Leserstimmen zu
Regengötter

James Lee Burke

Hackberry Holland (2)

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Der hier besprochene Roman „Regengötter“ erschien im Original 2009 und ist der zweite Band der Hackberry Holland-Reihe. Der erste Roman „Zeit der Ernte“ erschien schon 1971. Aufgrund des großen zeitlichen Abstands - auch inhaltlich - kann „Regengötter“ aber auch ein hervorragender Einstieg in die Romane eines Meisters der Hard-Boiled-Krimis sein. Das Buch steht für sich allein und kann ohne Vorwissen gelesen werden. Um was geht es in „Regengötter“ von James Lee Burke? Sheriff Hackberry Holland hat nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, für einen Gesetzeshüter hat er auch ein eher untypisches Alter erreicht. Im texanischen Grenzgebiet, im tiefsten Südwesten der USA ist das alles vielleicht nicht ganz so außergewöhnlich. Die neun Leichen, die dem über 70jährigen Sheriff eines Tages anonym gemeldet werden, sind es hingegen schon. Eigentlich gehört das nicht in seinen Zuständigkeitsbereich: Es sind illegal eingewanderte Asiatinnen, die als Drogenkuriere missbraucht wurden. Ein Fall für das FBI – doch in Hackberry Holland, immerhin ein Veteran des Korea-Kriegs, rührt der Anblick der verscharrten Frauen etwas. Er will dranbleiben, findet einen Zeugen – der allerdings ist bereits auf der Flucht vor den Hintermännern. Einer davon ist ein gewalttätiger Psychopath, genannt „Preacher“. Sheriff Holland ahnt nicht, worauf er sich eingelassen hat … Burke präsentiert sich in „Regengötter“ als ausgezeichneter Dramaturg, der mit den Mitteln des Kriminalromans eine Gesellschaft und ihre Abgründe kritisiert. Das Böse hat in diesem Roman viele Ausprägungen, und James Lee Burke versteht es meisterhaft, sie zu beleuchten. Ist der psychopathische, bibelfeste Killer „Preacher“ der wahre Bösewicht, oder sind es die Drogenbarone und deren Auftragsmörder? Wen könnte diese Frage eher umtreiben als den Protagonisten Sheriff Holland, der in seinem Leben selbst genügend Tiefpunkte kannte und der glaubt, in seiner Arbeit einen Weg zum Seelenheil gefunden zu haben. Es sind die Figuren, die im bild- und sprachgewaltigen „Regengötter“ herausstechen. Sie und ein derbes, raues Land als Kulisse, in dem sie angesiedelt sind, erinnern den geneigten Serienfan vielleicht an „Fargo“. Insbesondere Jack Collins, der „Preacher“, würde perfekt in dieses Setting passen. Der Sheriff wiederum bildet ein interessantes Gespann mit seiner Kollegin, Hilfssheriff Pam. Die hat ein ziemlich loses Mundwerk und haut, wenn sie es für angebracht hält, auch einem FBI Agenten gerne mal eine rein. Mein Fazit: Vieles an „Regengötter“ erinnert an einen klassischen Western, inklusive des Showdown. Doch der Band hat mehr zu bieten: Er hat Witz und Spannung, bietet Krimi-Handlung und Gesellschaftsroman in einem. Mit über 670 Seiten ist der Roman mehr als umfangreich und dem Mittelteil hätte vielleicht etwas Straffung gut getan – aber das ist Meckern auf höchstem Niveau. Denn „Regengötter“ ist ein erstklassiges Buch, das seinen nicht ganz unkomplizierten Plot in einer sehr lesenswerten Sprache verpackt. Es ist ein Roman für alle, die beim Lesen den Staub der Landschaft auf der Zunge schmecken wollen – so anschaulich, so packend schreibt James Lee Burke. Es ist ein großer amerikanischer Krimi, der die Grenzen des Genres sprengt und der Gesellschaft mehr als einmal einen unangenehmen Spiegel vorhält.

