Leserstimmen zu
Schweine

Carl-Johan Vallgren

Katz-Westin-Serie (2)

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Wow, was für ein Buch! Der Titel „Schweine“ fasst in einem Wort zusammen um was es hier geht: Nein, nicht um die Tierart, sondern um Menschen, die ohne Rücksicht auf Verluste agieren und einige dieser Personen tauchen hier im Geschehen auf, denen ich in Realität nie begegnen möchte… Ich hatte vor einiger Zeit den Debüt-Thriller „Schattenjunge“ von C. J. Vallgren mit Begeisterung gelesen. Dort hatte das „Dreiergespann“ ihren ersten Auftritt. Dabei handelt es sich um Danny Katz, den sprachbegabten Computerfachmann, seinen besten Freund Jorma Hedlung, der jetzt ans Aussteigen aus dem kriminellen Milieu denkt und Dannys Jugendliebe und jetzige Staatsanwältin Eva Westin. Achtung Spoiler Während Jorma sein „letztes“ Ding dreht, geht einiges schief, es fallen Schüsse und er befindet sich auf der Flucht und kann aber nur anfangs untertauchen….. Danny Katz ist auf dem Weg zu seinem alten Kumpel Ramon mit dem ihn eine kriminelle Vergangenheit verbindet und außerdem verdankt er ihm sein Leben als „Drogen“ noch bei ihm an der Tagesordnung waren. Und dieser Suchtdruck hat ihn plötzlich nach Jahren wieder im Griff und er will sich bei Ramon „eindecken“. Dort lernt er Ramons Freundin Jenny kennen, die wunderbar zeichnen kann, allerdings auch an der Nadel hängt… Und genau diesen alten Kumpel Ramon findet Katz einige Zeit später tot in der Wohnung und Jenny ist spurlos verschwunden... An eine Überdosis bei Ramon – wie von der Polizei vermutet – kann Katz nicht richtig glauben, ihn beschleicht das ungute Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt und er macht sich auf die Suche nach Jenny. Lange Zeit fischt er im Trüben und taucht ab ins Milieu, wo man für Geld alles Kaufen kann. Und genau dort findet er einen Hinweis auf Jenny... Spoiler Ende Obwohl der Autor kein Blatt vor den Mund nimmt und hier ganz krass, aber durchaus realistisch menschliche Abgründe dem Leser eiskalt präsentiert, hat das Buch etwas derart Fesselndes, dass man es nur ungern aus der Hand legt. Bei der bildhaften Sprache zuckt man schon dann und wann zusammen wenn man hier unverblümt vor Augen geführt bekommt, was es doch für brutale Machenschaften gibt um Süchte zu stillen, Abarten auszuleben bzw. über Leichen zu gehen um Macht auszuüben. Fazit: Knallharter lesenswerter Thriller!

