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Leserstimmen (80)

Jodi Picoult: Bis ans Ende der Geschichte

Bis ans Ende der Geschichte Blick ins Buch

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-328-10051-5

Erschienen: 22.08.2016
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Dieses Buch lässt den Leser fassungslos zurück

Von: Bookpoint Datum : 21.07.2017

www.book-point.eu/

“Bis ans Ende der Geschichte” war mein erstes Buch von Jodi Picoult und ich muss sagen, dass diese Geschichte meine Erwartungen absolut übertroffen hat. Picoult ist eine wunderbare Autorin, die es nicht nur schafft den Leser mit ihrer Geschichte zu berühren, sondern auch zum Nachdenken anzuregen. Dieser Roman, der ganz still und leise in einer dörflichen Idylle beginnt, entwickelt sich zu einem grandios ausgearbeiteten Roman. Allerdings sagt der Klappentext nichts über die Tragweite dieses Buches aus und schon gar nicht, über das Gefühlschaos, welches dem Leser widerfährt.

Sage Singer arbeitet als Bäckerin in der Bäckerei einer ehemaligen Nonne. Mit ihren 25 Jahren lebt sie sehr zurückgezogen und alleine. Bei einem tragischen Autounfall verlor Sage ihre Mutter und seitdem zeichnet eine Narbe ihr Gesicht. In einer Trauergruppe lernt sie den Neunzigjährigen Josef Weber kennen. Schon nach kurzer Zeit haben die beiden ein sehr enges Verhältnis zueinander und Josef fängt an, Sage seine Geschichte zu erzählen, die bewusst oder unbewusst mit Sages Familiengeschichte verbunden ist.

Zu Beginn der Geschichte hatte ich es ein wenig schwer. Sage schien für mich nicht wirklich greifbar. Josef hingegen war mir schon zu Beginn der Geschichte äußerst sympathisch, bis er seine dunkle Vergangenheit offenbart. Am meisten bewegt hat mich jedoch die Lebensgeschichte von Minka. Wie in den meisten Romanen konnte mich die Vergangenheit mehr mitreißen. Der Roman regt zum Nachdenken an, und immer wenn man denkt, es kann nicht schlimmer werden, setzt die Autorin noch einen obendrauf.

Es gibt in diesem Roman zwei Zeitstränge und vier Perspektiven (Sage, ihre Großmutter Minka, Josef Weber und Leo Stein). Zudem gibt es noch die Kapitel, die aus dem selbst geschriebenen Märchen von Minka bestehen. Dies hat mir besonders gut gefallen. Am Ende der Geschichte fügt sich dann alles zusammen und bildet ein Gesamtwerk.

Fazit: Jodi Picoult hat einen Roman geschrieben, der sehr leise beginnt, sich im Laufe der Geschichte zu einem absoluten Meisterwerk aufbaut und den Leser zum Schluss fassungslos zurücklässt.

Ein Buch, das mich zutiefst aufgewühlt und bewegt hat

Von: Julia Schwaminger Datum : 20.06.2017

www.lektorat-schwaminger.com

Ich muss sagen, dass mich das Buch von Jodi Picoult zutiefst berührt und aufgewühlt hat. Ich fand das Buch eingehend und wichtig und finde, dass es vielleicht sogar als Schullektüre gelesen werden sollte. Aufgrund der Thematik muss ich in diesem Fall auch spoilern. Also, wer das nicht möchte, sollte vielleicht nicht weiterlesen.

Der Roman, den ich nicht einmal richtig in ein Genre einordnen kann, beginnt mit der Protagonistin, Sage Singer. Sage könnte aus der Feder einer Alexandra Potter stammen. Man hat das Gefühl, dass sie in die Ecke Romantic Comedy gehört, was den Kontrast zu dem, was folgt, noch brutaler und einschlägiger macht.

Aber alles der Reihe nach. Sage hatte vor drei Jahren einen Autounfall, bei dem ihr Gesicht (wie sie findet) durch eine Narbe entstellt und ihre an Krebs leidende Mutter schwer verletzt wurde und bald darauf verstarb. Sie gibt sich die Schuld für den Unfall, zieht sich infolgedessen völlig von der Welt zurück und arbeitet nun als Bäckerin, da sie dies nachts und allein tun kann.

Im Laufe des Buches trifft sie einen 95 Jahre alten Deutschen, Josef Weber, der seit fünfzig Jahren unter falschem Namen in der amerikanischen Gemeinde lebt, in der auch Sage aufgewachsen ist. Dieser gewinnt ihr Vertrauen und ihre Freundschaft und bittet sie eines Tages um ihre Hilfe. Er vertraut ihr an, dass er als ehemaliger Nazi während des Zweiten Weltkriegs furchtbare Gräueltaten verübt hat. Er hat Sage ausfindig gemacht, da ihre Familie jüdisch ist, auch wenn sie selbst sich nicht zur Religion bekennt, und er sich von ihr, quasi stellvertretend, Vergebung und den Tod als Gnadenakt erhofft.

Sage kann nicht mit dieser Information umgehen, fühlt sich persönlich angegriffen und wird von dieser Offenbarung und der Bitte um Sterbehilfe, bzw. Mord, erst einmal völlig aus der Bahn geworfen. Letztendlich entscheidet sie sich dafür, die Behörden einzuschalten, damit Josef Weber, wie sich der ehemalige KZ-Funktionär seither nennt, strafrechtlich verfolgt werden kann.

Dies ruft Leo Stein auf den Plan, der in der US-amerikanischen Bundesbehörde für Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit dem Holocaust während des Zweiten Weltkriegs arbeitet. Gemeinsam versuchen Sage und Leo, Josef Weber alias Reiner Hartmann zu überführen.

Dabei erzählt Josef aus seiner Vergangenheit, wobei der Leser seine Erzählungen in der Ich-Perspektive erlebt. Dies ist sowohl für Sage, als auch für den Leser schwer zu ertragen, denn Josefs Sichtweise auf seine Taten damals ist durch den Versuch, sein Ziel zu erreichen und Sage zu einem Mord zu überreden, getrübt. So weiß er, dass er ein Monster ist, aber das hindert ihn nicht daran, sich in gewisser Weise rechtfertigen zu wollen. Seine Erzählungen zeigen schonungslos, dass er ein Monster ist, aber immer soll man das Gefühl haben, dass er seine Taten bereut und er durch das Regime und die Strukturen in Nazideutschland in diese Rolle gedrängt wurde. Zu entscheiden, ob und inwiefern der Täter auch Opfer ist, bleibt dem Leser selbst überlassen.

Allerdings scheint es Josef völlig egal zu sein, dass er Sage mit seiner Bitte in einen moralischen Konflikt bringt und Wunden aufreißt, von denen sie nicht einmal wusste, dass sie existieren. Er sieht Sage nur als Mittel zum Zweck, sie ist für ihn völlig austauschbar. Die Person hinter der Religion interessiert ihn nicht. Das ist in Sages Augen ein Beweis dafür, dass er auch seit dem Ende des Weltkrieges nicht dazugelernt hat, denn er definiert sie rein über ihre jüdischen Wurzeln.

Allerdings hat Sage auch noch eine weitere, sehr persönliche Verbindung zu den Abscheulichkeiten des Holocausts, sowie zu Josef selbst, denn ihre eigene Großmutter, Minka, ist eine Überlebende. Da sie möglicherweise dazu in der Lage ist, Josef als Reiner Hartmann zu identifizieren, bringen Sage und Leo sie dazu, ihre Erlebnisse zu schildern, obwohl sie sich bisher immer geweigert hat, über ihr Martyrium zu sprechen.

Und hier beginnt für den Leser wirklich eine tour de force, die keine Graustufen oder moralische Fragen zurücklässt, wie es bei Josefs Erzählungen der Fall war. Minkas Erzählungen zeigen den Holocaust in all seiner Abscheulichkeit und Grausamkeit. Wenn Minka über ihr Leben im Getto von Lodz, Polen, das Schicksal ihrer Familie, ihre Zeit in verschiedenen Konzentrationslagern und den anschließenden Todesmarsch spricht, erschüttert dies den Leser in seinen Grundfesten und am Ende bleiben nur Tränen.

Dieses Buch ist in den Erzählungen Minkas so lebendig und anschaulich, dass man sich zu keiner Zeit emotional vorbereiten oder zurückziehen kann. Es wird mit jeder Seite schlimmer und Minka muss mit jedem Tag mehr Leid ertragen.

Und als Leser weiß man genau, was kommen wird. Wir wissen, was es bedeutet, wenn Minka aus dem Getto zum Bahnhof gehen muss, um dort in den Zug zu steigen. Wir wissen, welch grausamen Scherz sich die Nazis erlauben, wenn sie Minka anweisen, einen Koffer mitzunehmen, als ginge es für sie in den Urlaub. Wir wissen, was es bedeutet, wenn sie nach Ankunft am „Endbahnhof“ (und ja, mir ist die schreckliche Ironie dieser Formulierung absolut bewusst) in Auschwitz ankommt und sie entweder nach links oder rechts gehen muss.

Wir wissen zwar, dass sie überlebt, denn sonst könnte sie uns ihre Geschichte ja nicht erzählen, aber während ihrer Geschichte sitzt uns trotzdem ständig die Angst im Genick, dass sie eines Tages einfach kein Glück mehr haben wird. Wir sind uns trotz aller Logik, die uns sagt, dass Minka diese unfassbare Grausamkeit und Willkür überleben und ein glückliches Leben führen wird, nicht sicher, rechnen jeden Moment damit, dass es Minkas letzter sein könnte. Dass sie die Schreckensherrschaft der Nazis überlebt, ist reines Glück.

Ich denke, diese ständige Angst und Ungewissheit, was auf der nächsten Seite passiert, was am nächsten Tag auf Minka zukommen wird, sind beabsichtigt, denn so muss sie sich gefühlt haben. Nie sicher, dass sie die nächsten Tage, die nächsten Stunden oder gar Minuten überleben wird. Diese Atmosphäre allein sorgt für mehr als Unbehagen beim Leser.

Dazu kommt noch die brachiale, schonungslose Darstellung der Schicksale von Minkas Familie und Freunden, von denen keiner die Naziherrschaft überlebt. Hier blieb mir vor allem das Schicksal von Minkas Schwester und deren Sohn in Erinnerung und damit einhergehend das Schicksal der Kinder, die ihren Müttern, Vätern, Großmüttern, Großvätern, Tanten, Onkeln, Brüdern und Schwestern entrissen wurden, um im Getto Platz zu schaffen.

Minkas Erzählung enthält so viele grausame, unvorstellbare Passagen, dass es mir sehr schwer fällt, dem Ganzen hier gerecht zu werden. Die Tatsache, dass Minkas Geschichte erfunden ist, ändert nichts daran, dass 6 Millionen Menschen ähnliche Schicksale wirklich widerfahren sind, und das macht es umso schrecklicher, diesen Teil des Buches zu lesen.

Hinzu kommt, wie ich oben schon angedeutet habe, dass die Passagen von Sage, der Enkelin, von einer ganz andere Atmosphäre gezeichnet sind. Sie könnte aus dem Genre Chick Lit stammen, vor allem, wenn man ihre aufkeimende Liebesbeziehung zu Leo Stein und ihre Affäre mit einem verheirateten Mann betrachtet. Der Kontrast zwischen ihrem Leben und dem ihrer Großmutter ist brutal und schwer zu verdauen.

Ich gehe davon aus, dass die Autorin dies absichtlich so gewählt hat, denn es zeigt, wie sich die Welt innerhalb einiger Jahrzehnte verändert hat. Und doch nicht verändert hat, wie Minka einmal selbst anmerkt. So sagt sie, dass die Verbrechen, die damals begangen wurden, in anderen Ländern auch heute noch geschehen. Und wieder kümmert es niemanden.

Das ist meines Erachtens auch eine der Fragen, die das Buch aufwirft, ohne sie beantworten zu können. Was hilft es, sich zu erinnern, wenn die Geschichte sich doch wiederholen darf? Was bringt es, den Verbrechern von damals auf der Spur zu bleiben, wenn sie doch ohnehin schon so alt sind, dass sie der Gerichtsbarkeit womöglich nicht mehr zugeführt werden können?
Fragen, auf die keiner im Buch eine Antwort hat.

Eine andere Frage, mit der sich Sage konfrontiert sieht, ist die Frage, ob Josef es verdient hat, Vergebung zu erfahren. Sie fragt sich aber auch, was es für sie bedeuten würde, wenn sie seiner Bitte nachkommen würde und ihn umbringt. Wird sie damit zu dem gleichen Monster, das er gewesen ist? Ist er noch das gleiche Monster oder hat er sich geändert? Bleibt ein Mensch immer schlecht, weil er etwas Schlechtes getan hat oder können sich die Menschen ändern? Was sagt es über sie aus, wenn sie nicht glauben kann, dass ein Mensch sich ändert? Was sagt es andererseits über sie aus, wenn sie ihm die Bitte verweigert? Ist es falsch von ihr, einem alten Mann seinen Wunsch nach Vergebung zu verweigern? Können Täter auch gleichzeitig Opfer sein? Oder kann man alle Deutschen über einen Kamm scheren, und als Kriegsverbrecher sehen? Macht sie das nicht genauso bigott wie es die Nazis waren?
Fragen, auf die Sage keine Antwort hat.

