Leserstimmen zu
Und Eva sprach ...

Jana Voosen

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Cover Die Frontgestaltung erregt auf jeden Fall die Aufmerksamkeit des Betrachters. Nicht nur aufgrund des dunklen Magentas, sondern auch, weil der angebissene Apfel sofort Assoziationen zur Bibelsgeschichte und zu Adam und Eva herstellt und schon etwas provokativ ist, da man erwartet, eine neue, erfrischende Sicht auf Altbekanntes präsentiert zu bekommen. Meine Meinung Die Ausgangssituation (lüsterne Protagonistin mit Schuldgefühlen; lieber, umwerfender betrogener Freund) bringt jetzt nicht viel Neues und hätte mich wahrscheinlich an sich auch nicht besonders angesprochen. Das Novum ist die Herangehensweise an die Problematik: die Verknüpfung mit dem biblischen "Urschleim" sozusagen und der direkte Transport in das Paradies (wenn auch nur unter Hypnose) eröffnen eine neue Sicht auf unsere Moralvorstellungen. Ich fand es sehr interessant, wie das Konzept der "Freien Liebe" hier aufgegriffen und dargestellt wurde. Es wird hier nicht, wie so häufig, verworfen und verurteilt, sondern im Gegenteil werden hier sogar die Vorzüge aufgezeigt, die diese Partnerschaftsform mit sich bringt. Natürlich war auch ich am Anfang etwas skeptisch und auch weniger gut auf Evi zu sprechen, weil sie einen so tollen Mann wie Alex hintergangen hat bzw. trotzdem an anderen Kerlen interessiert war, aber es liegt - das wird hier ganz klar gesagt - in der Natur des Menschen, sich hin und wieder auch zu anderen hingezogen zu fühlen und Fehler zu machen. Sex darf nicht immer mit Liebe gleichgesetzt werden. Besonders passend fand ich Joshuas Vergleich (Anmerkung: Joshua ist der Nachbar von Evi und Alex und außerdem Alex' Sandkastenfreund): Selbst meine absolute Lieblingsspeise (und ausschließlich diese) würde ich nicht jeden Tag essen wollen. Irgendwann bräuchte ich auch Abwechslung. Klar hat auch eine offene Beziehung Schwachstellen (z.B. Eifersucht), aber die muss jeder selbst für sich abwägen. Jana Voosen will, denke ich, vor allem Offenheit gegenüber von der Norm abweichenden Lebenskonzepten vermitteln und unsere überholten Vorstellungen aufbrechen - und das ist ihr bei mir gelungen. Unter diesen Gesichtspunkten kann den Roman durchaus als gesellschaftskritisch bezeichnen, allerdings ist er unterhaltsam und einfach verständlich geschrieben, sodass man sich nicht vor den Kopf geschlagen fühlt. Besonders da Evi als sympathische Protagonistin zwischen Monogamie und Polyandrie hin und her gerissen ist, hatte man nicht den Eindruck, als würde ein Liebeskonzept favorisiert werden. Das kann der Leser selbst entscheiden. Die Charaktere - insbesondere Evi - mochte ich sehr gerne, weil ich mich gut in sie hineinversetzen konnte. Insbesondere Gott kommt hier sehr gut weg - nicht nur, weil er Ähnlichkeiten mit George Clooney hat. Er war wahrscheinlich auch der Einzige, dem ich immer positiv gewogen war. Bei allen anderen war es eher ein Wechselbad der Gefühle, speziell Alex hat mit voranschreitender Handlung Minuspunkte gesammelt (warum, bleibt mein Geheimnis). Dementsprechend war die Lektüre selbst ein ständiges Auf und Ab. Es gab immer wieder Stellen, die ich als langatmig empfand oder an denen ich den Kopf schütteln musste, aber dann folgten wieder Passagen, in denen ich richtig mitgefiebert bzw. mit Evi mitgefühlt habe. Die Handlung wurde mit jeder Seite zunehmend besser. Während sie am Anfang eher wie eine lose Aneinanderreihung von Ereignissen gewirkt hat, haben sie sich bald zu einem gut ineinander übergeleiteten Handlungsstrang zusammengefügt. Hier ist mir besonders positiv aufgefallen, dass Jana Voosen immer genau an den richtigen Stellen ein Kapitel beendet hat: meistens endet es mit einem Knall in Form einer neuen Erkenntnis oder einer (unerwarteten) Wendung, sodass ich immer weiterlesen "musste", selbst wenn ich das Buch eigentlich gerade weglegen wollte. Die Platzierung der einzelnen Bibelzitate habe ich allerdings öfter als störend empfunden. Zwar hatten sie einen thematischen Bezug zum Inhalt des Fließtextes, aber meist habe ich sie übersprungen, weil ich nicht aus dem Geschehen herausgerissen werden wollte. Fazit Verbissene Moralisten und Christen sollten von dem Buch wohl ihre Finger lassen, Fans von z.B. David Safier, die gerne etwas skurrile Geschichten mit Humor lesen, könnten hier allerdings auf ihre Kosten kommen. Die Handlung wartet mit einigen guten Twists und vor allem mit gut skizzierten Akteuren auf und bringt einen dazu, (veraltete) Lebenskonzepte zu überdenken, ohne beim Lesen auf Spaß verzichten zu müssen.

