Leserstimmen zu
"Warten auf Godot" und andere Werke

Samuel Beckett

(0)
(3)
(0)
(0)
(0)

1969. Schweden und die mediale Öffentlichkeit erwartet den Auftritt und die Rede des irischen Dramatikers, der mit seinem gefeierten Stück „Warten auf Godot“ (1953) von Paris aus die Bühnen der Welt eroberte und das Publikum begeistert. Doch jetzt bleibt sein Platz leer. Der legendenumwobene Autor nimmt den Preis an - doch der Verleihung des Nobelpreises für Literatur bleibt der gefeierte Dramatiker fern. Er schweigt. Auch jetzt. Seine Stücke und seine Prosa sollen für ihn sprechen. Sollen die Bedeutung und das Bemühen von Sprache als Kunstwerk von und in der Welt ausdrücken. Nichts anderes. Nicht die Persönlichkeit des Autors und seine „Darstellung“ sollen in die Mitte der Aufmerksamkeit, der medialen Bühne der Gesellschaft rücken. Der „Star“ ist das Wort, die Inszenierung und auch die Anerkennung – der Applaus für die Bühne, die zur Mitte des Bewusstseins werden kann, wenn sie die Fragen der Zeit thematisiert - Sinn, Liebe und Hoffnung… Der Hörverlag bringt nun in einer Werkauswahl sowohl Drama, Hörspiel, Prosa wie Lyrik und sogar den Autor selbst zum Sprechen und Hören. Auf 6CDs mit einer Laufzeit von 6h gibt es legendäre Bühnenmitschnitte -„Warten auf Godot“ 1954 Münchner Kammerspiele in der Regie von Fritz Kortner mit Heinz Rühmann und Friedrich Domin; „Endspiel“ (1958) in der Regie von Ulrich Lauterbach; „Pochade Radiophonique“ Inszenierung Karl Bruckmaier (2005) – zu hören und zu erleben wie auch Hörspiel/Prosa/Lyrik so wie ein Feature von Gaby Haertel, in dem Beckett selbst (der einzig erhaltene Originalton! des Autors) zu Wort kommt. Das intensive Hörerlebnis der Bühnenstücke kommt dem phantasiebezogenen Inhalt der Stücke, wie dem Werk Becketts an sich, sehr entgegen. Hörerin und Hörer sind selbst gefordert, das Gehörte in eine Form der Welt und damit in ihre Welt zu setzen. Es ist ein Öffnen der Sinne und des Sinns im persönlichen Leben – wohl ganz im Sinn(e) des Autors. Samuel Beckett, Warten auf Godot – und andere Werke, 6 CD Dramen/Hörspiel/Lesungen/O-Ton Hörverlag Walter Pobaschnig, Wien 5_2016 https://literaturoutdoors.wordpress.com https://literaturoutdoors.wordpress.com/Rezensionen

Lesen Sie weiter

Für Hörbuchfans und für den ersten Kontakt mit Beckett super! Es ist eine gute Qualität und die Sprecher, wie Heinz Rühmann sind gut.Die Qualität der Verpackung ist super, denn so hat man keine Angst, dass die CDs kaputt gehen. Nur geht das Theaterfeeling verloren. Mehr erfahrt ihr hier: https://seitenweiser.wordpress.com/2015/06/05/wann-kommt-er-endlich/

