Leserstimmen zu
Die Welt ist kein Ozean

Alexa Hennig von Lange

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Ausgerechnet in einer psychiatrischen Klinik für Jugendliche will die 16-jährige Franzi ihr Schulpraktikum machen. Sie stellt sich das abenteuerlich und besonders vor – muss aber schnell erkennen, dass sie eine Welt betritt, in der die Normalität außer Kraft gesetzt ist. Hier trifft sie auf den 18-jährigen Tucker – und Tucker trifft sie voll ins Herz. Nach einem traumatischen Erlebnis spricht er nicht mehr. Tief in sich zurückgezogen, dreht er im Schwimmbad seine Runden, am liebsten unter Wasser, wo ihn keiner erreichen kann. Behutsam versucht Franzi, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Als ihr das gelingt, steht sie vor einer schweren Entscheidung: Soll sie wie geplant für eine Zeit ins Ausland gehen? Oder dem Herzen folgen, das gerade erst wieder zu sprechen begonnen hat? Ich möchte mich vorab beim Randomhouse Bloggerportal, bei cbt und beim zuständigen Pressereferenten Sebastian Menacher bedanken, dass mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde. Angesprochen hat mich das Buch vor allem aufgrund seines Covers. Die hellen, leuchtenden Farben springen gleich ins Auge und die Haare des Mädchens bilden einen so schönen Kontrast zum Meer. Auch den Schriftzug mit dem Schriftband darunter finde ich sehr schön und es wirkt insgesamt einfach stimmig und passt auch noch super zum Buch selbst. Die Idee des Buches klang für mich nach dem Klappentext einfach super spannend. Es ist für Teenager ohnehin schwer mit ihren Gefühlen zu Recht zu kommen und das dann auch noch tun zu müssen, wenn man eigentlich eine professionelle Distanz zu den Patienten wahren sollte, klang für mich spannend und lesenswert. Leider mangelte es dann doch sehr an der Umsetzung. Anstatt einer tiefgründigen Geschichte über das erwachsen werden und das treffen eigener Entscheidungen, gab es eher ein lauwarmes Teen-Drama mit flachen Sprüchen. Immer wieder waren einige Stellen schön, das streite ich nicht ab. Zum Beispiel gab es in dem Gespräch mit dem Straßenmusiker durchaus Ansätze von tiefgründigem Erzählen, doch ansonsten war es wirklich schwer die doch eigentlich sehr schöne Message, die dahinter steht, auch zu erkennen. Die Autorin versucht in ihrem Schreibstil sehr deutlich auf der Ebene von jungen Mädchen zu bleiben. Besonders auffällig wird dies bei der wörtlichen Rede. Allerdings wirkt es so leider auch wie gewollt und nicht gekonnt. Einfach flach und aufgesetzt und absolut unpassend. Vielleicht ist mein Blickwinkel als Erwachsene nicht der beste, aber selbst wenn ich an meine Jugendzeit zurückdenke, hätte ich diese gezwungen jugendliche Sprachweise albern gefunden. Außerdem gab es einfach auffallend viele Fehler im Buch. Ob nun logisch oder rechtschreibtechnisch, sollte so etwas bei einem gedruckten Buch, das an Kinder gegeben wird, nicht passieren. Immerhin nehmen Kinder und Jugendliche ja auch viel davon auf, was sie lesen und merken sich dieses. Das Buch bedient obendrein jedes Klischee, wobei ich die Gangsterstory des zukünftigen Schwagers noch mit am spannendsten im ganzen Buch war, ist es doch eine sehr abgegriffene Geschichte, dass der Staranwalt von einem ehemaligen Bandenmitglied gerettet wird und seine Tochter sich dann unsterblich in diesen Jungen verliebt. Die wirklich wichtigen Themen, nämlich Tuckers Erkrankung und seine Schuldgefühle, wirken daneben dann wirklich oberflächlich. Sie bieten so viel Potential für eine tiefgründige Geschichte, das leider so gar nicht ausgeschöpft wird. Die Entwicklungen im Buch passieren obendrein viel zu schnell. Der Junge ist psychisch krank, aber das Erscheinen der Protagonistin heilt ihn innerhalb von gerade einmal zwei Wochen. In dieser Zeit krempelt Franziska auch ihr Leben um und rückt