Wie sie letztendlich mit diesem Dilemma umgeht, möchte ich nicht verraten. Ich weiß nur, dass ich nichts weiß und nur hoffen kann, dass ich niemals in irgendeine der im Buch geschilderten Situationen komme.

Stattdessen tue ich das Einzige, das mir sinnvoll erscheint: Dankbar dafür sein, dass ich in einer sicheren Welt ohne Angst aufwachsen durfte und niemals mit Leid solcher Art in Berührung kam. Und darum beten, dass ich dieses Privileg und Glück niemals verlieren werde.

Klare Kaufempfehlung!

Sehr bewegende Geschichte

Von: Sarahs Bücherregal Datum : 15.05.2017

https://sarahs-buecherregal.blogspot.com

Sage Singer arbeitet als Bäckerin am liebsten nachts. Auch um sich zu verstecken, denn seit einem Autounfall trägt sie eine große Narbe im Gesicht. Zudem hat sie schon jung beide Eltern verloren, ein Schicksalsschlag mit dem sie nur schwer umgehen kann. In einer Trauergruppe lernt sie den über 90-Jährigen Josef Weber kennen und freundet sich mit dem freundlichen Mann an, der so viel Verständnis für sie zu haben scheint. Doch eines Tages erzählt er ihr von seinem dunkelsten Geheimnis, verbunden mit einer Bitte, die Sage unerfüllbar scheint. Sie muss sich damit auseinandersetzen, wie man Unaussprechliches vergeben soll und inwieweit der Mensch eigentlich ein Anrecht auf Gnade hat.
Jodi Picoult hat mit „Bis ans Ende der Geschichte“ wieder eine unglaublich bewegende und warmherzige Geschichte geschrieben, die einen als Leser beeindruckt und bewegt. Sage hat schon viel in ihrem Leben mitmachen müssen und wird durch Josef Webers Geständnis auch mit der eigenen Familiengeschichte konfrontiert. Sie wird in ein moralisches Dilemma katapultiert, das ihre eigenen Probleme in den Hintergrund schiebt und ihr trotz aller Schwierigkeiten neues Selbstbewusstsein gibt, was ich sehr faszinierend fand. Picoult beschreibt die ganze Geschichte äußerst glaubwürdig. Sie setzt sich in dem Buch nicht nur mit Sage und ihrer Familie auseinander, die jüdischen Glaubens ist, aber diesen Glauben fast nie praktiziert hat. Sie zeigt auch, dass dieses Buch sehr viel Recherche voraussetzt, denn die Passagen über den Holocaust sind derart detailliert und gleichzeitig glaubwürdig geschildert, das die Autorin vermutlich viel Zeit investieren musste, um diese so gestalten zu können.

Jodi Picoult hat ein besonderes Talent für Bücher, die noch lange in einem nachhallen. Sie verbindet auf wunderbare Weise einen spannenden und flüssigen Schreibstil mit tiefgehenden Themen, die einen beim Lesen sehr bewegen. Für mich ist das ein absolutes Ausnahmetalent und so kann ich auch „Bis ans der Ende der Geschichte“ nur uneingeschränkt allen weiterempfehlen.

Damit hätte ich nicht gerechnet

Von: Stephi Datum : 11.05.2017

www.stephienchen.de

Ich habe mich von dem Cover und dem Klappentext irreführen lassen und hatte eine „schöne“ und fröhliche Geschichte erwartet und auf keinen Fall eine Buch, dass sich mit dem Thema Holocaust beschäftigt. Das hätte ich gerne vorher gewusst. Ansonsten ist die Geschichte zwar sehr schwer verdaulich, aber wirklich großartig erzählt. Man erfährt das Ganze aus drei Perspektiven: Die Jetztzeit von Sage und die Vergangenheit von Leo sowie Sages Großmutter. Dabei kommen immer abwechselt Sage und Leo zu Wort. Das gefällt mir sehr gut. Und das Buch macht wirklich wieder einmal auf erschreckende Art und Weise deutlich, wie grausam der Holocaust war und zwingt den Leser sich damit auseinander zu setzten. Und ein so schweres Buch wollte ich eigentlich gerade gar nicht lesen, Wer aber darum weiß und sich bewusste dafür entscheidet, dem kann ich das Buch sehr empfehlen.

Bis ans Ende der Geschichte - Jodi Picoult

Von: Miss Unicorn Datum : 09.05.2017

xmissxunicornx.blogspot.de/

"Was ergibt es für einen Sinn, Gefühle aufs Papier zu bringen, die viel zu komplex, zu gewaltig, zu überwältigend sind, um in ein Alphabet gepresst zu werden?" (s. S.429)
Die Frage aus dem Buch kann auch ich nicht beantworten, aber ich weiß, dass Jodi Picoult es in diesem Buch geschafft hat, komplexe, gewaltige und überwältigende Emotionen und Gedanken in ein Alphabet zu pressen. Ihr Schreibstil war wunderschön und ich habe gefühlt jeden zweiten Satz angestrichen, während Tränen über mein Gesicht liefen.

Die Lebensgeschichte von Josef und auch von Minka haben mir beide das Herz gebrochen, weil sie so fesselnd und ehrlich geschrieben waren. Minka ist eine Jüdin, die zu Zeiten des Nationalsozialismus in ein Konzentrationslager gebracht wurde. Oft saß ich nach einem Kapitel einfach da und musste weinen oder habe einfach in die Leere gestarrt, weil ich diese Zeit schrecklich finde und kein Wort finden könnte, dass den Schmerz von Minka und auch allen anderen Juden beschreiben könnte.

Minka schrieb als junges Mädchen eine Geschichte mit der Protagonistin Ania. Allein diese Idee finde ich schon hervorragend, denn der Leser kann ebenfalls die ganze Geschichte von Ania lesen. Diese ist genauso fesselnd und spannend, wie die eigentliche Geschichte rund um Sage Singer.


An sich ist die Atmosphäre im Buch, neben den Kapiteln zur NS-Zeit, sehr ruhig. Es gibt nicht viel Spannung, weshalb mir bei einem 576-Seiten manchmal etwas die Lust am Lesen fehlte bzw. hat es mich nicht immer komplett umgehauen und es war ein wenig langweilig. Doch dafür das es eine "ruhige" Geschichte ist, wird es vor allem zum Ende hin sehr, sehr spannend. Ich habe das letzte Kapitel zweimal gelesen, weil ich nicht fassen konnte, wie das ganze geendet hat, doch um das zu erfahren, müsst ihr das Buch selber lesen!

Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte

Von: Bücherparadies Datum : 24.04.2017

buecherparadies.eu

Das Thema Holocaust ist einfach schrecklich, ob man es erlebt hat oder nicht, man mag es sich nicht vorstellen. Die bekannte Autorin greift das Thema auf in ihrer Geschichte rund um Sage Singer und Josef Weber.

Sage ist eine junge Bäckerin, sie übt ihren Beruf mit Leidenschaft aus. Sie lernt den überall beliebten pensionierten Lehrer Josef Weber kennen. Doch trotz ihres großes Altersunterschiedes entwickelt sich eine Freundschaft zwischen ihnen - bis sie hinter sein Geheimnis kommt. Er bittet sie um einen großen Gefallen, welchen sie ihm eigentlich nicht erfüllen kann. Wenn sie es tut, hat das nicht nur moralische sondern auch gesetzliche Folgen. Sie steht vor einem Dilemma, denn wo sind die Grenzen zwischen Verbrechen, Vergehen, Gerechtigkeit, Vergebung oder Gnade?

Also gleich vorweg - das ist keine Lektüre für Zwischendurch. Sie geht unter die Haut und hinterlässt auch große Beklemmung. Wer hier dem Klappentext folgt, kann sich nicht ganz sicher sein, was ihn erwartet. Es fehlt der entscheidende Hinweis, dass es eine Geschichte aus dem Holocaus ist. Eigentlich ist es eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte. Wir haben hier die junge Sage, eine Jüdin, die mit dem Judentum eigenlich gar nichts groß zu tun haben will. Sie schanzt sich von der Menschheit ab, indem sie nachts bäckt, wo sie niemandem über den Weg läuft. Das tut sie, weil eine Narbe ihr Gesicht verunziert und sie sich absolut hässlich fühlt und das niemandem antun möchte. Dennoch hat sie eine Affäre mit einem verheirateten Mann, der sie scheinbar hübsch findet und sie auch liebt. Eigentlich ist sie bodenständig, intelligent und fest ins Leben integriert. In einer ihrer Schicht lernt sie Josef kennen, den alten pensionierten Lehrer. Sie trifft sich öfters mit ihm und auch bei ihm daheim zum Kaffee. So bittet er sie um einen Gefallen und erzählt ihr aus seiner Vergangenheit, wie er dem Reich gedient hat. Da erinnert sie sich, dass ihre Großmutter Opfer des Holocaust war, eine Überlebende hiervorn ist. Sie hört sich auch ihre Geschichte an, als diese sie erzählt.

Mich selbst hat etwas gestört, dass der Hinweis auf dem Klappentext fehlt, um was speziell es hier geht, nämlich dem Holocaust. Doch vielmehr geht es um die Schuldfrage, um die Vergebung und Gnade und was verzeihbar ist und was nicht, was ist gerechtfertigt? Die Geschichte ist ohne Frage schwer vedaulich, wenn man sich richtig hineinliest. Sie ist keine leichte Lektüre, zumal es drei verschiedene Geschichten in einer sind. Einmal das Heute, das Damals und dann wäre da noch die Geschichte der Oma, die diese geschrieben hat. Alles gehört natürlich zusammen und muss auch so sein, dennoch hinterlassen allesamt ein beklemmendes Gefühl, mir selbst ist hier und da ein Tränchen gekommen. Denn so traurig es auch ist, es ist noch trauriger, dass dies tatsächlich passiert ist.

Die Autorin schreibt wie immer flüssig, locker und man kann sich total mit der Protagonistin identifizieren. Sie hat hier ein schwieriges, moralisches Thema aufgegriffen. Man findet zwar leicht hinein, aber nur schwer wieder hinaus. Ich wusste jetzt lange nicht, wie oder was ich dazu schreiben soll, es hat mich doch sehr mitgenommen - denn die Geschichte ist auch ein Teil unserer Geschichte. Manchmal kam es mir auch in die Länge gezogen vor, so dass es den Lesefluss etwas gestoppt hat.

Empfehlen kann ich dieses Buch denen, die wissen, worauf sie sich einlassen und nicht ganz so schwache Nerven in Hinsicht auf unsere Geschichte haben.

Bis ans Ende der Geschichte- Rührende und großartige Lektüre

Von: lauraihrebücherwelt Datum : 17.03.2017

https://www.instagram.com/lauraisabellek/

Wie man es von Picoult gewohnt ist, wird der Roman aus verschiedenen Erzählperspektiven geschildert.Es wird aus zwei perespektiven erzählt, heute und damals die Geschichte von ihrer Großmutter.Man erhält einen Einblick in die ganze Zeit.

Man kann im Buch den Verschiedenen Charakteren sehr gut folgen, was das Lesen für mich sehr erleichtert hat :)


Jodi Picoult lässt in "Bis ans Ende der Geschichte" abwechselnd Sage Singer und Leo Stein erzählen. Sages Großmutter Minka Singer erinnert sich an ihre schrecklichen Erlebnisse in Lodz und in Konzentrations- bzw. Vernichtungslagern.Der Greis Josef Weber redet über die Vergangenheit und seine Zeit als SS-Offizier in Auschwitz.

Es ist ein wichtiges Thema, welches nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Das Cover ist jedoch etwas verwirrend, es sieht so farbenfroh und "glücklich" aus, obwohl die Gechichte dahinter total heftig ist.

Die Erzählstile werden sehr passend miteinander verbunden und ergeben ein erschütterndes und hochemotionales Lesewerk. Der Roman hatmich an vielen Stellen sehr mitgenommen,sodass ich erst einmal pausieren musste.


"Bis ans Ende der Geschichte" ist ein großartiger Roman, den man unbedingt lesen sollte und über den man noch lange nachdenken wird.

Mein Fazit: Das Buch regt zum Nachdenken an und sollte zur Pflichtlektüre in jeder Schule werden. Werden Die Kinder und Jugendlichen heute noch über den Krieg Informiert ? Das Buch beschönigt nichts, und zeigt wieder einmal auf wie gut es uns in der heutigen Zeit geht und wir dies schätzen sollten.

