anderes übrig, als die „tonangebenden“ Männer wie Marionetten für ihre eigenen Interessen zu benutzen. Herausragend ist der Stil von Henry James. Bereits die ersten Seiten sind ein wahrer Genuss für Freunde literarischer Lästereien. In welch erlesenen Phrasen der Autor Mrs. Gereth und Fleda über den fürchterlichen Geschmack der Gastgeber herziehen lässt! Wie „undefinierbare Einrichtungsgegenstände, bei denen es sich um Auszeichnungen für Blinde handeln könnte“, alles zeugt von ihrem „unfehlbaren Instinkt für Desaströses“. Die Kostbarkeiten von Poynton werden in luziden, wohlklingenden Worten gepriesen, bleiben aber wenig greifbar. Sie dienen als allgemeines Symbol für die Begierden der Menschen, für die sie bereit sind, über sich selbst hinauszuwachsen. Abgerundet wird der Plot durch ein Nachwort von Alexander Cammann. Er setzt den 1896 geschriebenen Roman in einen autobiografischen Kontext. Welche konkrete Geschichte hat den Autor inspiriert? Warum ist das Buch eine Neu- und Weiterentwicklung seiner bisherigen Romane? Einige Fakten zu dem in New York geborenen Schriftsteller von Werken wie „Washington Square“ lassen das Gelesene in einem neuen Licht erscheinen. Fazit: 264 Seiten voller meisterlicher Manipulationen, doppelzüngiger Dialoge, Wendungen und Blendungen. Ein literarisches Vergnügen ohnegleichen!

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