plötzlich von ihren Kindheitsträumen ab. Das ging mir persönlich einfach zu schnell. So wirkt auch die Recherchearbeit hinter dem Buch. Schnell und oberflächlich. Da wäre sicher mehr rauszuholen gewesen, um alles etwas authentischer zu gestalten. Genauso auch die Charaktere, die oberflächlich blieben und zum Teil sogar sehr unrealistisch gehandelt haben. Ihr Verhalten wurde gar nicht richtig erklärt. Die Geschichte wirkte durch diese ganzen Punkte letztlich reichlich konstruiert und unrealistisch, mit wenig Herz geschrieben und am Ende auch noch schlecht lektoriert. Insgesamt ein Buch mit viel Potential, das leider unausgeschöpft blieb und deshalb die Geschichte oberflächlich und laienhaft wirken lässt. Vielleicht mögen jüngere Mädchen es anders sehen, aber ich konnte mich mit dem Buch nicht anfreunden und würde es auch weniger empfehlen. Aussehen: ♥♥♥♥ Charaktere: ♥ Spannung: ♥ Schlüssigkeit: ♥♥ Emotionale Tiefe: ♥ Schreibstil: ♥♥

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Eckdaten zum Buch: Autor/in: Alexa Hennig von Lange Titel: Die Welt ist kein Ozean Erscheinungsjahr: 2015 Genre: Jugendbuch/Mädchen Länge: 242 Thema: Ängste, psychische Störung, Liebe unter schwierigen Umständnen Plot in einem Satz: Franziska macht ein zweiwöchiges Praktikum in der Jugendpsychiatrie und verliebt sich in einen Jungen mit totalem Mutismus. Erster Satz: Seit ich auf der Welt bin, versucht meine Mutter, mich von allem fernzuhalten, was mich auch nur im Ansatz traumatisieren könnte. Inhalt: Die siebzehnjährige Franziska macht ein zweiwöchiges Praktikum in einer Jugendpsychiatrie, wo sie den gutaussehenden Tucker kennenlernt, der leider ein Problem hat: seit einem traumatischen Erlebnis in der Vergangenheit spricht er nicht mehr und hat sich ganz in sich zurückgezogen. Auch die Ärzte kommen nicht an ihn heran. Franziska verliebt sich in den Jungen und kommt ihm näher, als es für eine Praktikantin erlaubt wäre. Dabei plant sie doch eigentlich, ein Jahr an einem renommierten Musik-College in Australien zu verbringen. Wie soll sie sich entscheiden? Was mir gefallen hat: Das Cover fand ich großartig und auch der Klappentext liest sich sehr interessant. Die Grundidee des Buchs gefällt mir einfach. Auch der generelle Faden des "Erwachsenwerdens" war passend. Franzi muss zunehmend mehr Lebensentscheidungen treffen und hat Angst davor, da sie bisher noch nicht sehr viel selbstständig entscheiden musste. Mir gefiel auch die Passage, in der Franzi den Straßenmusiker Randy kennenlernt. Die Gespräche zwischen den beiden haben für mich vieles herausgerissen. Insgesamt bin ich mit dem Buch aber leider überhaupt nicht warmgeworden. Was mir nicht gefallen hat: (Achtung, milde Spoiler!) Ich muss voranstellen, dass ich nun wirklich nicht die Zielgruppe des Buches bin. Ich könnte eher schon Kinder im Zielgruppenalter haben (meine sind allerdings noch klein). Insofern ist mein Blickwinkel sicher auch ein anderer, und ich kann mir vorstellen, dass der Roman jüngeren Mädchen sehr gut gefallen könnte, auch wenn ich persönlich damit gar nicht warmgeworden bin. Das lag zum einen am Schreibstil, der sehr jungendlich ist, und auch einiges an Stilblüten produziert. Ich fühlte mich an Texte meiner Schüler erinnert. Das macht den Text einerseits natürlich authentisch, denn Franzi ist genau in dem Alter, in dem auch meine Schüler sind. Dennoch hätte eine Stilpolitur hier und da dem Lesevergnügen nicht geschadet. Das ist auch gleich mein zweiter Kritikpunkt. Ich weiß nicht, was das Lektorat gemacht hat. Lektoriert jedenfalls nicht. Ich bin Deutschlehrerin und lese sehr viel Korrektur. Ich bin deswegen sehr auf Fehlersuche trainiert, daher fällt mir sicher weit mehr auf als dem durchschnittlichen Leser. Dennoch finde ich, dass in einer Verlagsveröffentlichung, die auch im Print erhältlich