Das klingt noch lange nach

Von: Seite 101 Datum : 14.03.2017

www.seite101.de

Ich nehme dieses Buch in die Hand und allein der Einband sagt mir eigentlich, dass kann ja nur eine leichte Liebeslektüre von Autorin Jodi Picoult sein. Blaue, verspielte Zweige auf einem cremefarbenen Hintergrund. Zwei Vögelchen, die sich anschauen. Verspielte Schrift beim Titel des Buches.
Auch der Klappentext verrät nicht viel. Nur das ich die Geschichte von Sage Singer geboten kriege, die Bäckerin ist und eine ungewöhnliche Freundschaft beginnt.
Ja, genauso startet das Buch. In einer Trauergruppe. Da ist der Stoff schon nicht mehr ganz so leicht. Es wird über Verstorbene geredet, wie jeder mit der Trauer umgeht und wie man sie bewältigt. Dabei hat jeder seinen ganz eigenen Weg.
Und die Freundschaft zwischen Sage Singer und Josef Weber nimmt seinen Anfang. Und obwohl Josef fast schon ihr Uropa sein könnte, verstehen sie sich sehr gut.
Auch hier ahne ich noch nicht, wohin sich die Geschichte entwickelt.
Bis zum großen Knall. Josef offenbart Sage, er sei ein SS-Soldat gewesen, habe Juden getötet und wolle nun selbst sterben.
Uff, ich musste beim Lesen kurz schlucken, denn nun begann die Geschichte. Ziemlich passend ab Seite 100. Und ich las.
Seite um Seite baut Jodi Picoult die Geschichte auf. Sehr sensibel und mit dem richtigen Spagat zwischen Nähe und Distanz zum Thema 2. Weltkrieg und Judenverfolgung.
Die Autorin gibt jedem Protagonist Raum seine Sichtweise zu schildern.
Ich bin zwischen den einzelnen Charakteren hin- und hergerissen. Bekomme Empfindungen und Gefühle mit, und hinterfrage auch stets meine Sicht und mein Verständnis der Geschehnisse. Verjährt Schuld? Wer hat Schuld, kann man solche Verbrechen vergeben und wer sollte diese Taten vergeben?
Ein ergreifendes und packendes Buch, welches an die menschliche Moral appelliert und es schafft, noch lange in einem nachzuklingen.
Ganz klar 5 Eselsöhrchen von mir und eine noch viel klarere „Must-dringend-Read-jeder“-Leseempfehlung.

Die Vergangenheit ist immer da

Von: Sandra Matteotti Datum : 04.03.2017

denkzeiten.com

Sage Singer hat ihre Mutter bei einem Autounfall verloren und ist seit da durch eine Narbe gezeichnet. Sie entzieht sich gerne den Menschen, so dass ihr der Beruf der Bäckerin, den sie mit Leidenschaft ausübt, gerade recht kommt. Regelmässig besucht sie eine Trauer-Selbsthilfegruppe, wo sie auf Josef trifft. Josef ist auch Kunde in der Bäckerei, in der Sage arbeitet. Immer sitzt er da mit seinem Dackel und hat sein kleines Notizbuch auf dem Tisch.

Zwischen Josef und Sage entsteht eine Freundschaft. Beide waren sie allein, beide fühlen sie sich verstanden.

Es ist ein Unterschied, ob man die Vergangenheit mit jemandem teilt oder sie allein durchlebt. Es fühlt sich weniger nach Wunde, eher nach Verband an.

Eines Tages bittet Josef Sage um einen Gefallen: Sie soll ihn umbringen. Er erzählt ihr von seiner Vergangenheit als SS-Soldat. Sein Tod soll Sühne sein für seine Schuld. Sage steht vor einem Dilemma. Ist die Erfüllung dieses Wunsches moralisch legitim? Gesetzlich ist sie sicher nicht.

Bis ans Ende der Geschichte ist ein sehr vielschichtiger Roman. Er behandelt die unterschiedlichsten Themen, die alle für sich romanfüllend gewesen wären: Trauer nach einem Verlust, der Umgang mit eigenen Schwächen, Vergangenheitsbewältigung nach dem Holocaust – auf beiden Seiten, denn Sages Grossmutter ist eine Überlebende des Regimes.

Jodi Picoult schafft es, sehr glaubwürdige und stimmige Charaktere zu erschaffen, die alle ihre Geschichten als Erzählstränge in den Roman einbringen und diese langsam zu einem Netz weben. Das Buch regt zum Nachdenken an, es stellt viele ethische Fragen, auf die man Antworten finden muss und will.

Ab und an hat der Roman Längen, ganze Abschnitte erscheinen als sehr weit hergeholt und wenig zielführend, haben aber am Schluss ihren Sinn im Ganzen. Ein sehr durchdachtes, gut durchkomponiertes literarisches Werk, das sich dann und wann etwas zu sehr in die Länge zieht durch die Beschreibung zu vieler Details. Damit steht Jodi Picoult aber nicht alleine da, diese – wenn man es denn so nennen will – Schwäche teilt sie mit ganz Grossen der Literatur.

Fazit:
Ein kunstvoll durchkomponiertes, mit plastischen Figuren beseeltes, zum Nachdenken anregendes Werk, das einige Längen aufweist. Sehr empfehlenswert.

Intensiv.

Von: Marnie7412 Datum : 24.02.2017

marnieblogtallerhand.wordpress.com

Inhalt.

Der Klappentext verrät nichts darüber, was den Leser wirklich erwartet. Jodi Picoult hat wieder sehr gut recherchiert. Das ist der zweite Roman, den ich von ihr lese, nur dass dieser mich noch mehr beschäftigt hat. Er ist sehr intensiv. Geht richtig unter die Haut. Und hat mich noch Tage später beschäftigt. Denn es geht um den zweiten Weltkrieg.

Josef verbirgt ein Schreckliches Geheimnis. Als er sich Sage öffnet und um einen Gefallen bittet ist sie zutiefst erschüttert. Denn Josef arbeitete im KZ Auschwitz. Genau in jenem, in welchem Sage’s Großmutter war. Was aber Josef nicht weiß.

Sage meldet Josef den Behörden. Und lernt dabei Leo kennen. Den für Kriegsverbrechen zuständigen FBI Agenten. Beide tauchen in die Geschichte von Sage’s Großmutter und Josef Weber ein.

Fazit.

Ein sehr intensiver Roman, der unter die Haut geht. Perfekt recherchiert und schonungslos offen geschrieben.

Ich habe, nachdem ich den Klappentext gelesen habe, mit allem gerechnet. Nur nicht mit solch einer dramatischen Geschichte.

Dafür gibt es

�� �� �� �� ��

Gefühlswirrwarr

Von: Steffi Datum : 23.02.2017

https://stannis-livingbook.blogspot.de/

Inhalt

Sage Singer ist eine junge Bäckerin. Sie hat ihre Mutter bei einem Autounfall verloren und fühlt sich schuldig, weil sie den Wagen gelenkt hat. Um den Verlust zu verarbeiten, nimmt sie an einer Trauergruppe teil. Dort lernt sie den 90jährigen Josef Weber kennen. Trotz des großen Altersunterschieds haben Sage und Josef ein Gespür für die verdeckten Wunden des anderen, und es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Als Josef ihr eines Tages ein lang verschwiegenes, entsetzliches Geheimnis verrät, bittet er Sage um einen schwerwiegenden Gefallen. Wenn sie einwilligt, hat das allerdings nicht nur moralische, sondern auch gesetzliche Konsequenzen. Sage steht vor einem moralischen Dilemma: Denn wo befindet sich die Grenze zwischen Hilfe und einem Vergehen, Strafe und Gerechtigkeit, Vergebung und Gnade?

Cover
Das Cover ist sehr schlicht und schön. Die Farben sind sehr passend. Da die Geschichte sehr düster ist, finde ich das Cover ein bisschen zu fröhlich.

Meinung
Jodi Picoult hatte mich sofort mit ihrem Schreibstil, der eine eigene Leichtigkeit hat, gefangen genommen.

Diese Geschichte ist wirklich mal anders, und hat mich sehr schnell Gefühlsmäßig eingeholt. Man kann sich als Leser wirklich in diesen Gefühlen und Emotionen verlieren.
Dieses Buch ist in verschiedenen Perspektiven geschrieben, die jede einen eigene Schriftart bekommen hat, so weiß man als Leser, wer gerade denkt!
Die Charaktere sind sehr gut beschrieben. Man bekommt sehr viele Eindrücke von verschiedenen Personen. Die Freundschaft der beiden ist sehr außergewöhnlich und hat mich am meisten begeistert.
Leider kann ich sonst nicht viel sagen sonst könnte ich nicht mehr aufhören zu Spoilern!
Es ist eine sehr gefühlvolle Geschichte die mich von Anfang an in ihrem Bann gezogen hat. Ich habe selten ein Buch mit so einer Story gelesen.

5/5 Sterne!

Eine intensive Thematik

Von: Kathaflauschi Datum : 25.01.2017

kathaflauschi.blogspot.de/

Wie gewohnt, ist diese Geschichte von Jodi Picoult sehr intensiv. Dieser Roman umfasst wieder eine Menge an Seiten, die man einfach, durch die ganze Geschichte, vergisst. Man ist so schnell mit dem Buch durch. Das Buch ist in drei Teilen aufgeteilt. Sages Großmutter hat mir dabei sehr gut gefallen. Sie steht für stellvertretend für jede polnische Jüdin dieser Zeit und man ist sich beim Lesen bewusst, wie so ein Schicksal ausgesehen haben könnte. Ein großen Respekt dabei an Jodi Picoult, sie muss dabei ganz viel recherchiert haben. Auch ihre Charakter stellt sie ziemlich neutral dar, weder gut noch böse.
Der Klappentext verspricht schon ein lang vergrabenes Geheimnis, geht aber nicht weiter darauf ein, in welche Richtung das Geheimnis geht. Die ganze Geschichte ruft die unterschiedlichsten Emotionen hervor. Ich fand das Ende einfach nur überwältigend und war total überrascht. Die Thematik ist aufwühlend, emotional und ernst. Man beschäftigt durch das Buch automatisch mehr, mit der damaligen Zeit. Ich war schlicht und einfach fassungslos, über die Schicksale der Zeit. Dennoch gibt es auch noch Hoffnungen, wie man mit diesen Erlebnissen leben kann.

Ein Buch über den zweiten Weltkrieg, etwas so schreckliches dass wir nie vergessen dürfen und das sich niemals wiederholen darf.

Von: MoneP Datum : 18.01.2017

www.gq-magazin.de/auto-technik/promotion/live-it-in-style-es-geht-rund-mit-dem-htc-one-m9

Ich bekam hier ein anderes Buch zu lesen, als ich erwartet hätte. Dieses Buch fängt ruhig und harmlos an und geht dann so in die Tiefe, dass man viele Dinge im Leben hinterfragt. Hier geht es um den zweiten Weltkrieg. Dies sollte man immer erwähnen in einem Klappentext. Trotz, das ich nicht auf diese Art von Lektüre gefasst war, fesselte mich das Buch. Natürlich war es harte Kost, die sich aber durch den tollen Schreibstil sehr gut lesen lies. In dem Buch geht es hauptsächlich um vier Charaktere. Sage, ihre Oma, Josef Weber und Leo Stein.
Diese vier sind so unterschiedlich und doch kreuzen sich ihre Wege in diesem Buch. Josef Weber erzählt Sage grausame Dinge, die er im zweiten Weltkrieg getan hat, doch kann man ihm wirklich vertrauen? Wer stellt sich nach so vielen Jahren selber an den Pranger?
Minka, Sages Oma hingegen ist eine Überlebende des Holocaust und verdrängt ihre Erlebnisse eher. Wir alle hatten (hoffentlich) den zweiten Weltkrieg in Geschichte und selbst damals in meiner Jugend verstand ich einfach nicht, wie Menschen anderen Menschen so etwas antun können. Doch hier in dem Buch, waren die Erläuterungen wirklich sehr grausam. Ich selber kann so etwas nicht nachvollziehen. Vielleicht können wir diese Taten erahnen, die damals geschehen sind, aber richtig nachvollziehen können dies wohl wirklich nur Überlebende.
Sollen Kriegsverbrecher auch heute noch verurteilt werden? Ja! Sie haben etwas grausames, unvorstellbares getan. Wie könnte man dies nicht verurteilen? Nur weil der zweite Weltkrieg schon lange vorbei ist? Das macht die Tat nicht weniger schlimm. Die Frage, die sich mir immer wieder beim lesen dieses Buches stellte, was: Hatten die Jugendlichen damals eine große Wahl in die Hitler Jugend zu gehen und später in die SS? Versteht mich nicht falsch, ich verachte diese Menschen und trotzdem mache ich mir Gedanken darum. Hatten sie die Wahl, die wir heute haben? Was wurde damals alternativ noch angeboten? Haben die Eltern vielleicht einen Teil dazu beigetragen oder empfanden die Deutschen dies damals als richtig? Hätte es etwas geändert, wenn ein einzelner sich geweigert hätte? Hätte dies den Krieg verhindern können? Ich denke diese Fragen muss jeder für sich beantworten. Eins ist klar. Damals, wie heute ist es die Entscheidung eines jeden einzelnen, jemanden zu töten oder eben nicht. Dafür kann man keinen anderen verantwortlich machen. Und jeder, der ein solches verbrechen begeht, gehört bestraft.