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James Lee Burke - Regengötter (Heyne Hardcore) - Eine Hetzjagd durch das geschundene Herz Amerikas - Dass man James Lee Burke, einen der besten US-amerikanischen Schriftsteller hierzulande neu oder zum Teil erstmalig aufgelegt hat, ist ein wahrer Glücksgriff, sind seine Krimi/Thriller doch stets komplexe, authentische und spannungsgeladene Geschichten mit stark gezeichneten Charakteren, viel Lokalkolorit und einem ganz speziellen, lebendigen Flair. Burke lebt seine intelligent aufgebauten, sowie eingängig geschriebenen Geschichten und tritt beim Leser ein unmittelbar einsetzendes und fesselndes Kopfkino los. Der Autor ergeht sich nicht erst hunderte von Seiten in orgiastischem Geschwafel, legt gleich von Anfang an deftig los und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Das mag auch der Grund dafür sein, dass seine Romane in der Regel bei Heyne Hardcore erschienen sind. Der, gerade soeben dem Jugendalter entwachsene Trinker und Irakveteran Pete Flores und seine Freundin Vikki Gaddis geraten in Schwierigkeiten als sich Pete auf einen Auftrag mit dem Sadisten Hugo Cistranos und seinen Psychopathen-Freunden einlässt. Cistranos, von dem Nachtclubbetreiber Nick Dolan beauftragt, seinem Konkurrenten Arthur Rooney ein wenig Kopfzerbrechen zu bereiten, übertreibt bei seinem Auftrag, aufgrund eines telefonischen Missverständnisses allerdings komplett. In einem brutalen Gewaltexzess jagen die kranken Bastarde den neun jungen, teilweise noch jugendlichen, asiatischen Prostituierten des Konkurrenten das komplette Magazin einer Thompson Maschinenpistole in den Körper und verscharren selbige anschließend hinter einer Kirche in Chapala Crossing, nahe der Tex-Mex Grenze. Pete, der einen der Wagen fahren sollte, macht sich währenddessen aus dem Staub, tätigt einen anonymen Anruf bei der Polizei und fällt nicht zuletzt dadurch in des Soziopathen Jack Collins‘ Ungnade. Mit dem Profi-Killer und religiösen Spinner Jack "Preacher" Collins, der sich seine Moral hinbiegt wie es ihm gerade in den Kram passt, halst er sich und Vikki ein noch viel größeres Problem auf. Schnell kommt den gesamten Beteiligten das ICE, das FBI und nicht zuletzt Sheriff Hackberry Holland auf die Spur. Eine Hetzjagd durch das geschundene Herz Amerikas ist die Folge und für Vikki und Pete tut sich die Hölle auf. Der abgeklärte Kriegsveteran und Sheriff mit dem etwas sonderbaren Namen Hackberry Holland wird zum Tatort berufen und entdeckt die neun Leichen notdürftig unter ein bisschen Erde verscharrt