ist, nicht so viele Fehler zu finden sein dürften. Von einer "Sechszehn" in der Kapitelüberschrift zu einem "Bundstiftherz", zahlreichen Grammatik- und Anschlussfehlern bis hin zu inhaltlichen Dingen. Da werden zum Beispiel in der "Gestalttherapie" Plakate gebastelt. Die Gestalttherapie ist aber ein sehr festgelegter Begriff und hat mit "Gestalten" an sich erst einmal wenig zu tun. Gemeint ist wohl eher Kunsttherapie oder GestaltUNGStherapie. Ich fand einige Inhalte auch sehr klischeehaft (wie den "ehrenhaften Gauner" in Form von Franzis zukünftigem Schwager, dem reformierten Gangmitglied, das plötzlich zum Traumschwiegersohn mutiert ist). Manches las sich einfach für mich wie ein Skript zu "Zwei bei Kalwass" oder ähnlichen Pseudo-Reality-Formaten. Schade fand ich in jedem Fall, dass der Roman so an der Oberfläche bleibt. Tuckers Erkrankung wird zum Beispiel nicht näher beleuchtet und seine spontane Wunderheilung ging mir viel zu schnell. Ich hätte mir gewünscht, Franziska hätte sich ihm langsam genähert - vielleicht in einem Praktikum, dass sich über 3-6 Monate zieht. Zwei Wochen waren mir einfach zu kurz - auch zu kurz um die ganz große Liebe entstehen zu lassen, die hier schon nach drei Tagen plötzlich im Raum steht, ohne dass die beiden auch nur ein Wort miteinander gesprochen haben. Eigentlich macht Franzi auch nichts Besonderes, das erklären würde, warum Tucker auf sie reagiert. Franzi wirkte auch so, als habe sie sich überhaupt nicht informiert, bevor sie das Praktikum begonnen hat. Auch bei den Klinikszenen an sich hatte ich nicht das Gefühl, dass hier umfassend recherchiert wurde. Die Ärzte und Schwestern wirken sehr laienhaft und haben natürlich überhaupt keine Ahnung. Sie sind dann auch dementsprechend froh, dass endlich Franzi daherkommt. Das Ende fand ich auch nicht besonders realistisch. Ich bezweifle, dass jemand, der nicht schwimmen kann, auf die Idee kommt, nachts in ein unbekanntes Gewässer zu steigen, um dort einen Schlüssel zu suchen (!), den man vermutlich auch am Tag nicht finden könnte, geschweige denn in der Dunkelheit. Und natürlich ist zufällig dann auch der Retter mitten in der Nacht rechtzeitig zur Stelle. Also, ich mag ja Kitsch und verzeihe viel, aber das war mir wirklich etwas too much. Es wirkte einfach unmotiviert und konstruiert. Schade. Mit den Charakteren wurde ich auch nicht so recht warm. Franzi zerfloss immer wieder im Selbstmitleid (warum eigentlich?), ihre Freundin Nelli war mir ziemlich unsympathisch und auch Tucker blieb reichlich blass. Von ihm ist bei mir hängengeblieben, dass er Waffeln mag und gut aussieht. Viel mehr nicht. Das schlechte Lektorat mag ich hier nicht der Autorin anlasten, aber es hat mich wirklich gestört. Wem würde ich das Buch empfehlen? Ich glaube, jüngere Leserinnen nehmen es mit dem Realismus nicht so ernst. Stichwort: Zwei bei Kalwass. Da geht es auch mehr um das Drama, das für eine jüngere Zielgruppe eben spannend ist. Ihr Fokus dürfte mehr auf dem Gefühl liegen, das vermittelt wird. Hier bietet der Roman natürlich einen hübschen, unnahbaren Jungen mit Problemen, ein Mädchen im Strudel der widerstreitenden Gefühle, das mit allen Problemen des Erwachsenwerdens konfrontiert ist, eine schöne Kulisse, viel Drama (und Melodram) und somit vermutlich auch gute Unterhaltung. Sehr seicht meines Erachtens, aber wenn man sich darauf einlässt, kann es auch unterhaltsam sein. Bei mir addierten sich die negativen Eindrücke einfach zu sehr, dass ich es nicht mehr genießen konnte, aber ich betrachte das Buch wie gesagt auch aus einem völlig anderen Blickwinkel. Unterhaltung - ja. Tiefgang - Fehlanzeige. Ich könnte es mir als Ferienlektüre für Mädchen ab 12 vorstellen. Es ist aber kein Buch, das ich als Mutter mitlesen würde, um gemeinsam zu schwärmen.

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