Meiner Meinung nach sollte ein solches Buch zur Pflichtlektüre in jeder Schule werden. Werden die Kinder/ Jugendlichen heute überhaupt noch vernünftig über die Kriege aufgeklärt?! Natürlich ist dies hier kein Humorvolles Buch, sondern ein Buch das uns zum nachdenken anregt, wie gut es uns heute doch geht und wie tragisch unsere Geschichte war.

Bis ans Ende der Geschichte

Von: Marlene Datum : 10.01.2017

marlene-bloggt.blogspot.com/

Vorsicht Spoiler!


Zugegeben, am Anfang hört es sich noch nach einem typischen Liebesroman an. Sage ist Mitte 20, arbeitet in einer kleinen Bäckerei und erzählt aus ihrem Leben. Doch spätestens nach den ersten 20 Seiten bekommt man einen ganz anderen Blickwinkel auf die vorherrschende Situation. Plötzlich stellt sich der deutlich ältere Josef Weber in ihr Leben und von einen auf den anderen Tag bekommt nicht nur Sages Leben eine andere Bedeutung, sondern auch die Bedeutung des gesamten Buches ändert sich. Ich möchte nicht zuviel vorwegnehmen, aber das große Geheimnis handelt um die Holocaust Geschehnisse in Deutschland. Sages Geschichte? Wird zur Nebensache. Besonders intensiv wird die Geschichte von Sages Großmutter Minka, einer polnischen Jüdin, erzählt. Im Gegensatz zu dieser Geschichte steht Josef Weber, über mehrere Seiten bekommt man auch Einblicke in seine Vergangenheit. Schlussendlich gibt es auch noch Adam und Leo, welche beide in mehr oder weniger guter Verbindung mit Sage fungieren. Um ehrlich zu sein, fand ich diese kleine Liebesgeschichte zwar nett, jedoch lag der Mittelpunkt meines Erachtens nach auf den Geschehnissen rund um Josef, Minka und Sage.

Im Großen und Ganzen bin ich einfach nur überwältigt. Durch intensive Schilderungen konnte ich mich beim Lesen sehr gut in bestimmte Positionen der Charaktere hineinversetzten. Es fühlte sich alles sehr real, aber somit auch gleichzeitig sehr grausam an. Picoult hat für diesen Roman sehr viel recherchiert und konnte somit bestimmte Geschehnisse der NS-Zeit sehr detailreich wiedergeben, dies führt zu einer noch besseren Intensivierung der Geschichte. Trotz all dieser schlimmen Schicksale ist es aber kein Buch das einen selbst sehr belastet. Natürlich denkt man viel darüber nach (Sehr viel!), aber durch mehrfache Spannungsbögen möchte man das Buch einfach nicht mehr weglegen.

Um ehrlich zu sein, möchte ich dieses Buch gar nicht mehr missen. Noch Tage danach denke ich über manche Situationen von Minka, Sage oder Josef nach. Jodi Picoult hat es mit "Bis and Ende der Geschichte" geschafft, ein neues Lieblingsbuch in meinem Bücherregal zu schaffen.

Ein Roman, den man nicht vergisst

Von: eulenmatz liest Datum : 04.01.2017

https://eulenmatz-liest.com/

INHALT:
Sage Singer ist eine junge, leidenschaftliche Bäckerin. Als sie den allseits beliebten pensionierten Lehrer Josef Weber kennenlernt, entwickelt sich trotz des großen Altersunterschieds eine enge Freundschaft zwischen ihnen. Doch als Josef ihr eines Tages ein lange vergrabenes, schreckliches Geheimnis verrät, bittet er Sage um einen schwerwiegenden Gefallen. Wenn sie einwilligt, hat das allerdings nicht nur moralische, sondern auch gesetzliche Konsequenzen. Sage steht vor einem Dilemma. Denn wo verläuft die Grenze zwischen Hilfe und einem Vergehen, Strafe und Gerechtigkeit, Vergebung und Gnade?

MEINUNG:
Dieses Buch lässt sich eigentlich mit einem Wort gut beschreiben: Intensiv. Wie so häufig bei Jodi Picoults Romanen umfasst auch dieser Roman wieder eine Menge an Seiten. Nach meiner Meinung hätten es auch noch mehr sein können. Hier waren einfach keine Seite und kein Wort zu viel. Ich habe fast alle auf Deutsch erschienenen Romane von ihr gelesen und in diesem Jahr ist es auch schon mein drittes Buch und wieder war es ganz anders.

Der Klappentext verrät nicht, was für eine große Thematik diesem Roman zu Grunde liegt. An dieser Stelle muss ich dies vorweg greifen, denn sonst fällt es sehr schwer, dass Buch zu rezensieren. Josef Weber ist ein ehemaliger Nazi-Offizier und Sages Großmutter ist eine polnische Jüdin, die im Konzentrationslager gewesen ist.

Die Geschichte von Sage Großmutter dominiert in meinen Augen fast den ganzen Roman, der in drei Teile aufgeteilt ist. Die Geschichte hat mich am meisten berührt und gleichzeitig schockiert. Die Handlung um Sage ist dabei fast zur Nebensache geworden, obwohl auch sie ihre Probleme hat. Die Freundschaft zwischen Josef und ihr fand ich weniger gut ausgearbeitet, obwohl später klar wird, warum er Sage ausgewählt hat. Dadurch, dass Sage sich an das FBI wendet, um Josef zu melden oder zu verraten (kann man sehen wie man möchte), bekommt man auch Einblick in die Spezialabteilung, die in den USA für solche Verbrechen zuständig ist. Hier lernt Sage auch Leo Stein, den zuständigen FBI-Agenten kennen. Die Liebesgeschichte hätte in meinen Augen nicht sein müssen, war aber auch in Ordnung und den beiden auch vergönnt.

Meiner Meinung nach muss man gar keine fiktiven Horror-Geschichten schreiben und lesen, der Holocaust bietet genug Geschichten, die einen fassungslos und verstört zurück lassen. Jodi Picoult beweist wieder eine exzellente Recherche. Auch wenn es Sages Großmutter nicht wirklich gegeben hat, steht sie stellvertretend für jede polnische Jüdin dieser Zeit und man ist sich beim Lesen bewusst, dass so ein Schicksal ausgesehen haben könnte. Jodi Picoult greift auch die Thematik der Aufarbeitung auf. Dabei stellt sie heraus, dass jeder und jede Überlebende anders mit den Geschehnissen umgeht und das man dies respektieren muss.

Jodi Picoult stellt ihre Charaktere in ihren Romane häufig so dar, dass es keiner wirklich ausschließlich gut oder ausschließlich böse ist. Im Verlauf ihrer Romane gerate ich immer mehr in den Zwiespalt, dass ich mich nicht wirklich für eine Seite entscheiden kann. Diesmal war es anders. Es fällt schwer mit einem Nazi Mitleid zu haben, auch wenn Picoult sehr ausführlich aufgezeigt hat, wie man dort damals quasi „reingerutscht“ und wenig Möglichkeiten hatte sich der Gehirnwäsche zu entziehen.

Am Ende gibt es eine Wendung, die ich aber schon voraus gesehen habe, was nicht schlimm war. Doch sie hat großen Einfluss auf Sages Entscheidung bzw. auf das, was danach kommt. Mir hat am Ende die Aufarbeitung von Sages letztendlicher Entscheidung gefehlt, denn damit muss sie jetzt leben. Ich bin auch jetzt noch zwiegespalten, ob es die richtige war.

Das Buch schockiert und berührt einen. Man ist schlicht und einfach fassungslos, auch wenn schon häufig über die Schicksale dieser Zeit gelesen hat. Mich schockiert es immer wieder aufs Neue. Dennoch gibt es auch Hoffnung, wie man diesen Erlebnissen leben kann. Die Frage, die Picoult in diesem Roman aufwirft ist: Ist man auf ewig ein schlechter Mensch, nur weil man einmal oder eine Zeitlang etwas getan hat, was falsch war? Kann man solchen Menschen verzeihen? Fragen, die nicht so richtig zu beantworten sind.

FAZIT:
Jodi Picoult hat mal wieder bewiesen, dass sie es kann und dass sie nicht umsonst eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen ist. Trotz einiger kleiner Kritikpunkte hat mich dieses Buch von der ersten Seite an gefangen genommen und wir in mir noch lange nachhallen, was natürlich auch der Thematik des Buches geschuldet ist.
Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Eine Geschichte, die unter die Haut geht

Von: Lenny Datum : 02.01.2017

listen-to-lenny.blogspot.de/

Klappentext laut Amazon:
Sage Singer ist eine junge, leidenschaftliche Bäckerin. Als sie den allseits beliebten pensionierten Lehrer Josef Weber kennenlernt, entwickelt sich trotz des großen Altersunterschieds eine enge Freundschaft zwischen ihnen. Doch als Josef ihr eines Tages ein lange vergrabenes, schreckliches Geheimnis verrät, bittet er Sage um einen schwerwiegenden Gefallen. Wenn sie einwilligt, hat das allerdings nicht nur moralische, sondern auch gesetzliche Konsequenzen. Sage steht vor einem Dilemma. Denn wo verläuft die Grenze zwischen Hilfe und einem Vergehen, Strafe und Gerechtigkeit, Vergebung und Gnade?


Meine Meinung:
Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt - ein herzliches Dankeschön dafür!

Ich wusste gar nicht, was mich hier erwartet. Der Klappentext spricht zwar von einem lang vergrabenen Geheimnis, welches zum Vorschein kommt, geht aber nicht darauf ein, in welche Richtung dieses Geheimnis gehen soll. Deshalb fing ich mit der Geschichte an, ohne zu wissen, wo es mich hinführen wird und am Ende stand ich da und war einfach nur überwältigt von einem Roman, welcher mich ganz tief bewegte und die unterschiedlichsten Emotionen hervorrief.

Es fällt mir zum ersten Mal schwer, den Inhalt kurz und bündig zusammenzufassen, da die Autorin mehrere Handlungsstränge erzählt, die am Ende wirklich perfekt zusammen kommen und ganz hervorragend miteinander harmonieren - literarisch ist das wirklich auf der allerhöchsten Messlatte und verdient einfach Respekt. Im Wesentlichen geht es um Sage Singer, eine Bäckerin, die ein sehr geringes Selbstwertgefühl hat und sich deshalb auch nicht wirklich traut, ihr Leben zu leben. Diese lernt den bereits pensionierten Lehrer Josef kennen, der ihr Leben aufgrund des angesprochenen Geheimnisses von Grund auf ändert. Hinzu kommt die Lebensgeschichte von Sage's Großmutter und deren fiktive Geschichte, die im Roman als das Buch der Großmutter vorgestellt wird. Insgesamt erhält man so also vier bis fünf Erzählstränge, die alle unterschiedlicher nicht sein könnten, aber trotzdem zusammen ein eindrucksvolles Bild ergeben.

Sage als Hauptfigur war für mich eine Protagonistin, mit der ich mich eher weniger identifizieren konnte. Aufgrund ihres Äußeren als auch ihrer Vorgeschichte, hält sie nämlich gar nichts von sich selbst und hat deshalb auch nicht wirklich die Motivation, mit anderen in Kontakt zu treten oder ihr Leben mal in die Hände zu nehmen. Schade, denn man liest als Leser das Potenzial heraus. Schön ist allerdings, dass im Laufe der Geschichte Sage immer mehr an sich und den Aufgaben, vor die sie gestellt wird, wächst und so zu einer Figur wird, die nicht mehr ganz so überkritisch ist wie am Anfang und trotzdem einige Aspekte ihres Lebens reflektiert. Diese Entwicklung freute mich als Leser und war wohl mit einer der Gründe, warum ich das Buch nicht aus den Händen legen wollte.

Ich verzichte in dieser Rezension absichtlich auf die Benennung der Thematik, um die es in "Bis zum Ende der Geschichte" geht, denn ich möchte niemanden abschrecken. Hätte man mir diese nämlich verraten, wäre ich vielleicht nicht ganz so motiviert an das Lesen herangegangen. Denn wie man sich es denken kann, ist das, um was es geht wirklich ein sehr emotionales, aufwühlendes und ernstes Thema, das man aufgrund des Buches noch einmal völlig anders erlebt als jemals zuvor und sich noch einmal intensiver mit den Ereignissen der damaligen Zeit beschäftigt. Ich hatte dabei ganz starke Erinnerungen an "Solange am Himmel Sterne stehen", denn thematisch überschneiden sich die Bücher, obwohl sie völlig anders aufgebaut sind und deshalb auch unterschiedliche Stärken haben.