und mit einer Planierraupe platt gewalzt. Holland ist ein straighter, hartnäckiger Typ, mit festen Prinzipien, der jedoch ständig mit sich und seiner Vergangenheit im Clinch liegt. Immer wieder holen ihn seine Nordkorea Kriegstraumata, sowie der Rest seiner nicht so rühmlichen Vergangenheit ein und er lebt ein Leben voller Vorwürfe. Der raubeinige Witwer, der bereits weit über den Zenit des Lebens hinaus blickt, ist vielleicht ab und an etwas roh und hart zu sich selbst, hat aber eine durchaus liebenswerte Ader und ist sympathisch gezeichnet. Sheriff Hackberry Holland und seine Kollegin Deputy Pam Tibbs begeben sich bei der Suche nach Vikki und Pete und den psychopathischen Killern immer wieder in höchste Gefahr. Bei dem, 1936 in Louisiana geborenen James Lee Burke geht es normalerweise um brutale, ungeschönte Gewalt. Man spürt die drohende Gefahr, die brütende Hitze und die zermürbende Verzweiflung. Trotz der 662 Seiten starken Story, die im Jahre 2009 unter dem Titel "Rain Gods" erschien, handelt es sich bei „Regengötter“ um einen komplexen, in sich stimmigen Plot, der gerade aufgrund seiner Beschreibungen des Banalen so echt und lebendig wirkt. Allein die etwas unpassenden Aktionen des Profi-Killers und religiösen Wirrkopfs Jack "Preacher" Collins sind etwas grotesk. Burke neigt in der Beschreibung der Handlungen und Aussagen seiner Protagonisten zu leichten Übertreibungen, die zwar auf-, aber nicht weiter ins Gewicht fallen. Ansonsten auf durchgehend hohem Niveau angesiedelt, ist es ein, für das belletristische Genre vergleichsweise tiefgründiges Buch voller Sadismus, Gewalt und Tod. Mit seinen kaputten Charakteren zeugt das, hierzulande am 20.10.2014 erschienene "Regengötter" vom kranken, kalten Individualismus eines durch und durch verkommenen Landes. Burkes Beschreibungen der örtlichen Gegebenheiten, der Gefühle, Eindrücke und Gedankenwelten seiner Protagonisten, der jeweiligen Situationen in denen sie stecken, schaffen eine eindrückliche Atmosphäre, eine bildhafte Kulisse, sowie diese ganz spezielle, von Hitze und Gefahr geschwängerte Grundstimmung. Meine Wertung: 84/100 More hard stuff @ www.lackoflies.com Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Autor/James-Lee-Burke/p3691.rhd Aus dem Amerikanischen von Daniel Müller Originaltitel: Rain Gods Originalverlag: Simon & Schuster Paperback, Klappenbroschur, 672 Seiten, 13,5 x 20,6 cm, 1 s/w Abbildung ISBN: 978-3-453-67681-7 € 16,99 [D] | € 17,50 [A] | CHF 22,90* (* empfohlener Verkaufspreis) Verlag: Heyne Hardcore Erschienen: 20.10.2014

