Leserstimmen zu
Das Dickicht

Joe R. Lansdale

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€ 9,99 [D] inkl. MwSt. | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empf. VK-Preis)

JOE R. LANSDALE - Das Dickicht (Heyne Hardcore) - eine mörderische Jagd in den Ausklängen des wilden Westens - Die beiden jugendlichen Geschwister Jack und Lula Parker haben ihre Eltern in den ersten Zuckungen des 20. Jahrhunderts an die Pocken verloren. Ihr Grandpa Caleb Parker bringt die beiden Waisen mi der Kutsche zu ihrer Tante Tessle nach Kansas, wo sie von nun an leben sollen. Er hat die Urkunden für sein Grundstück und das ihrer Eltern einem Anwalt übergeben. Dieser soll die Grundstücke zu gegebener Zeit verkaufen und den Erlös abzüglich seiner Provision den Kindern zukommen lassen, die die entsprechenden Besitzunterlagen einstecken haben. Auf der Fahrt nach Kansas muss das Gespann einen Fluss überqueren, doch die hölzerne Brücke ist abgebrannt. Es stehen nur noch ein paar verkohlte Balken und eine Fähre ist gerade auf der anderen Seite des Flusses. Als sie selbige einige Zeit später besteigen, kommt auch ein großer Mann namens Cut Throat Bill auf einem Fuchs mit an Bord. Während Bill Stress mit Grandpa Parker anfängt, wartet der Fährmann geduldig auf zwei weitere Männer namens Fatty Worth und Nigger Pete, die gerade Richtung Fähre geritten kommen. Die beiden Reiter und Cut Throat Bill scheinen sich zu kennen. Es entbrennt nun endgültig ein Streit zwischen dem großen Mann und Grandpa, den der alte Parker mit dem Leben bezahlt. Als nun plötzlich auch noch ein Wirbelsturm aufkommt, der die Fähre letztlich zum Kentern bringt, trennen sich Jack und Lulas Wege. Jack erfährt von einem Mann und einer Frau, die die Fähre auf der anderen Seite nehmen wollten, dass Lula von den drei Männern zu Pferde mitgenommen wurde. Der Mann und die Frau nehmen Jack mit in die Stadt Sylvester, wo gerade die hiesige Bank ausgeraubt wurde. Hier trifft Jack zufällig auf den riesigen Farbigen Eustace Cox und seine Wildsau Keiler. Jack und Eustace, der bereits früher seinen Lebensunterhalt als Kopfgeldjäger verdiente, kommen ins Gespräch. Jack berichtet von den Vorkommnissen auf der Fähre, von den Männern, die seinen Grandpa ermordet und seine Schwester Lula mitgenommen haben. Jack will Lula aus den Fängen der Ganoven befreien und stellt Eustace die beiden Grundstücke als Bezahlung in Aussicht,wenn dieser ihm hilft. Aber Eustace der Riese ist nur mit von der Partie, wenn auch sein Kumpel Shorty der Zwerg dabei ist. Und das ist er, der alte Halunke. Und so beginnt eine mörderische Jagd durch den Ausklang des skrupellosen wilden Westens. Shorty ist ein guter Erzähler und lässt bei Lagerfeuer oder anderen Gelegenheiten keine Situation ungenutzt von Indianergeschichten, Kopfgeldjagden oder seinen sonstigen fragwürdigen Heldentaten zu berichten. Es ist eine teils empathische, teils überspitzt humorige, aber bisweilen auch recht raue und schroffe Sprache, die der 1951 in Gladewater, Texas geborene Krimi-, Horror-, History- und Science-Fiction Autor Joe R. Lansdales in seinem Roman „Das Dickicht“ verwendet. Die Brutalität ist in eine fast schon schlitzorige, allerdings nicht sonderlich authentische Sprache verpackt, die zumeist aus der Sicht von Jack geschrieben ist. Das Storyboard wäre jedoch sicherlich ein gefundenes Fressen für jemanden wie Quentin Tarantino. Mit dem kleinwüchsigen Shorty und dem riesigen Eustace an seiner Seite sind Gewaltexzesse nämlich an der Tagesordnung, was den, mit christlichen Werten aufgewachsenen Jack das ein oder andere Mal aus der Bahn zu werfen droht. Doch mit dem Gedanken an seine Schwester und was die gesetzesbrecherischen Sauhunde mit ihr anstellen könnten, kommt er nicht umhin seinen Begleitern zu vertrauen. Eine wirkliche Freundschaft ist das zwischen den beiden ungleichen Freunden und ihm zu Anfang nicht und Jack fürchtet, dass ihn die beiden Schlitzohren zu passender Gelegenheit abmurksen könnten. Gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach den steckbrieflich gesuchten Männern. Als Jack im Hurenhaus auf das leichte Mädchen Jimmie Sue trifft, um an Informationen über Fatty Worth zu gelangen, der ebenfalls gerade in einem der Zimmer zugange ist, beschließt diese kurzerhand ihren harten, unbefriedigenden Job an den Nagel zu hängen und mit ihm zu ziehen. Sie verrät ihm bereitwillig, was er wissen will, denn Jimmie Sue scheint einen wahren Narren an Jack gefressen zu haben. Eustace, Shorty, Jack und Jimmie Sue schnappen sich daraufhin den leichtsinnigen Delinquenten Fatty, als selbiger gerade das Hurenhaus verlässt. Unter Folter wollen sie von ihm erfahren, wohin es Cut Throat Bill, seine Kumpanen und somit auch Lula verschlagen hat. Auch Sheriff Winton, dem sie Fatty gegen ein erhofftes Kopfgeld ausliefern, schließt sich der Meute an. Ein seltsamer Haufen ist das schon, der sich da zusammengefunden hat, um den Verbrechern ins sogenannte Dickicht zu folgen. Auch des Sheriffs Putzhilfe Spot stößt irgendwann zu der illustren Truppe und schließt sich ebenfalls an. Die Charakterzeichnungen sind zwar eher mittelmäßig intensiv ausgefallen, dennoch sympathisiert man im Laufe der Geschichte mehr und mehr mit den Protagonisten. "Das Dickicht" ist eine, bisweilen auf humorvolle Weise erzählte, kurzeweilige Geschichte über ein paar liebenswerte Ganoven, die ein paar weniger liebenswerte Ganoven zur Strecke bringen wollen und die Ihre nackte Brutalität durch ihre legere Art ein wenig zu entschärfen weiß. Ein rasantes Showdown in blutig-bleihaltiger Luft bleibt bei dieser waghalsigen Bestrebung natürlich nicht aus. http://www.joerlansdale.com/ Meine Wertung: 84/100 Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Das-Dickicht/Joe-R-Lansdale/Heyne-Hardcore/e453822.rhd Originaltitel: The Thicket Originalverlag: Tropen Aus dem Amerikanischen von Hannes Riffel ERSTMALS IM TASCHENBUCH Taschenbuch, Broschur, 336 Seiten, 11,8 x 18,7 cm ISBN: 978-3-453-67677-0 € 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empf. VK-Preis) Verlag: Heyne Hardcore Erscheinungstermin: 8. Februar 2016 More hard stuff @ www.lackoflies.com