Mein Fazit:
Was soll ich also sagen? "Bis zum Ende der Geschichte" nahm mich mit auf eine Reise, die sehr intensiv und gefühlvoll war und auf der ich viel über die Figuren, aber auch ein kleines Stückchen über mich lernte. Durch den literarisch hervorragend aufgebauten Stil des Buches, den unterschiedlichen Handlungssträngen (die übrigens auch alle unterschiedliche Schriftarten inne halten), die schlussendlich alle zusammenführen und die sehr diversen Charaktere, die alle zur Geschichte beitrugen, war der Roman nicht irgendein Buch, welches ich gelesen habe, sondern eine Erfahrung, die ich wohl nie vergessen werde und an die ich mich auch noch in zehn Jahren erinnere -das sind Bücher, die man nicht vergisst, die einem so unter die Haut gehen, dass man gar nicht kann und die einen deshalb auch nie ganz loslassen werden - das möchte ich aber auch gar nicht und genau deshalb gibt es von mir auch volle Punktzahl und eine ganz dringende Leseempfehlung.

Schwarz, Weiß oder Abstufungen von Grau?

Von: wortesammlerin Datum : 18.12.2016

www.wortesammlerin.wordpress.com

Ich bin verzaubert von Picoult, von ihrer Gabe, eine Geschichte so zu erzählen, dass sie die Seiten selbst verlässt und an mir und meinen Gedanken hängen bleibt. Lange liest sich dieser wunderbare Roman wie ein ganz normales Buch, ein leichtes Liebesdrama, denkt man, leicht unterbrochen und ein wenig gestört von den sonderbaren Zwischengeschichten, die in anderer Schriftart in eigenen Kapiteln dargeboten werden. Anfangs sehr schwer zu verstehen und vom Stil wirklich brüchiger, als ich es jemals von ein und dem selben Autor gesehen habe, fügt sich Ania mit ihrem Aleksander schnell in die Hauptgeschichte mit Sage ein. Wieso, weshalb, warum scheinen am Ende keine Fragen mehr zu sein, denn alles ergibt Sinn und muss so sein, wie es nun einmal ist.

Denn alles ist geschehen. Schrecklich grausames, und auch schönes. Der Tod ist in Picoults kleinem Meisterwerk allgegenwärtig und bald auch schon alltäglich. Als ich die ersten paar Seiten las, war ich begeistert von der Leichtigkeit des Stils und des dezent durchscheinenden Schalks in ihrer Stimme. Doch das kann sie nicht halb so gut, wie ich finde, wie das wirklich Zeichnende so ausdrucksstark zu zeigen, dass es einen in den Alltag begleitet. Ich selbst war gefesselt von Minkas Erzählungen, die für mich ein ganz neues Licht auf unsere Geschichte und unseren Umgang mit ihr werfen. Ich hab von ihr geträumt und mit ihr gelitten, auch noch Tage nach der letzten Seite.

Doch halt stopp. Zu viel auf einmal für jemanden, der nicht vertraut ist mit meiner Minka, nicht wahr? Eigentlich geht es um Sage, die nach dem Verkehrstod ihrer Mutter eine Trauergruppe besucht und dort Josef kennenlernt, ein alter Mann mit einem schwerwiegenden Geheimnis. Schon früh offenbart er sich Sage und bürdet ihr damit eine große Verantwortung auf: Er verlangt von ihr, ihm zu vergeben, ein Ungeheuer zu sein. Jahrelang versteckte er seine wahre Identität und will nun endlich sterben, doch ohne Sage sieht er sich dazu nicht in der Lage. Sage wirft sein Geheimnis völlig aus der Bahn und sie sucht Rat bei jemandem, der sich mit dem Tod auskennt: Ihrer Großmutter Minka, eine Auschwitz-Überlebende.

In mannigfachen Details und wirklich schrecklich ehrlichen Bildern durchlebt man noch einmal diese furchtbaren Jahre der Verfolgung und des Leides. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe gelitten, doch gleichzeitig war ich so dankbar. Eine Hauptfrage des Romans ist die Unterscheidung zwischen Gut und Böse, Schwarz und Weis. Gibt es bloße Abstufungen von Grau in dieser Welt? Ist Mord gleich Mord und Heldentum gleich Heldentum? Ich danke Minka dafür, mir die Augen für die eine, und Josef dafür, mir die andere Seite gezeigt zu haben. Denn nein, es gibt kein Schwarz und Weiß.

„In der Geschichte geht es nicht um Daten und Orte und Kriege. Es geht um die Menschen, die die Räume dazwischen füllen.“

Richtig, denn was ist unsere Welt, wenn es nicht um Erbarmungslosigkeit oder Barmherzigkeit geht? Sind wir Menschen noch menschlich, auch wenn die Welt es nicht mehr ist? Wo ist der Gott, von dem alle sprechen, und für wie viel von allem ist er selbst verantwortlich? Gleichzeitig gibt uns Picoult Perspektiven und Auswege aus der Trauer, bildet uns über das Sterben und wie man die Welt verlassen kann, was das aus dem Ende der Geschichte macht. Was sie noch kann? Menschen erkennen, in ihrer vollen Ernsthaftigkeit. Denn Menschen sind nicht all das, was man von ihnen erwartet, sie sind so vieles mehr, und so vieles weniger. Es kommt auf die Perspektive an, auf die Wahl des gottverdammten Blickwinkels, der ein ganzes Verbrechen an der Menschheit harmlos erscheinen lassen oder als der Raub an der eigenen Identität gesehen werden kann.

Ich bin wieder einmal beeindruckt davon, was ein Mensch mit seinen Worten bewegen kann, wen man bewegt und mit welcher Intention. Ich habe gelacht, geweint, gefiebert und nicht alles glauben können, was schien wie ein morbider Albtraum, und doch in der Verantwortung einer ganzen Nation stand. Es ist keine schlechte Nacherzählung, es scheint wie ein Zeitzeugengespräch der heutigen Zeit, sehr ehrlich, ungezwungen und mit Verweis zu uns und unserem Leben. Dieses Buch verfolgt und prägt und ist alles andere als das leichte Liebesdrama, das es scheint zu sein.

Aber was ist schon so, wie es scheint?

Bestürzend und großartig zugleich - unbedingt lesen!

Von: Myri liest Datum : 14.12.2016

myri-liest.blogspot.de/

*Klappentext*

"Sage Singer ist eine junge, leidenschaftliche Bäckerin. Als sie den allseits beliebten pensionierten Lehrer Josef Weber kennenlernt, entwickelt sich trotz des großen Altersunterschieds eine enge Freundschaft zwischen ihnen. Doch als Josef ihr eines Tages ein lange vergrabenes, schreckliches Geheimnis verrät, bittet er Sage um einen schwerwiegenden Gefallen. Wenn sie einwilligt, hat das allerdings nicht nur moralische, sondern auch gesetzliche Konsequenzen. Sage steht vor einem Dilemma. Denn wo verläuft die Grenze zwischen Hilfe und einem Vergehen, Strafe und Gerechtigkeit, Vergebung und Gnade?"

*Bewertung*

Von Jodi Picoult habe ich bis jetzt nur "Beim Leben meiner Schwester" gelesen. Dieses Buch hat mich berührt und auch lange danach nicht mehr losgelassen. Umso gespannter war ich also noch ein Buch besagter Autorin zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht! Mit "Bis ans Ende der Geschichte" hat Jodi Picoult wieder bewiesen, was für eine großartige Geschichtenerzählerin sie ist.

Inhalt: Die leidenschaftliche Bäckerin Sage Singer fühlt sich für den Tod ihrer Mutter verantwortlich. Seit dem tragischen Autounfall trägt sie eine Narbe im Gesicht und fühlt sich hässlich. Den 90-jährigen Josef Weber lernt sie beim Besuch ihrer Trauergruppe kennen und schon bald entsteht eine enge Freundschaft zwischen den beiden. Doch eines Tages erzählt Josef ihr von seiner Vergangenheit als Nazi und seiner Rolle während des Holocaust. Sage soll ihm nicht nur vergeben, sie soll auch seinem Leben ein Ende bereiten.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht die junge Einzelgängerin Sage Singer. Aufgrund ihrer Narbe, die sich von ihrer Augenbraue über die Wange zieht, hält sie sich selbst für unattraktiv und bezeichnet sich sogar als Monster. Zu sehen, wie sie sich im Verlauf der Geschichte entwickelt und immer mehr öffnet, finde ich großartig.
Neben Josef Weber spielen auch noch andere Charaktere eine wichtige Rolle: Sages Großmutter, die den Holocaust überlebt hat, und Leo, der Kriegsverbrecher aus der NS-Zeit vor Gericht bringt.

Obwohl die Verbrechen der Nationalsozialisten in vielen Werken und auch in der Schule ausgiebig behandelt werden, finde ich dieses Buch trotzdem unfassbar wichtig. Auch wenn dieses dunkle Kapitel Deutschlands schon längst vergangen ist, so sollte man sich die Vergehen immer wieder neu vor Augen führen. Was vor so vielen Jahren verbochen wurde, lässt sich kaum in Worte fassen. Jodi Picoult stellt unverblümt und grauenvoll real die Taten der Nazis dar. Die Gefühle der Betroffenen, aber auch der Nazis schildert die Autorin authentisch. Auch ihr Schreibstil ist wunderbar - flüssig und locker, aber dennoch mit der nötigen Ernsthaftigkeit, um dieses schwierige Thema aufzugreifen. Von Anfang bis Ende war ich beeindruckt und gefesselt von der Art und Weise, wie Picoult die Ereignisse darstellt. Die Wendung am Ende des Buches hat mich unvorbereitet getroffen und dafür gesorgt, dass ich die erzählte Geschichte in einem andern Blickwinkel sehe.
Brilliant finde ich, dass je nachdem aus welcher Perpektive die Geschichte erzählt wird, die Schriftart sich ändert.

Teilweise verstörend, bewegend und zutiefst emotional erzählt Jodi Picoult die Begebenheiten des Holocaust, die zum Nachdenken anregen. Nicht selten musste ich schwer schlucken und kurz durchatmen, um mich zu sammeln, weil es mir so nahe gegangen ist. Bestürzend und großartig zugleich - unbedingt lesen!

Schwer wieder aus der Hand zu legen

Von: Casoubon ... Datum : 29.11.2016

casoubon.blogspot.de/

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die 25jährige Bäckerin Sage Singer und der pensionierte Josef Weber. Trotz des großen Altersunterschied freunden sich die beiden an - allerdings wird diese Freundschaft auf eine harte Probe gestellt, als Josef Sage bittet ihr beim Sterben zu helfen. Der Grund für diesen Wunsch ist begründet in seiner Vergangenheit, in der er in der NS-Zeit eine unrühmliche Rolle spielte. Der ehemalige NS-Offizier bittet eine junge Frau mit jüdischen Wurzeln stellvertretend für die von ihm getöteten Juden um Vergebung. Der Leser wird mitgenommen auf eine aufwühlende Reise in das dunkelste Kapitel unserer Geschichte - dabei wechseln sich verschiedene Erzähler ab. Ich habe bereits viele Bücher aus dieser Zeit gelesen, aber keines hat mich bisher so berührt, mir beim Lesen die Kehle zugeschnürt und mir Tränen in die Augen getrieben. Die Geschichte geht definitiv unter die Haut. Es ist so erschreckend real geschrieben - hier zeigt sich, dass die Autorin zahlreiche Zeitzeugen für dieses Buch befragt hat und intensiv recherchiert hat.

Es wechseln sich nicht nur die Erzähler ab, sondern auch die zeitlichen Perspektiven - neben der Vergangenheit wird der Leser mit hineingenommen in das Leben von Sage, das sich zu Beginn hauptsächlich in der Backstube und nachts abspielt und sich im Laufe der Geschichte ändert - die introvertierte Sage fängt an, sich anderen Menschen zu öffnen und das Leben am Tag zu entdecken.