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Der Thriller „Regengötter“ von James Lee Burke kommt daher wie ein langer Ritt durch eine wüstengleiche Gegend. Es ist mein erster „Burke“, ich gebe es zu. Vielleicht kann ich dadurch aber noch unbeeindruckt vom lagen Schaffenswerk des Autors meine Meinung darlegen. Über 650 Seiten lang bewegt sich die Kriminalstory bis zum großen Showdown, schon lange nicht mehr habe ich ein solch umfangreiches Buch gelesen. Dabei hat es mich an vielen Stellen an einen Western erinnert, bei dem die großen Gegenspieler sich gegenseitig meucheln, bis nur noch zwei übrig bleiben und diese sich gegenüberstehen. So ist es zwar nicht ganz, aber das Gefühl ist präsent. Worum es geht? Sheriff Hackberry Holland, ein alter Kriegsveteran, Witwer und ehemaliger Alkoholiker, findet hinter einer Kirche nach einem anonymen Anruf mehrere Frauenleichen auf, als er anfängt zu graben. Mehr oder weniger unterstützt von den Bundesbehörden macht er sich auf die Suche nach den Tätern. Dabei hilft ihm sein Chief Deputy Pam Tipps, eine Frau im besten Alter und schwer verliebt in Hackberry. Der anonyme Anrufer, der junge Kriegsveteran Pete, war Zeuge der Morde und muss mit seiner Freundin Vikki fliehen. Denn nun sind etliche hinter ihm und Vikki hinterher: der Sheriff, die Bundesbehörden, die wahren Mörder, die Auftraggeber, die Feinde der Auftraggeber. Wer hier nun wen ausspielen möchte ist schwer zu durchschauen. Am schlimmsten aber ist der Mörder, ein Psychopath, Jack Collins – der Preacher, dessen christlich religiöse Wahnvorstellungen alle seine Untaten begründen sollen. Er steht zwischen verschiedenen Parteien, die ihn alle beauftragen wollen die jeweilige Gegenseite zu töten, und so macht er sich ans Werk. Allerdings nicht so, wie sich das alle wünschen … Der Autor belässt es bei dem umfangreichen Werk auf eine überschaubare Anzahl von Protagonisten, von daher kann man der Story gut folgen. Mir gefällt, wie Burke an vielen Stellen die Finger in die Wunden dieses großen Landes legt, wenn er von den zahlreichen Angestellten großer Anwesen berichtet oder wie junge Soldaten ausgenutzt, verwundet und sich wie ausgespuckt auf der Straße wiederfinden. Die eigentlich nur Gutes tun wollten aber vom System dem großen Ganzen untergeordnet und geopfert werden. Beim Lesen fällt einem eine gewisse Trägheit auf, was ich sehr wohl positiv meine, denn Burke lässt seinen Figuren Zeit sich zu entscheiden, welche Schritte sie als nächstes unternehmen wollen. Fast wie bei einem Schachspiel. Doch wie bei diesem Spiel wird nicht jeder Zug mit Glück belohnt und schwupps ist man Schachmatt oder wie hier der nächste Tote. Und man wird ebenfalls an Roadmovies erinnert, so oft, wie die Protagonisten in ein Auto steigen, um lange Fahrten zu unternehmen. Allerdings werden auch in diesem Buch die Geschichten einiger Figuren nicht konsequent bis zum Ende verfolgt, was ich außerordentlich schade finde. Aber wer weiß, bei der Fülle von veröffentlichten Werken werden wir bestimmt wieder von ihnen lesen. Bei der Recherche über Burke fallen einem die immer wiederkehrenden Charaktere auf, wobei ein Cousin auch hier eine Rolle spielt, dem Burke eine eigene Reihe gewidmet hat. Die Rede ist von Billy Bob Holland. Ich muss von daher kaum erwähnen, dass es unzählige Werke von Burke gibt, die man als Fan von ihm bestimmt alle lesen will. Auch bekam er sehr viele Auszeichnungen und einige seiner Bücher sind bereits verfilmt. Nachzulesen kann man das alles zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/James_Lee_Burke Lesespaß für lange Abende, Nachmittage auf der Couch, am Strand und als Geschenk für Männer bestens geeignet.

