Leserstimmen zu
Das Fünfzig-Jahr-Schwert

Mark Z. Danielewski

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INHALT (Vorsicht Spoiler!): Chintana, frisch geschieden und voller Gram über ihren tumben Mann und seine verfluchte Geliebte Belinda, nimmt eine Einladung zur Halloween-Feier eines Bekannten an. Sie war schon lange nicht mehr unter Leuten, und auf den Rat ihrer Schwester, sich nicht hängen zu lassen, sieht sie die Feier als Schritt in die richtige Richtung an. Doch kaum angekommen, läuft ihr als erste Belinda Kite über den Weg, dieses Flittchen. Rettende Ablenkung holt sich Chintana bei einer Sozialarbeiterin, die mit fünf Weisenkindern ebenfalls auf der Party ist. Die Kinder lauschen voller Spannung einem rätselhaften ErZähler mit einem länglichen Koffer. Er berichtet von seiner Reise durch surreale Orte zu einem armlosen Mann, der Schwerter herstellt, Zauberschwerter mit mysteriösen Eigenschaften. Er hat in seinem Koffer sogar eines mitgebracht, das Fünfzig-Jahr-Schwert, dessen Klinge man nicht sehen kann und dessen Wunden tödlich sind, jedoch erst am fünfzigsten Geburtstag des Opfers. Er präsentiert den Kindern den Griff des Schwertes, behutsam und voller Respekt, doch Belinda, beschwipst und übermütig, schnappt ihn sich und richtet ein Blutbad an – aber erst in der Zukunft… FORM: Mark Z. Danielewski (*1966) ist bekannt für seine aufwendig gestalteten Schauerromane. Gleich sein Erstling DAS HAUS – HOUSE OF LEAVES, ein 800-Seiten-Wälzer voller Rätsel, Irrwege und Metaebenen, war ein weltweiter Erfolg. Zurzeit arbeitet er an seinem Opus magnum THE FAMILIAR, eine auf siebenundzwanzig Bände angelegte Momentaufnahme eines einzigen Tages – ULYSSES lässt lieb grüßen –, in der der Text in die Illustrationen integriert ist, die Illustrationen aus Text bestehen. Welcher Verlag auch immer (wenn überhaupt) sich um die Übersetzung dieses Projekts bemühen wird – ich ziehe jetzt schon den Hut. Auch DAS FÜNFZIG-JAHR-SCHWERT macht in der Reihe der Danielewski-Kunstwerke keine Ausnahme. Erzählt wird die Geschichte um die Vorkommnisse auf der Halloweenfeier von den Weisenkindern. Sie wechseln sich Satz für Satz, manchmal auch Wort für Wort beim Reden ab, und wir Leser erkennen sie nur an den Anführungszeichen, die je nach Kind die Farbe wechseln. (Hier ist ein scharfer Blick und gutes Leselicht gefragt, sonst sind die roten Gänsefüßchen kaum von den braunen oder orangen zu unterscheiden.) Größtes Augenmerk gilt aber der Gestaltung: Es sind komplizierte Näh- und Stickarbeiten, die den Text begleiten, mit ihm spielen, ihn unterstützen und auch als eigenständige Erzählebene fungieren – ein Riesenaufwand. Sprachlich folgt Danielewski den klassischen Vertretern amerikanischer Ghost-Stories, wie etwa Washington Irving (THE LEGEND OF SLEEPY HOLLOW). Ein Tonfall, der gar nicht so recht in die heutige Zeit passen will, in der die Geschichte spielt – was alles nur noch unheimlicher macht. Danielewski die Satzbausteine vertauscht, um zu erzeugen mehr Spannung. FAZIT: Zunächst brauchte ich ein paar Seiten, um mich mit der eigenwilligen Erzählform bekannt zu machen. Nach dieser Phase der Eingewöhnung aber rutschte ich ungebremst durch die Geschichte des ErZählers – immer mit großem Z, wer mark das wohl sein? –, so dass ich nach der letzten Seite sicher war, ein kleines Meisterwerk erlebt zu haben. Die Story als bloßer Text wäre in einer Sammlung vielleicht kaum aufgefallen, in Verknüpfung mit den Näharbeiten aber kann und will ich nicht weniger als fünf Sterne vergeben. Großartig!