Ein Buch, welches von Anfang bis zur letzten Seite zu fesseln weiß, ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Sehr berührend

Von: EvaMaria Datum : 27.11.2016

https://buecherfansite.wordpress.com

Das Buch gehört für mich sicher zu einem meiner Highlights in diesem Jahr. Sehr toll und überzeugend.
Es ist die Geschichte von Sage, die regelmäßig zu einer Trauergruppe geht. Sage ist 25 Jahre alt und lebt sehr zurückgezogen als Bäckerin. In dieser Trauergruppe trifft sie auf den 90jährigen Josef Weber. Dieser hat ein sehr dunkles Geheimnis, welches nicht gleich offenbart wird.
Obwohl beide sehr unterschiedlich sind, haben die zwei eines, dass die beiden verbindet und zwar die Trauer. So kommen die beiden zusammen und treffen sich zum Reden.
Die Geschichte hat mich wirklich sehr berührt, weil die ganze Handlung sehr berührend beschrieben wird und auch die Lösung der Geheimnisse sehr traurig ist.
Ich finde es sehr gelungen, was die Autorin hier geschrieben hat und wie sie der ganzen Handlung eine große Tiefe verpasst hat.
Großer Pluspunkt sind auch die ganzen Charaktere, die wirklich sehr unterschiedlich sind und keiner von denen war mir langweilig, weil jeder irgendwie ein kleines Geheimnis hatte, dass hat die ganzen Personen noch zusätzlich interessant gemacht.
Die Geschichte wird aus der Perspektive von diversen Personen erzählt, außerdem gibt es noch Abschnitte aus der Geschichte von Sages Oma. Es war sehr gut gemacht, da man hier sehr viele Personen, Gefühle und Eindrücke des ganzen bekommt. Am traurigsten hat mich die Perspektive von Sages Oma gemacht, da es wirklich sehr brutal, was sie damals durchmachen hatte müssen. Interessant wäre hier zu erfahren, wo die Autorin diese ganzen Details herhat, da es wirklich sehr realistisch gewirkt hat.
Das Ende war überraschend und man hat hier als Leser doch auch nachträglich noch nachzudenken, denn wir würde man in Sages Situation reagieren. Ich habe jetzt doch einige Zeit gebraucht bis ich die Thematik verdaut hatte.
Der Schreibstil hat mir sehr gefallen, da ich die ganze Geschichte wirklich sehr gelungen fand. Zusätzlich schreibt die Autorin sehr detailverliebt, was manche Geschichten langatmig machen kann, aber hier sehr passend ist.

Fazit:

5 von 5 Sterne. Sehr gefühlvolles Buch, dass wirklich sehr unterhaltsam und interessant ist. Kann ich nur weiterempfehlen.

Ergreifend und tiefgründig

Von: Buchmomente Datum : 27.11.2016

https://www.youtube.com/channel/UCvyuMiZfgLEWa9VTyegwgxw

"Sage Singer ist eine junge Bäckerin. Sie hat ihre Mutter bei einem Autounfall verloren und fühlt sich schuldig, weil sie den Wagen gelenkt hat. Um den Verlust zu verarbeiten, nimmt sie an einer Trauergruppe teil. Dort lernt sie den 90jährigen Josef Weber kennen. Trotz des großen Altersunterschieds haben Sage und Josef ein Gespür für die verdeckten Wunden des anderen, und es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Als Josef ihr eines Tages ein lang verschwiegenes, entsetzliches Geheimnis verrät, bittet er Sage um einen schwerwiegenden Gefallen. Wenn sie einwilligt, hat das allerdings nicht nur moralische, sondern auch gesetzliche Konsequenzen. Sage steht vor einem moralischen Dilemma: Denn wo befindet sich die Grenze zwischen Hilfe und einem Vergehen, Strafe und Gerechtigkeit, Vergebung und Gnade?"
Meine Meinung:
Jodi Picoult hat mit diesem Buch wieder bewiesen, was für eine großartige Geschichtenerzählerin sie ist.
Sie schafft es die Geschichte einer Freundschaft zwischen einer verschlossenen jungen Frau zu einem netten älteren Herren plötzlich in eine Geschichte über die dunkelsten Tage der Menschheit umzuändern ohne das diese dabei klischeehaft oder schlecht recherchiert wirkt.
Dabei wirft sie großen Fragen auf: Gibt es Gerechtigkeit? Wem kann ich vergeben? Sollte es nicht Gnade für jeden geben?
Gerade wegen dieser Tiefgründigkeit hat mir dieser Roman sehr gut gefallen. Es ist ein Buch, dass in mir noch lange nachgewirkt hat und ganz anders ist, als andere Bücher die sich mit dieser Thematik befassen. (Ich möchte nicht Spoilern, daher spreche ich hier ein wenig in Rätseln ;-))
Die Charaktere wirken sehr echt und realistisch, da sie in all ihren Stärken und Schwächen gezeigt werden und sich innerhalb des Buches weiterentwickeln.
Gut gefallen hat mir auch, dass die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt wird, was dazu führt, dass ich mich als Leser mehr in die Lage der einzelnen Personen hineinversetzen
und die Geschichte aus mehreren Blickwinkeln verfolgen konnte.
Dabei ist mir besonders die Erzählung von Sages Großmutter Minka sehr zu Herzen gegangen, weil sie sowohl von Menschlichkeit, als auch von menschlichen Abgründen berichtet.
Fazit:
Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der eine tiefgründige Geschichte lesen möchte und auch nicht vor schwereren Themen zurückschreckt. Für mich war es ein großartiges Buch, was mich noch lange in Gedanken begleiten wird.

Eine überwältigende Geschichte

Von: Biancas-Zeilenliebe Datum : 20.11.2016

https://biancaszeilenliebe.blogspot.co.at/?m=1

"Bis ans Ende der Geschichte" ist ein wirklich bewegendes Buch, das viele Denkansöße liefert und die Beschäftigung mit den schwierigen Themen Schuld, Vergebung, Gnade und Rache anregt.

Rezension -

Von: Martina - Schmökerwelten Datum : 17.11.2016

https://www.facebook.com/Schmoekerwelten

Der Klappentext des Buches ist nicht recht aussagefähig und führt etwas in die Irre.
Josef offenbart Sage, dass er während des zweiten Weltkriegs als SS-Offizier in Auschwitz stationiert und an der Ermordung unzähliger Juden beteiligt war. Er bittet Sage, die jüdischer Herkunft ist, stellvertretend für all die Opfer um Vergebung und dass sie ihm dabei hilft, sein eigenes Leben zu beenden.
Jodi Picoult hat sich eines sehr schwierigen Themas angenommen: Die Geschichte Deutschlands, unsere Nazi- Vergangenheit, der Völkermord an Millionen von Menschen, die Kriegsverbrechen. Wie all ihre Bücher ist auch dieses wieder sehr gut recherchiert.
Die Handlung wechselt zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit und wird abwechselnd aus Sicht der Protagonisten erzählt. Dieser Perspektivwechsel zwischen Josef, Sage und ihrer Großmutter, einer Auschwitz- Überlebenden, macht dieses Buch so einmalig. Es ist sehr, sehr bewegend und erschütternd und machte mich wahnsinnig traurig angesichts der furchtbaren Grausamkeiten und schockierenden Details. Es gibt kein Buch, das mich mehr mitgenommen hat, wie dieses. Es ist keine leichte Kost, aber ein sehr gelungener und überzeugender Roman, der zum Nachdenken anregt.
Eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die sich auf dieses Thema einlassen wollen.

Ein aufrüttelndes Buch über Schuld und Vergebung

Von: Nela Datum : 14.11.2016

livricieux.wordpress.com

»„Ich glaube an die Hölle… aber die ist hier auf Erden.” Er schüttelte den Kopf. „Gute Menschen und schlechte Menschen. Als wäre das so einfach. Jeder ist beides zugleich.”« (S.56)

Erster Satz:
Mein Vater wurde nicht müder, mir die Wünsche für seine eigene Beerdigung zu schildern.

Nachdem ich „Die Spuren meiner Mutter“ von Jodi Picoult gelesen habe, war für mich klar, dass ich auch weitere Bücher dieser Autorin werde lesen müssen. Und es war mir auch klar, dass diese Werke wohl ebenso bewegend sein würden. Aber mit einem solchen gewaltigen Roman habe ich nicht gerechnet.

Aber damit euch das etwas verständlich machen kann, werde ich erst ein bisschen etwas über das Buch sagen müssen. „Bis ans Ende der Geschichte“ wird aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt.

Da wäre Sage Singer, sie stammt aus einer jüdischen Familie. Bei einem Autounfall verlor sie ihre Mutter und lebt seither sehr zurückgezogen und lässt sich kaum auf andere Menschen ein. Sie arbeitet als Bäckern, was ihr erlaubt, nachts in ihrer Backstube zu werkeln und tagsüber zu schlafen.
Sage trägt einiges an emotionalen Ballasts mit sich herum, so gibt sie sich die Schuld am Tod ihrer Mutter und meint, sie sei es nicht Wert geliebt zu werden. Und weil sie auch glaubt, nicht glücklich werden zu dürfen, lässt sie sich auf eine Affäre mit einem verheirateten Mann ein.

»Verlust ist nicht allein auf den Tod beschränkt, und Trauer ist ein mit Grauschleiern überzogenes Gefühl«. (S. 15)

Dann erzählt uns auch Josef Weber seine Sicht der Geschichte. Er ist über 90 Jahre alt und lebt schon lange in den USA. In seinem Wohnort tat er viel für die Gemeinde, arbeitete als Footballcoach, gab Deutschunterricht oder zeigte sonst viel ehrenamtliches Engagement.
Sage und Josef freunden sich in der Trauergruppe an, da sie ein Gespür für die Verletzungen und Narben des anderen haben. Doch dann findet Sage heraus, dass Josef sie vielleicht nicht ganz so zufällig mit ihr angefreundet hat. Er erzählt ihr nämlich, dass er im Zweiten Weltkrieg ein SS-Soldat war und unschuldige Menschen gefoltert und getötet hat. Ausserdem war er Aufseher im KZ Auschwitz, eben jenes Lager, dessen Horror Sages Grossmutter Minka überlebt hatte.

»In jedem von uns steckt ein Ungeheur, in jedem von uns steckt ein Heiliger. Die wahre Frage ist die, welchen von beiden wir befördern und welcher den anderen vernichten wird.« (S. 138)

Und dann ist da auch noch die Sichtweise von Minka, Sages Grossmutter. Sie verbringt eine unbeschwerte Kindheit in einem polnischen Dorf und hegt Ambitionen eine grosse Schriftstellerin zu werden. Doch dann bricht der Zweite Weltkrieg über diese heile Welt herein und lässt solche Träume plötzlich nicht mehr so wichtig erscheinen. Bald schon muss Minka mit ihrer Familie in das jüdische Ghetto ziehen, wo alles knapp ist, Platz, Essen, Brennholz, Kleidung. Nur Arbeit ist genug da. Um sich das Leben etwas erträglicher zu machen, schreibt sie weiter an ihrer Geschichte über einen Upior, eine Gestalt aus polnischen Sagen.
Bald schon erfolgen die ersten Deportationen und Minka und ihr Vater werden nach Auschwitz gebracht. Mit Hilfe ihrer Geschichte schafft sie es zu überleben und nicht an der ganzen Grausamkeit zu zerbrechen.

»Ob sie auf der Suche nach Macht waren oder nach Rache oder Liebe – es waren alles unterschiedliche Formen des Hungers. Je grösser das Loch in einem war, desto verzweifelter bemühte man sich, es zu füllen.« (S.281)

Die vierte und letzte Perspektive ist jene von Leo Stein, der für das Büro für Human Rights and Special Prosecutions (HRSP) arbeitet. Seine Aufgabe ist es Kriegsverbrecher aus der NS-Zeit zu verfolgen und für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen.
Als sich Sage an ihn wendet, um von Josefs Gräueltaten zu berichten, ist er sich erst nicht sicher, ob er ihr glauben kann. Aber schnell wird ihm klar, dass Sage keine Märchen erfunden hat und er es hier mit einem richtigen Fall zu tun hat.

»Zebras verändern ihre Streifen nicht, und Kriegsverbrecher bereuen nichts.« (S.116)

Zudem gibt es noch Abschnitte in diesem Buch, die einem zu Beginn sehr rätselhaft erscheinen. Sie ähneln einem Märchen und scheinen nichts mit der Geschichte an und für sich gemein zu haben. Im Laufe des Buches merkt man aber, wie wichtig dieser Teil doch ist.

All diese Teile werden auch optisch voneinander abgehoben, durch unterschiedliche Schriftarten, kursiver oder fett gedruckter Schreibweise. Das macht es dem Leser zum einen sehr einfach, sich zu orientieren und zu wissen, in wessen Geschichte man gerade steckt. Zum anderen macht es das Buch aber auch anstrengend zu lesen, da nicht alle gewählten Schriftarten sehr benutzerfreundlich sind. Vor allem zu Beginn der Geschichte störte mich dies doch sehr im Lesefluss.

Jodie Picoult hat sich hier an ein sehr schwieriges moralischen Thema gewagt und es ist bemerkenswert, wie sie es vermag eine Welt die auf den ersten Blick nur schwarz-weiss erscheint, mit unglaublich vielen Grautönen zu füllen. Durch die Perspektivwechsel ermöglicht sie es nämlich den Lesern, auch in die Gefühls- und Gedankenwelt der vermeintlich „Bösen“ einzutauchen und so ihre Motive verständlicher zu machen.
Die NS-zeit wird nämlich nicht nur aus der Sicht der Opfer beschrieben, sondern es bieten sich auch ungeahnte Einblicke in das Innenleben eines SS-Soldaten. Und es wird gezeigt, wie aus einem ganz normalen Jungen ein solches Monster werden kann.
Wie bereits erwähnt, geht Picoult sehr behutsam und differenziert vor, für sie ist nichts einfach nur schwarz-weiss. So zeigt sie Hauptscharführer und deutsche Fabrikanten mit Herz, aber auch Juden, die gar keine Opfer sind und sich mit dem Feind verbünden.

