Leserstimmen zu
Boston

Upton Sinclair

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Der Roman „Boston“ von Upton Sinclair hinterlässt nach der Lektüre gemischte Gefühle bei mir. Zum einen ist die Thematik rund um die Sacco und Vanzetti Prozess – Posse, in den 20er Jahren im erzkonservativen Neuengland spannend und berührend, zum anderen zieht sich die Prozessbeschreibung und insbesondere die Rolle der Figuren ein wenig in die Länge, so dass man stellenweise das Gefühl hat auf Wiederholungen zu stoßen. Das mag zwar insgesamt chronologisch durchaus richtig sein und auch stilistisch ein ungemeines Gefühl der Authentizität erzeugen, denn die Prozessbeteiligten werden ähnlich gefühlt haben wie der Leser, der immer ungläubiger und beizeiten wütender den Prozessverlauf – oder die Farce eines Prozesses – verfolgt. Da man schon den Ausgang des Prozesses kennt, bevor dieser überhaupt begonnen hat, schleicht sich ein Gefühl der Beklemmung beim Lesen ein und man fragt sich, wie im Geburtsland der modernen Rechtsstaatlichkeit eine solches Possenspiel stattfinden konnte. Historisch betrachtet ist das Buch sehr interessant und wirft ein kritisches Licht auf die amerikanische bzw. Neuenglische Geld-Elite, die mit allen Mitteln, auf Kosten der Arbeiter, eigene Pfründe abzusichern versucht. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass das Buch eine nicht vollkommen unparteiische Sichtweise auf die Geschehnisse bietet und man geneigt ist, den Roman als Tatsachenbericht zu lesen, der er nicht ist. Insgesamt jedoch ein überzeugendes Buch - mit stellenweiser Langatmigkeit - welches große Bedrückung und Fassungslosigkeit hinterlässt.

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