Lesen Sie weiter

3 positive Fakten Die folgenden beiden Hörspiele haben mir sehr gut gefallen. Endspiel In "Endspiel" geht es um vier Protagonisten. Ein blinder alter Mann lebt mit seinem Diener und seinen Eltern, die beide Beine bei einem Fahrradunfall verloren haben, in einem Zimmer. Es ist nicht ganz klar was geschehen ist. Der Leser ahnt nur: Sie sind die vier Menschen die das Unglück überlebt haben. Beckett beleuchtet ihr die Beziehungen zwischen den verschiedenen Charakteren. Herr und Diener hassen sich abgründig, sind aber aufeinander angewiesen. Der Diener sieht, während der blinde Herr weiß, wie man die Speisekammer aufschließt. Zwischen den Eltern, die in zwei Mülltonnen leben, und dem Herrn des Hauses herrscht ein eisiges Verhältnis. Beckett arbeitet hier sehr schön die zwischenmenschlichen Konflikte heraus. Während der Diener seinen Herrn am liebsten schon längst ermordet, oder ihm den Rücken gekehrt hätte, ist er emotional doch von ihm abhängig. Durch die guten Dialoge ist es mir leicht gefallen, mich in die Protagonisten hineinzuversetzen. Allerdings muss ich an dieser Stelle vorwarnen: Der Schreibstil des Hörspiels gefällt mir sprachlich zwar sehr gut, berichtet aber sehr viel zwischen den Zeilen. Pochade radiophonique Hier wird das berühmt berüchtigte Stilmittel der "Geschichte in der Geschichte" genutzt. Der erste Handlungsstrang besteht darin, dass ein Herr mit seiner Assistentin die Kassetten einer Art Therapiesitzung oder eines Verhörs wieder und wieder anhört. Er versucht einen Fall zu lösen und hofft Indizien auf den Tonbändern zu finden. Hier haben mir die beiden Handlungsstränge der Geschichte gut gefallen. Meine volle Konzentration war gefragt, weil ich ebenfalls wissen wollte, was auf den Kassetten gesprochen wurde und welche Hinweise unser Zuhörer sucht. Sprachlich ist auch hier ein ausgeschmückter Schreibstil, der es einem aber leicht macht, sich in die Geschichte einzufinden. Stilmittel Sehr gut gefallen haben mir die Stilmittel der beiden Hörspiele. In "Endspiel" hörte man Zwischengeräusche, wie das Zuschlagen und Öffnen der Mülleimer Deckel. Zudem waren auch Unterschiede in der Lautstärke zu hören, wie beispielsweise, wenn sich der Diener entfernte, wurde die Stimme auch leiser. Ebenfalls, auch für die Geschichte wichtig positioniert, war das Weckerklingeln, welches die Beziehung zwischen Diener und Herrn untermalte. Da es in "Pochade radiophonique", um die Aufzeichnung eines Hörspiels geht, waren auch hier gute Stilmittel gefragt. Das Vor- und Zurückspulen der Kassetten und die von der Assistentin oftmals vorgelesenen letzten Dialoge haben die Handlung der Geschichte wunderbar untermalt. Negativer Fakt Warten auf Gordot Sehr enttäuscht war ich von der Aufnahme "Warten auf Gordot". Da ich in einem anderen Roman schon mal ein Zitat aus dem Theaterstück gelesen habe, war mein Interesse geweckt. Die CD Sammlung wünschte ich mir gerade wegen des Theaterstückes. Das Stilmittel von "Warten auf Gordot" wird hier zum großen Nachteil der Vertonung. Es handelt sich hier um eine Live Aufnahme einer Theaterinszenierung. An sich ja eine gute und interessante Sache, allerdings haben mich folgende Punkte gestört: Die Aufnahmequalität Ich hatte das Gefühl, dass die Sprecher entweder zu leise, oder zu laut waren. Das sorgte dafür, dass ich ständig damit beschäftigt war, die Lautstärkeregelung hochzudrehen oder zu regulieren. Geräusche / fehlender Erzähler Ich habe sehr lange gebraucht, um mich in die Geschichte einzufinden, weil mir überhaupt nicht klar war, in welcher Szenerie ich mich befand. Waren die Protagonisten zwei obdachlose Landstreicher? Oder kehrten sie jeden Abend in ein Versteck zurück? Wer waren die anderen Personen, die hin und wieder hinzutraten und ihre Meinung zur Szenerie abgaben? Manche Geräusche konnte ich nur erahnen, wie das Schlagen einer Peitsche. Hier fragte ich mich: Wer wurde geschlagen? Und warum? Allerdings haben mir die Dialoge des Theaterstückes und deren Sprecher gut gefallen. Die Stimmen hatten für mich hohen Wiedererkennungswert und ich dachte, dass sich der ein oder andere sicher auch gut als Hörbuchsprecher eignen würde bzw. geeignet hätte. Dennoch ist der Inhalt des Theaterstückes wahnsinnig spannend, weil deutlich wird, wie zermürbend das Warten auf Gordot ist, von dem die Protagonisten nicht einmal wissen, ob er überhaupt so heißt und wann er endlich kommen möge. Gesamteindruck Während des Hörens der CD beschloss ich mich auch ein bisschen über Samuel Beckett zu belesen. Als ich eine Liste mit seinen Stücken fand, hatte ich den Eindruck, dass die Textzusammenstellung von "Warten auf Gordot und anderen Werken" wirklich gut getroffen ist. Stücke, die viel Aufmerksamkeit bekommen haben, waren hier vertreten. Zudem befindet sich auf CD 6 ein O-Ton, indem berichtet wird, was für ein Mensch Samuel Beckett war und wie sich die Arbeit mit ihm gestaltete. Das hat mir besonders gut gefallen, weil es hier nicht ausschließlich um seine literarischen Werke ging, sondern der Leser auch die Möglichkeit hatte, etwas über den Autor zu erfahren. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir die Textsammlung gut gefallen hat. Jedoch hätte ich mir "Warten auf Gordot" als Hörspielversion gewünscht, weil die Vertonung des Theaterstückes der Geschichte eigentlich nicht gerecht wird.

Lesen Sie weiter