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Dämonen

Von: wal.li

16.01.2017

Die Sucht, die er seit zehn Jahren in Schach hält, treibt Danny Katz zu seinem Kumpel Ramón. Nachdem er den Stoff der Erleichterung in Empfang genommen hat, gibt es einen kurzen Moment der Umkehr. Katz findet Ramón mit einer Nadel im Arm tot und Ramóns Freundin Jenny ist wie vom Erdboden verschluckt. Beinahe gleichzeitig geht ein vermeintlich leichter Überfall auf einen Geldtransporter fürchterlich schief. Drei Räuber werden gefasst, einer erschossen und nur einer kann fliehen. Jorma, der Katz aus der Zeit im Heim kennt, hegt den Verdacht, die Sache könne verraten worden sein. Und Eva Westin, die einzige der drei, die es irgendwie geschafft hat, bekommt es in ihrer Eigenschaft als Staatsanwältin mit einem Fall von Geldwäsche zu tun. Bei dem vorliegenden Band handelt es sich bereits um den zweiten Roman um Danny Katz und seine Freunde aus alten Tagen. Die Kenntnis des ersten Bandes ist zum Verständnis des vorliegenden Bandes nicht unbedingt notwendig. Allerdings macht der zweite Band auch neugierig auf den ersten. Was wird aus Jungendlichen, die einen nicht gerade herausragenden Start ins Leben hatten. Danny, Jorma und Eva haben jeder eine eigene Art entwickelt, mit ihrer Vergangenheit umzugehen. Beim ersten Hinsehen könnte man meinen, Eva als Staatsanwältin habe es geschafft in der Gesellschaft anzukommen. Doch ihr Streben nach Wahrheit und Aufklärung steht im Gegensatz zu ihren privaten Unzulänglichkeiten. Auch der sprachbegabte Danny scheint die Drogensucht in Schach halten zu können, doch er lebt sehr zurückgezogen und hadert mit dem Unwissen über die Vergangenheit seiner Eltern und Großeltern. Jorma dagegen, ist der Unterwelt nicht entkommen, und doch wirkt er emotional gesünder. Auf verschiedenen Wegen kommen diese drei geradezu unaussprechlichen Verbrechen auf die Spur. Verbrechen, die kaum zu ertragen sind. Mit harten, klaren und deutlichen Worten beschreibt des Autor seine Protagonisten. Und beinahe schon eiskalt schildert er die Verbrechen, denen seine Drei auf die Spur kommen. Obwohl die Handlung im September einsetzt überläuft einen beim Lesen mehr als ein Frösteln. Die Schlechtigkeit und Grausamkeit der Menschen scheint keine Grenzen zu kennen. Um Geld zu generieren ist wohl jedes Mittel recht und wenn etwas droht an die Öffentlichkeit zu kommen, wird aufgeräumt. Sehr ausgeklügelt beschreibt der Autor, wie seine Schnüffler sich dem Zentrum langsam nähern, wie zusammenhanglose Hinweise sich doch zu einem schlüssigen Ganzen fügen. Dieser Roman ist teilweise schwer zu ertragen, aber dennoch kaum aus der Hand zu legen. 4,5 Sterne

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In seinem neuen Thriller folgt der schwedische Autor einer alten skandinavischen Tradition – der des Blicks in die Abgründe des Wohlfahrtstaates. Was bereits prototypisch vom schwedischen Autorenduo Sjöwall & Wahlöö in den 70ern durchexerziert und fortan von Mankell bis Nesbø weiterverfolgt wurde, das tut nun auch Carl-Johan Vallgrén. Er wendet seinen Blick vom Vorzeigeschweden mit seiner idealisierten IKEA-Idylle ab und beleuchtet die Abgründen der Gesellschaft und die der menschlichen Natur. Der drogenabhängige Danny Katz durfte bereits einmal in Zusammenarbeit mit der Staatsanwältin Eva Westin ermitteln (siehe Schattenjunge) ehe er nun von Vallgren seinen zweiten Einsatz bewilligt bekam. Und dieser hat es wieder mehr als in sich, wenngleich Katz erst nach 60 Seiten ins Spiel kommt. Vorher wohnt man einem Raubüberfall bei, der mit tödlichen Konsequenzen scheitert. In den Überfall ist ein alter Bekannter von Katz verwickelt, der mitansehen muss, wie ein Kumpane kaltblütig von einem Polizisten hingerichtet wird. Währenddessen trifft Katz in Stockholm ebenfalls auf einen Freund aus alten Tagen, der den Drogen verfallen ist. Doch die Wiedersehensfreude währt nur kurz, am nächsten Tag ist Katz‘ Kumpel tot und seine Freundin verschwunden. Danny Katz misstraut der offiziellen Version der Überdosis und macht sich dran, die Wahrheit über seine Freunde herauszufinden. Doch die Wahrheiten, die Katz schließlich in Zusammenarbeit mit Eva Westin ans Tageslicht zerrt, sind alles andere als positiv. Die Suche führt zu düsteren Geheimnissen und Abgründen – und dann ist da noch der missglückte Raubüberfall, der mit all dem in Verbindung zu stehen scheint. Schweine führt seinen Titel konsequent im Inneren weiter. Die Welt, die Vallgren in seinem Buch schildert, ist mit dem Begriff düster nur unzureichend beschrieben. Der Blick in die Abgründe fällt bei diesem Autoren ganz besonders dunkel aus und erfordert vom Leser einen starken Magen. Missbrauch, Morde und Mysogynie sind nur drei der Themen, die Vallgren detailfreudig beleuchtet. Der groß gesetzte und von Susanne Dahmann übersetzte Band 2 der Katz-Westin-Saga ist komplex und schafft es, auf den knapp 400 Seiten einen Sog zu erzeugen. Wem Stieg Larssons Weltbild zu freundlich und wem Jo Nesbo Harry Hole zu soft war, der findet hier die extremere Variante.

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