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Adam, Eva und die neunbeinige Schlange Rudi

Von: Carmen Vicari aus Dossenheim

06.11.2014

Evi und Alexander sind das Traumpaar schlechthin. Zu ihrem Glück fehlt ihnen nur noch eins - ein Baby. Seit Jahren versuchen beide alles, um endlich ans Ziel ihrer Wünsche zu kommen. Evi drängt zwischenzeitlich sogar schon auf Sex nach Plan, um endlich schwanger zu werden. Dabei bleiben allerdings die Liebe und Spontanität auf der Strecke. Obwohl Evi Alexander liebt, kann sie ihre Augen nicht von anderen schönen Männern lassen und kommt es, dass Evi sich bei einer Betriebsfeier knutschend mit dem Bruder ihres Chefs in einem Aufzug wiederfindet. Evi schämt sich für ihr Verhalten und sieht keinen anderen Ausweg, als ihr Problem mit einem Psychologen zu diskutieren. Der hypnotisiert Evi und schickt sie ganz unbewusst ins Paradies, wo sie auf Adam, Eva, Jesus, Gott und einer sehr seltsamen Schlange namens Rudi begegnet. Evi ist als Steuerfachangestellte eine eher unauffällige Person, wäre da nicht ihr unerfüllter Kinderwunsch und ihre Fixierung auf das andere Geschlecht. Sie ergreift sogar regelrecht die Flucht, nachdem sie mit dem Bruder ihres Chefs geknutscht hat, und zieht gemeinsam mit Alexander in das Haus seiner Großmutter nach Heven. Neben dieser Welt, in der für Evi alles chaotisch und verwirrend verläuft, sie mehr als einmal kurz vor dem Verzweifeln steht, öffnet sich für sie noch eine ganz andere Welt. Durch die Hypnose taucht sie in eine biblische Welt ein und lernt dort nicht nur Adam und Eva kennen, sondern auch Gott, Jesus und eine 9-beinige Schlange namens Rudi. In dieser Welt lernt Evi sich zu entspannen und das Leben mit ganz anderen Augen und aus einer neuen Perspektive zu sehen. Was sie zunächst erschrickt, wird ihr bald zu einem wichtigen Part in ihrem Leben. Gerade diese Szenen sind sehr nachdenklich, zeitgleich aber auch unterhaltsam. Man möchte Evi helfen, sie manchmal in den Hinter treten oder ihr einfach nur einen Lösungsweg aufzeigen. Die Geschichte spielt in zwei Welten, wie sich unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Schreibstil von Jana Voosen ist wieder sehr flüssig und mitreißend. Die Thematik gewagt und dennoch interessant umgesetzt. Wieso sollte es nicht mal eine 9-beinige Schlange namens Rudi gegeben haben? Alles ist möglich, vor allem in Evis Unterbewusstsein.

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Die 35-jährige Evi Blum könnte eigentlich rundherum zufrieden mit ihrem Leben sein. Sie ist seit fünf Jahren mit dem 40-jährigen Alexander, einem Programmierer und definitiv Mann ihres Lebens, zusammen, hat einen Job als Steuerfachangestellte, der sie ausfüllt und zwei kleine Probleme: sie wird partout nicht schwanger und Männer: wo sie auch geht und steht, überall begegnen ihr attraktive Männer und ehe sie es sich versieht, flirtet sie heftig mit ihnen. Das gipfelt darin, dass sie beinahe auf einer Betriebsfeier einen Seitensprung mit dem Bruder des Geschäftführers hat. Nach diesem Vorfall beschließt Evi wenigstens bezüglich des Männerproblems einen Therapeuten aufzusuchen, denn als Pastorentochter kann sie mit ihrem schlechten Gewissen so nicht umgehen und auch nicht mit dem Wissen, dass sich ohne Hilfe zukünftig nichts an der Situation "Männer" ändern würde. Evi entscheidet sich für eine Hypnosetherapie bei Dr. Schäfer. Doch irgendwas läuft bei der ersten Sitzung gewaltig schief - Evi wird zurückgeschickt, allerdings soweit zurück, dass sie im Paradies landet. Nun ja, das war wohl ein Schuss in den Ofen. Bleibt Evi nur noch die Flucht aus Hamburg. Zum Glück besitzt Alex ein altes Bauernhaus außerhalb Hamburgs, dort attraktiven Männern zu begegnen scheint ja eher unwahrscheinlich und so erfüllt sie Alex seinen Wunsch und gibt ihre Zustimmung zum Umzug nach Heven. Tja, aber auch Heven lauert mit Versuchungen, zum Beispiel in Form des Nachbarn. Es nützt alles nichts, Evi muss die Therapie bei Dr. Schäfer wieder aufnehmen, sonst wird sie irgendwann noch etwas tun, was sie für den Rest ihres Lebens bedauern wird. Doch auch bei den weiteren Sitzungen landet sie immer wieder im Paradies und trifft dort auf Adam, Eva und Jesus. Als wäre das nicht alles kompliziert genug, nimmt von paradiesischer Seite erst noch das Chaos seinen Lauf ... Evi und die Männer! Der Plot wurde abwechslungsreich und humorvoll erarbeitet. Besonders gut hat mir hier gefallen, dass immer wieder äußerst passende Bibelverse in den Text eingeflossen sind, die die jeweiligen Situationen immer sehr gut unterstrichen haben. Die Figuren wurden facettenreich erarbeitet, wobei ich mich allerdings nicht unbedingt in Evi hineinversetzen konnte, denn dass eine Frau in der heutigen Zeit solche Gewissensbisse hat, nur weil sie anderen Männern hinterher schaut, scheint mir doch etwas abwegig zu sein. Hingegen empfand ich die Nebenfigur des Jesus ausgesprochen entzückend erarbeitet, denn so wie dieser hier erschaffen wurde, so hätte ich ihn mir im Leben nicht vorstellt. Auf jeden Fall war er mir die sympathischste aller Nebencharaktere. Den Schreibstil empfand ich als sehr angenehm zu lesen, sodass sich das Buch förmlich wie von selbst gelesen hat.

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