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Der aufgrund einer Kriegsverletzung zum Frührentner und Gelegenheitsjobber gewordene Alkoholiker Pete Flores ist in derben Schwierigkeiten. Bei seinem letzten Job als Fahrer wird er Zeuge von einem Massenmord an asiatischen Prostituierten, die als Mulis Drogen in ihren Körpern transportierten. Voller Panik macht Pete sich vom Tatort aus dem Staub. Von nun an werden er und seine Freundin, die Kellnerin und Folksängerin Vikki Gaddis gejagt. Und dies nicht nur von diversen Auftragskillern und deren Bossen sondern auch von der Polizei. Sheriff Hackberry „Hack“ Holland tut zusammen mit seiner Partnerin Chief Deputy Pam Tibbs alles, um die beiden vor den Killern zu finden und somit zu schützen. Mehr oder weniger erhalten Hack und Pam Unterstützung vom FBI sowie ICE, doch auch die verfolgen eigentlich ihre eigenen Ziele, nämlich der großen Bosse hinter der ganzen Sache habhaft zu werden. Wer wird diese Jagd roadmoviegleich quer durch Texas gewinnen und wer muss schlussendlich dran glauben? Wer sich für den Thriller „Regengötter“ von James Lee Burke entscheidet, wird ein wahres Meisterwerk in den Händen halten. Jede einzelne Szene ist eine perfekte Darbietung, bis ins kleinste Detail durchdacht und einzigartig geschrieben. James Lee Burke schreibt in einem guten Tempo und in unverwechselbarer Sprache. Das Lesen ist angenehm, natürlich hochspannend und zu jeder Zeit Unterhaltung auf höchstem Niveau. Die Charaktere hat der Autor ausgezeichnet herausgearbeitet und vollendet gezeichnet. Besonders Sheriff Holland sticht hervor, der einsame Wolf, der nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau und dem Wegzug seiner Kinder ein Einsiedlerleben führt und seinem Job geradezu verbissen nachgeht; diese Figur ist äußerst realitätsnah, selbst sein John-Wayne-gleiches Aussehen kaufe ich dem Autoren ab. Sehr gekonnt hat der Autor immer wieder überraschende Abläufe und unerwartete Reaktionen seiner Charaktere eingebaut, die ich als Leserin so nicht erwartet hatte. Von Herzen gerne vergebe ich diesem brillanten Thriller seine wohlverdienten fünf Sterne von fünf möglichen Sternen und empfehle ihn unbedingt weiter an Leser, die anspruchsvolle Lektüre bevorzugen und sich von der Dicke des Buches nicht abschrecken lassen, die 672 Seiten sind die investierte Lesezeit mehr als wert. Wer ein Buch des Autoren gelesen hat, will seine anderen Werke gleich im Anschluss verschlingen – ein wahrer Pageturner ist dieses Buch.

