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Yvonne Hofstetter

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Taschenbuch
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"Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen" (Buchuntertitel) Die Autorin schildert die "Geschichte" von BigData von Beginn an: dass BigData ursprünglich aus dem militärischen Bereich kommt und von dort den hoheitlichen Bereich verlassen hat, um dann in den privatwirtschaftlichen Bereich zu wechseln und den Bankensektor inklusive dem von intelligenten Algorithmen gesteuerten Börsenhandel zu "erobern". Ich finde es erstaunlich und für mich als Leser sehr erfreulich, mit welchem Erfahrungsschatz, enormen fachlichem Wissen und auch von was für Beispielen aus der Realität die Autorin zu berichten weiß; Beispielen, die an mir "Normalsterblichen" vorübergegangen sind, weil sie nicht über die Main-Stream-Nachrichten verbreitet wurden. Natürlich warnt sie, zu recht, für die Zukunft, dass Computer mit künstlicher Intelligenz und selbstlernenden Algorithmen kaufmännische und administrative Berufe der gebildeten Mittelschicht übernehmen und somit zerstören würden; und dass somit eine Verschiebung von Geldflüssen weg von der Arbeit der Menschen hin zum Kapital stattfinden werde. Auch erläutert sie anschaulich wie durch Überwachung das Solidarprinzip unserer Gesellschaft ausgehebelt werde: Wenn beispielsweise Versicherungen das Angebot unterbreiten würden, dass der Kunde für seine KFZ-Versicherung weniger bezahlen müsste, wenn er sich, sein Auto und seine Fahrweise überwachen liese (und bestimmt wären viele Personen dazu bereit - nach dem Motto: Wenn ich nichts zu verbergen habe, dann kann ich meine Daten ja auch hergeben), dass dieser vermeintliche Vorteil durch den günstigeren Versicherungstarif nur kurzfristig gedacht sei; denn dies würde daraus hinaus laufen, dass sich die Versicherer nur noch die "guten Kunden" aussuchen würden, um ihren eigenen Profit zu maximieren; aber die Zahl der Nicht-Versicherten würde steigen, entweder weil sie durch das Raster fallen würden oder die Überwachung ablehnen und ihre persönlichen Daten nicht preis geben wollen, was dann die Kosten zu Lasten der Allgemeinheit abwälzen würde. Als nachdenkenswert erachte ich auf jeden Fall ihren Ansatz, dass persönliche Daten eine gerechte Gegenleistung erhalten sollten - so wie menschliche Arbeit ja auch bezahlt werde - und nicht, dass dieser "Rohstoff der Zukunft" von der Privatwirtschaft durch erschlichene Einverständnisse einverleibt werde - denn statt Kontrolle herrsche derzeit Täuschung und Versprechen von Privatheit würden zwar gemacht, aber nicht eingehalten. Die Autorin hat sogar eine Vorlage für das "Grundrecht" ausgearbeitet, in der sie beschreibt, wie private Daten und der Mensch als Persönlichkeit geschützt und als wertvoll erachtet werden sollten. Ich finde, es wäre wichtig, wenn Politiker und andere Entscheidungsträger dieses Sachbuch lesen würden. Denn es sollte die Aufgabe des Staates sein, jetzt die Grundlagen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen festzulegen, so dass dieser aktuelle, rechtlich nicht geklärte, Zustand, des "Absaugens" privater Daten von Unternehmen incl. deren Gewinnmaximierungsbestreben zu regeln. Ein sprachlich und inhaltlich anspruchsvolles Buch. Ich denke, dass es von Vorteil ist, wenn der Leser eine gewisse Affinität zur Mathematik bzw. zu Algorithmen und zu Software-Architekturen mitbringt. Fazit: Ein sehr wichtiges Sachbuch, das mir als Leser so einige, bisher ungestellte, Fragen beantwortet hat und mir Einblick in die Welt hinter dem Bildschirm ermöglicht hat. 5 Sterne (von max. 5 Sternen)

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