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Jack Parker, der Protagonist des Werkes, hat schon so einige Schicksalsschläge erlitten, die ihn zu dem Menschen machen, der er jetzt ist. Nachdem seine Eltern den Pocken erlagen, fuhr er mit seinem frommen Großvater, seiner Schwester Lula und einem Maultier, weg von seinem Zuhause. Jedoch endet ihre Fahrt damit, dass sie von einer Gangsterbande überfallen wurden, die seine Schwester daraufhin verschleppten. Mit zwei Kopfgeldjägern an seiner Seite und ein paar anderen schrägen Gestalten startet ein wahnwitziger Roadtrip, um Jacks Schwester zu finden und diese Reise endet im berüchtigten Dickicht... Ich habe ja schon einmal ein Buch von Lansdale gelesen, das mich nicht so überzeugt hat, jedoch fand ich seinen Schreibstil auf seine ganz eigene und dunkle Art und Weise faszinierend. Mit diesem Western mit Thrillerelementen hat Joe R. Lansdale bewiesen, dass er sowohl gute Charaktere und eine gute Story erfinden kann. Er reißt einen mitten ins Geschehen und zeigt mit ''Das Dickicht'', dass er ganz einfach ein guter Autor ist und sein dunkler Erzählstil bei dem Plot, wie die Faust aufs Auge passt. Aber das Buch hat sich an ein paar Stellen etwas gezogen, gerade bei den Passagen, als die Personen geritten sind, aber die wurden mit genügend Galgenhumor gewürzt, außerdem begleitet die Personen ein Wildschwein mit Namen ''Keiler''. Insgesamt ist es ein gelungenes Buch, das mich sehr unterhalten hat. Ich vergebe ihm deshalb 4 von 5 Sternen.