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Ein dicker Schmöker um den alten Sheriff Holland, der den Psychopathen Preacher verfolgt. Ein bißchen Jack Reacher, ein wenig “No Country for Old Men”, eine Spur “Mr. Mercedes” (was den alten Ermittler betrifft) – ein spannendes Buch. Wenn mich etwas störte, dann die Wiederholung der Plotidee “Killer ist immer einen Schritt voraus, kriegt aber selbst eins auf die Mütze”. Der Nachfolgeband steht bereits auf der TopTen der Krimi-Liste der deutschsprachigen Zeitungen, z.B. der ZEIT.

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"Regengötter"

Von: Kaisu

05.11.2015

"Ich hab gehört, dass Sie ein Sturkopf sein sollen. Ich hab auch gehört, Sie scheren sich einen Dreck um die Welt außerhalb Ihres Zuständigkeitsbereich." (S.104) Das beschreibt so ziemlich genau den Eindruck, den irgendwie jeder von Sheriff Hackberry Holland hat. Ein mürrischer alter Mann, der seinen Job noch bis zur Rente macht und sich nicht für sein weiteres Umfeld interessiert. Doch der Schein trügt gewaltig. Holland hat sehr wohl ein Auge auf das was in der Welt geschieht. Allerdings bindet er das nicht jedem auf die Nase. Ebenso nicht den Punkt, dass er einen weichen Kern hat, den bisher nur wenige Menschen erblickt haben. So weiß er auch ganz genau, wer hinter den grausamen Morden hinter der Kirche in Chapala Crossing steckt. Aber keiner weiß wo er ist und ob er im Alleingang die Frauen regelrecht hingerichtet und verscharrt hat. Stattdessen läuft den Beamten ein junger Mann in die Arme, der durch Trunkenheit schon desöfteren aufgefallen ist. Was weiß er von der Tat? War er daran beteiligt oder nur ein stummer Zeuge? Zusammen mit der Polizistin Pam Tibbs begibt sich der Sheriff auf Spurensuche. Dabei wird er unfreiwillig vom FBI und einer speziellen Abteilung dort, der Einwanderungsbehörde begleitet. Besonders Agent Isaac Clawson geht ihm hierbei auf die Nerven. Denn statt zusammen zu arbeiten und wichtige Informationen weiter zu geben, startet er einen Alleingang. Eher einen Rachefeldzug, denn er hat mit dem gesuchten Killer namens "Preacher" noch eine persönliche Rechnung offen, was aber weder für Clawson noch die Ermittlungen von Vorteil ist. Das große Chaos ist also vorprogrammiert. Als wäre das nicht schon genug, fangen plötzlich ranghohe Befehlshaber im Drogen- und Prostitutionskartell an sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Keiner will sich die Schuhe der Schuld anziehen. Jeder will sich aus den Schlingen des Gesetzes herauswinden. Nur einer bleibt dabei völlig gelassen: Preacher. Ist er vielleicht doch nicht der Schuldige? "Regengötter" ist kein Buch, was man nach 400 Seiten beendet hat. Bald 700 Seiten verschlingen die Katz- und Mausspiele der Jäger und Gejagten. Für den ein oder anderen mag das jetzt ermüdend klingen. Man hat die Geschichte um den Massenmord von Frauen, die teilweise lebendig mit einem Bulldozer unter der Erde verscharrt wurden auch nicht man eben mit ein paar Worten beendet. Da steckt viel mehr dahinter. Wer alles in dem Geflecht aus Mord, Drogen und Prostitution steckt, wird nach und nach klar. Auch welche unschuldigen Menschen sich darin verheddert haben und nun unweigerlich mitgeschleift werden. Es ist bis zum Ende nicht klar, wer überleben darf und wer hingerichtet wird. Denn Schweigen holt man sich nicht mal eben in einem Gespräch. Hier werden Nägel mit Köpfen gemacht. Wer nicht spurt, wird ebenfalls hingerichtet. Da müsste man doch eigentlich nur warten, bis am Ende einer übrig bleibt - oder? Die Stimmung ist rau und kalt. Die Natur weit und staubig. Die Menschen uneinsichtig und gehetzt. Die Ermordeten geduldig am warten, während ihr Hüllen langsam verwesen. Somit sollte man rasch die Genreeinteilung "Thriller" vergessen. James Lee Burke ist in Amerika ein sehr bekannter Krimiautor, der entsprechend dafür ausgezeichnet wurde. Seit den Achtzigern widmet er sich dieser Richtung und ist recht erfolgreich darin, wie man deshalb hier in Deutschland auf Thriller kommt, ist mir nicht ganz begreiflich. Das schadet dem inhaltlichen der Story zum Glück nicht, wenn man mit den richtigen Erwartungen heran geht. Dieses Buch ist eine amerikanische Geschichte, die sich mit dem beliebten Thema der Schmuggelbanden nahe der mexikanischen Grenze beschäftigt. Es ist eine interessante Thematik, die sehr blutig und brutal vonstattengeht. Burke konzentriert sich jedoch auf einen Fall und deren Drahtzieher und deren Netz ist schon groß genug. Mehr hätte man auch nicht hineinpacken sollen. Trotz der Grausamkeit die in diesem Buch herrscht, wird ein ruhiger Ton angeschlagen. Brutalität - kaltblütigen Mord - das Hinrichten von Menschen, das kann man nicht beschönigen, aber man muss es auch nicht verherrlichen. James Lee Burke hat einen guten Mittelweg gefunden und eine Figur erschaffen, die ich gerne weiterhin begleiten möchte. Wie man sich nun denken kann, war ich sehr positiv überrascht von dem Buch. Ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen dicken Klopper innerhalb weniger Tage verschlungen haben werde. Trotz seines ruhiges Grundtons habe ich mich nie gelangweilt und das stetige Hin und Her ist zeitweise recht verwirrend. Von daher hat das Buch auf jeden Fall eine Empfehlung verdient!