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Es ist wieder Halloween und Belinda, die Rivalin von Chintana hat sie zur Geburtstagsparty eingeladen. Zusammen mit einer Sozialarbeiterin und fünf Waisenkindern kommt fast zeitgleich ein Geschichtenerzähler ins Haus. Dabei hat dieser Erzähler einen schwarzen langen Kasten mit geheimnisvollen Inhalt. Und dann fängt er an zu erzählen und die Dinge nehmen seinen Lauf. Nicht immer so, wie es sein sollte, sondern auch grausige. Denn eigentlich ist die Geschichte vom Fünfzig Jahr Schwert eine Gruselgeschichte. Der Roman ist ein typischeres Mark Z. Danielewski Roman. Die Aufmachung gleicht dem Buch „Das Haus“ und hat seinen ganz eigenen Charakter. Man braucht schon eine kleine Weile um hier den Durchblick zu haben, aber dann geht es rasant weiter und man kann nicht aufhören zu lesen. Eigentlich wird diese Geschichte aus der Sicht von Chintana erzählt, aber die Weisenkinder kommen hier auch zu Wort und fallen sich sogar darin gegenseitig rein. Wie im Klappentext geschrieben „purzeln fünf Weisenkinder durcheinander“ so purzeln die Erzählungen durcheinander. Die Textlänge auf den einzelnen Seiten, der immer nur links steht, ist unterschiedlich. Mal ist es ein langer Text, mal nur ein Satz auf der Seite. Mal ist er normal, manchmal steht er längs. Die Rechten Seiten sind entweder leer oder dort sind Zeichnungen vorhanden. Das Cover selber ist sehr interessant. Am Anfang dachte ich, dass es sowas wie Schneeflocken oder so ist. Aber nein, es sind Nadelstiche. Klappt man das Buch auf, erscheint ein Wirrwarr aus endlosen Fäden. Darin auch teilweise blutrote. Beeindruckend auch die Anführungszeichen in genähter Form am Anfang vom Titel drinnen. Diese Anführungszeichen findet man im ganzen Buch wider und sind in verschiedenen Farben. Verschiedene Farben deswegen, weil jede Farbe zu einem Erzähler gehört. Ich vermute, dass diese Fäden und das Genähte in Bezug mit der Näherin Chintana zusammenhängt. Das Buch liest sich schnell und trotz der kuriosen Aufmachung fesselt es einen. Das Ende hätte ich jetzt nicht so erwartet. Ich mag dieses Buch, denn es ist, wie „Das Haus“ ein Erlebnis und gleichzeitig spannend und ein gewisses Teil gruselig. Mark Z. Danielewski weiß, wie man seine Leser fesselt. Jedenfalls steht sein Buch „Only Revolutions“ auf meine Wunschliste. Die Bücher des Autors sind schon eine Herausforderung, denn man liest nicht einfach, man erlebt. Gewiss ist das nicht jedermanns Sache, aber ich finde diese mal was anderes.

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Ein ganz besonderes Buch. Nach „House of Leaves“ ein weiteres erstaundliches Werk von Danielewski. Sowohl erzählerisch als auch gestalterisch ungewöhnlich und fesselnd zugleich. Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen und musste das Buch in einem Abend durchlesen. Klar, man kann sagen, dass im Gegensatz zu „normalen“ Büchern nicht viel Text da ist, aber was an Quantität fehlt, macht Danielewski durch Quantität allemal wieder wett. Durch seine besonders kreierte Sprache und die Form die er in diesem Buch gewählt hat, hat mich das Buch noch mehr in seinen Bann gezogen. Die Kombination aus Hintergrund, Text und Sprache waren faszinierend. Durch die Hintergründe und das entsprechende Verhalten des Textes dazu wurde der Inhalt der Geschichte noch betont. Der ein oder andere kalte Schauer ist mir beim Lesen schon den Rücken hinunter gelaufen…. Uaaahh.