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Als der sechzehnjährige Jack Parker durch eine grassierende Seuche beide Elternteile verliert, soll er zusammen mit seiner Schwester bei einer entfernten Tante unterkommen - so der Plan seines Großvaters. Auf dem Weg zur Tante wird die kleine Familie aber von Banditen angegriffen, der Großvater getötet und Jacks Schwester entführt. Auf Rache sinnend, lässt Jack sich mit Kopfgeldjägern - und einem Eber - ein und nimmt die Verfolgung quer durch die gefährlichste Gegend Süd-Texas' auf - durch das Dickicht. Dabei begegnet Jack nicht nur Banditen, sondern auch Freudenmädchen, Sheriffs, Keilern, Bären und Zwergen, Guten und Bösen und vor allem - sich selbst. Wer Landsdale kennt, der kann mit bestimmten Komponenten rechnen. Dazu zählen: derbe Sprache, ausgefeilte Figuren, eine berührende Lebensgeschichte und ein höllischer Trip. Mit einem aber kann man nicht rechnen: Vorhersehbarkeit. Bei allem, was einem zwischen den Seiten einer Landsdale-Geschichte unter die Augen kommt, wäre man nicht verwundert, wenn Gott persönlich aus den Wolken hervor taucht - oder vielleicht eher sein Gegenspieler. Oder ein Drache. Alles, was sich auch nur im äußersten Spektrum der Realität befindet, wird da sein und es wird entweder sofort ins Leserherz geschlossen oder für immer verflucht. Wie so oft, ist die Hauptfigur, Jack Parker, sympathisch und glaubwürdig. Seine Suche nach der Schwester entpuppt sich als Coming-of-Age-Trip der Extraklasse. Seine Begleiter sind ebenso haarsträubend wie herzerwärmend und lassen den Leser zwischen Kopfschütteln und Solidaritätsbekundungen schwanken. Im Verlauf der Handlung wird vom Erzähler kein Blatt vor den Mund genommen, weswegen der Leser alles aus der (vermeintlich) ungefilterten Sicht eines (verzweifelten) Jungen präsentiert bekommt: Mord, Folter, Hoffnung, Ängste, Wut, Humor und natürlich jede Menge Leichen. Politische Korrektheit oder ausgefuchste Sprache sucht man - wie immer - vergebens. Landsdale hat bereits nach seinem ersten Bestseller "Akt der Liebe" angekündigt, alle sprachlichen Feinheiten wie synonym gebrauchte Varianten von "sagen" (hauchen, husten, flüstern, jammern, ...) zu vernachlässigen. Keine Schnörkel, kein Schnick-Schnack. Und genau das macht den Charme seiner Geschichten aus. "Das Dickicht" ist - wie "Dunkle Gewässer" und "Die Wälder am Fluss" - eine wilde, intensive, etwas kranke und doch überaus liebevoll gestaltete, nostalgische und sentimentale Verfolgungsjagd, ein Road-Trip des Lebens voller menschlicher Abgründe, Sehnsüchte und Träume. Nach der Lektüre bleibt man zurück mit der deprimierenden Wahrheit über die böse menschliche Natur - und das Wissen um einzelne, ausgewählte, wunderbare Menschen. Insgesamt ist "Das Dickicht" unter den Coming-of-Age-Romanen Landsdales der bisher schwächste (nach "Dunkle Gewässer" und dem bisher unangefochtenen Star "Die Wälder am Fluss"), aber spielt ganz oben in der Liga der historisch-blutrünstigen Lebensgeschichten mit. Für Fans von Landsdale (wieder einmal) ein Muss!

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