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Prediger

Von: wal.li

25.09.2015

Sheriff Hackberry Holland hat ein bewegtes Leben hinter sich, Weiberheld und Alkoholiker, im Korea-Krieg fast gefallen, eine Frau hat das Weite gesucht, die andere bedauerlicherweise früh verstorben. Mit etwas über 70 bräuchte er eigentlich nicht mehr zu arbeiten, doch durch seine zweite Frau, die er immer noch sehr vermisst, zu einem der besseren Mitglieder der Gesellschaft geworden, hat er es sich zu Aufgabe gemacht, das Verbrechen zu bekämpfen. In der kleinen Stadt in Texas zu Sheriff gewählt, scheint das gerade die richtige Aufgabe zu sein. Wenn da nicht dieser Anruf wäre, in dem eine Schießerei gemeldet wird. Am Ort des Geschehens traut Hackberry seinen Augen kaum, denn neun tote Frauen vermutlich asiatischer Herkunft werden gefunden. Wie kann so eine Bluttat in seinem Bezirk geschehen. Möchte man eine Vorstellung von dem nur knapp beschrieben Helden haben, genügt ein Blick auf das Foto des Autors. Dieser entspricht genau dem Bild, dass man sich von dem schon älteren wettergegerbten Sheriff machen könnte. Groß, schlank, den Cowboyhut in die dunklen Haare gedrückt, mit einem wissenden Blick des lebenserfahrenen alten Haudegens. Ruhig und bedächtig geht Hack an die Ermittlungen, unterstützt von Pam Tibbs, die ebenfalls im Büro des Sheriffs arbeitet und ihm manchmal im richtigen Moment die richtige Rückendeckung gibt. Schnell stellt sich heraus, dass auch das FBI ein Interesse an dem Fall hat, da scheint etwas Größeres im Gange zu sein. Doch wie so oft klappt die Zusammenarbeit nicht optimal. Und wer ist der geheimnisvolle Prediger, der die Frauen auf dem Gewissen zu haben scheint. Staubtrocken wie die Wüste in Texas so wirkt dieser Roman. Der abgeklärte Held, der seine Kriegserlebnisse doch nicht richtig überwinden konnte. Die jüngere Pam, die auf der Suche nach einer Vaterfigur zu sein scheint und diverse mehr oder weniger böse Wichte, die alle unter einer Decke stecken mögen und sich doch spinnefeind sind. Das geht nicht ohne weitere Tote ab. Spannende sehr bildhaft beschriebene Szenen wechseln sich dabei mit manchmal etwas langatmigen Ergüssen ab, die vielleicht aus europäischer Sicht nicht so nachvollziehbar sind. Dies ist doch ein sehr amerikanischer Roman, wo man schnell mit der Waffe bei der Hand ist, wo Gescheiterte selten Hilfe bekommen, wo ein 70jähriger Sheriff sein kann und wo es aber doch immer einen Silberstreifen am Horizont gibt, weil diese Menschen sich einfach nicht unterkriegen lassen. Eher ein moderner Western als ein Krimi aus dem Land der Cowboys, der einem einen erhellenden Einblick in eine fremde Welt gewährt.

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Der Geruch des Todes! Auf den Hinweis eines anonymen Anrufers hin, gräbt Sheriff Hackberry Holland hinter einer verlassenen Kirche die Leichen von neun Frauen aus, notdürftig mit einem Bulldozer plattgewalzt. Es handelt sich dem Anschein nach um illegale Einwanderer aus Asien, die in Texas nahe der mexikanischen Grenze als Prostituierte arbeiteten. Bei der Suche nach dem Anrufer gerät Holland mit Isaac Clawson von der Einwanderungs- und Zollfahndungsbehörde ICE aneinander. Nach dem Mord an seiner Tochter ist er auf seinem eigenen Rachefeldzug. Bevor sie den einzigen Tatzeugen, Pete Flores, und dessen Freundin Vikki Gaddis ausfindig machen können, befinden sich diese bereits auf der Flucht vor den eigentlichen Drahtziehern, zu denen Jack Collins ― genannt Preacher― zählt, ein Psychopath, dem man besser nicht zu nahe kommt. (Klappentext) Mitreißend, spannend und absolutely hardboiled! Kürzer kann man "Regengötter" von Burke wohl kaum beschreiben. Wie bereits von einem Buch des Heyne Hardcore Verlags erwartet, besticht es nicht nur durch einen finsteren Kriminalfall, sondern auch durch derbe Sprache - direkt und ohne Umschweife. Die kurzen, aussagekräftigen Sätze sind sehr flüssig zu lesen und werden durch tolle Sprachbilder lebendig gestaltet. Burke zeigt sein schriftstellerisches Können vor allem in den großartigen Dialogen, die die Handlung stetig voran treiben. Sein amerikanischer Schreibstil erinnert stark an Hemingway und klingt, als wäre das Buch von einem abgebrühten Cowboy verfasst worden. Bloß nicht wegen dem Preis zögern es zu kaufen! Man bekommt hier unglaublich viel Buch für sein Geld ohne dass die Handlung vor sich hin kriecht. Mit 672 Seiten ist "Regengötter" natürlich kein Buch für unterwegs, aber eine Garantie für viele spannende Lesestunden!

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