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Die Näherin Chintana folgt einer Einladung von Mose Dettledown zu einer Halloween-Party. Dort trifft sie auf Belinda, die ihr einst den Mann ausgespannt hat. Fünf Waisenkinder und deren Sozialbetreuerin sind ebenfalls zu Gast. Und dann beginnt ein geheimnisvoller Geschichtenerzähler von seinem Leben und einem mysteriösen Schwert zu erzählen, dass gefährlicher nicht sein könnte und alle Anwesenden auf erschreckende Weise mit einbezieht. . Der polnische Schriftsteller Mark Z. Danielewsky ist zweifelsohne ein Ausnahmetalent und Kultautor. Egal, ob man seine Bücher mag oder versteht, Fakt ist, dass Danielewsky Sprache beherrscht. Und wie. In jedem seiner Werke bediente sich der Schriftsteller mehr als außergewöhnlicher Ausdrucksformen, um seine Geschichten auf unglaublich intensive Weise zu erzählen. Es ist absolut nicht leicht, Zugang zu Danielewskys Protagonisten und Gedankengängen zu bekommen und nur, wer sich zum einen darauf einlassen kann und zum anderen genügend Geduld aufbringt, die teils wirren, aber dennoch präzisen, Schilderungen zu verstehen, wird mit einem bombastischen Leseerlebnis belohnt, das einem buchstäblich den Atem raubt. Es dauert ein Weilchen, bis man die Struktur seines neuen Buches erfasst. Die verschiedenen Erzähler (Chintana, Belinda, die Waisenkinder …) werden lediglich durch unterschiedlich farbige Anführungszeichen gekennzeichnet und, selbst wenn nur wenige Worte auf einer Seite stehen, muss man höllisch aufpassen, damit man die gesamte Komplexität dieses Romans begreift. Mark Z. Danielewsky fordert seine Leser heraus, bricht mit sämtlichen Konventionen und lässt das Mainstream-Publikum schonungslos verlieren. „Das Fünfzig-Jahr-Schwert“ ist, wie seine beiden Vorgänger „Das Haus“ und „Only Revolution“ ein literarisches Feuerwerk, das sowohl textlich als auch typographisch eine Herausforderung darstellt, die, egal ob man das Buch in seiner Gesamtheit versteht oder nicht, schlichtweg beeindruckt. Wer mit so wenigen Worten ein derart bombastisches, episches Bild im Kopf des Lesers entstehen lassen kann, kann eigentlich nur als Genie bezeichnet werden. Michael Ende hätte seine wahre Freude an diesen tiefgründigen Wortspielereien und der ausgeklügelten Textakrobatik gehabt, war er doch der Meinung, jeder Autor sollte sich intensiv mit Sprache beschäftigen. Mark Z. Danielewsky tut das auf jeden Fall. Text und Bild verbinden sich zu einer verspielten, philosophischen Reise, der man sich nicht entziehen kann. Danielewsky bringt Dinge auf den Punkt, die andere nicht mit seitenlangen Beschreibungen derart exakt hinbekommen. Es ist schon fast unheimlich, wie flüssig sich das Ganze liest, obwohl in und zwischen den Zeilen ganze Geschichten versteckt sind. Das Schöne ist, dass Danielewsky dem Leser nicht nur eine Geschichte, oder Geschichten, vorsetzt, sondern ihn auch noch aktiv mit daran beteiligt. Die Gedanken fahren während des Lesens Karussell, man schweift ab, verliert sich in eigenen Interpretationen und beginnt zu träumen. Ein einziger Satz Danielewskys öffnet Dimensionen. Und so kann man jedem, der dieses Buch sein eigen nennt, empfehlen, das Werk mindestens zweimal zu lesen. Man begreift immer mehr, taucht immer intensiver in die Gedankenwelt des Autors ein und beginnt irgendwann zu verstehen … Danielewsky ist für mich das literarische Pendant zu David Lynch, der mit seinen Filmen ebenfalls so viel zu sagen vermag, obwohl man es nie direkt sieht. Mark Z. Danielewsky orientiert sich an manchen Stellen am großartigen Lewis Caroll oder James Joyce, denn er jongliert mit Worten und erfindet dabei neue Wortverbindungen wie zum Beispiel „akzepatiert“ oder „februarfahl“. „Das Fünfzig-Jahr-Schwert“ ist definitiv kein Buch für zwischendurch. Es ist ein Roman, der sich dem Leser auch nicht unbedingt nach einmaligem Lesen erschließt. Es ist ein Buch, mit dem man zusammen lebt, das einen lange Zeit begleitet, wie es auch „Das Haus“ und „Only Revolution“ tun. Danielewskys Romane sind Kultbücher, die enorm lange nachwirken und zeigen, wie gewaltig Sprache sein kann. Und sie zeigen durch ihre aufwändige und künstlerisch anspruchsvolle Art und Weise, dass das Printbuch noch lange nicht ausgestorben ist. Danielewskys Bücher könnten als ebook niemals solch eine Sogwirkung erzeugen, wie sie das in gebundener, greifbarer Form tun. Danielewsky spielt mit unterschiedlichen Erzählebenen wie kein anderer und zählt für mich neben Samuel R. Delany, J.J. Abrams und Reif Larsen zu einem der innovativsten und progressivsten Schriftstellern aller Zeiten. . Fazit: Ein minimalistisches und dennoch episch-bombastisches Meisterwerk sprachlicher Kunst. © 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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