»Doch nicht alle Juden waren Opfer – das sah man am Judenältesten, der mit seiner neuen Frau in Sicherheit in seinem behaglichen Heim saß und Listen erstellte, während ihm das Blut meiner Familie an den Händen klebte. Und nicht alle Deutschen waren Mörder. Das sah man an Herrn Fassbinder, der in jener Nacht, als die Kinder abgeholt wurden, so viele Kinder gerettet hatte.« (S.330-331)

Immer wieder werden moralische und ethische Fragen laut. Kann ein einfacher Soldat für das Ausführen seiner Befehle als Kriegsverbrecher beschuldigt werden? Die Deutschen scheren alle Juden über einen Kamm, aber sind die Juden besser, wenn sie alle Deutschen in einen Topf werfen und als Monster bezeichnen? Und in wie weit kann sich ein Mensch ändern und seine Taten bereuen? Gibt es dafür Vergebung? Kann man einen Mann am Ende seines Lebens noch verurteilen für etwas, was er ind er Blüte seiner Jugend getan hat?
Da ist dieser Mann, der schon so lange in den USA lebt und viel Gutes für die Gemeinde getan hat und ein liebevoller Ehemann war. Aber da ist auch seine schreckliche Vergangenheit und immer noch der Glaube, dass alle Juden gleich sind und die Gnade einer beliebigen Jüdin ausreicht, um Vergebung für Taten an ganz anderen Juden zu bekommen.
Jodi Picoult ist eine verdammt gute Geschichtenerzählerin und sie versteht es, den Leser zum nachdenken zu bringen und seine eigenen Moralvorstellungen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ein weiterer spannender Aspekt dieses Buches, ist die Geschichte in der Geschichte, jene Teile, die fast märchenhaft anmuten. Es ist nämlich Minkas Geschichte, die ihr im KZ das Leben rettete. In ihr werden viele dieser moralische Fragen gestellt, die Frage, ob man als Monster geboren wird, oder sich auch dagegen entscheiden kann. Die Frage, ob, wenn der Bruder ein Monster ist, einen das automatisch auch selbst zum Monster macht.

Und wieder einmal ist am Schluss des Buches nichts mehr so, wie es zu sein scheint. Dinge, die man für Gegeben hingenommen hat, werden über den Haufen geworfen und ganz am Schluss stellt sich nochmals die finale Frage, ob Sage nun richtig gehandelt hat.

Und plötzlich macht auch die deutsche Titelwahl so unglaublich viel Sinn…

»Aber Vergebung ist nichts, was man für einen anderen tut. Man tut es für sich selbst.« (S.544)

Fazit:
„Bis ans Ende der Geschichte“ bietet unglaublich viele Denkanstösse, um sich mit den Themen Schuld, Vergebung, Gnade und Rache zu beschäftigen. Es zeigt, dass wir Menschen nicht einfach nur in Gut und Böse unterteilen können, sondern dass die Grenzen fliessend sein können.
Ich finde es ungemein wichtig, sich mit dem Thema Holocaust auseinander zu setzen und das nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dieses Buch bietet dafür gute Einblicke in die Gedankenwelt beider Seiten. Und es lässt einem nicht mehr so schnell los.

Bis ans Ende der Geschichte

Von: Denise Otten Datum : 11.11.2016

kitsunebooks.de

Nachdem mir „Die Spuren meiner Mutter“ so gut gefallen hatte, war ich schon sehr gespannt auf dieses Werk der Autorin. Der Rückentext verrät kaum etwas vom Inhalt und Geschichten um große Geheimnisse gibt es ja wie Sand am Meer. Doch „Bis ans Ende der Geschichte“ war so gewaltig. Es hat mich aufgewühlt, zum Nachdenken angeregt. Musste es stellenweise zur Seite legen und zum Schluss eine Nacht darüber schlafen, um mir über den Ausgang der Geschichte und meiner Meinung dazu im Klaren zu werden.

Um euch erklären zu können, warum mir dieser Roman so gut gefallen hat, muss ich ein wenig auf die Geschichte eingehen. Ich versuche dies wie immer so zu gestalten, ohne zu viel von ihr Preis zu geben.

Wie man es von Picoult gewohnt ist, wird der Roman aus verschiedenen Erzählperspektiven geschildert.

Da wäre zum einen die Mittzwanzigerin Sage, die sich nach einem Autounfall komplett zurück gezogen hat. Es sind sichtbare sowie unsichtbare Narben zurückgeblieben, die sie dazu veranlasst, nachts in einer Bäckerei zu arbeiten, um den Menschen aus dem Weg zu gehen. Zu anfangs war sie mir ein wenig zu selbstmitleidig, dies verändert sich zum Glück im weiteren Verlauf der Geschichte.

„Verlust ist nicht allein auf den Tod beschränkt, und Trauer ist ein mit Grauschleiern überzogenes Gefühl“. - Seite 15

In einer Trauergruppe lernt Sage den 95jährigen Josef kennen, der ursprünglich aus Deutschland stammt, und ein geschätztes Mitglied der Kleinstadtgemeinde ist. Als die beiden Freundschaft schließen und sie ihn besser kennerlernt weiht er sie jedoch in seine düstere Vergangenheit ein und bittet sie um einen Gefallen, der sämtliche ihrer Moralvorstellungen über den Haufen wirft.

„Wir fühlen uns zum Schrecklichen hingezogen, selbst wenn wir davor zurückschrecken“. - Seite 203

Im Zuge dessen lernen wir auch Leo kennen, der für eine US-Behörde ehemalige Kriegsverbrecher aufspürt, um ihnen den Prozess zu erklären. Seine Abschnitte waren etwas anstrengend zu lesen, da sie in einer dicker gedruckten Schrift gehalten wurden, um sie optisch von den anderen abzuheben. Dadurch hatte sie aber einen leicht verwischten Charakter und mir tränten nach ein paar Seiten die Augen. Meine bitte an den Verlag ist daher, dies vielleicht in der nächsten Auflage noch einmal zu überarbeiten.

Dann gibt es noch die Abschnitte, mit denen ich zunächst nicht viel anfangen konnte. Sie ähneln einem Märchen und scheinen zunächst nichts mit dem anderen Teil des Buchs gemein zu haben. Ich hatte mal an anderer Stelle gelesen, dass dies als Lückenfüller empfunden wurde. Diese Person hat den Roman anscheinend nicht bis zum Schluss gelesen, denn dieser Teil ist wichtig für den weiteren Verlauf der Handlung.

Den größten Raum in diesem Werk nehmen jedoch die Erzählungen von Sage Großmutter Minka ein. Sie ist die Mutter von Sages Vater und stammte ursprünglich aus Polen. Aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln hat sie eine Jugend durchlaufen, die der Hölle am nächsten kommt.

Die Erzählstränge werden geschickt miteinander verbunden und ergeben erschütterndes und hochemotionales Gesamtwerk. Der Roman hat mich an manchen Stellen so sehr mitgenommen, dass ich ihn erst einmal zur Seite legen und pausieren musste. Ich habe schon einige Romane gelesen, die zur Seit des Nationalsozialismus spielen, doch hat es bislang keine geschafft, die Beschreibungen so realitätsnah erscheinen zu lassen, dass sie einem den Atem rauben. Einige Passagen haben mich so sehr zum Weinen gebracht, dass der bloße Gedanke daran, jetzt beim verfassen der Rezension, mir wieder die Tränen die Augen treibt. Man bekommt als Leser das Gefühl, hautnah in den Geschehnissen dabei zu sein und gerade aus diesem Grund, halte ich Picoult für eine irrsinnig gute Geschichtenerzählerin.

Das Ende hat mich so sehr überrascht, dass ich erst einmal einige Zeit über meine Meinung dazu nachdenken wollte. Auch wenn ich mit den Entscheidungen der Charaktere nicht konform gehe, sehe ich, was die Autorin damit bezweckt hat. Was ich mittlerweile über Picoults Romane gelernt habe ist, dass man bei ihr vor allem zwischen den Zeilen lesen muss. Keine Handlung, keine Unterhaltung wurde ungeplant in die Erzählungen eingefügt. Sie versucht den Lesern mit ihren Erzählungen zum Nacharbeiten des Gelesenen anzuregen und seine eigenen Moralvorstellungen einer genaueren Untersuchung durchzuziehen. Es gibt kein schwarz und weiß. Weder im realen Leben, noch in ihrem Figurenaufbau.

„Wenn wir sie außerdem alle in einen Topf werfen, weil sie Deutsche sind, sind wir nicht besser als sie, die auch keinen Unterschied machen und für die ein Jude wie der andere ist.“ - Seite 248

Kann der Feind Herz zeigen und ist jeder, der auf deiner Seite stehen sollte wirklich dein Freund? Wandeln unter den unseren gar die wahren Monster? All dies hinterfragt sie gekonnt und arbeitet dies geschickt in den Roman ein, so dass nicht jedes Handeln der Charaktere sofort als klar erscheint.

„Doch nicht alle Juden waren Opfer - das sah man am Judenältesten, der mit seiner neuen Frau in Sicherheit in seinem behaglichen Heim saß und Listen erstellte, während ihm das Blut meiner Familie an den Händen klebte.“ - Seite 330/331

Die deutsche Titelwahl ist in meinen Augen ebenfalls sehr gelungen, was ich nicht häufig sagen kann, da sie - wenn auch schmerzhaft - auf den Inhalt Bezug nimmt.

Fazit:

„Bis ans Ende der Geschichte ist ein Werk, dass man mich zum Innehalten gebracht und zum Nachdenken angeregt hat. Er stellt die menschlichen Charaktereigenschaften in Frage und zeigt, dass wir nicht einfach in gut und böse zu unterteilen sind. Es hat schon lange kein Roman mehr geschafft, mir so den Atem zu rauben und mich während des Lesens aufzuwühlen. Es ist ein Werk, für das man sich Zeit nehmen sollte. Aber dafür erhält man eine intelligente, gut recherchierte und einfühlsame Geschichte, die einem auch nach dem Beenden nicht so schnell loslassen wird. Eine klare Leseempfehlung meinerseits.

Dieses Buch geht ganz ganz tief

Von: Silly2207 Datum : 08.11.2016

worldofbooksanddreams.blogspot.de/

Die fünfundzwanzigjährige Sage hat einen schweren Schicksalschlag erlitten, als ihre Mutter und sie selber bei einem Autounfall verunglücken. Sage hat es überlebt, mit sichtbaren und unsichtbaren Narben, doch ihre Mutter verstarb. Bei einer Trauergruppe lernt sie den fünfundneunzigjährigen Josef kennen und die Beiden freunden sich, trotz des großen Altersunterschiedes an. Doch Josef hat ein Geheimnis, dass er Sage anvertraut, im zweiten Weltkrieg war er bei der SS und in Auschwitz im Konzentrationslager. Sage ist schockiert, denn es gibt Parallelen zu ihrer eigenen Familie, denn ihre Großmutter Minka war eine der Überlebenden. Sage ist zwiegespalten, wie soll sie mit ihren Informationen umgehen? Zumal Josef sie um etwas bittet, dass sie ihm nicht erfüllen kann.
Meine Meinung:
Dieses Buch fängt sehr ruhig und wenig spektakulär an, aber da Jodi Picoult einfach über einen fantastischen Schreibstil verfügt, ist man schnell in der Geschichte gefangen. Die Autorin greift hier unbestreitbar ein Thema auf, das schon sehr oft erzählt wurde, das aber niemals vergessen werden darf. Dabei erzählt sie mit ihrer eigenen, sehr berührenden Art aus verschiedenen Perspektiven. Wir erfahren von Sage, Josef, Minka und Leo jeweils deren eigene Sichten auf die Ereignisse des zweiten Weltkrieges. Ganz unvoreingenommen erläutert sie, wie es in jedem Einzelnen aussah und wie es zu welcher Handlung kam. Unterteilt wird ihre Geschichte in drei Abschnitten, der erste gibt die Geschichte Sages und Josefs Kennenlernen in der Gegenwart wieder und wir können verfolgen, wie diese beiden so unterschiedlichen Menschen zueinander finden. Aber auch Sages Großmutter Minka kommt zu Wort und auch Leo, der US Agent erläutert als Aussenstehender seine Sicht. Dieses Buch beinhaltet unglaublich viele Themen, die jedes für sich schon einen Roman ausmachen könnte, dabei erzählt Picoult aber so geschickt, dass alles perfekt zueinander passt. Einzelne Erzählstränge haben ihre Auswirkungen auf das Große und Ganze der Geschichte. Dabei kreiste ständig eine ganz bestimmte Frage in meinem Kopf, wie hätte ich reagiert, was hätte ich getan? Alles, was die Autorin hier erzählt, ist perfekt recherchiert und auch wenn es eine fiktive Geschichte ist, so klingt es beim Lesen, als wäre die Autorin Augenzeugin gewesen. Genau das ist es auch, was mich extrem berührt hat und vor allem in dem Bereich, in dem Minka ihre Geschichte erzählt, liefen bei mir fast ständig die Tränen und ich musste das Buch häufiger aus der Hand legen, um darüber nachzudenken und mich wieder zu fassen, um überhaupt weiterlesen zu können.

