Leserstimmen zu
Luther

Heimo Schwilk

(1)
(2)
(0)
(0)
(0)
Hardcover
€ 24,99 [D] inkl. MwSt. | € 25,70 [A] | CHF 34,90* (* empf. VK-Preis)

Ein wirklich lesenswertes Buch für alle, die den Menschen Martin Luther sowie seine Zeit besser kennenlernen wollen. Schwilk hat ein sehr detailliertes und aspektereiches Buch geliefert. Es ist definitiv kein Buch, das sich schnell wegliest. Das ist dem Umstand geschuldet, dass Schwilk oft weit ausholen muss, um Ereignisse zu schildern. Ich fand das sehr gut, denn so konnte ich den Menschen Luther besser in seiner Zeit verorten und habe einiges in Theologie und Geschichte dazugelernt.

Lesen Sie weiter

Normalerweise lese ich kaum Biografien (was ich aber vielleicht jetzt ändern werde), aber im Luther-Jahr drängt es sich doch auf, sich eingehender mit dem großen Reformator zu befassen. Bisher war ich der Meinung, dass meine recht gute Allgemeinbildung auch einiges Wissen über Luther bereithält. Natürlich tut sie das – aber eben genau die Fakten und Fiktionen, die man landläufig immer wieder über ihn hört. Schwilk zeichnet ein Bild, das mich einigermaßen sprachlos zurückgelassen hat. Unbestritten sind die Verdienste Martin Luthers, der gegen den Ablasshandel zu Felde zog, gegen Korruption und Maßlosigkeit der römischen Kirche, der die Bibel ins Deutsche übersetzte und so dem einfachen Volk das Wort Gottes zugänglich machte. Ganz abgesehen davon auch seine wohl größte Leistung – die oft gar nicht als solche wahrgenommen wird – nämlich die Vereinheitlichung der deutschen Sprache. Dies alles wird vom Autor dargelegt und gewürdigt. Aber darüber hinaus zeigt er uns den Menschen Luther, der ein Zweifler war, ein Getriebener und ein Fanatiker. Wir begleiten den jungen Mönch bei seiner verzweifelten Suche nach Gott, erleben, wie er Bestätigung findet und als Lehrer und Disputationspartner anerkannt wird und sind an seiner Seite, als er sich gegen den Papst aufzulehnen beginnt. Wir erleben seine Bestürzung über die Bauernaufstände, denen er gegenübersteht wie Goethes berühmter Zauberlehrling („die ich rief die Geister…“), aber auch seine unverrückbare Haltung in Sachen Hörigkeit der Obrigkeit gegenüber. Die gottgewollte Ordnung wird von ihm nie in Frage gestellt. Ebenso ist sein Frauenbild festgefügt und da ist keine Spur von Gleichberechtigung in seinen Gedanken. Dies muss ich an dieser Stelle durch ein Zitat belegen, das mich tief erschüttert hat: es geht darum, dass viele Frauen im Kindbett sterben: „Wenn sie sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nicht, lass sie sich nur tot tragen, sie sind dazu da. […] Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden.“ Natürlich ist eine Biografie immer subjektiv geprägt durch die Sichtweise des Autors. Aber Schwilk belegt alle Zitate, so dass man seinem Bild durchaus Glauben schenken kann. Eine umfangreiche Beschäftigung mit Luther und seinem Werk merkt man jeder Zeile des Buches an. Am Ende schaut man staunend auf das Leben des Mannes, der in diesem Jahr in aller Munde ist und erkennt, dass auch der größte Genius einen kleinlichen Charakter nicht überwinden kann. Zum Ende seines Lebens ist er nur noch ein unleidlicher Fanatiker, der in seiner Verbohrtheit auch all seine Freunde vor den Kopf stößt. Die einzigen, denen er immer in Liebe verbunden ist, sind seine Katharina und die Kinder, die er sehr liebt und mit mehr Zuneigung behandelt, als ihm in der Kindheit zuteilwurde. Mich lässt dieses Buch nachdenklich zurück. Schwilk schmälert Luthers Lebenswerk keineswegs. Er öffnet nur die Augen für den Menschen Martin Luder, der über seiner rastlosen Suche die Zusammenhänge in der Welt um sich herum vergisst und mit seinen radikalen und unumstößlichen Ansichten auf vielfältigen Widerstand trifft. Für Luther gibt es kaum Kompromisse: einmal Feind, immer Feind und auch vom Freund zu vermeintlichen Feind ist es oft nur ein kurzer Schritt. Auf der anderen Seite zeigt der Autor aber eben auch jenen gottesfürchtigen Mann, der jedermann die Erlösung verspricht, der nur von tiefem Glauben erfüllt ist. Derjenige, der aus tiefem Herzen glaubt, bedarf keines priesterlichen Segens, keiner Beichte noch Buße oder edler Werke, um Gottes Gnade zu erlangen. Und kurz dürfen auch der Lautenspieler und Dichter aufblitzen. Leider kommt Luthers Kindheit und auch seine Ehe mit Katharina von Bora ein bisschen zu kurz weg, aber schon so wartet der Autor mit einer Fülle an Begebenheiten und Informationen auf, die ein gründliches Lesen erfordern. Ich empfehle diese Biografie auf jeden Fall. Wer sich eingehender mit Martin Luther beschäftigen will, sollte hier zugreifen, auch wenn ihn keine leichte Lektüre erwartet. Von mir gibt es 4 Sterne, weil mir die eben erwähnten zwei Aspekte in Luthers Leben ein wenig zu kurz gekommen sind. Dennoch bin ich sicher, dass ich mich noch öfter mit diesem Buch beschäftigen werde. Fazit: Wir alle meinen den Reformator zu kennen. Aber wer weiß schon, was für ein Mensch sich hinter dem Weltveränderer verbarg? Schwilk hilft uns, einen Blick auf diesen zu erhaschen – fundiert und gut erzählt.

Lesen Sie weiter

Großartiges Buch, begnadeter Erzähler, wissenschaftlich fundierter Luther-Experte. Prof. Mag. Peter Meier-Bergfeld M.A.

Lesen Sie weiter