Leserstimmen zu
1815

Thierry Lentz

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Rezension aus: https://www.eulengezwitscher.com/single-post/rezension/metternich-talleyrand Auftritt Talleyrand: Frankreichs Außenminister der seit frühester Jugend an einem Klumpfuß leidet, hinkt behäbig, aber mit bedrohlich klackerndem Gehstock ins Konferenzzimmer. Dort haben die großen Vier die Köpfe zusammengesteckt: die Chefdiplomaten aus Russland, England, Preußen - und Österreichs Kanzler Metternich, der Gastgeber dieses Wiener Kongresses, der eigentlich noch gar nicht begonnen hat. Talleyrand gibt sich empört: Warum man schon geheime Vorabsprachen treffe, will er wissen? Peinlich berührtes Schweigen. Dabei stehen doch da die strahlenden Sieger am Besprechungstisch. Gerade erst hat man mit vereinten Kräften Napoleons Frankreich geschlagen. Und jetzt buckeln sie vor Talleyrand, der schon diesem Unruhestifter Europas als Minister gedient hat? Ein kurioser Auftakt der Neuordnung Europas ist das. Denn nichts weniger ist der Wiener Kongress, auf dessen diplomatischem Parkett sich manches biografische Duell entwickeln wird...   Mit dem Österreicher Metternich und dem Franzosen Talleyrand stehen sich schillernde Persönlichkeiten gegenüber. Bei haben die hohe Staatskunst beim gleichen Lehrer studiert, aber Talleyrand ist etwa zwanzig Jahre älter und ungleich erfahrener: Er hat als Priester und Bischof angefangen und später für alle möglichen französischen Regierungen gearbeitet: Für die Revolution, für Napoleon und jetzt also für die Nachkriegsregierung. Metternich dreht noch seine ersten Runden auf diplomatischem Parkett, seine große Zeit als Bewahrer des monarchischen Prinzips bricht gerade erst an. Auf dem Wiener Kongress taktieren beide aus schwierigen Positionen heraus: Talleyrand hat zwar nichts zu verlieren, aber als Kriegsverlierer auch nichts zu sagen. Metternich spricht für Österreich, dessen Kaiser Jahrhunderte lang die Krone des Heiligen Römischen Reiches getragen hatten, das wiederum Napoleon zerschmettert hatte. Über Metternich baumelt das Damoklesschwert der Abberufung, Talleyrand muss die Zerstörung seines Lebenswerks fürchten: ein starkes Frankreich, an dem keine europäische Macht vorbeikommt. Erstaunlich schnell werden allerdings aus erbitterten Widersachern Zweckverbündete: Dem gerissenen Talleyrand gelingt es, die Phalanx der Sieger zu sprengen und sein Frankreich als attraktiven Bündnispartner zu präsentieren... Ist das ein Angebot, das Metternich nicht ablehnen kann?   Thierry Lentz ist Franzose. Eigentlich könnte er Talleyrands Verhandlungsgeschick lustvoll ausschlachten und abfeiern. Er könnte auch die üblichen Kongress-Klischees bedienen: Dass man nur auf prunkvollen Bällen tanzt und nicht arbeitet, ist so ein Klischee - oder dass man sich eher ins Bett einer der vielen Diplomaten-Groupies sinken lässt, als sich an den harten Besprechungstisch zu setzen. Thierry Lentz tut wenig von alledem. Sein 1815 ist frei von nationalem Nachstolz. Er lässt natürlich die Bälle, Festessen und sonstigen Vergnügungen nicht unerwähnt, setzt sie aber geschickt ins Verhältnis zum Gesamtgeschehen: Schließlich wird auch beim Dessert folgenreich taktiert. Seine Analysen des Kongressgeschehens sind nicht nur wissenschaftlich auf hohem Niveau, sie lassen auch jeden historischen Krimi alt aussehen. Denn die Interessen und Positionen der verschiedenen Mächte zu den verschiedenen Sachfragen des Kongesses werden nicht einfach nüchtern referiert, sondern durchaus anschaulich - jedenfalls spannend - berichtet. Dennoch hätten dem Buch zwei weitere Bestandteile gut getan: Eine knappe und übersichtliche Chronik des Kongressgeschehen, die den Erzählfluss ergänzt - und ein biografisches Register der wichtigsten Protagonisten. Derer gibt es zwar nicht viele, aber es hätte sich gelohnt, die wichtigsten Diplomaten und Charaktere nochmals in wenigen Worten zu porträtieren.. 

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Mir ist in dem Buch ein Fehler aufgefallen, über den ich schon etwas schmunzeln musste, dort geht es um eine Auseinandersetzung am 31. September. Der September hat allerdings nur 30 Tage, da fragt man sich doch wie ein solcher Fehler passieren kann? Wie viel Wissen enthält das Buch? Wie viel recherchiertes Wissen? Wie viel davon kann man glauben, wenn man nicht einmal ein Datum hinbekommt? Das ist ein fader Beigeschmack, ich hatte dann aufgehört zu lesen, weil mich so etwas schon davon abhält ein Buch als ernst zu betrachten, wenn das Thema auch durchaus interessant war. Es muss im Grunde jeder selbst entscheiden als wie schwerwiegend man solche Fehler erachtet, aber wenn schon so etwas passiert, wer weiß was noch alles falsch ist, so war das Buch, wie gesagt, für mich nicht mehr interessant, wenn Du solche Fehler besser verzeihen kannst schau auf jeden Fall mal rein und bilde dir deine eigene Meinung.

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