Picoults Hauptcharaktere sind völlig unterschiedlich und doch strahlt jeder für sich eine große Portion Glaubhaftigkeit aus. Da wäre zum einen Sage, eine junge Frau, die sehr introvertiert ist, die mit sich selbst und auch mit ihrem Leben hadert und sich oft ganz anders wahrnimmt als ihr Gegenüber. Sie kämpft mit Selbstvorwürfen und als Josef ihr erzählt, wer er wirklich ist, steckt sie in einem tiefen Zwiespalt. Dann ist da Josef, dieser nette und freundliche alte Mann, der einst ein Lehrer war und mit dem sie schnell Freundschaft verbindet. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass dieser Mensch das begangen hat, von dem er erzählt. Beeindruckend, wie Picoult erläutert, wie er überhaupt dazu gemacht wurde und man bringt beinahe Verständnis für den Mann auf. Natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt, doch es klingt durchweg glaubhaft. Minka konnte mich mit ihrer Geschichte am meisten berühren, ihre Geschichte ist bekannt, doch das wie es erzählt wird, wird dem Leser so nahe gebracht, dass er glauben kann, dass es sich hierbei wirklich um einen Augenzeugenbericht handelt. Dann ist da noch Leo, der bei einer US Behörde arbeitet und unter anderem ehemalige Kriegsverbrecher unter die Lupe nimmt und gegebenenfalls verhaftet. Er hat ein wenig Abstand zu dem Ganzen und gibt der ganzen Geschichte dann noch einmal eine Draufsicht. Alle Personen haben aber eines gemeinsam, sie wirken absolut authentisch und glaubwürdig.

Alles in allem möcht ich gar nicht mehr über dieses Buch sagen, denn man muss es schon selber gelesen haben, um sich ein Bild über die wirklich ausgezeichnete Erzählkunst der Autorin machen. Sie hat hier ein Thema aufgegriffen, dass berührt und dabei hat sie so viel Gefühl in ihre Geschichte gebracht, dass es für mich lebendig wurde. Ein Thema, das mich gefangen genommen hat und mit ihren Worten hat die Autorin mich tief berührt.
Mein Fazit:
Anhand des Klappentextes wusste ich so gar nicht, wohin mich diese Geschichte führt und da ich wenig Rezensionen lese, bevor ich das Buch selbst gelesen habe, war ich umso überraschter, wohin mich dieses Buch mitnimmt. Ein Buch das eine perfekte Wiedergabe der damaligen Ereignisse ist und das durch seine durchweg authentischen Charaktere fesselt und berührt. Gefühlvoller Schreibstil und perfektes recherchieren runden die Geschichte ab und lassen mich tief betroffen und berührt, aber auch nachdenklich zurück. Gerade in unserer heutigen Zeit macht es Angst, wenn man liest, wie es dazu kam und umso trauriger macht es, dass die Menschen nie aus der Geschichte lernen. Ich könnte noch ewig über dieses Buch erzählen, hoffe aber auch, nicht zuviel vorweggenommen zu haben. Von mir gibt es auch für dieses Buch eine Leseempfehlung.

Aufwühlendes Buch zum Thema Holocaust

Von: sommerlese Datum : 29.10.2016

sommerlese.blogspot.de/

Sage ist eine junge Frau mit seelischen Problemen, der Tod ihrer Mutter lässt sie nicht los. Sie gibt sich daran die Schuld. Auch ihr privates Glück lässt sie nicht zu, sie hat eine Affäre mit einem verheirateten Mann, den sie nicht zu lieben scheint.

Josef ist als Deutscher schon lange in den USA und ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft seines Wohnortes. Er ist ehrenamtlich tätig und gilt als hilfbereit und gutherzig. In der Trauergruppe trifft er auf Sage und sie öffnet ihm ihr verschlossenes Wesen. Später erfährt man, dass Josef Nazi war und als SS-Offizier Aufseher im Konzentrationslager gearbeitet hat. Sages Großmutter Minka ist Holocaust-Überlebende und war in diesem KZ.
Da Josef mit seiner Schuld nicht leben kann, bittet er Sage um Hilfe beim Sterben.

Von Minka erfährt man von ihrer unbeschwerten Kindheit in einem polnischen Dorf, sie will Schriftstellerin werden. Doch dann bricht der zweite Weltkrieg aus und als Juden wird die Familie gezwungen, ins Ghetto zu ziehen.

Leo ist Bundesagent eines Büros für Menschenrechte. Er verfolgt Kriegsverbrecher aus der NS Zeit und sorgt für ihre Abschiebung und Verurteilung.


Die Thematiken dieses Buches sind keine leichte Kost. Es gibt bewegende Schicksale, die erschüttern und aufwühlen. Dabei ist die Recherche der Autorin wirklich authentisch und die Geschichte liefert viele Denkanstösse.

Jodi Picoult hat einen großartigen, einnehmenden Schreibstil, ihre Figuren sind lebendig und vielseitig und als Leser wird man emotional an der Handlung gefesselt. Dabei werden die Themen des Holocaust mit den Folgen wie Schuld, Trauer und Verbrechen sehr sensibel aufgegriffen. Hier wird keine bloße Verurteilung der Personen vorgenommen, sondern aus verschiedenen Perspektiven gezeigt, wie Juden und auch Nazis die Zeit erlebten. Picoult zeigt damit, wie schwierig der Umgang mit dem Thema sich auch heute darstellt.

Meine einzige Kritik besteht darin, dass dieser Roman mit seinen Nebencharakteren überfrachtet ist, die jeweils die Protagonistenrolle einnehmen. Die Einbindung dieser Figuren in die Handlung wirkt durch die vielen Erzählstränge ein wenig konstruiert und ermüdend. Außerdem fehlt dem Ganzen ein Ablauf, der die Emotionen beschreibt, hier geht es eher um Gewissenskonflikte und die Darstellung von Gräueltaten. ie Charaktere hineinzuversetzen bzw. sie zu verstehen.


"Bis ans Ende der Geschichte" ist ein wirklich bewegendes Buch, das viele Denkanstöße liefert und die Beschäftigung mit den schwierigen Themen Schuld, Vergebung, Gnade und Rache anregt.

Tränen...bis ans Ende der Geschichte

Von: Judikos Welt Datum : 15.10.2016

https://www.facebook.com/Judikoswelt/

„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“
Einen Roman in Angriff zu nehmen, der auf einem der schrecklichsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Geschichte basiert, ist eine gewaltige Herausforderung, denn auch wenn man sich im Bereich der Fiktion bewegt, kommt es auf die Detailgetreue an, möchte man doch sowohl den Überlebenden als auch denen, die nicht überlebt haben, ein Denkmal setzen. (Jodi Picoult)
Wie Jodi Picoult auch sagt, reichen manchmal die Worte nicht aus, all die Gefühle zu erfassen, mit denen wir sie ausfüllen zu versuchen. Genauso geht es mir jetzt gerade bei dieser Rezension.
So habe ich eben die letzte Seite gelesen und kann kaum in Worte fassen, um das Gefühl zu beschreiben, womit mich diese Geschichte zurück lässt. Aber erst einmal zum Inhalt…
Es geht um die junge Sage Singer, die ihre Mutter, durch einen Unfall verloren hat und sich dafür schuldig fühlt.
Und es geht um den 90jährigen Josef. Beide lernen sich in einer Therapiegruppe kennen und verstehen sich, trotz des großen Altersunterschieds, prächtig.
Eines Tages verrät Josef Sage sein Geheimnis, was es für ihn unmöglich macht, weiterzuleben. Er bittet Sage darum, ihm zu vergeben und ihm zu helfen, zu sterben.
Sage steht jetzt vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens. Wird sie ihm vergeben und erlösen?
Was ich hier kurz zusammenfasse, ist die Geschichte von, eigentlich zwei Menschen, in der Vergangenheit und von Sage in der Gegenwart. Es ist die Geschichte, die Jeder kennt und trotzdem so ausdrucksstark beschrieben ist, sodass mir oft der Atem stockte und mir Tränen kamen.
Dies ist mein erstes Buch der Autoren, aber durch ihren unglaublich tollen Schreibstil, die Worte treffen einen ins Herz und durch gute Recherchen, hat es diese Geschichte geschafft, zu meinen absoluten Highlights diesen Jahres zu gehören und somit wird es auch nicht mein letztes Buch von ihr bleiben. Von mir würde dieses Buch mehr als 5 Sterne bekommen, wenn ich könnte. Zumindest aber möchte ich die vollen Sterne geben und Jedem diese Geschichte ans Herz legen.
Ganz herzlich möchte ich mich bei Randomhouse und dem Penguin Verlag, für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar bedanken, aber vor allem bei Jodi Picoult <3

Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt

Von: Ritja Datum : 27.09.2016

buchstabenfestival.blogspot.de/

Wenn man sich das Cover und den Titel des Buches anschaut, dann vermutet man nicht diese Geschichte dahinter. Es ist ein dickes und sehr gut zu lesendes Buch. Die Autorin packt den Leser direkt bei der Hand und zieht ihn in die Geschichte hinein. Was relativ harmlos beginnt, wird zu einer immer dichteren Geschichte, die mir eine teilweise Gänsehaut beschert hat. Zwischendurch musste ich das Buch weglegen, um über das Gelesene nachzudenken.

Ich habe schon etliche Bücher und Biografien aus dieser Zeit gelesen, aber Jodi Picoult schreibt die Geschichte von Minka so klar und offen, dass man das Gefühl bekommt, sie greifen zu können. Die Bilder, die sie hervorruft, sind nicht schön und schockieren. Dazwischen tauchen immer wieder Szenen aus der Gegenwart auf, die die Verbindung zu der jungen Minka herstellen und man kann immer mehr nachfühlen, wie Sage in einem Gewissenskonflikt gerät.

Was aus meiner Sicht nicht so gut gepasst hat, waren die Beziehungen in der Gegenwart (ich will keine Namen nennen, um nichts zu verraten). Diese fand ich unglaubwürdig und phasenweise auch zu kitschig.

Insgesamt ist es jedoch eine gute Geschichte, die einen traurige Zeit näher beschreibt und zum Nachdenken anregt.

Bewegt, berührt, macht nachdenklich

Von: Harakiri Datum : 15.09.2016

harakirisleseecke.jimdo.com/


Sage Singer fühlt sich schuldig am Tod ihrer Mutter, weil sie das Auto gefahren hat, in dem diese bei dem Unfall starb. Sage verkriecht sich in ihrer Backstube, geht aber regelmäßig zu einer Trauerbewältigungsgruppe. Dort lernt sie den 90 Jährigen Josef Weber kennen, dem es gelingt, sie wieder ein Stückweit ins Leben zurück zu holen. Die beiden entwickeln eine tiefe Freundschaft zueinander. Bis zu dem Tag an dem Josef Sage etwas gesteht. . Das Nazi-Regime hat ihn nach Auschwitz gezwungen. Hier war er Zeuge der Ermordung Tausender Menschen. Josef bittet Sage um Vergebung, doch auch noch um mehr: darum, ihm dabei zu helfen, seinem Leben ein Ende zu setzen.
Wieder einmal gelingt es der Autorin, ein Szenario zu entwerfen das fesselt und zutiefst bewegt. Ein Roman, der nachdenklich stimmt und Tiefgang hat.
Die Erzählweise ist aus Sicht mehrerer Personen, besonders hat mir die Geschichte von Minka, der Großmutter, gefallen, die den Holocaust überlebt hat und authentisch von dem Schrecken den sie erlebt hat erzählt. Ich selbst habe schon viele Bücher zu dem Thema gelesen, aber selten hat mich eine Erzählung so berührt.
Sehr schön fand ich auch Josefs Teil der Geschichte. Hier wird nicht gewertet, doch er konnte gar nicht anders! Hätte er sich dem Regime widersetzt, hätte er dafür büßen müssen und nichts hätte sich geändert. So entsteht eine Ahnung, dass auch die Aufseher der Lager nicht nur Bösewichte waren.

Fazit: Wieder einmal hat sich bestätigt: Jodi Picoult schreibt immer wieder außergewöhnliche und sehr spannende Geschichten, die den Leser tief bewegen.