Leserstimmen zu
Die Verdammten

Jim Thompson

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Die Verdammten

Von: Nenatie

28.08.2015

Inhalt Tom Lord ist Deputy in Big Sands, einer texanischen Kleinstad mitten im Nirgendwo die von Bohrtürmen eingekesselt ist. Eines Tages erschießt er bei einer Rauferei ungewollt den Ölinspektor Aaron McBride. Da er mit McBride schon länger auf Kriegsfuß stand wird er angeklagt und versucht irgendwie seine Unschuld zu beweisen, Aber auch die Ölgesellschaft ist hinter Lord her, da er zu Neugierig ist soll er verschwinden! Meinung Der Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht, also musste ich einfach zu dem Buch greifen. Es wirkt sehr düster und spannend, also genau ein Buch für mich. Die Charaktere sind alle nicht sehr sympathisch, allen voran Tom Lord. Es hat wirklich nur ein paar Seiten gedauert und er wurde zu meinem persönlichen unsympathischen Buchhelden des Jahres gekürt. Wirklich, so schnell fand ich noch keinen Charakter schrecklich. Ein selbstgefälliger Egoist der vom Leben ach so schwer getroffen wurde und nun Deputy sein muss obwohl er zu was Besserem bestimmt war. Aber der Hauptcharakter muss ja nicht immer der Sympathieträger schlechthin sein um ein Buch gut zu machen. Die andern Charaktere waren, wie schon erwähnt, auch keine wirklichen sympathieträger aber jeder hat eine lange Geschichte die ihn zu dem gemacht hat was er nun ist. Der Autor ist wirklich gut darin menschliche Abgründe zu beschreiben und eine düstere Atmosphäre zu schaffen. Viel Action oder Spannung findet man in diesem Buch dafür nicht. Die Geschichte erzählt immer wieder von unterschiedlichen Charakteren und ihrem Leben, bis alles gekonnt zu einem großen Finale zusammenläuft. Die Tode kommen in diesem Buch auch nicht zu kurz. Wer der Mörder denn nun war ist nicht immer sofort klar und man kann wirklich gut mit rätseln. Die Übersetzung erschien zwar 2014, das Buch stammt aber aus dem Jahr 1961 und spielt auch in dieser Zeit. Interessant war auch das Nachwort mit vielen Erklärungen und dem Hinweis das die anderen Bücher von Thompson noch düsterer sind. Der Schreibstil ist sehr ausschweifend. Einfach zu lesen ist das Buch nicht immer, da viele lange Schachtelsätze verwendet werden, das tut der Atmosphäre aber keinen Abbruch! Ich mochte auch sehr den Zynismus den Sarkasmus der immer wieder durchblitzt! 4 Sterne. Mein erster aber sicher nicht letzter Roman von Thompson. Eine Empfehlung kann ich für alle aussprechen die gerne einen tiefen Einblick in menschliche Abgründe bekommen und denen Spannung und Action nicht so wichtig ist.

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Nach dem Tod seines Vaters war es Tom Lord nicht mehr möglich, sein Jura-Studium fortzusetzen. Um die Schulden zu bezahlen, die sich durch die Pflege und Behandlung seines Vaters angehäuft haben, ist Tom gezwungen gewesen, einen Job in seiner Heimatstadt anzunehmen. Als ihm der Sheriff der texanischen Kleinstadt Big Sands einen Job als Deputy Sheriff anbot, griff er ohne zu zögern zu. Seine Mutter hinterließ ihm zwar ein üppiges Stück Land, bevor sie ihrer Familie für immer den Rücken kehrte, doch als einen Vertrag mit Aaron McBride, einem Bohrmeister bei der Highlands Oil & Gas Company abschloss, ist nach dem ersten Scheck über 20.000 Dollar kein Geld mehr geflossen. Mittlerweile ist Lord überhaupt nicht mehr gut auf McBride zu sprechen, nachdem er erfolglos versucht hat, das an ihm begangene Unrecht wieder gutzumachen. Er nutzt den unrechtmäßigen Waffenbesitz des Bohrmeisters als Vorwand, um ihn auf offener Straße halb tot zu prügeln. Bei dem Besuch eines Bohrturms geraten die beiden Männer erneut aneinander. Bei dem Gerangel löst sich ein Schuss aus McBrides Waffe, die den Ölinspekteur auf der Stelle tötet. Damit bringt Lord nicht nur die drei Zeugen - seine Lebensgefährtin, die heiratswillige Prostituierte Joyce, und die beiden Ölbohrer Norton und Red – in eine schwierige Lage, auch die unlauteren Hintermänner von Highlands Oil sind von diesem Vorfall wenig angetan und wollen Lord dafür ebenso zur Rechenschaft ziehen wie McBrides Witwe Donna. In einer abgeschiedenen Hütte harrt der Gesuchte der Dinge, die auf ihn zukommen. „Tom Lord hatte die Hütte vor Jahren entdeckt, damals, als er gerade zum Mann wurde. Nach und nach hatte er sie zu einem komfortablen Zufluchtsort ausgebaut. Er brauchte so einen Ort, hatte ihn immer gebraucht. Er brauchte diese Abgeschiedenheit, die seine Einsamkeit transzendierte, ihn aus den Tiefen emporhob und sanft am anderen Ufer absetzte.“ (S. 168) Diese wenigen Worte beschreiben recht treffend, worum es unter anderem in „Die Verdammten“ geht, einer Auftragsarbeit, die der damals 53-jährige Thompson 1960 kurz nach seinem ersten Schlaganfall begonnen hatte und nach Vertragsabschluss ganz nach seinem Ermessen neu modellierte. Vordergründig scheint es um Mord und dessen Vergeltung zu gehen, aber wer mit Thompsons Biografie etwas vertraut ist, wird in Tom Lord das Alter Ego des Autors wiedererkennen, dessen Vater selbst ein Ölmillionär gewesen war und 1921 bankrott ging. Mit diesem Schicksal muss sich auch Tom Lord herumschlagen, der als eigentlich guter Mann charakterisiert wird, aus dem aber jeden Augenblick der Teufel herausspringen kann. Das bekommen auch die Frauen an seiner Seite zu spüren, zunächst Joyce, die er – so sehr sie sich das auch wünscht – niemals zur Frau nehmen wird, später auch die junge Witwe des getöteten Bohrmeisters. Weder zu ihnen noch zu seinen Kollegen baut Tom Lord enge Beziehungen auf, und so wird die einsame Hütte zum Symbol seiner selbst. Thompson gelingt es, die staubige Einöde und das recht triste, unsichere Leben um die Bohrtürme herum in Texas so stilsicher zu beschreiben, dass man den Staub zu schmecken und die Klapperschlangen rasseln zu hören scheint. In dieser unwirtlichen Gegend bleibt den Einwohnern scheinbar nichts anderes übrig, als Tag für Tag ums Überleben zu kämpfen. Und doch schafft es Thompson zum turbulenten Finale hin auch einen Hoffnungsschimmer zu entfachen. Lesenswert ist auch das ausführliche Nachwort von Tobias Gohlis, der die Umstände aufzeigt, unter denen „Die Verdammten“ entstanden ist, und wie es in der Werkbiografie des Autors einzuordnen ist.

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